Eigentlich gehört es sich ja nicht, auf Äußerlichkeiten herumzureiten. Schon gar nicht in einem Magazin wie diesem, das sich trotz aller Ästhetik eher den inneren Werten widmet. Doch diesmal sei bitte ein kleiner Seitenhieb gestattet. Und zwar in Richtung der Hersteller, die an ihren SUV-Baureihen derzeit herumfächern, was die Plattformen hergeben. Aufgeblähte Kleinwagen, hochgelegte Fünftürer, gequetschte Offroad-Kombis, geschürzte Minivans und so weiter. Erlaubt ist alles, was sich vermarkten lässt. An Familienväter mit unterschwelligen Wald-und-Wiesen-Gelüsten, hippe Youngster, die ihre beplankten Mikro-Kraxler iPhone voraus durchs Großstadt-Dickicht rempeln, oder eben solche, die mit einem BMW X4 liebäugeln, weil sich Status noch immer am besten durch Präsenz verkauft: "Rampenlicht, serienmäßig", so titelt zumindest die offizielle Web-Präsenz.
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Hochglanz mit sportlicher Note

BMW X4
Trotz seiner adaptiven Dämpfung bevorzugt der X4 eher frisch Asphaltiertes.
Bild: Tobias Kempe
BMW X4 xDrive35i Irgendwie aber auch verständlich: Wer seinen Wohnraum in der Skyline ansiedelt, Mode aus den Boutiquen Roms bezieht und Bargeld noch immer an echtes Silber klammert, der will nicht im profanen X3 vorm Szene-Italiener flanieren. Entsprechend stylt BMW sein Sports Activity Coupé auch ganz im Sinne der aufstrebenden Jungdynamiker. Um die große Doppelniere wuchert eine Front im gecleanten Vollformat; zwei geschwungene Linien akzentuieren die Seite, während sich das Heck mit seinem flachen Dachausläufer und der angedeuteten Diffusor-Optik größte Mühe gibt, coupéhaft und dennoch kein bisschen grazil zu wirken.Die Spurweite wächst im Vergleich zum X3 um 22 Millimeter, die Gesamt- höhe sinkt um deren 36, während sich die Passagiere 20 (vorn), respektive 28 (hinten) Millimeter tiefer einquartieren und sich dabei mvon dezenten Galvanik-Einlagen, Black-Panel-Optik oder Zierleisten im gebürsteten Alu-Schliff umgarnen lassen – quasi Hochglanz-Atmosphäre ab Werk mit sportlicher Note, aber sterilem Schliff. Das ist fast wie Training im Fitnessstudio. Sie wissen schon: Laufband statt Waldweg – wäre ja schade um den schicken Trainings-Zwirn …
Porsche Macan S
Mit 50.000 Einheiten pro Jahr hatte man geplant; ab sofort werden 60.000 gefertigt!
Bild: Tobias Kempe
Porsche Macan S Der Macan S kommt mit 59.715 Euro erst einmal kaum teurer als der BMW, hat selbigem aber nicht nur PS-seitig, sondern auch im Nutzwert ein paar Kohlen voraus. Ganz davon abgesehen, dass er sich aufgrund seiner Abstammung nicht erst zum hochgelegten Coupé umbatchen muss, um karrierebewusst dazustehen. Und selbst die technische Verwandtschaft zum Audi Q5 bietet eigentlich keine echte Angriffsfläche. Gut, der Macan betreibt Synergie; doch er duldet sie wirklich nur dort, wo sie seiner Identität nicht schadet. Heißt: Die Plattform spendiert Audi, das Drumherum kommt jedoch zu hundert Prozent von Porsche. Angefangen beim Interieur, das sich im Stile des Cayenne auffächert, über das Fahrwerk, das für 2630 Euro als einziges seiner Klasse zur adaptiven Luftfederung avanciert, bis hin zum Antrieb, der neben einem vom Elfer entlehnten Lamellen-Allrad auch einen hauseigenen Biturbo-V6 mit 340 PS und 460 Newtonmetern auffährt. Problem: Dieser trifft auf nicht gerade schmächtige 1948 Kilo!

Fazit

von Manuel Iglisch
Ginge es allein ums Statement, das X4 und Macan verkörpern, so wäre das Finish hier eines fürs Foto. Der BMW kleidet sich zeitgeistiger, gibt sich konsequent modisch und positioniert sich so gesehen fast auf Statushöhe mit dem Porsche, der ihm wiederum in allen anderen Belangen des automobilen Lebens (teils klar) davonfährt. Zum einen wegen seiner bestechenden Fahrdynamik, zum anderen aber auch, weil er selbige extrem ausgewogen verpackt!