Kaufberatung Nissan Leaf

Nissan Leaf: Kaufberatung

Leaf da was?

Nissans Stromer bekommt einen stärkeren Motor, mehr Reichweite und fährt teilautonom. Hat der neue Leaf das Zeug zum Alltagsläufer?
Geschäftsführer Carlos Ghosn hat einen Lauf. Zwar brennt es in vielen Bereichen bei Renault und vor allem bei Nissan. Doch zumindest beim Thema Elektromobilität hat der Chef der französisch-japanischen Allianz bisher das richtige Händchen bewiesen. Tesla scheint sein Model 3 partout nicht aus der Fabrik zu bekommen, und Opel hat seinen hoch gelobten Ampera-E offenbar den Wirren der Scheidung von General Motors opfern müssen. Ghosn hingegen hat nach dem auf alltagstaugliche 400 Kilometer Normreichweite verbesserten Renault Zoe mit dem neuen Nissan Leaf jetzt schon das zweite Elektroauto auf den Weg gebracht, das konzeptionell und preislich immerhin in den Erwägungsbereich von Otto Normalverbraucher fällt. Mit einem Preis von 31.950 Euro und einer verbrieften WLTP-Reichweite von 285 Kilometern spielt der bei uns seit Februar 2018 lieferbare Stromer immer mehr in einer Liga mit ganz konventionellen Familienkutschen vom Format eines VW Golf oder eines BMW 1ers. Während uns der erste Leaf mit dem stummen Schrei futuristischen Aussehens klarmachen wollte, dass hier ein Elektroauto vorfährt, reiht sich der Neue fast schon unauffällig in jede Kolonne ein.

Gebrauchtwagensuche: Nissan Leaf

Die Kapazität der Batterie ist jetzt um etwa 30 Prozent höher

Quickshot: Nissan Leaf (2018)

Stromer in neuem Design

So augenfällig das neue Design mit dem entschlossenen Blick und der sichtlich aufgewertete Innenraum auch sein mögen, die größte Innovation des Leaf steckt im Verborgenen: die Batterie. Ohne das Format zu ändern, haben die Japaner deren Kapazität um etwa 30 Prozent auf 40 kWh erhöht und damit die Reichweite des Leaf so weit angehoben, dass man sich den ständigen Blick auf den Bordcomputer rasch abgewöhnt. Die dabei ausgewiesenen Restkilometer sind keinesfalls optimistisch – im Gegenteil. Die Zahl sinkt bei normaler Fahrweise erfreulich träge und ist jederzeit verlässlich. Und wenn der Strom dann zur Neige geht, lädt der Leaf II deutlich schneller als sein Vorgänger. An einem Schnelllader erreichen die Akkus binnen 40 Minuten 80 Prozent ihrer Kapazität. Und da der bislang aufpreispflichtige Typ-2-Stecker nun serienmäßig an Bord ist, kann die Zeit für den Boxenstopp an der Haushaltssteckdose auf 8 Stunden gedrückt werden – vorausgesetzt, man hat die 1099 Euro teure Wallbox in der heimischen Garage installiert. Andernfalls dauert's 16 Stunden ...
Überblick: Alles zum Nissan Leaf

Mit Rücksicht auf die Reichweite bei 144 km/h Schluss

Der niedrige Schwerpunkt des Leaf wirkt sich positiv auf die Handlingeigenschaften aus.

Der Nissan Leaf fährt nicht nur weiter, sondern auch flotter. Durch die Leistungsanhebung auf 110 kW (150 PS) und ein Drehmoment von 320 Newtonmeter ist der Antritt geradezu eindrucksvoll – die schmalen 17-Zöller haben bisweilen ihre Mühe, die Kraft überhaupt gewinnbringend auf die Straße zu bringen. An den Umstand, dass es jenseits des Ortsschilds schnell zäh wird mit der Beschleunigung und dass mit Rücksicht auf die Reichweite bei 144 km/h Schluss ist, daran muss man sich nun mal gewöhnen. Eine weitere Neuheit ist das per Tastendruck aktivierbare e-Pedal. Ähnlich wie beim BMW i3 kann auch der Leaf dann quasi nur mit dem Gaspedal gefahren werden: Hebt man den Fuß vom Gas, bremst der Nissan mit einer Verzögerungsrate von bis zu 0,2 g, ohne dass das Bremspedal betätigt werden muss. Rekuperation und die klassische Reibbremse bringen dabei gemeinsam das Fahrzeug bis zum Stillstand – selbst an starken Gefällen soll der Leaf so stehen bleiben. Die eigentliche Bremse braucht man bei eingeschaltetem e-Pedal nur noch zum starken Verzögern. Die Idee ist gut – bis man mit dem rechten Fuß allerdings die nötige Feinmotorik entwickelt hat, um die bremsende Wirkung richtig zu dosieren, nicken bei jedem Versuch alle Mitfahrenden, als säße ein ungeschickt kuppelnder Fahranfänger am Steuer.

Ein Artikel aus AUTO TEST

Im Alltag stößt das Leaf-Konzept an Grenzen

Während die Menüführung auf Anhieb einleuchtet, erschweren die winzigen Schaltflächen des Touchscreens die Bedienung.

Stolz ist Nissan auch auf den sogenannten ProPilot: Mithilfe von Kameras und Radarsensorik surrt der Stromer zumindest ein paar Sekunden freihändig über die Autobahn. Zudem lässt das System den Leaf selbstständig einparken. Die entsprechende Taste in der Mittelkonsole betätigt, muss lediglich ausgewählt werden, ob das Auto vorwärts, rückwärts oder seitlich abgestellt werden soll. Wenn Nissan den Leaf selbst zum Alltagsauto stempelt, muss man ihn allerdings auch an alltäglichen Maßstäben messen; dabei stößt man in einigen Punkten an die Grenzen des Konzepts: Die Sitzposition zum Beispiel ist schlichtweg zu hoch, im Fond weiß man nicht so recht, wohin mit seinen Füßen, weil die Akkus im Fahrzeugboden stecken und im Fußraum deshalb weniger Platz ist als üblich. Die Materialauswahl zeugt vom Bemühen, das viele Geld für den teuren Akku an anderer Stelle einzusparen. Der Kofferraum geht zwar mit 435 Litern für die Kompaktklasse in Ordnung, hat aber, aus welchem Grund auch immer, eine extrem hohe Ladekante. Fakt ist jedoch: Weder gibt es bislang einen Kompakten mit vergleichbaren Autonomie-Fähigkeiten noch ein entsprechend hochgerüstetes Elektroauto.

Kaufberatung Nissan Leaf

Nissan LeafNissan LeafNissan Leaf

Modell ZE1 40 kWh
Motor Wechselstrom (AC)-Synchronmotor
Energiespeicher laminierte Lithium-Ionen-Batterie mit 40 kWh
Getriebe stufenlose Automatik
kW (PS) bei 1/min 110 (150) / 3283-9785
Nm bei 1/min 320 / 0-3283
Höchstgeschwindigkeit 144 km/h
0–100 km/h 7,9 s
Normverbrauch (WLTP) 19,4 kWh
Reichweite (WLTP) 285 km
Grundpreis 31.950 Euro
Wertung Auf die aus 192 Zellen aufgebaute Lithium-Ionen-Batterie gewährt Nissan acht Jahre respektive 160.000 Kilometer Garantie. Vor allem das sofort anliegende Maximaldrehmoment des E-Motors sorgt für Fahrspaß. Zudem lag unser Testverbrauch mit durchschnittlich 15,8 kWh unter der deutlich realitätsnäheren WLTP-Angabe.
Ökotrend-Wertung 1-

André Huster

Fazit

Nun ja – es gibt Elektroautos mit größerer Reichweite. Doch während die Konkurrenten kaum bezahlbar oder gar nicht erst lieferbar sind, hat bei Nissan erst kürzlich das dritte Werk die Produktion des Leaf aufgenommen. Der ist ein erschwingliches, alltagstaugliches E-Auto, das obendrein verfügbar ist. Getreu dem Motto: Was leaf, läuft weiter.

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