Autokäufer sind schon eine merkwürdige Spezies. Sie feilschen um jeden Cent – um dann ungeachtet dessen in diesen Tagen scharenweise zu den Porsche-Händlern zu pilgern. Das Objekt ihrer Begierde ist der neue Macan, das erste Mittelklasse-SUV der ruhmreichen Sportwagenmarke. Rational ist das kaum zu erklären. Schließlich kostet der Porsche doch ausstattungsbereinigt gut 5000 Euro mehr als seine technische Basis, der Audi Q5. Trotzdem gibt es auf den Macan bereits zwei Wochen nach Verkaufsbeginn ein gutes halbes Jahr Lieferzeit – und die Frage nach Rabatt lässt die Porsche-Verkäufer nur schmunzeln.

Im Macan arbeitet der Allradantrieb des Cayenne

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Video: Macan, Q5, GLK

Viel Geld, wenig Vorsprung

Doch Marken-Image und Begehrlichkeiten nutzen einem neuen Modell nichts, wenn es um einen harten AUTO BILD-Test geht. Hier zählen Fakten und echte Qualitäten. Zur korrekten Standortbestimmung haben wir gleich noch den Mercedes GLK mit auf die erste Vergleichsfahrt genommen. Porsche versucht den Mehrpreis des Macan gegenüber dem Q5 mit einem höheren konstruktiven Aufwand zu rechtfertigen. So bieten die Zuffenhauser als Einzige in dieser Klasse ein luftgefedertes Fahrwerk an. Und wo sie schon mal am Fahrwerk gearbeitet haben, wurde gleich der Quattro-Antrieb ins Museum geschickt. Stattdessen kommt der Allradantrieb aus dem größeren Cayenne zum Einsatz, der mit seiner völlig variablen Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse eine Mischbereifung ermöglicht und somit das Handling des Macan spürbar verbessern soll. Doch schon im Karosseriekapitel verliert der Porsche an Boden. Die flache Dachlinie kostet im Fond Kopffreiheit, und die kleineren Türausschnitte erschweren im Vergleich zum Audi den Einstieg. Dazu kommt die hohe Ladekante. Nachteile, die zwar Punkte kosten, aber die Lust auf den Macan nicht nachhaltig verderben.
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Der Audi Q5 gewinnt das Karrosseriekapitel deutlich

Audi Q5
Geräumig und variabel: Der Audi gefällt mit gutem Platzangebot und verschiebbarer Rückbank.
Ein Blick ins Cockpit zeigt , wo ein Teil des Aufpreises für den Porsche steckt. Alles wirkt hier eine Spur edler als bei den beiden anderen und ist auch bis ins kleinste Detail blitzsauber zusammengefügt. Einzig die Bedienung mit den verstreuten Schaltern auf der Mittelkonsole mag nicht so recht ins Bild passen – das können Audi und Mercedes besser. Unterm Strich kann der Audi die Karosseriewertung mit dem besten Platzangebot und dank seiner verschiebbaren Rückbank (200 Euro) gewinnen, Porsche und Mercedes folgen mit Respektabstand. Dafür schafft Porsche in gleich zwei Wertungskapiteln so etwas wie die Quadratur des Kreises – und gewinnt sowohl die Komfort- als auch die Fahrdynamik-Wertung. Porsche hat sich mit der zwar sündhaft teuren (2630 Euro), aber nahezu perfekt abgestimmten Luftfederung einen echten Vorsprung durch Technik erarbeitet. Im Normal-Modus absorbiert sie die großen wie kleinen Sünden der Straßenbauer deutlich geschmeidiger als Q5 und GLK mit ihren Stahlfederungen. Während der Audi immer noch angenehm federt und von der Härte früherer Modelle weit entfernt ist, nervt der Mercedes mit seinem etwas holzigen Ansprechen auf kleinen Unebenheiten.
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Wirklich brillant wird der Porsche, sobald der Sport-Modus gewählt wird. Dann pfeift er derart ums Eck, dass die stattliche Länge von fast 4,70 Metern und das Leergewicht von knapp zwei Tonnen völlig in Vergessenheit geraten. Dazu kommt diese unverschämt direkte Lenkung. Wäre da nicht die hohe Sitzposition – der Fahrer wähnte sich am Steuer eines echten Sportwagens.

Mit allen drei SUVs ist man im Gelände aufgeschmissen

Mercedes GLK
Bitte nicht nachmachen: Nicht nur GLK auch Audi und Porsche sind im Gelände absolut fehl am Platze.
Das Problem: Der Audi ist kaum schlechter. Auch er legt eine Dynamik an den Tag, die man einem stattlichen SUV bis vor Kurzem kaum zugetraut hätte. Nur eben nicht ganz so präzise, seine Lenkung ist deutlich leichtgängiger. Der Mercedes kann von seinem vergleichsweise straffen Fahrwerk bei der Agilität nicht profitieren. Seine Karosserie neigt sich spürbar mehr. Nicht unsympathisch, aber schlicht nicht so dynamisch wie die Technik-Brüder aus dem VW-Konzern. Eines aber eint die drei Testkandidaten: Man sollte sich von ihrer Optik nicht täuschen lassen und sich in wirklich unwegsames Gelände vorwagen. Das verhindern schon die 20-Zoll-Räder bei Audi und Porsche beziehungsweise die 19-Zoll-Bereifung des Mercedes. Kleinere Feldwege und matschiges Terrain gehen gerade eben noch, wer sich aber tiefer in den Wald traut, der sollte eine Mobilitätsgarantie mit dickem Seil dabeihaben. Einen Unimog oder ein G-Modell oder ...
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Es ist nur wenig überraschend, dass Porsche und Audi im Antriebskapitel exakt die gleiche Punktzahl holen – schließlich werden beide von der gleichen Kombination aus Sechszylinder-Turbodiesel und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe angetrieben. Hier hat Porsche keinen Bedarf gesehen, die technische Basis von Audi zu überarbeiten – aus gutem Grund. Der Diesel gefällt mit seinem hohen Drehmoment von 580 Newtonmetern bei niedrigen 1750 Umdrehungen. Ein wirklich souveräner Antrieb.
Weitere Details zu den drei Premium-SUVs gibt es in der Bildergalerie.

Fazit

von

Stefan Voswinkel
Der Macan gewinnt die Eigenschaftswertung. Er fährt besser als seine Konkurrenten, das verdankt er der in dieser Klasse einmaligen Luftfederung. Allerdings fällt der Abstand zum Audi unerwartet gering aus – und Porsche lässt sich Namen und Image fürstlich entlohnen. Das kostet den Macan letztlich den Sieg. Der Mercedes kann im Vergleich nicht mithalten, er ist halt nicht mehr der Frischeste. Aber trotzdem ein gutes Auto – wie das Ergebnis von 513 Punkten zeigt.

Von

Stefan Voswinkel