In der Verlängerung der Blickachse das Chrysler Building, ein Stück weiter links das UNO-Hauptgebäude, am rechten Rand die Queensboro Bridge und ganz hinten das One World Trade Center – es gibt schlechtere Kulissen für eine Weltpremiere als die East River Piers im New Yorker Stadtteil Queens.
Doch hier und heute hat keiner einen Blick für die vielleicht berühmteste Skyline der Welt. Denn vor ihr räkelt sich ein neuer Sportwagen im Scheinwerferlicht, auf den die Petrolheads sehnlichst gewartet haben: der neue Über-Porsche in der Tradition von 959, Carrera GT und 918 Spyder. Oder zumindest die Studie, aus der einmal der nächste Über-Porsche werden soll: Vorhang auf und Bühne frei für den Mission S.
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Porsche 992 GT3 S/C MY2027 CARBON GREEN LIMITED
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Porsche 911 Carrera GTS Lift, BOSE;18-Wege;360° Surround
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Porsche 992 Targa 4 GTS T-H/Lift/ACC/360°Cam/BOSE/SBL
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Porsche 992 Targa 4 GTS T-H/Lift/ACC/360°Cam/BOSE/SBL
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Porsche 992 GT3 100 Jahre Nürburgring
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Porsche 992 GT3 100 Jahre Nürburgring
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Porsche 911 992.2 TurboS Cabrio*Kreide*Titan*Lift*Carbon
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Porsche 911 992.2 TurboS Cabrio*Kreide*Titan*Lift*Carbon
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Porsche 992.2 Turbo S Coupé*Black*Titan*Lift*Inno*PASM*
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Hybrid (Benzin/Elektro), 11,6 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 264 g/km*
Porsche 992 911 Carrera S Cabriolet InnoDrive HA-Lenkung
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Porsche 992 911 Carrera S Cabriolet InnoDrive HA-Lenkung
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Porsche 992 911 Carrera 4S Cabriolet Liftsystem-VA BOSE
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Porsche 992 911 Carrera 4S Cabriolet Liftsystem-VA BOSE
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353 KW (480 PS)
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Porsche 992 911 Carrera 4S HA-Lenkung Surround-View
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Porsche 992 911 Carrera 4S HA-Lenkung Surround-View
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Porsche 992 -2 (911) Carrera 4 GTS
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Nachdem zuletzt immer mehr Teaser die Stimmung angeheizt haben und das Schaustück kurz vor der Premiere auch noch bei der Generalprobe abgeschossen wurde, war die Überraschung zwar nicht mehr ganz so groß. Aber dafür war dem Tiefflieger höchste Aufmerksamkeit gewiss. Denn was sich da ungeheuer flach, endlos breit, mit bösem Bug und heißem Heck am Ufer des East River jetzt endlich im Scheinwerferlicht räkeln darf, stiehlt nicht nur der Skyline von Manhattan mühelos die Schau. Sondern das lässt auch viele andere Supersportwagen alt aussehen.

Porsche braucht einen neuen Überflieger

Geredet wurde darüber schon lange, und immer mal wieder wäre es fast so weit gewesen. Doch jetzt hatten die Schwaben keine andere Wahl, als diesen Trumpf aus dem Ärmel zu ziehen. Denn es könnte womöglich ihr letzter sein. Der Taycan ist vom Leuchtturm zum Strohfeuer abgestiegen, beim Macan haben sie sich mit dem Verzicht auf den Verbrenner verzockt und den Generationswechsel für den 718 verzögert.
Der Mission S soll die Tradition von 959, Carrera GT und 918 Spyder fortsetzen. Die Studie gibt einen Ausblick auf den nächsten Über-Porsche.
Bild: Thomas Geiger
So haben sie sich erst auf dem Weg in die elektrische Zukunft verzettelt, dann ist ihnen auch noch China weggebrochen, und die Zölle auf dem Weg in die USA machen ihnen das Leben auch nicht leichter. Damit sind die Schwaben vom ertragsstarken Erfolgsgaranten zum Sorgenkind geworden und müssen sich jetzt unter ihrem neuen Chef Michael Leiters ebenso radikal wie schmerzhaft gesundschrumpfen.
Dazu zählt neben einem eisernen Sparprogramm auch ein geschärftes Profil. Und wer sich als "Sportwagenschmiede" präsentieren will, braucht dafür eben auch einen möglichst weit oben angesiedelten, nun ja, Sportwagen, am besten mit dem Präfix Super oder gleich Hyper. Das hat schließlich schon mit dem 959 von 1986 funktioniert, mit dem 911 GT1 zehn Jahre später, mit dem Carrera GT von 2003 und zuletzt 2013 mit dem 918 Spyder.
Doch drei Dinge sind anders als damals. Erstens präsentiert Porsche seinen Überflieger diesmal nicht aus einer Position der Stärke heraus, sondern aus der Defensive und bürdet ihm damit die Rolle als Rettungswagen auf. Zweitens sortiert sich der Mission S zwar deutlich und selbstbewusst über dem Elfer ein, will aber kein Hypercar sein, kein eiliger Exot und keine rasende Rarität, sondern ein – nun ja – ganz normales Serienmodell. Deshalb ist er anders als Carrera GT oder 918 Spyder auch nicht limitiert.
Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, und Designchef Tobias Sühlmann stellen den Mission S vor, der die Tradition legendärer Über-Porsche fortführen soll.
Bild: Thomas Geiger
Im Gegenteil nennt Leiters das kommende Top-Modell ein "dauerhaftes und in seinen Ausprägungen vielfältiges, zusätzliches Angebot für unsere Kunden". Und womöglich auch für die Kunden anderer Marken in der Gruppe. Denn die Zeiten, in denen Porsche eine Plattform für sich allein beanspruchen konnte, dürften vorbei sein. Und drittens wird der Mission S mit einem Preis von wohl um die 500.000 Euro auch noch halbwegs erschwinglich. Zumindest für einen Ferrari-Fighter, der auch Lamborghini, Aston Martin und McLaren ins Visier nimmt.

Das Beste aus 70 Jahren Porsche-Geschichte

Obwohl der Mission S für den Aufbruch steht und zugleich der Erstling des neuen Designchefs Tobias Sühlmann ist, wirft er natürlich den Blick zurück. Schließlich geht es hier ja um die Wiederentdeckung der alten Werte. Deshalb ist er so etwas wie ein Best-of der Power-Porsche und zitiert viele Ikonen aus dem Museum – von den runden Scheinwerfern und den Kotflügeln des Elfers über die Fugen des G-Modells, die flache Front und das Car-in-Car-Heck des GT1 sowie die Dachlinie des 959 bis hin zum zurückversetzten Heck des 935/78, den wir alle als Moby Dick kennen.
Dazu gibt es einen Lüfter auf dem Heckdeckel wie beim 917 und Felgen im Wählscheiben-Look des 928. Und selbst innen geht die Zeitreise weiter: Für das Cockpit standen 550 Spyder und 356 Pate.

Sechs oder acht Zylinder – Hauptsache Vollgas

Aber das sind buchstäblich nur Formalitäten. Die Musik spielt im Heck, oder genauer gesagt in der Mitte. Dort wird ein Kraftpaket stecken, dem je nach Optimismus und Plauderlaune des jeweiligen Gesprächspartners mal sechs und mal acht Zylinder angedichtet werden. Wenn die rote Linie bei 8000 Touren auf dem wunderbar analogen und natürlich weiterhin in die Mitte gerückten Drehzahlmesser der je nach Fahrmodus verschiebbaren Instrumente ein belastbares Indiz ist, dürfte dieser Motor frei saugen.
Klassische Porsche-Gene treffen moderne Technik: Das Design greift Elemente von 959, GT1, 917 und 928 auf.
Bild: Thomas Geiger
Und wenn es nicht nur Wishful Thinking ist, dann sollte die Leistung bis weit ins Vierstellige reichen. Erst recht, wenn – so viel Tribut an die Generation E muss dann offenbar doch sein – der Mission S im Geist des 918 Spyder zu einem Plug-in-Hybriden wird und bis zu drei E-Maschinen bekommt. Dann sollte der Spurt von 0 auf 100 in weniger als drei Sekunden gelingen und bei Vollgas deutlich mehr als 300 km/h drin sein.
In die Studie haben sie einen Sechszylinder aus dem Elfer gesteckt, der laut und dreckig klingt wie die Gangsterrapper aus der Bronx. Was genau die Serienfassung des Mission S einmal befeuern wird, das lassen sich die Schwaben noch nicht entlocken. Aber selbst wenn die neue Plattform – alles andere wäre auf lange Sicht grob fahrlässig – auch vollelektrisch funktionieren kann, lässt die Studie keinen Zweifel daran, dass Porsche die Petrolheads nicht noch einmal im Stich lässt. Gleich vier fette Endrohre, jeweils paarweise zwischen den Diffusor-Elementen gestapelt, sind ein weithin sichtbares Versprechen, dass hier ein wie auch immer gearteter Verbrenner buchstäblich den Ton angeben wird.
Vier Endrohre als klares Signal: Auch beim künftigen Topmodell setzt Porsche auf einen Verbrenner.
Bild: Thomas Geiger
Und solange die Nachfrage nach elektrischen Sportwagen in der Oberliga weiter bei null bleibt, wird Porsche die Kunden auch nicht weiter zu bekehren versuchen. Das wird bei den Nachfolgern für Boxster und Cayman schon schwer genug. Stattdessen spielt Leiters nach dem Motto "Wie es euch gefällt". Das gilt beim Antrieb für den Motor genauso wie fürs Getriebe: da mit oder ohne Stecker, dort mit oder ohne Kupplungspedal. Und selbst beim Interieur können sich Leiters und Sühlmann analoge wie digitale Varianten vorstellen – selbst wenn es in der Studie statt eines echten Displays nur eine Halterung fürs Smartphone gibt. Schließlich will man mit diesem Auto fahren, statt darin zu fingern.

Jetzt muss Porsche die Begeisterung hochhalten

Den Platz für die Premiere haben die Schwaben nicht ohne Grund gewählt. Denn hier haben sie vor über 70 Jahren die ersten 550 Spyder an Land geholt, plaudert Chairman Wolfgang Porsche in einer Videobotschaft zur Premiere aus den Memoiren seines Vaters Ferry, und damit eine innige Liebesbeziehung begonnen, die Porsche jetzt wieder mit neuem Leben und frischer Liebe füllen will. "Und zwar nicht nur in Amerika, sondern überall auf der Welt", gibt "WoPo" den Kurs vor. Hier und heute hat das geklappt, und selbst der passionierte Porsche-Sammler Jerry Seinfeld gibt sich bei der Premiere hingerissen.
Noch ist der Mission S eine Studie. Die Serienversion soll in drei bis vier Jahren folgen.
Bild: Thomas Geiger
Schon lange habe ihn kein Auto aus Zuffenhausen so begeistert, sagt der Millionär, Komiker und Premium-Petrolhead – und steht dabei nicht einmal auf einer Bühne. Doch jetzt müssen sie in Stuttgart die Begeisterung noch hochhalten, bis aus dem Mission S ein Serienauto wird – und das wird im besten Fall noch drei, im schlimmsten sogar vier Jahre dauern.