Sie sind so ähnlich und doch so unterschiedlich. Mini Countryman und Suzuki S-Cross besetzen die Klasse der kleinen SUV, fühlen sich mit 4,30 Meter Länge in der Stadt zu Hause. Und bieten gegen Aufpreis Allrad, was in dieser Größenliga nicht selbstverständlich ist.

Vergleich Mini Countryman, Suzuki S-Cross

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Das war's dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Der Countryman lässt ganz den britischen Landlord raushängen – mit einer gesunden Portion Eitelkeit in Form von Union-Jack-Rückleuchten, Zierstreifen und schwarzen Akzenten überall. Den weniger extravaganten S-Cross haben die Japaner gerade so umfangreich renoviert, dass sie gleich von einer ganz neuen Generation sprechen. Den Namenszusatz SX4 haben sie offiziell gestrichen, seltsamerweise steht er am Heck aber noch dran. Wir betrachten das Ganze eher als umfangreiches Facelift.
Mini Cooper Countryman All4 Suzuki S-Cross 1.4 BoosterJet Allgrip
Unterschiedliche Optik: Während der S-Cross auf Showeffekte verzichtet, schmückt sich der Mini mit allerlei Zierat.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Der Mini zeigt mehr Eitelkeit

Im Innenraum hat Suzuki dem S-Cross im Grunde nur eine wesentliche Neuerung mitgegeben: ein neues Infotainment mit größerem und deutlich höher aufgelöstem Neun-Zoll-Touchscreen. Was, um ehrlich zu sein, auch bitter nötig war. Das System sitzt ein ganzes Stück höher in der Mittelkonsole als bisher, lenkt so weniger ab. Und lässt sich auch sonst recht flüssig bedienen. Bei der Sprachsteuerung braucht es massig Geduld, wenn's denn überhaupt noch was wird. Ansonsten bleibt alles typisch Suzuki hier drinnen. Genug Knöpfe und die klar ablesbaren Instrumente mögen wir, die vielen günstigen Details (zum Beispiel nur Fahrerfenster mit Auto-Funktion, Filz am Boden, viel Hartplastik) eher nicht. Das wird einem Testwagenpreis von immerhin 36.000 Euro kaum gerecht.
Mini Cooper Countryman All4
Schicker Arbeitsplatz: Im Mini fühlt sich alles wertig an. Die Bedienung ist mitunter ein wenig zu verspielt.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Im Countryman ist es innen hochwertiger

Der Mini kann Anmutung und Infotainment deutlich besser. Man scheint Wert darauf gelegt zu haben, dass alles satt klingt, sich wertig anfühlt – was durchaus geklappt hat. Die Bedienung ist nach wie vor originell, teilweise etwas zu verspielt. Das runde Zentralinstrument besitzt eine Art Discokugel-Modus, in dem seine Beleuchtung ständig die Farbe wechselt, was unheimlich ablenkt. Der Controller fürs Navi muss linksherum gedreht werden, um runterzuscrollen, was bei Technikspender BMW genau andersherum ist. Na gut, Kleinigkeiten.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Dreizylinder, Turbo
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid
Einbaulage
vorn quer
vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Kette
Hubraum
1499 cm³
1373 cm³
kW (PS) bei 1/min
100 (136)/4500
95 (129)/5500
Nm bei 1/min
220/1500
235/2000
Vmax
202 km/h
195 km/h
Getriebe
Achtstufenautomatik
Sechsstufenautomatik
Antrieb
Allradradantrieb
Allradradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
225/50 R 18 W
215/55 R 17 V
Reifentyp
Pirelli Cinturato P7
Continental Eco Contact 6
Radgröße
7,5 x 18"
6,5 x 17"
Abgas CO2*
163 g/km
139 g/km
Verbrauch*
7,1 l
6,1 l
Tankinhalt
51 l
47 l
Kraftstoffsorte
Super
Super
Ottopartikelfilter
Serie
Serie
Vorbeifahrgeräusch
69 dB(A)
67 dB(A)
Anhängelast gebremst/ungebremst
1500/750 kg
1500/600 kg
Stützlast
75 kg
75 kg
Kofferraumvolumen
450–1390 l
430–1230 l
Länge/Breite/Höhe
4297/1822–1990**/1557 mm
4300/1785/1580 mm
Grundpreis
39.200 Euro
34.540 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
41.500 Euro
36.040 Euro

Die Sprachsteuerung funktioniert dafür vorbildlich, erkennt selbst Sonderziele meist auf Anhieb. Und namensuntypisch bietet der Mini viel Platz: Großzügig geht es vorne zu, hinten gibt es mehr Platz für Kopf und Beine als im Suzuki. Und auch beim Kofferraum führt der Countryman mit 450 zu 430 Litern beziehungsweise 1390 zu 1230 Litern bei umgeklappter Lehne. Der S-Cross kommt im getesteten Comfort+- Trimm serienmäßig mit Panoramadach, das zwar viel Licht bringt, aber die hinteren Passagiere einengt, die schon ab 1,80 Meter oben anstoßen. Wer das Dach abbestellen möchte, muss auf Comfort-Level downgraden und auch auf die Automatik verzichten.
Suzuki S-Cross 1.4 BoosterJet Allgrip
Der 1,4-Liter-Benziner und die Automatik harmonieren gut im S-Cross. Zudem ist der Suzuki sparsamer und sprintet schneller als der Mini.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Das Antriebsduo im S-Cross überzeugt

Ohne Automatik im Suzuki? Wäre schade, weil der neue 1,4-Liter-Turbo und der Sechsstufenwandler ein richtig gutes Duo ergeben. Der Motor wirkt mit seinen 129 PS spritzig, seine Mildhybrid-Unterstützung boostet immer wie-der merklich mit. So sprintet der Suzuki in 9,9 Sekunden auf Tempo 100. Das Getriebe agiert besonnen, was gut zum weichen, etwas schaukeligen Fahrwerk des S-Cross passt. Seine Eco-Bereifung sorgt mit für den moderaten Verbrauch von 6,3 Litern auf 100 Kilometer, verantwortet in Teilen aber auch den mit rund 39 Metern viel zu langen Bremsweg.

Der Countryman ist durstiger

Auch der Dreizylinder des Mini gibt sich mit 136 PS und 220 Newtonmetern durchaus kraftvoll, gerade im Teillastbereich wirkt der Antrieb souverän. Die wache, achtstufige Automatik schaltet meist früh hoch. Aber bei Vollgas würde man mehr erwarten – was kein Wunder ist, der Mini fährt mit 1,6 Tonnen fast 300 Kilo Mehrgewicht gegenüber dem Suzi herum. So vergehen gut elf Sekunden bis zum Landstraßentempo, und auch der Durst an der Zapfsäule spiegelt mit 7,4 Litern die Extrapfunde wieder.

Beim Fahrwerk ist der Mini straff

Mini Cooper Countryman All4
Nicht jedermanns Sache: Das Fahrwerk des Mini ist straff geraten, macht dafür in Kurven aber auch richtig Laune.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD

Die sportlich straffe Federung mag gemütlichen Naturen etwas zu viel des Guten sein, auf kurvigen Straßen macht der Brite aber Laune, neigt sich kaum. Ein gutes Gefühl vermittelt die direkte Lenkung, die im Alltag aber etwas weniger schwergängig sein dürfte. Beide treten ja mit Allrad an – automatisch zuschaltend wohlgemerkt. Während beim Suzuki ein Drehknopf die Kraftverteilung beeinflusst (inklusive Lock-Modus mit starrer 50:50-Verteilung), lassen sich im Mini lediglich allgemeine Fahrmodi anwählen. Traktionsprobleme konnten wir im Trockenen bei keinem Kandidaten feststellen.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,5 s
3,3 s
0–100 km/h
11,1 s
9,9 s
0–130 km/h
19,0 s
16,5 s
0–160 km/h
32,7 s
28,6 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
6,5 s
5,5 s
80–120 km/h
8,5 s
7,3 s
Leergewicht/Zuladung
1601/474 kg
1327/453 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten
57/43 %
61/39 %
Wendekreis links/rechts
11,4/11,5 m
11,6/11,6 m
Sitzhöhe
610 mm
645 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,3 m
38,8 m
aus 100 km/h warm
36,4 m
39,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
59 dB(A)
59 dB(A)
bei 100 km/h
65 dB(A)
67 dB(A)
bei 130 km/h/160 km/h
69/73 dB(A)
71/75 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
6,3 l S/100 km
5,5 l S/100 km
Testverbrauch
Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe)
7,4 l S/100 km
(+4 %)
6,3 l S/100 km
(+3 %)
Sportverbrauch
8,8 l S/100 km
8,3 l S/100 km
CO2 (Testverbrauch)
174 g/km
148 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
685 km
745 km

In puncto Assistenten sind beide nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Im Suzuki stört der Spurhaltewarner, der teilweise noch meckert, wenn man schon längst wieder brav eingeschert ist. Der adaptive Tempomat des Mini funktioniert nicht radar-, sondern kamerabasiert, bei Tempo 140 steigt er aus. Weitere Details zum Test finden Sie in der Bildergalerie.

Bildergalerie

Mini Cooper Countryman All4 Suzuki S-Cross 1.4 BoosterJet Allgrip
Mini Cooper Countryman All4
Suzuki S-Cross 1.4 BoosterJet Allgrip
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Mini Countryman vs. Suzuki S-Cross

Fazit

von

AUTO BILD
Der S-Cross ist mit seinem Mildhybrid-Benziner voll auf der Höhe der Zeit. Insgesamt fehlt es aber an Platz und Agilität, um am Countryman vorbeizufahren. Der ist zwar teurer, wirkt aber auch durchweg moderner und hochwertiger. Auf ihre Art authentisch sind beide.