Opel und Rallye – da war doch was? Genau: Weltmeistertitel, Röhrl, brutale Gruppe-B-Boliden, wilde Ascona. GS/E-Typen wie Commodore und Monza überführten diesen schönen Wahnsinn dann in Serienautos. Laut ging das zu, sechszylindrig war das und natürlich nicht gerade verbrauchsarm.
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Opel

Mokka GSE

Christoph Börries / AUTO BILD
Und heute? Das Kürzel GSE gibt es noch, allerdings in geräuschloser, sparsamer und effizienter Form. Elektrische Typen tragen nun die historischen drei Buchstaben. Aktueller Kandidat: Opel Mokka Electric GSE – ein stämmiger SUV-Apparat mit greller Optik und sattem E-Dampf unter der Haube.

Reichlich Leistung für viel Fahrspaß

281 PS gibt Opel für das Topmodell an, damit soll der hochbeinige Fünftürer in 5,9 Sekunden auf Tempo 100 spurten. Historie hin, Rallye-Genetik her – allein solche Werte versprechen doch coolen Fahrspaß und viel Tempo, oder?
Opel Mokka GSE
Sportliches SUV: Dank seiner 281 PS sprintet der Mokka GES in schlanken 5,9 Sekunden auf Tempo 100. Maximal sind 200 km/h drin.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das klärt der AUTO BILD-Einzeltest nach Punkten. Zuerst das Finanzielle zum aktuell schnellsten Elektro-Opel. Er ist ein kostspieliges Vergnügen. Mindestens 47.300 Euro möchte der Händler haben, dafür gibt es ein knackige 4,15 Meter kurzes SUV mit Frontantrieb und Eingangautomatik.

Viel Komfortausstattung fürs Topmodell

Gut: Im GSE steckt schon viel Komfortausstattung drin, er ist das Topmodell der Mokka-Reihe. So fahren eine Rückfahrkamera, schlüsselloser Zugang, Temporegelung und sogar LED-Fahrlicht mit Matrix-Technik (intelligente Lichtkegelsteuerung) serienmäßig mit. Gleichzeitig hat Opel den GSE schlau vernetzt. Ab Werk spielt eine umfangreiche Audio-Anlage die Musik, dank der "my Opel"-App kann der Fahrer auf eine WLAN-Verknüpfung, eine Smartphone-Anbindung und eine induktive Ladestelle bauen.
Opel Mokka GSE
Dunkel und fein: Das gut verarbeitete Cockpit ist auf den Fahrer zugeschnitten. Alles Wichtige ist beim GSE natürlich schon an Bord.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Leider setzt Opel auf ein Navigationssystem von TomTom, verzichtet somit auf hilfreiche Funktionen wie eine üppige Karte im Fahrerdisplay oder Augmented-Reality-Darstellungen. Hier sind andere Hersteller moderner. Bei der Sprachsteuerung wünschen wir uns noch Schliff: Manche Befehle versteht der Mokka erst nach Wiederholungen, manche Ansagen missachtet das System, nicht alle Fahrzeugfunktionen lassen sich per Stimme "abfordern".

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Einbaulage
vorn
Spitzenleistung
207 kW (281 PS)
Dauerleistung
105 kW (143 PS)
maximales Drehmoment
345 Nm
Vmax
200 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
225/40 R 20 V
Reifentyp
Michelin Pilot Sport EV
Radgröße
k. A.
Reichweite*
336 km
Verbrauch*
18,5 kWh/100 km
Batterieart
Lithium-Ionen
Batteriekapazität
54 kWh
Ladeleistung AC/DC
11/100 kW
Ladezeit (20-80 %; DC-Ladung)
27 Minuten
Fach unter Frontklappe
Vorbeifahrgeräusch
69 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
Stützlast
Kofferraumvolumen
310–1060 l
Länge/Breite/Höhe
4150/1787–1987**/1506 mm
Radstand
2561 mm
Grundpreis
47.300 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
47.300 Euro
Noch ein Achtung: Fahrassistenz und Sicherheitsausstattung sind ebenfalls ein gutes Stück weit vom Optimum entfernt. Ein Head-up-Display, die hilfreiche Ausstiegswarnung oder auch ein Staufolgeassistent (mit Orientierung am Vordermann) beispielsweise sind für den Mokka nicht vorgesehen. Auch eine Mehrzonen-Klimaautomatik ist für das Modell nicht zu bekommen.

Gute Zutaten für sportliche Dynamik

Dafür steckt reichlich "Sportzeug" serienmäßig im GSE. Das Fahrwerk mit kürzeren Federn, eine eigens abgestimmte Lenkung, größere Bremsen mit Vierkolbensätteln (gelbe Lackierung als Erkennungszeichen) und natürlich das Antriebspaket inklusive belastbarem Inverter stammen aus der Opel-Sport-Abteilung. Wichtiges Detail: Auch die 20-Zoll-Leichtmetallräder in Kombination mit Michelin Pilot Sport EV 225/40 R 20 trägt nur der GSE, sie sind genau auf das Gewicht und die Fahrdynamik des GSE abgestimmt.
Opel Mokka GSE
Im Mokka-Topmodell stecken kürzere Federn, größere Bremsen, 20 Zöller mit Michelin Sport EV und eine eigens abgestimmte Lenkung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
In dieses schlüssige Paket packen wir auch das Sitzgefühl. Die Sportsitze mit integrierter Kopfstütze und mechanischer Verstellung umfassen einerseits sehr bequem und tragen dank weicher Bespannung angenehm, andererseits stützen sie seitlich hervorragend, geben auch bei forscher Fahrweise gute Seitenführung – sowohl für den Oberkörper als auch für das Becken. Man sitzt jedoch hoch und weit vom Lenkrad entfernt.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,7 s 
0–100 km/h
5,9 s 
0–130 km/h
8,8 s 
0–160 km/h
13,1 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,6 s 
80–120 km/h
3,2 s
Leergewicht/Zuladung
1618/442 kg
Gewichtsverteilung v./h.
57/43 %
Wendekreis links/rechts
11,0/11,1 m
Sitzhöhe
655 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
32,5 m 
aus 100 km/h warm
32,6 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
62 dB(A) 
bei 100 km/h
68 dB(A) 
bei 130 km/h
71 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
15,7 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
23,7 kWh/100 km
(+28 %)
Sportverbrauch
30,9 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
Reichweite
257 km
Alles zusammen ergibt dennoch diesen besonderen – und positiven – Fahreindruck. Der Mokka GSE geht es tatsächlich so dynamisch an wie versprochen, wirkt agil, trittfest, bringt seine Kraft erstaunlich formschlüssig auf die Straße. Selbst aus dem Stand heraus, beim vollen Durchbeschleunigen, zerrt es nicht übermäßig in der Lenkung – sehr ordentlich für eine Frontantriebsachse, auf die 345 Newtonmeter Drehmoment einwirken.

Auf der Landstraße macht der GSE Laune

Das Fahrwerk mit kürzeren Federn arbeitet straff, doch ohne kantige Prügelhärte. Der Mokka läuft dank strammer Anbindung der Achslenker und steiferen Reifenflanken präzise, überrollt Unebenheiten dennoch nicht zu prall oder zu geräuschvoll. Die Lenkung reagiert sehr direkt auf Kursänderungen, das bereitet auf der Landstraße mächtig Laune, auf der Autobahn – wo der GSE immerhin bis 200 km/h schnell wird – könnte das System gern träger um die Mittellage herum reagieren. Windstöße oder Reaktionen auf Spurrillen muss der Fahrer dann sehr achtsam ausgleichen, arg eckig reagiert der Mokka dann nämlich auf Kurskorrekturen.
Opel Mokka GSE
Zackig: Dank straffer – aber nicht zu harter – Abstimmung und sehr direkter Lenkung geht der Mokka GSE sehr engagiert ums Eck.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Am meisten Spaß bereitet die Maschine. Unter seichtem Fiepen entwickelt der permanenterregte Synchronmotor seine Kraft, auf wenig Pedalweg hin setzt er sich ordentlich aufgeschreckt in Marsch, das ergibt lebendige Ampelsprints. Das serienmäßige Torsen-Sperrdifferenzial (Lamellenkupplung) hilft erfolgreich, dass die satte Kraft nicht in durchdrehenden Rädern verpufft.
Spaßiger Nebeneffekt: Aus engen Kurven heraus lässt sich der GSE besonders agil herausscheuchen, zornig stürmt er dann auf die nächste Biegung zu. Bis deutlich über 160 km/h zieht der Mokka angenehm linear-nachdrücklich durch, dann hemmt der Windwiderstand den Vorwärtsdrang etwas.

Wertung Opel Mokka GSE

Wertung Opel Mokka GSE
Karosserie
Platzangebot vorn akzeptabel, hinten mäßig. Keine AHK möglich, unübersichtliches Auto.
2,5 / 5
Antrieb
Starker Motor, hohe Endgeschwindigkeit. Leider mäßige Reichweite und mäßige Ladeleistung.
3,5 / 5
Fahrdynamik
Agiles Fahrgefühl, direkte Lenkung, spurgenau. Beim Ausweichen fehlerfrei, Bremsen top.
4 / 5
Connected Car
Radio und Smartphone-Verknüpfung sehr gut, Sprachsteuerung trotz KI unverständig.
3,5 / 5
Umwelt
Höhere Rollgeräusche, Leergewicht passabel, vernünftige Dimensionen, lokal CO2-neutral.
4 / 5
Komfort
Nicht zu sportliche Federung, gute Sitze, Sitzposition im Auto recht hoch, wenig Fahrassistenz.
3 / 5
Kosten
Kaufpreis hoch, nur zwei Jahre Garantie, mittelprächtig wertstabil. Geringe Wartungskosten.
3 / 5
AUTO BILD-Testnote
2,2
Sehr beruhigend: So sportlich, wie sich der Mokka fährt, ankert er auch. Wir haben Werte um 32 Meter (von Tempo 100 bis Stillstand) ermittelt – ein sehr guter Bremsweg! Außerdem hat das SUV bei Ausweichtests Kompetenz bewiesen. Er spurt sicher, lässt sich auch in Extremsituationen gut beherrschen, das ESP arbeitet fehlerfrei – und sorgt so für sorgenfrei-unterhaltsame Fahrt.

Reale Reichweite ist eher mau

Schade, dass der Spaß immer schnell vorbei ist. Denn der 1,6 Tonnen schwere Mokka ist kein Spatz, saugt gierig am Akku. Nach unseren Prüfungen verbraucht der GSE 23,7 Kilowattstunden Energie pro 100 Kilometer. Daraus errechnen wir keine 260 Kilometer Aktionsradius. Versprochen hat Opel deutlich mehr, 336 Kilometer laut WLTP.
Opel Mokka GSE
Weniger als versprochen: Nach WLTP soll eine Akkuladung beim Mokka GSE für 336 Kilometer reichen, bei einem Testverbrauch von 23,7 kWh/100 km sind es aber nur 260 Kilometer.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Gleichzeitig lädt der Mokka mit nur 100 kW, das One-Pedal-Fahren beziehungsweise eine kräftigere Rekuperation entfällt. Somit: Der Mokka verlangt häufigere Stopps, die dann länger dauern. Eine Rallye hätte dieser GSE so nie gewonnen – unser Herz gewinnt er dagegen locker.

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Opel Mokka GSE
Opel Mokka GSE
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Opel Mokka GSE im Test

Fazit

von AUTO BILD
Bescheidene Außenmaße, (fast) protzig starker Motor – immer eine attraktive Mischung. Gleichzeitig lässt sich der Mokka agil bewegen und ist sehr sicher. Die elektrischen Qualitäten (Akkugröße, Verbrauch und Ladeleistung) könnten besser sein. Achtung: Der Kaufpreis bewegt sich in Richtung 50.000-Euro-Marke. AUTO BILD-Testnote: 2,2