Oh Schreck, ein Schoko-Fleck im grauen Velours! Kein Problem, es gibt ja Polsterreiniger. Aufsprühen, abwischen, und der Fleck ist weg. Wirklich? Halten Polsterreiniger, was deren Hersteller auf dem Etikett versprechen? AUTO BILD und die Sachverständigen-Organisation GTÜ haben zehn Polsterreiniger getestet, neun davon speziell fürs Auto und einen Haushaltsreiniger, der aber explizit auch für das Auto geeignet ist. Entscheidend für den Test: identische Reinigungsbedingungen für alle. Die finden wir nicht auf unterschiedlich und ungleichmäßig verschmutzten Autositzen, sondern auf speziellen Fleckenpanels mit acht unterschiedlichen Testschmutz-Textilstücken. Die Textilstücke sind derart intensiv verschmutzt, dass sie selbst mit dem schärfsten Reiniger nicht mehr völlig weiß werden. Aber sie werden heller nach den Reinigungsdurchgängen, die wir exakt nach Herstellerangaben durchführen. Diese Aufhellung ist messbar – mit einem Weißgradmessgerät. Damit messen wir die Textilflecken vor dem Reinigen und danach. Je stärker die Aufhellung, desto höher ist die Zunahme der Weißgrades und je besser somit die Reinigungsleistung des Produktes.
Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
Testsieger
Dr. Wack A1 Polster- und Alcantarareiniger
12,99 EUR
sehr empfehlenswert
2.
Sonax Xtreme Polsterreiniger
11,19 EUR
empfehlenswert
3.
Preis-Leistungs-Sieger
Vanish Gold Multi Textil
4,69 EUR
empfehlenswert
4.
Liqui Moly Polsterschaumreiniger
6,98 EUR
empfehlenswert
5.
Armor All Aktivschaum-Reiniger
7,59 EUR
empfehlenswert
6.
Nigrin Aktivschaum Reiniger
5,49 EUR
bedingt empfehlenswert
7.
Clean Extreme Auto-Innenreiniger
17,75 EUR
bedingt empfehlenswert
8.
Koch Chemie Textilreiniger
16,90 EUR
bedingt empfehlenswert
9.
Meguiar's Carpet Cleaner
10,99 EUR
bedingt empfehlenswert
10.
Swissvax Fabric Textilreiniger
39,00 EUR
bedingt empfehlenswert

Teuerster Polsterreiniger fällt im Test durch

Polsterreiniger im Test
Nur ein ringförmiger Nebel: Mit der tropfenden Flasche von Swissvax entstehen Flecken.
Und wo liegen jetzt die großen Unterschiede? Knappe Antwort: vor allem beim Sprühverhalten. Klar gibt es auch Unterschiede bei der Reinigungsleistung (Ergebnisse in der Bildergalerie). Damit der Reiniger seine Wirkung aber überhaupt entfalten kann, muss er raus aus seiner Dose oder Flasche. Und hier gibt es extrem große Unterschiede! Die Sprühflasche von Swissvax versprüht weder einen Strahl noch einen nutzbaren Schaum, sondern nur ringförmigen, feinen Nebel. Das wäre vielleicht was für die Disco, aber nicht für die Polsterreinigung. Die Flasche hat zudem eine derart eigenwillige Form, sodass es beim Sprühen auf den eigenen Zeigefinger tropft. Von Schaum auf Knopfdruck kann keine Rede sein, in der Flasche befindet sich kein anwendungsfertiges Produkt. Für 39 Euro erwirbt man ein Konzentrat, das mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser (!) im Verhältnis 1:3 abgemischt werden muss. Spätestens dann schäumt sie über – nicht die Freude, sondern die Sprühflasche. Die übrigens zwölf Euro extra kostet. Noch was? Ja, Swissvax erreicht auch im Reinigungskapitel nur 72 Punkte – weniger als alle anderen.

A1-Reiniger erlangt den Testsieg

Wie eine Sprühflasche aussehen muss, zeigt Koch Chemie, als Einziger mit verstellbarem Sprühkopf und somit perfekt anpassbar. Wie Swissvax ist auch Koch Chemie noch mit Wasser (ohne Kohlensäure) zu verdünnen, aber es ergeben sich auch mindestens sechs Liter Reinigerflüssigkeit und somit der günstigste Preis pro Liter (2,82 Euro). Leider mit Schwächen bei der Reinigungsleistung und so nur auf Platz acht. Sowohl bei der Reinigungsleistung als auch bei der Anwendung. Voll punkten kann der A1-Reiniger: Er packt vier von acht Schmutzarten am besten, sein Sprühbild ist zudem kompakt – sehr gut für eine punktuelle Bearbeitung zur Fleckenbeseitigung. Platz 1. Ebenfalls gut, aber mit Abstrichen bei der Reinigungsleistung, folgt Sonax auf Platz 2. Verdienter Preis-Leistungs-Sieger wird der Haushaltsreiniger von Vanish: Für 4,69 Euro bietet er ein solides Putzergebnis. Clean Extreme verschenkt Potenzial: Der Reiniger ist laut Hersteller indirekt auf einen Lappen aufzusprühen und hat somit keine Einwirkzeit auf den Polstern, um den Schmutz anzulösen. Viel Schaum um nichts also? In diesem Test war das nur bei einem Produkt der Fall.

So haben AUTO BILD und GTÜ getestet

Das Wichtigste für einen Reiniger-Vergleich: der Testschmutz! Um identische Bedingungen für jedes Produkt zu schaffen, kleckern wir nicht selbst auf die Autositze, sondern bestellen bei der Firma CFT Fleckenpanels. CFT (Center for Testmaterials) ist spezialisiert auf Materialien, mit denen sich die Reinigungsleistung ermitteln lässt. Auf den Tafeln sind acht Textilstücke aufgenäht. Die zehn mal zehn Zentimeter großen Textilstücke sind maschinell gleichmäßig mit verschiedenen Schmutzarten verunreinigt worden: Kaffee, Dressing, Pigment/Öl/Milch, Olivenöl/ Ruß, Kakao,  Haferbrei/Schokolade und Eigelb/Pigment. Die Fleckenpanels kommen verschweißt in unser Fachlabor, in dem wir gemeinsam mit der Sachverständigen-Organisation GTÜ testen. Die beiden ausgebauten Autositze dienen nur dazu, die Handhabung zu testen und zu prüfen, ob die Reiniger Flecken hinterlassen. Die eigentliche Reinigungsleistung aber ermitteln wir anhand der Panels. Vor dem Reinigen messen wir auf den Textilstücken den Weißgrad mit einem speziellen Gerät. Nach der Reinigung messen wir den Weißgrad auf den Textilstücken erneut – der Differenzwert zeigt, wie stark die Reinigungswirkung von jedem Produkt auf den jeweiligen Schmutzarten ist.

Bildergalerie

Testergebnisse: Polsterreiniger fürs Auto
Testergebnisse: Polsterreiniger fürs Auto
Testergebnisse: Polsterreiniger fürs Auto
Kamera
Testergebnisse: Polsterreiniger fürs Auto

Fazit

Das teuerste Produkt ist das schlechteste, sowohl bei der Reinigungsleistung als auch bei der Anwendung: Swissvax ist die 39 Euro nicht wert. Klarer Sieger ist A1, der vier von acht Schmutzarten am besten packt und sich am besten verarbeiten lässt. Preis-Leistungs-Sieger wird Vanish: Der Haushaltsreiniger putzt gründlich und kostet wenig.