Neuer Opel Mokka GSE: Fahrbericht
281 PS machen diesen Mokka zum schnellsten Serien-Opel
Der Opel Mokka wird zum ersten vollelektrischen GSE – und mit reichlich Vitamin E zum ultimativen Wachmacher. Erste Fahrt im neuen Power-SUV!
Bild: Axel Wierdemann
Bislang war der Opel Mokka so etwas wie die Matcha-Latte unter den kleinen SUV für die große Stadt – stylisch und hip, aber irgendwie ein bisschen fad. Erst recht als Elektroauto. Denn mit 156 PS und 150 km/h schmeckt der Mokka arg nach kaltem Kaffee.
Neuer Opel Mokka GSE mit 281 PS und Tempo 200
Deshalb steckt im Bug jetzt ein Magnetläufer mit 281 PS und 345 statt 260 Nm, wie er auch bald im Peugeot 208 GTI zum Einsatz kommt. Und der kribbelt schon ein bisschen mehr. Erst recht, weil der Mokka GSE nicht nur auf dem Papier punktet, immerhin 200 km/h schafft und mit 5,9 Sekunden der bislang beste Sprinter in den Opel-Annalen ist. Selbst der selige Astra OPC kommt da nicht mehr mit.
Und der Mokka GSE hat auch auf der Piste was drauf. Nicht umsonst haben die Hessen die Technik erst mal im Rallye-Einsatz erprobt. Der GSE hat deshalb verstärkte Achsen, bissigere Bremsen und eine direktere Lenkung sowie neue Hydro-Dämpfer. Und vor allem hat er ein Sperrdifferenzial mit limitiertem Schlupf an der Vorderachse und eine neue Abstimmung fürs ESP, die ihn zur heißen Asphaltfräse machen.

Mehr Power, mehr Präzision: Der Mokka GSE zeigt auf der Rennstrecke, dass Elektro-SUV nicht nur effizient, sondern auch aufregend sein können.
Bild: Stellantis
Klar, er bleibt auch mit etwas weniger Bodenfreiheit ein SUV. Und sein dezentes Übergewicht kann man bei 1,6 Tonnen auch nicht wegdiskutieren. Aber mit der Batterie im Boden und deshalb dem Schwerpunkt tief am Asphalt tut das gleich nicht mehr ganz so weh. Im Gegenteil: Gierig hängt der Mokka am – nun ja – Gas, und hungrig frisst er sich in jede Kurve. Und wer das Spiel nach ein paar Radien raus hat, dem verdirbt auch die Elektronik nicht den Spaß.
So agil, sauber und präzise abgestimmt wie in dieser Klasse allenfalls noch der Mini, zieht der Fronttriebler ohne Scharren und Schlittern unbeirrt seine Bahn – ohne dass ihm das ESP ständig die Kraft rauben würde. So fährt er Kreise um Corsa & Co., treibt den Puls des Fahrers und dessen Adrenalinproduktion in die Höhe und lässt den Rest der Opel-Flotte ganz schön koffeinfrei schmecken.
Für sportliche Fahrer erste Wahl
Für sportliche Fahrer ist der Mokka GSE deshalb tatsächlich erste Wahl. Selbst wenn der 54-kWh-große Akku nur für 337 Normkilometer reicht und einen danach bei maximal 100 kW Ladeleistung zu einer quälend langen Verschnaufpause zwingt.
Für Selbstdarsteller taugt er dagegen relativ wenig. Denn die Zeiten, als sich Opel-Sportler noch mit Schwellern und Spoilern geschmückt haben, sind leider vorbei. Vom Manta-Fuchsschwanz ganz zu schweigen. Und selbst die gelben Bremssättel und die glanzschwarz lackierten Anbauteile machen aus dem braven City-SUV keinen Blickfang. Erst recht nicht, wenn er so mausgrau lackiert ist wie die Autos für die Jungfernfahrt.

Abgeflachtes Lenkrad, farbige Nähte und neue GSE-Grafiken bringen etwas Dynamik ins Cockpit des Opel Mokka.
Bild: Stellantis
Auch innen halten sich die Änderungen in Grenzen. Ja, es gibt ein griffigeres Lenkrad, das oben und unten abgeflacht wurde, ein paar farbige Nähte und natürlich neue Grafiken mit simulierten Zusatzinstrumenten auf dem Mitteldisplay. Aber so richtig einfallsreich waren die Damen und Herren Designer da nicht. Oder die Controller waren mal wieder zu knausrig. Dabei sollten sie doch angesichts der stolzen Preise durchaus ein bisschen Luft für ein klein wenig Lust und Leidenschaft haben.
Mokka GSE auf der Rennstrecke
Auf der Rennstrecke zeigt der Mokka GSE, dass hinter der sportlichen Hülle echte Substanz steckt: Die präzise Lenkung packt sofort zu, die um 189 Prozent steifere Hinterachse hält das Heck stabil – und mit 281 PS sprintet der Elektro-Mokka in 5,9 Sekunden auf 100 km/h (Schluss bei 200 km/h).
Mechanisches Torsen-Sperrdifferenzial und Rallye-Gene aus dem eRally5-Programm bringen die 345 Nm sauber auf die Straße, doppelte Hydro-Stoßdämpfer bügeln Schläge weg und sorgen gleichzeitig für maximale Präzision in schnellen Kurven. Das Ergebnis: Der 1,6-Tonner fühlt sich leichtfüßig an, bleibt neutral, spurtreu – und macht einfach Spaß, weil er sich wie ein echter Fahrerliebling bewegen lässt.
Das alles hat seinen Preis
Aber so belebend der Mokka GSE auch wirken mag, so sehr er die Sinne weckt und den Kreislauf in Schwung bringt wie ein Kaffee mit Schuss, hat die Sache einen Haken: Für ihre rasante Röstung verlangen die Hessen über 10.000 Euro Aufpreis und mit 47.300 Euro ist der Mokka GSE alles andere als ein Schnäppchen. Da ist er der Matcha-Latte im Hipster-Café dann doch näher als dem kleinen Schwarzen am Straßenrand.
Fazit
Wer sagt denn, dass Elektroautos keine Emotionen haben? Mit dem Mokka GSe hat Opel das alte Sportabzeichen wirkungsvoll wiederbelebt und es geschafft, einen Stromer zur Spaßgranate zu machen. Wenn nur der Preis nicht wäre. Denn selbst wenn man die Ausstattung mit reinrechnet, bleiben gute zehn Prozent Unterschied.
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