Bloß keine Experimente – mit weltweit 15 Millionen verkauften Exemplaren in gut 30 Jahren und allein 2,5 Millionen davon in Europa ist der Toyota RAV4 der stille Star unter den SUV und weltweit viel erfolgreicher als Tiguan & Co.
Da tut sich ein Hersteller naturgemäß schwer mit Veränderungen. Einerseits brauchen auch Dauerbrenner ein bisschen frische Würze. Doch darf diese das Rezept nicht überlagern, wenn der Erfolg nicht gefährdet werden soll. Entsprechend behutsam hat sich Toyota an die Erneuerung seines stillen Stars gemacht.

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Die sechste Generation kochen die Japaner deshalb wieder mit den gleichen Zutaten: Sie nutzen die bekannte Plattform, ändern nichts an den Abmessungen und setzen vor allem – man wird schließlich nicht einfach so Hybrid-Weltmeister – auf die vereinte Kraft aus Benzintank und Batterie.

Mehr Abenteuer, weniger Kombi

Und trotzdem haben sie den RAV4 ganz neu abgeschmeckt. Das beginnt beim Design, das jetzt fast ein bisschen nach Land Cruiser und damit nach Freiheit und Abenteuer duftet und sich nicht mehr mit dem Look eines Kombis auf Stelzen zufriedengibt. Außen gibt es deshalb ein neues Gesicht mit Wabengrill und scharfen Scheinwerfern sowie stark betonte Kotflügel. Drinnen fallen die kantige Lenkradnabe und die beiden zentralen Schächte auf dem Mitteltunnel auf – grob wie Legosteine. Und zwar die großen von Duplo.
Im Cockpit halten größere Displays und die neue Software-Plattform „Arene“ Einzug, die deutlich mehr Funktionen und Updates ermöglicht.
Bild: Toyota
Und das gipfelt in einer neuen digitalen Architektur, die den RAV4 fit macht für den Flirt mit der Generation Smartphone. Sie kommen zwar auch in Toyota City nicht aus ihrer Haut und kontern den digitalen Overkill der Konkurrenz weiterhin mit einer kühlen Kunststofflandschaft in ihren "Fifty Shades of Grey". Aber das, was im digitalen Cockpit und auf dem zumindest etwas schlankeren 12,9-Zoll-Screen daneben passiert, kann sich jetzt sehen lassen.
Arene heißt die neue Software, die viermal schneller rechnet als bisher, achtmal mehr Speicherplatz bietet, mehr Apps erlaubt und deutlich mehr individuelle Anpassungen ermöglicht, sodass Google Maps oder Waze jetzt sogar ins Cockpit wandern. Und vor allem ist sie dank Over-the-Air-Updates endlich offen für Neues, wird nicht mehr älter, sondern über die Jahre immer besser. Kein Wunder, dass Toyota als erstes Goodie bald Spotify nachliefern will.

Hybrid bleibt Trumpf

Und nur weil sie weiter am Hybrid rund um einen 2,5 Liter großen und 143 PS starken Vierzylinder festhalten, heißt das nicht, dass sich am Antrieb nichts getan hätte. Der klassische Teilzeitstromer – es gibt ihn als Fronttriebler mit 185 oder als Allradler mit 194 PS – fährt zwar auch weiterhin nur ein paar Hundert Meter elektrisch.
Trotz höherem Grundpreis soll der neue Toyota RAV4 durch die umfangreichere Serienausstattung unterm Strich günstiger werden.
Bild: Toyota
Er ist aber immerhin noch einmal zehn Prozent sparsamer geworden und mit nun bestenfalls 4,9 Litern ein echter Knauser in der Klasse von Tiguan & Co. Beim Plug-in-Hybrid, bei dem stärkere E-Maschinen die Systemleistung auf 272 oder 309 PS steigern, haben die Japaner einen 30 Prozent größeren Akku eingebaut. Mit jetzt 22,7 kWh kommt man nun bis zu 137 Kilometer weit. Und damit man das möglichst oft ausnutzt, gibt es neben 11 kW Ladeleistung am Wechselstrom in einigen Varianten endlich auch einen DC-Lader mit immerhin 50 kW.

Gelassen statt spektakulär

Weil sie es schließlich allen recht machen wollen, behält der RAV4 sein im besten Sinne durchschnittliches Fahrverhalten. Er ist familienfreundlich, komfortabel abgestimmt, bremst ohne übertriebenen Biss und lenkt, ohne dass dir die Cola aus dem Cupholder schwappt. Gegenüber dem Vorgänger wirkt er aber noch ein bisschen souveräner und seriöser, schmatzt satter über die schlechten Straßen der Jungfernfahrt und hinterlässt rundherum einen gelassenen Eindruck.
Gelassen statt sportlich: Der RAV4 setzt weiterhin auf hohen Fahrkomfort und familienfreundliche Fahreigenschaften.
Bild: Toyota
Also alles beim Alten und trotzdem alles neu? Das gilt auch für die Preise, die auf den ersten Blick wenig Grund zur Freude bieten. Nominal wird der RAV4 erst einmal 3000 Euro teurer und startet jetzt bei 43.990 Euro. Erst wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass es kein Einstiegsmodell mehr gibt und man unter dem Strich deshalb sogar fast 3000 Euro spart. Wenn das nicht die Secret Sauce für das Erfolgsrezept wird, mit der sonst VW so gerne wirbt.

Fazit

Nein, der RAV4 ist und bleibt ein Auto, das weitgehend unter dem Radar fährt. Er verdreht dir nicht den Kopf und bringt auch nicht dein Blut zum Kochen. Aber er ist dieser treue Kumpel, auf den man sich immer und überall verlassen kann und der vor allem immer für einen da ist. Und dass man sich den mit vielen, vielen anderen teilen muss, ist bei einem Auto verständlich, das sich in gut 30 Jahren mehr als 15 Millionen Mal verkauft hat.