"Tja", sagt der Autohändler bei der Inzahlungnahme, "für den Gebrauchten muss ich Ihnen 1000 Euro abziehen, einen fetten Mercedes in Knallrot werde ich so schnell nicht los." Sie fallen aus allen Wolken, sagen: "Waaas, die Farbe hat uns doch sooo gut gefallen!" Und der Händler entgegnet: "Ihnen vielleicht. Viele andere wollen lieber Schwarz oder Silber." Autokauf ist Glückssache? Nein! Es gibt Regeln, die Neuwagenkunden beachten sollten. Hier erklären wir, welche Motorisierung, Farbe und Ausstattung in unterschiedlichen Klassen Plicht sind – damit Sie keinen Ladenhüter bestellen.
Ratgeber Reise - Mietwagen im Urlaub
Kleinwagen-Kunden nehmen so einen Fiat 500 gern in einer grellen, bunten Farbe. Ansonsten sind gedeckte Farben beliebter.
Bild: Ingo Barenschee
Wie entscheidend sind Farben beim Wiederverkauf? Das kommt auf die Fahrzeugklasse an. Kleinwagen wie ein Fiat 500 dürfen rot sein, ab Kompaktklasse wird es damit schwierig. Beispiel Golf: Wer den in Tornadorot bestellt, spart zwar im Vergleich zur Metalliclackierung 391 Euro, wird aber am Ende drauflegen, weil so ein Golf nicht so gefragt ist. Die fünf meistbestellten Farben für den Golf VII von Januar bis Juni 2013: Deep Black Perleffekt (23,4 Prozent), Tungsten Silver Metallic (12,0 Prozent), Limestone Grey Metallic (10,1 Prozent), Pacific Blue Metallic (9,2 Prozent), Reflexsilber Metallic (9,0). Solche Farben sind auch dann noch gefragt, wenn Sie den Golf nach vier Jahren als Gebrauchten verkaufen.
Ratgeber Werterhalt - Bestellen Sie keinen Ladenhüter!
Beispiel VW Passat: Das Drei-Speichen-
Lenkrad mit Bedienknöpfen ist gefragter als das 08/15-Lenkrad im tristen Plastik-Cockpit.
Bild: AUTO BILD
Welche Ausstattung ist wichtig beim Neuwagen? Servolenkung, ABS und das Anti-Schleuderprogramm ESP sind heute selbst bei Kleinwagen Serie. Ansonsten gilt: Je größer und teurer das Auto, desto mehr Extras müssen an Bord sein. Wer etwa eine obere Mittelklasse wie den BMW 5er bestellt, sollte Kreuzchen hinter Ausstattungs-Features wie Automatik, Leder, Xenon und Navi machen. Bei einem Kompakten wie dem Golf ist das nicht nötig. Hier zahlt in ein paar Jahren keiner mehr, nur weil die Sitze beledert sind.
Ratgeber Werterhalt - Bestellen Sie keinen Ladenhüter!
Unverzichtbares Extra bei einem SUV wie dem
Audi Q5: das Navigationssystem MMI für 2100 Euro.
Bild: AUTO BILD
Zahlt es sich beim Wiederverkauf aus, möglichst viele Extras an Bord zu haben? Wir haben das mit Hilfe des Schwacke-Kalkulationsprogramms für zwei Golf VI nachgerechnet. Beide haben die gleichen Grunddaten: Vier Jahre alt, 60.000 km, 1.4 TSI mit 122 PS. Ein Golf mit empfehlenswerten Extras wie Klimaautomatik, Metalliclack, CD-Radio, Winterpaket und Winterreifen hat mal 23.780 Euro gekostet, davon entfielen 2115 Euro auf die Extras. Bei einer Inzahlungnahme würde der Händler 10.600 Euro geben. Golf Nummer zwei haben wir ausgestattet mit allem, was geht: Sonderzubehör für 16.481 Euro, Neupreis: 38.146. Der Händler würde dafür nur 12.800 Euro bieten. Denn: Gebrauchtkäufer freuen sich über so eine volle Hütte, zahlen aber nicht wesentlich mehr. Wer so einen Wagen in Zahlung gibt, wird sich wundern: Laut Schwacke ist das ehemals 2700 Euro teure Navi nach vier Jahren noch 472 Euro wert, Ledersitze (2160 Euro extra) werden noch mit 378 Euro bewertet.Wie wichtig ist die passende Motorisierung für den Wiederverkauf? Laut einer Studie der Online-Börse autoscout24.de achten 87 Prozent der Gebrauchtkäufer auf Laufleistung, 79 Prozent auf Baujahr und 72 Prozent auf Verbrauch. Hier gilt: Je günstiger der Unterhalt, desto besser die Verkaufs-Chancen. Oder anders: Je höher der Verbrauch, desto günstiger der Preis. Beispiel BMW X5: Die Billigsten haben den 4,4-Liter-V8 mit 286 PS und 15,7 Liter Verbrauch. Der 3.0d, der neu fast 15.000 Euro günstiger war, wird höher gehandelt – weil er weniger schluckt.
Sind Autos mit der falschen Farbe und Ausstattung immer Ladenhüter? Nein. Aber sie müssen gebraucht günstiger sein. Und manchmal muss man Glück haben. Ronald Richter, Geschäftsführer des Gebrauchtwagen-Handels Autopark in Hamburg: "Wir hatten mal einen silbernen BMW 540i Touring mit quietschgelber Innenausstattung. Nach zwei Tagen war er verkauft. Der Kunde hat genau diese Farbkombination gesucht."

Fazit

Sprechen Sie Ihren Händler auf das Thema Wie­derverkauf an. Er wird Ihnen sagen, welche Farbkombinationen gar nicht gehen, welche Ausstattung, welcher Motor drin sein sollte. Und: Seriöse Verkäu­fer drehen Ihnen keine Extras an, die Sie gar nicht brauchen, nur um die eigene Provision nach oben zu drücken.