Die Sonne ist schuld. Besonders an älteren Fahrzeugen sieht man es häufig: Unlackierte Kunststoffteile der Karosserie bleichen durch die UV-Strahlung mit der Zeit aus. Es kann sogar so weit kommen, dass ursprünglich schwarze Bauteile hellgrau oder fast weiß werden. Es gibt viele Tricks und Kniffe, die dem Kunststoff die ursprüngliche Farbe zurückbringen sollten. Doch nicht nur einige Haushaltstricks wie Salatöl oder Schuhcreme bereiten nicht lange Freude, auch viele Kunststoffpflegemittel erfüllen nicht das, was sie versprechen. Oft ist auch die Verarbeitung nicht so einfach wie beschrieben, und es endet schnell im Schweinkram. Genau hier kommt der Kunststoffauffrischer Polytrol der Firma Owatrol ins Spiel. Den soll man einfach auftragen, einige Minuten einwirken lassen und abwischen. Doch ist es wirklich so einfach? Und wirken die Teile danach tatsächlich wie neu? AUTO BILD hat den Kunststoffauffrischer Polytrol getestet!

Polytrol Kunststoffauffrischer im Check: der erste Eindruck

Schon beim Auspacken fällt auf, dass der Polytrol Kunststoffauffrischer anders ist als die Schuhcreme-artigen Pflegemittel anderer Hersteller. Polytrol wird nicht in einer Tube mit Schwamm oder Bürste geliefert, sondern in einer kleinen Metalldose mit Schraubverschluss. Das liegt vor allen Dingen daran, dass Polytrol weder Gel noch schwarze Paste, sondern ein Öl ist. Dreht man den Verschluss der Metalldose auf, steigt einem schnell der Geruch des Öls in die Nase. Dieser mag zwar für empfindliche Nasen unangenehm sein, riecht aber eher natürlich als chemisch und erinnert stark an Leinölfirnis aus dem Tischlerbedarf. Ein besonderer Überraschungseffekt tritt auf, wenn man die Farbe des Öls zum ersten Mal sieht. Es ist nämlich nicht schwarz, sondern schon fast durchsichtig. Spätestens hier kamen uns erste Zweifel, ob die Kunststoffteile später tatsächlich wie neu oder eher glänzend und speckig aussehen würden.
Kunststoffauffrischer
Kunststoffauffrischer Polytrol
Owatrol
Kunststoffauffrischer Polytrol
  • einfache und präzise Verarbeitung
  • wenig Zeitaufwand nötig
  • sehr gutes Ergebnis
Preis 14,69 €

Die ausführlichen Bedien- und Warnhinweise sind in Englisch und in Deutsch auf die Dose gedruckt. So wird darauf hingewiesen, dass Polytrol an sich zwar nicht entzündlich ist, aber Lappen, die zum Auftragen oder Abwischen des Kunststoffauffrischers genutzt wurden, sich selbst entzünden können. Hier ist also Vorsicht geboten. Zum Schutz der Haut sollten bei der Verarbeitung von Polytrol Handschuhe getragen werden.

So funktioniert der Polytrol Kunststoffauffrischer

Die Vorbereitung

Um den Polytrol Kunststoffauffrischer zu verarbeiten, braucht man noch einige Utensilien, die nicht beim Kauf der Metalldose dabei sind. Dazu gehören unter anderem Seifenwasser, eine Bürste, Silikonentferner und einige Tücher. Bevor man das Polytrol auf den Kunststoff aufträgt, ist es wichtig, das Bauteil gründlich zu reinigen, zu entfetten und trocknen zu lassen. Polytrol bildet laut Hersteller einen stabilen Film auf der Kunststoffoberfläche. Ist das Bauteil ölig oder fettig, kann dieser Film nicht haften. Und sind Verunreinigungen auf der Kunststoffoberfläche, sind die unter dem Polytrol-Film eingeschlossen und ruinieren das Ergebnis.
Im ersten Schritt muss das Kunststoffteil saubergemacht und entfettet werden. Rundherum sollte abgeklebt werden, da getrocknetes Polytrol nur durch Abbeizen entfernt werden kann.

Dieser harte Film, den das Polytrol nach dem Trocknen bildet, bringt noch einen Arbeitsschritt mit sich: Alle Bauteile, die nicht mit Polytrol behandelt werden sollen, müssen großzügig abgeklebt werden. Merkt man zu spät, dass man mit Polytrol gekleckert hat, lässt es sich nur noch durch Abbeizen entfernen. Wir brauchen wohl nicht erwähnen, dass das schädlich für andere Kunststoffteile oder den Karosserielack ist. Ein letzter Schritt vor der Kunststoffpflege: An einer unauffälligen Stelle sollte man erst einmal testen, ob sich der Kunststoff mit dem Polytrol verträgt.

Die Verarbeitung

Das Polytrol sollte satt mit einem Pinsel oder einem Tuch aufgetragen werden. Doch Vorsicht: Bei Tüchern besteht die Gefahr der Selbstentzündung!

Damit das Polytrol nicht zu schnell trocknet, ist es wichtig, dass es nicht auf heißen Kunststoffteilen oder bei direkter Sonneneinstrahlung verwendet wird. Die Verarbeitung ist sehr einfach. Ist das Bauteil sauber und fettfrei und sind alle Bauteile rundherum sorgfältig abgeklebt, wird der Kunststoffauffrischer einfach mit einem Pinsel oder einem fusselfreien Tuch aufgetragen. Je feiner der Pinsel ist, desto genauer kann man das Polytrol auftragen. Owatrol beschreibt, dass man so viel Polytrol auftragen solle, bis die Porösität gesättigt sei. Ist das geschehen, muss nur noch ein Timer gestartet werden. Ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten soll das Polytrol-Öl auf den Kunststoff einwirken. Je nach Kunststoff kann man dabei zusehen, wie das Material langsam immer dunkler wird.
Nach ungefähr zehn Minuten Einwirkzeit wird das überschüssige Polytrol mit einem saugfähigen Tuch abgewischt. Wichtig: sorgfältig arbeiten!

Nach Ablauf der Einwirkzeit wird das überschüssige Polytrol gründlich mit einem saugfähigen, fusselfreien Tuch abgewischt. Auch hier ist das gründliche Abwischen wirklich wichtig, denn auch auf Kunststoffteilen lässt sich angetrocknetes Polytrol nur durch Abbeizen entfernen. Je nach Bedarf kann man den Vorgang so lange wiederholen, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Wünscht man sich mehr Glanz, kann die Oberfläche noch mit Glanzwachsen poliert werden. Wichtig: Das Wachs darf keine Schleifmittel enthalten. Zudem empfehlen wir diesen Schritt nur auf glatten Kunststoffoberflächen.

Fazit: Was taugt der Polytrol Kunststoffauffrischer?

Das Ergebnis wirkt weder ölig noch glänzend, das Kunststoffteil sieht aus wie neu.

Wir müssen sagen: Der Polytrol Kunststoffauffrischer der Firma Owatrol hat uns wirklich überrascht. Die Verarbeitung ist einfach kinderleicht – und hat man gründlich gearbeitet, überzeugt das Ergebnis auch voll und ganz. Besonders der direkte Vorher-nachher-Vergleich zeigt, wie satt und tiefschwarz die Kunststoffteile wieder aussehen. Dabei wirken sie weder ölig noch fettig, wie es bei Kunststoffpflegemitteln auf Silikonbasis oft der Fall ist. Die Kunststoffbauteile nehmen tatsächlich einfach wieder die Farbe an, mit der sie auch das Fließband verlassen haben. Der Zeitaufwand ist natürlich abhängig von der Größe der Kunststoffflächen, aber in einem halben Tag sollte man selbst ein Auto mit großen Kunststoffstoßstangen und -Bauteilen wieder schick bekommen. Schlussendlich kann man sagen, dass der Polytrol Kunststoffauffrischer eine einfache, schnelle und gute Möglichkeit ist, den Kunststoffteilen am Auto einen frischen Look zu verpassen.

Von

Lars Golly