Nordschleifen-Duell: David gegen Goliath
Treibjagd durchs Grüne

Munitioniert mit 500 PS, jagt der 2,6 Tonnen schwere Mercedes G 55 AMG den leichten Polo GTI (150 PS) über die Nordschleife. Findet sich der Wolfsburger mit der Opferrolle ab? Ein Vergleich.
- Fabian Hoberg
Es war schon später Abend nach einer anstrengenden Woche, als mich ein Kollege zu Hause anrief und von einem Mercedes G 55 AMG schwärmte. Das Auto war mir durchaus bekannt: 2,6 Tonnen Leergewicht, Allradantrieb, eine fahrende Schrankwand. Aber eine mit Power: 500 PS verstecken sich unter der langen Haube. Doch was sollen wir von AUTO BILD SPORTSCARS mit diesem mit Testosteron gedopten Traktor? Ein Blick vors Haus auf den weißen Polo GTI brachte schnell die Idee: Warum nicht einmal mit dem bärenstarken, aber schweren Benz auf die Nordschleife? Dorthin, wo er eigentlich nichts verloren hat, und ihn gegen den leichten, vermeintlich untermotorisierten Kleinwagen antreten lassen – in einem harten Vergleich auf Zeit? Drei Tage später stehen wir in der Boxengasse am Nürburgring und betrachten den schmächtigen GTI, der sich im Schatten des mächtigen G-Modells (gebaut seit 1979) versteckt. Das Wettbüro ist geöffnet!
Größe ist nicht alles, aber mehr als dreimal so viel Leistung?

Oberhalb von 5000 Touren klingt der kleine Polo wie ein Großer
Kernig, dabei keineswegs vulgär, wird es beim Ausdrehen bis zum Maximum von 5800 Touren, der Vierzylinder klingt nun endlich wie ein ausgewachsener Motor, sogar das Pedal vibriert leicht erregt. "Der Motor geht richtig gut, trotz der geringen Leistung", bemerkt Kaufmann. "Allerdings untersteuert der Polo durch den Frontantrieb stark, rutscht bei unaufmerksamer Fahrweise gerne über die Vorderräder." Doch bei geübter Hand passiert das selten. Schnelle Kurvenkombinationen durcheilt der GTI wieselflink. Erstaunlich, dass selbst ein Profi wie Kaufmann keine Langweile im Volkswagen verspürt, ganz im Gegenteil – er hat sichtlich Spaß am Polo. "Im Kesselchen ist der Topspeed erstaunlich hoch, da kommt der Mercedes nicht mit", sagt er. Und selbst die standhaften vorderen Bremsen mit einem Durchmesser von 288 Millimeter geben ein Gefühl von Sicherheit – von Fading am Ende der zweiten Runde keine Spur.
Abstellen, den Motor nachlaufen lassen und dann wird es sehr ernst. Der Mercedes G 55 AMG. "Der sieht gefährlich aus", sagt Kaufmann. Die Wetten stehen mittlerweile bei 5:2 für den Kraftbolzen. Kaufmann macht sich bereit, rüstet sich mit Helm und Handschuhen und erweckt mit dem Dreh am Zündschloss einen tosenden Teufel aus Metall. Der hohe Aufbau schüttelt sich und der V8 bellt durch die kurze Auspuffanlage seine Lust hinaus. "Der Sound ist gewaltig", bestätigt Kaufmann. Noch ist kein Gang eingelegt und die Versuchung, mit dem Gaspedal zu spielen, hoch. Einfach das G-Modell sich schütteln lassen, mehr nicht. Die Nackenhaare stellen sich bei allen Zuschauern auf und bleiben in der nächsten Stunde in dieser Stellung. Auch bei unserem Rennprofi, der nun den Automatik-Wählhebel in die Drive-Position drückt und dem Allradler endlich die Sporen gibt.
Beim Sound des V8 stellen sich den Zuschauern die Nackenhaare auf

Der Über-G verschlingt auf der Strecke 24,3 Liter Super Plus

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