Emanuelle? Kennt man(n), oder? Die Schmuddelfilmchen aus den 1970er-Jahren, pompös gefilmt, doch im Grunde harmlos und dank kleinerer Eingriffe der Zensur fast jugendfrei. Was das mit diesem Vergleich zu tun hat? Wir finden, der Golf GTI hat eine ganze Menge von der Machart dieser Streifen. Klar, bei 230 PS und sportlicher Historie schwingt ganz sicher eine gehörige Portion Erotik mit. Aber irgendwie liegt beim GTI auch eine Art Weichzeichner über den besten Szenen.

Mit seinem starken Motor setzt sich der 308 GTi an die Spitze

Peugeot 308 GTi
Spurtstarker Franzose: Dank seiner 272 PS erreicht der 308 GTi aus dem Stand nach 6,1 Sekunden Tempo 100.
Jedenfalls im direkten Vergleich mit dem neuen Peugeot 308 GTi. Der ist eher von der direkten Sorte, setzt sich ungefiltert in Szene und kommt erfrischend schnell zur Sache. Zum Beispiel ist er dank 272 PS in 6,1 Sekunden auf vollen Touren – Pardon: auf Tempo 100. Der Golf braucht fünf Zehntelsekunden länger. Doch vor der Zahlenorgie erst einmal etwas Kostentheorie. Für 34.950 Euro liefert Peugeot einen Kompaktkracher mit reichlich sportlichen Anlagen. Mächtige 380er-Bremsen inklusive roter Sättel (vorn mit aufwendiger Belüftung), kurze Federn und ein äußerst potenter Turbomotor verdichten sich zu einem knackigen Knäuel aus prallem Blech und feiner Technik. Luxus fährt auch mit: Ein Navisystem, Alcantaramaterial im Interieur oder Parkhilfen vorn wie hinten liefert Peugeot ab Werk, schlüssellosen Zugang oder auch eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik gibt es ebenfalls ohne Aufpreis.
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Trotz Aufpreis empfehlen wir für den GTI das DCC-Fahrwerk

VW Golf GTI Performance
Große Spreizung: Mit dem adaptiven DCC-Fahrwerk an Bord federt der Golf GTI von zart bis hart.
Beim Golf – immerhin als GTI Performance rund 3000 Euro günstiger – kostet Luxus Geld. Darüber hinaus verlangt VW 1035 Euro für eine Funktion, die unsere Empfehlung verdient: die Fahrwerksregelung DCC. Die dabei verstellbaren Stoßdämpfer lassen sich auf Tastenbefehl sensibel weich oder auch knackig stramm verstellen, die Variationsmöglichkeiten zwischen Alltag und Kurvenspaß fallen damit breiter aus. Zählen wir Kosten und Ausstattungsniveau bei beiden GTI zusammen, herrscht am Ende so etwas wie ein finanzielles Unentschieden. In der AUTO BILD-Sportwertung zählen aber vorrangig Fahrspaß und Tempo. Letzteres erfassen wir unter anderem bis auf die Hundertstelsekunde – als Rundenzeit auf unserer bewährten Rundstrecke Contidrom bei Hannover. So viel verraten wir gleich: Hier hat der Peugeot mit VW Domina und Sklave gespielt, dem Golf mächtig den Hintern versohlt.
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Fast drei Sekunden hat der Franko-GTi dem Original-GTI abgenommen. Und wie er das macht, ist großes Pornokino. Der Vierzylinder des Peugeot beißt fast schon ordinär zu. Klar, unter diesem hemmungslosen Leistungseinsatz scharren die Antriebsräder häufiger als im Golf. Dessen feine elektronische Regelung hält die Vorderreifen noch besser im Zaum, als es die mechanische Verklemmung des Torsendifferenzials im Getriebe des 308 hinbekommt.

Beim Fahrspaß hängt der Peugeot den VW klar ab

Peugeot 308 GTi   VW Golf GTI Performance
Großes Vergnügen: Der 308 GTi ist nicht nur schneller als der Golf GTI, er macht auch deutlich mehr Spaß.

Aber im Peugeot bereitet das scharrende Herausstürmen aus engen Ecken einen Heidenspaß. Fauchend legt der Turbo nach, viel williger kurbelt sich der Motor durch die kürzer übersetzten Gänge. Beim Einlenken fühlt sich der 308 zudem eine halbe Wagenklasse leichter an. Eine kleine Zuckung am minikleinen Lenkrad – schon taucht er ab, seine Michelin-Sportreifen greifen klebrig. Schade: Die Hinterachsfederung wirkt weich, dem Richtungswechsel geht stets ein kleiner Knicks nach außen voraus. Der Golf lenkt unspektakulärer, gleichförmiger ein, geht dann in ein sanftes und sauber kontrollierbares Untersteuern über. Kein Drama, kaum Tempoverlust – aber irgendwie fader im Vergleich zur lebendigen Alarmbereitschaft des 308. Auch die Maschine des VW scheint gedämpfter zu arbeiten. Ganz schmuseweich dreht der TSI bis in den roten Bereich des Drehzahlmessers.
Viel prickelnder rattert das Aggregat des 308 in den Begrenzer. Kurz: Mehr Leben in der Bude, mehr Action hinterm Lenkrad, mehr Tempo am Ende der Geraden und aus Kurven heraus – aus sportlicher Sicht macht der Franzose also alles besser. Und im Sinne eines GTI darf das nur den Testsieg bedeuten – komplett unzensiert.

Fazit

Die 272 PS des Peugeot sind nicht zu knacken. Vielleicht wäre das eine Aufgabe für den Golf GTI Clubsport (mit 265 PS) gewesen, doch der käme mit entsprechenden Extras viel zu teuer. Der Performance jedenfalls kommt nicht am französischen GTi vorbei.