Die richtige Motorradkleidung

Motorradkleidung: Handschuhe, Stiefel, Jacke

Die richtige Motorradkleidung

Wer Motorrad fahren will, braucht nicht nur ein ordentliches Bike, sondern auch die passende Kleidung. Doch was gehört alles zur Ausrüstung? Und was davon ist in Deutschland Pflicht? AUTO BILD schafft Klarheit.
Motorradhelm, Hose, Jacke, Stiefel und Motorradhandschuhe – alle Ausrüstungsteile haben eine wichtige Funktion: den Fahrer bei Stürzen zu schützen. Doch die Auswahl ist groß. AUTO BILD sagt, worauf Sie beim Kauf von Motorradkleidung achten sollten und was Sie in Deutschland laut Gesetz tragen müssen.

Motorradkleidung: Das sagt das Gesetz

In Deutschland ist es Pflicht einen "geeigneten" Motorradhelm zu tragen.

©Picture Alliance

Paragraf 21 a Abs. 2 der Straßenverkehrsordnung schreibt vor, dass Fahrer und Mitfahrer (Sozius) einen geeigneten Schutzhelm tragen müssen. Als geeignet gilt jeder Helm, der die ECE-22-Norm trägt und somit ausreichend geprüft wurde. Jeder Motorradfahrer sollte trotzdem noch über zusätzliche Ausrüstung nachdenken, denn wer bei einem Unfall mit einem anderen Verkehrsteilnehmer keine weitere Schutzkleidung getragen hat, kann eine Mitschuld an der eigenen Verletzung oder die des anderen Verkehrsteilnehmers zugesprochen bekommen. Dadurch könnte der Anspruch auf Schadensersatz sinken.
Andere Regeln gelten seit 2014 für die Fahrausbildung und die praktische Führerscheinprüfung. Hier ist es Vorschrift, immer eine ausreichende Schutzkleidung zu tragen. Ein geeigneter Motorradhelm, der im geschlossenen Zustand den ganzen Kopf schützt und ein geschlossenes Visier hat, ist Pflicht. Ebenfalls eine Jacke mit Schulter-, Ellenbogen- und Rückenprotektoren sowie eine Hose mit Knieprotektoren. Handschuhe mit Handknochenprotektoren und Motorradstiefel mit Verstärkung und Knöchelprotektoren gehören ebenfalls dazu. Wer keine komplette Schutzkleidung trägt, darf sich nicht aufs Motorrad setzen. Bei der Führerscheinprüfung wirft der Prüfer noch einmal einen genauen Blick auf die Ausrüstung. In den meisten Fahrschulen besteht die Möglichkeit, sich die Kleidung auszuleihen. Oftmals ist dies kostenlos.
Bußgeldkatalog: Diese Strafen drohen
Wer als Fahrer oder Mitfahrer im Straßenverkehr unterwegs ist und keinen geeigneten Helm trägt, muss mit einem Verwarnungsgeld rechnen. Dieses liegt bei 15 Euro. Deutlich teurer wird es, wenn der Motorradfahrer ein Kind ohne geeigneten Helm auf seinem Bike transportiert. Dann drohen 60 Euro Bußgeld sowie ein Punkt in Flensburg. Sind es gleich mehrere Kinder, werden 70 Euro Bußgeld kassiert, und es gibt ebenfalls einen Punkt.

Motorradhelm

Laut Gesetzgeber ist es seit 1976 Pflicht, einen Motorradhelm zu tragen. Und seit 2006 muss es sogar ein "geeigneter Schutzhelm" sein. Das heißt: Helme müssen ein Prüfzeichen, ein ECE-Zertifikat, haben. Das gibt es nur, wenn Stoßdämpfung, Formstabilität, Reißfestigkeit des Riemens und der feste Sitz am Kopf bei einem Test bewährt haben. Wer sich einen Motorradhelm kaufen möchte, hat die Qual der Wahl. Es gibt verschiedene Bauformen. Die gängigste Variante ist der Integralhelm. Er umschließt das gesamte Gesicht. Eine ausführliche Kaufberatung zum Thema Motorradhelm finden Sie hier.
Tipps zum Motorradhelm-Kauf:
1. Die richtige Größe ist wichtig. Der Helm darf zwar eng anliegen, sollte aber trotzdem nicht drücken.
2. Der Helm darf sich auf gar keinen Fall nach vorne vom Kopf ziehen lassen.
3. Ist das Visier geschlossen, so muss trotzdem ausreichend Luft in den Helm strömen.
4. Wer eine Brille trägt, sollte sie bei der Helm-Probe unbedingt mit dabeihaben.
5. Das Visier sollte sich problemlos mit einer Hand samt Handschuh bedienen lassen.

Motorradhandschuhe

Unabhängig von der Art und für welchen Zweck Motorradhandschuhe genutzt werden, sie sollten gut passen. Das heißt: nicht rutschen, abriebfest sein und idealerweise bei Wind und Regen das Auskühlen verhindern.
Tipps für den Kauf:

Motorradhandschuhe sollten abriebfest sein und bei Wind und Regen das Auskühlen verhindern.

©Isabella Sauer

1. Gasgriff, Brems- und Kupplungshebel sowie Schalter und Knöpfe sollten sich schnell und sicher betätigen lassen.
2. Motorradhandschuhe dürfen die Finger nicht abschnüren, denn das kann bei längeren Fahrten zu einem Taubheitsgefühl führen.
3. Ist es draußen kalt, sollten die Handschuhe ausreichend gefüttert sein. Ansonsten werden Hände und Finger steif, die Griffsicherheit sinkt.
4. Gute Handschuhe haben eine Abstreifsicherung, also einen Handgelenks-Riegel. Beispielsweise in Form eines Klettbandverschlusses.
5. Um in der Dunkelheit besser gesehen zu werden, sollte man Motorradhandschuhe mit Reflektoren tragen.
6. Achtung: Lederhandschuhe dehnen sich bei Gebrauch erst noch aus. Also nicht zu groß kaufen.
Tipp: Kaufen Sie sich zwei verschiedene Paare, die je nach Außentemperatur und Art der Tour zum Einsatz kommen.
Auswahl an Motorradhandschuhen:

Auswahl an Motorradhandschuhen

Sommerhandschuhe

Sommerhandschuhe sind dünn gefüttert, haben meist eine Stulpe und verfügen über keine Klimamembran. Trotzdem bieten sie ausreichend Schutz. Die meisten Sommerhandschuhe haben Protektoren an Knöchel, Mittelhand und Finger. Ebenfalls Standard ist eine Materialdoppelung an der Handkante.

Winterhandschuhe

Winterhandschuhe bestehen aus besonderen Kälteschutz-Materialien. Zum Beispiel Thinsulate, ein wärmedämmender Vliesstoff aus Chemiefasern. Manche Winterhandschuhe haben sogar ein Heizelement für die Oberhand und die Fingerkuppen integriert. Der Akku dafür sitzt in einer kleinen Kletttasche an der Stulpe. Die eingestellte Temperatur wird per Thermostat gehalten.

Touren-Handschuhe

Touren-Handschuhe zeichnen sich dadurch aus, dass sie wasserdicht sind. Viele sind auch atmungsaktiv.

Übergangshandschuhe

Übergangshandschuhe sind meist ein Mix aus Textil und Leder. Sie sind stark gefüttert und gepolstert. So können die Motorradhandschuhe besonders gut Wärme speichern.

Offroad-Handschuhe

Offroad-Handschuhe haben eine besonders atmungsaktive Membran, um den Schweiß besser nach draußen zu transportieren. Mit diesen Handschuhen hat man ein angenehmes Trockengefühl an den Händen, trotz Anstrengung.

Chopper-Handschuhe

Bei Chopper-Handschuhen zählt mehr die Optik als die Sicherheit. Viele von ihnen sind aus Leder. Im Sommer tragen die Biker oftmals Fingerhandschuhe. Es gibt auch Chopper-Handschuhe mit Fransen.

Racing-Handschuhe

Racing-Handschuhe sind mit am sichersten, aber dafür auch teuerer. Eine weitere Eigenschaft: Sie sind kaum gefüttert. Dafür haben sie aber Protektoren und Außenpolster aus Carbon.

Motorradstiefel & -schuhe

• Motorradstiefel: Die unteren Gliedmaßen werden bei Motorradunfällen mit am häufigsten verletzt. Deswegen müssen Zehen, Füße, Sprunggelenke und Schienbeine besonders geschützt werden. Lederstiefel sollten mindestens zwei Millimeter dick, abriebfest und schwer entflammbar sein. Außerdem sollten Motorradstiefel die Knöchel bedecken, eine Verstärkung im Zehenbereich, am Knöchel und der Ferse haben. Optional sind eine Schalthebel-Verstärkung und ein Schienbeinschutz. Die Sohle sollte stabil und rutschfest sein. Ein Absatz ist sinnvoll, damit man einen festen Halt auf den Rasten hat.
• Racingstiefel: Für sportliche Fahrer gibt es spezielle Motorradstiefel. Sie sind meistens aus glattem und reißfesten Känguru-Leder. Größter Unterschied zu den klassischen Stiefeln: Es gibt einen Innenschuh aus hartem Kunststoff-Verbundmaterial. Viele von ihnen haben auch noch weitere Dämpfungs- und Komfortelemente sowie einen mehrlagigen Schienbeinschutz, eine belastbare Scharnier-Gelenk-Verbindung, stoßabsorbierende Einbauten im Waden- und Fersenbereich und eine schweißabsorbierende Fütterung aus Feinleder. Auch nicht fehlen darf eine rutschfeste Spezial-Racingsohle unter dem Stiefel.
• Motorradschuhe: Wer im Frühling oder Sommer nicht so gern mit dicken Stiefeln herumfahren und -laufen möchte, kann sich für Motorradschuhe entscheiden. Die sind deutlich leichter und atmungsaktiver als Motorradstiefel. So können auf einer Tour auch größere Strecken zu Fuß zurückgelegt werden. Viele Motorradschuhe reichen trotz der größeren Bewegungsfreiheit bis über den Knöchel und stabilisieren Fuß, Zehen und Sprunggelenk.
Tipps für den Kauf:

1. Motorradstiefel sollten eng anliegen und somit fest sitzen. Eine Einschränkung in der Bewegungsfreiheit darf es aber nicht geben.
2. Wichtig: Die Hosenbeine der Lederkombi sollten entweder in den Stiefelschaft passen oder über den Stiefelschaft reichen. Es darf keine freie Haut zu sehen sein.
3. Bei der Anprobe sollten Sie sich Zeit lassen. Laufen Sie mit den Schuhen mehrfach durchs Geschäft.

Motorradjacke und Motorradhose

Einteiler oder Zweiteiler?
Es gibt Einteiler und Zweiteiler. Der Einteiler ist wie eine Art "Ganzkörperanzug". Der Zweiteiler hat eine separate Jacke und Hose, die sich aber mit einem Reißverschluss ganz leicht verbinden lassen. Er ist oftmals praktischer als ein Einteiler und eignet sich gut für Fahrer, die nicht nur mit dem Motorrad herumfahren, sondern auch mal absteigen und ein wenig zu Fuß gehen wollen. Beim gemütlichen Essen im Biergarten ist es schließlich bequemer mit einem T-Shirt dort zu sitzen anstatt mit einem kompletten Anzug. Sportliche Fahrer sollten hingegen eher einen Einteiler tragen. Warum? Perfekte Passform und hohe Windschnittigkeit. Egal, wofür man sich entscheidet, wichtig ist, dass Protektoren vorhanden sind. Entweder fest integrierte oder Protektoren-Taschen an Ellenbogen, Knie und Rücken.
Leder oder Textil?
Beides hat Vor- und Nachteile: Leder ist abriebfester, passt sich dem Träger gut an und Dreck lässt sich leichter entfernen. Allerdings ist Leder vergleichsweise schwer. Ebenfalls schützt es kaum vor Kälte oder Regen und ist nicht besonders atmungsaktiv. Textil wiegt weniger und ist atmungsaktiver. Meistens sind Textiljacken- und hosen auch regentauglich und sogar größenverstellbar. Dafür flattert der Stoff eher im Fahrtwind und ist nicht besonders abriebfest. Für beide Materialarten gilt: An den relevanten Stellen wie Knie und Ellenbogen sollte es Sicherheitsnähte geben. Ebenso sollten Reißverschlüsse verdeckt sein, damit sie nicht einfach aufreißen. Letztlich ist es aber eine Geschmacksfrage, ob man Textil- oder Lederkleidung kauft. Das persönliche Gefühl beim Tragen von Jacke und Hose spielt eine wichtige Rolle beim Kauf.
Tipp: Tragen Sie auch einen Nierenschutzgurt. Denn der schützt nicht nur vor Fahrtwind und Kälte, sondern stützt auch den Körper. Daneben sorgt der Gurt auch für die richtige Spannung im Bauchraum: Bei einem Sturz wird die Krafteinwirkung leichter abgefangen und das Verletzungsrisiko sinkt.
Tipps beim Jacken- und Hosenkauf:
1. Wenn Sie eine passende Jacke und Hose gefunden haben, unbedingt noch einmal rauf aufs Bike und den Sitz überprüfen. Falls Sie kein eigenes Bike mit dabeihaben, fragen Sie den Verkäufer. Viele Geschäfte haben auch ein Motorrad da.
2. Leder weitet sich erst nach einiger Zeit aus: Lieber etwas zu eng als zu weit kaufen.
3. Sitz der Protektoren überprüfen: Bedecken die Knieprotektoren ausreichend die Knie?

Die richtige Motorradkleidung

Autor: Isabella Sauer

Stichworte:

Motorrad

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