Seit April 2026 gilt die Zwölf-Uhr-Regel beim Tanken – nun fordert der ADAC, sie wieder abzuschaffen. Der Grund: Durch die Maßnahme würden die Spritpreise "keinesfalls gesenkt". Zwar sei die Zahl der täglichen Preisschübe durch die Regel reduziert worden, teilte der Automobilclub mit. Allerdings habe sich die Preisdifferenz innerhalb eines Tages durch die Zwölf-Uhr-Regel deutlich ausgeweitet. In der Konsequenz trügen diejenigen, die nach zwölf Uhr mittags tanken müssen, "erhebliche Zusatzkosten, die sich in keiner Weise rechtfertigen lassen".
Der Automobilclub weiß eine Mehrheit der Autofahrenden hinter sich: Laut einer ADAC-Befragung würden 77 Prozent keinen preissenkenden Effekt der Regel erkennen können. Daher habe die Zwölf-Uhr-Regel "ihr Ziel aus Verbrauchersicht nicht erreicht", sagte ADAC-Verkehrspräsident Peter König.

Spritpreis Tagespreisentwicklung

In Kooperation mit
Benzinpreis E10
±00
Dieselpreis
05

Durchschnittspreise in den 100 größten Städten Deutschlands. Diese Daten sind ohne Gewähr.

AKTUELLE PREISE
Seit Einführung der Zwölf-Uhr-Regel dürfen Tankstellen die Spritpreise nur noch einmal am Tag um 12 Uhr anheben. Eine Preissenkung ist jederzeit erlaubt. Das Ziel der Regel ist, häufige kurzfristige Preissprünge im Tagesverlauf zu verhindern und Verbrauchern mehr Transparenz und Berechenbarkeit beim Tanken zu verschaffen.
Schon in den ersten Wochen nach Einführung der Zwölf-Uhr-Regel hatten die Mineralölkonzerne mit Benzin einen höheren Profit erzielt. Schon da war der Eindruck entstanden, die 12-Uhr-Regel habe ihr Ziel verfehlt, die Spritpreise zu deckeln (hier ein Kommentar dazu).

Preisunterschiede im Tagesverlauf größer denn je

Schon im Mai zeigte eine Auswertung des ADAC: Nie zuvor waren die Preisunterschiede im Tagesverlauf größer. Die Preisdifferenz zwischen dem Höchststand und dem Tiefststand eines durchschnittlichen Tages lag bei 14,6 Cent je Liter bei Super E10 und 18,4 Cent je Liter bei Diesel. Die bisherigen Rekord-Preisunterschiede lagen für Super E10 bei 12,5 Cent (Mai 2025), für Diesel bei 16,7 Cent (Mai 2022). Das zeigt: Nie zuvor war es wichtiger, den richtigen Zeitpunkt zum Tanken abzupassen.
Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer des Spritpreisportals Clever Tanken, spricht sich gegenüber AUTO BILD (Clever Tanken ist AUTO BILD-Partner) ebenfalls für ein Abschaffen der Regel aus: :"Es fehlen jetzt die für die Verbraucher tiefen Preispunkte." Sein Fazit: "Die 12-Uhr-Regel sollte lieber heute als morgen wieder abgeschafft werden, da bin ich ganz beim ADAC."

Wann soll ich am besten tanken?

Der allgemeine Tipp von Steffen Bock: "Am besten man tankt am Vormittag, theoretisch kurz vor 12 Uhr." Aber genau dieser Zeitpunkt eignet sich nicht und spricht daher ebenfalls gegen die 12-Uhr-Regel: "Am Vormittag bilden sich regelmäßig kurz vor 12 Uhr Schlangen vor den Tankstellen. Wer tagsüber einer geregelten Arbeit nachgeht, hat keine Chance, das günstigste Preisfenster zu erwischen."
Steffen Bock
Steffen Bock ist als Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken (Partner von AUTO BILD) in allen Fragen rund um den Spritpreis ein kompetenter Ansprechpartner.
Bild: Clever Tanken
Bock rät zur aufmerksamen Preisbeobachtung: "Der Tipp, vor 12 Uhr zu tanken, gilt immer im ansteigenden Markt, also wenn Sprit jeden Tag teurer wird. Wenn Kraftstoffe aber billiger werden, wie in der letzten Woche, dann kann Benzin morgen Nachmittag billiger sein als heute Vormittag." Seine Empfehlung: den Markt beobachten!
Das Problem: "Das grundsätzliche Preisniveau wird durch weltpolitische Faktoren vorgegeben – also durch den Dollarkurs, den Ölpreis, die Preise für zugekaufte Produkte, Termingeschäfte etc. Die 12-Uhr-Regel hat lediglich Einfluss darauf, wie stark die Tankstellenpreise um diesen Trend herum schwanken." Bocks Einschätzung: "Es ist davon auszugehen, dass die Preisbildung eher am oberen Ende des möglichen Spektrums angesiedelt ist und dass der Markt zwar ruhiger erscheint, die Verbraucherinnen und Verbraucher aber unter dem Strich mehr bezahlen." Mittlerweile falle immerhin die Schwankungsbreite der Spritpreise geringer aus, erläutert Steffen Bock.
Bei einigen JET-Tankstellen wird der Ladestrompreis an der Preistafel angezeigt
Der Dieselpreis ist wieder unter die bisherigen Rekordstände gefallen. Mittlerweile zeigen einige JET-Tankstellen – wie diese in Hamburg-Hammerbrook – auch den Preis für Ladestrom auf der Preistafel an.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD

Was besagt das "Rakete-Feder-Prinzip"?

Zur Preisbildung gehört auch, dass Preissteigerungen am Ölmarkt meist sofort wirksam werden, mögliche Preissenkungen aber nur allmählich: "Wir sprechen vom Rakete-Feder-Prinzip", erklärt Steffen Bock. Anstiege sind schnell und steil, Preissenkungen langsam und gemächlich. Eine Prognose, ob sich der aktuell gesunkene Ölpreis in niedrigeren Tankstellenpreisen niederschlägt, wagt er nicht. Seine Einschätzung: "Wir werden vorerst mit dem Risikoaufschlag leben müssen."
Die Spritpreise haben sich von den jüngsten Preishochs entfernt
Seit dem 1. April 2026 gilt die Zölf-Uhr-Tankregel: Spritpreise dürfen nur noch einmal täglich steigen – um 12 Uhr.
Bild: picture alliance

Was beeinflusst den Spritpreis noch?

Der Ölpreis ist auch politisch geprägt, der nicht endende Krieg am Golf treibt ihn zusätzlich. Neben dem Nachschub an Rohöl sind auch die Raffineriekapazitäten und die Nachfrage nach Kraftstoffen preisbildend. Aktuell liegt Diesel über dem Niveau vor dem Irankrieg.

Was Autofahrer beachten sollten

Der ADAC empfiehlt:
  • Idealerweise kurz vor 12 Uhr tanken
  • Möglichst nicht direkt nach 12 Uhr tanken
  • Alternativ Preise am Nachmittag beobachten
  • Preis-Apps wie Clever Tanken (Partner von AUTO BILD) konsequent nutzen

Kommentar

Die 12-Uhr-Regel hat ihr Ziel verfehlt. Unterm Strich hat sich die Lage für Autofahrer kaum verbessert, dagegen aber die der Mineralölkonzerne. Der Argumentation des ADAC kann man folgen – auch wenn sich die Regierung beim Abschaffen der Regel Sprunghaftigkeit vorwerfen lassen müsste. Aber: Fehler zu korrigieren, das kann nicht falsch sein.