Cajun, Pajun, was nun? Ganz einfach (wenn’s einem gesagt wird): Das "jun" steht für Junior, also kleiner. Das "Ca" für Cayenne und das "Pa" für Panamera. Porsche-SUV und Porsche-Limo im Taschenformat also. Aber keine Angst: Die Namen sind nur interne Arbeitstitel, Kennzeichen für zwei gänzlich neue Modellfamilien. Cajun basiert auf dem Audi Q5, Pajun auf einem Technikbaukasten im Embryostadium: der Motor vorn, Antrieb hinten. Oder, auf Wunsch, auch mit Allradantrieb. Dazu gehört ein neuer V6-Benziner, alternativ zu einem V8. Als weitere Kraftspender für Sparer im Programm: ein Plug-in-Hybrid sowie ein V6-Diesel.

Überblick: News und Tests zu Porsche

Porsche Pajun Coupé B
Auch denkbar: der Pajun Stufenheck. Weitere Varianten sehen Sie in der Bildergalerie!
Bild: Larson Illustration
Warum bekommt Porsche für den Mini-Panamera eine frische Plattform, statt sich bei Audi zu bedienen? Weil Audi andere Schwerpunkte setzt. Dort muss die Basis extrem flexibel sein, die SUV-Fraktion mit Q5 und Q7 (plus Pajun, Cayenne und Touareg) ebenso abdecken, wie einen A4 oder den künftigen Super-Audi A9 W12. Und sie muss das komplette Material-Spektrum beherrschen, von Ganzstahl bis Vollaluminium. Nur das, was zu einem Vollwert-Porsche unabdinglich gehört, der Heckantrieb nämlich, das bietet die Audi- Plattform nicht. Deshalb die neue Basis.

Überblick: News und Tests zu Bentley

Porsche Pajun
Nur wenn der Panamera II als Cabrio kommt, schrumpft der offene Pajun zum 2+2-Sitzer.
Bild: Larson
In fünf Jahren soll sie folgende Eventualitäten abdecken:
Porsche Pajun Limousine
• Porsche Pajun Cabriolet
• Porsche Pajun Coupé oder Shooting Brake
Porsche Panamera II
Bentley Continental III
Bentley Mulsanne II
Bentley Compact Sedan
• Bentley Compact Coupé
• Bentley Compact Convertible
Lamborghini Estoque
Lamborghini GT Coupé
Audi ziert sich noch und will den nächsten A8 wieder komplett in Eigenregie auf die Räder stellen. Doch da ist noch viel im Fluss. Die wichtigsten Vorgaben für den neuen Technikbaukasten:
• Leichtbau durch innovativen Materialmix,
• optimale Gewichtsverteilung durch Frontmittelmotor- Konzept sowie Transaxle- Bauweise (Getriebe vor der Hinterachse),
• hohe Flexibilität bei Abmessungen und Varianten,
• überdurchschnittliche Synergieeffekte bei Konzeption, Einkauf, Fertigung,
• einfacher Ausbau zum Allradantrieb ohne zusätzliche Kardanwelle,
• austauschbare Elektronikplattform, Fahrwerktechnik und Motoren-/Getriebefamilien.
Beim Antrieb liegt der Schwerpunkt für den Pajun auf den V6-Aggregaten mit 3,0 und 3,6 Liter Hubraum. Das Leistungsspektrum der aufgeladenen Triebsätze beginnt bei 400 PS und endet erst bei 550 PS und knapp 700 Nm. Der von Audi beigesteuerte 3,0-Liter-V6-TDI wird ebenfalls auf Porschegemäße Werte massiert werden: Je nach Auslegung rechnen wir mit 265 und 335 PS. Doch während die Diesel zugekauft werden müssen, sind die V6-Benziner auch fertigungstechnisch gesehen Eigengewächse der Zuffenhausener. Als Kraftübertragung ist einheitlich ein Doppelkupplungsgetriebe mit acht Gängen vorgesehen. Für die Bentley- Ableger reicht der Platz unter der Haube bei Bedarf aber auch für V8-, V10- und W12-Motoren. Natürlich bleibt auch das E-Wort nicht unausgesprochen: Ein Elektro-Pajun gehört zum Lastenheft, mit Range Extender wahrscheinlich, und zwar in Form eines aufgeladenen Vierzylinders von mindestens 250 PS als Ladegerät für die Batterien.
Mit der neuen Pajun-Baureihe könnte Porsche seine Gesamtproduktion von 95.000 (2010) auf über 200.000 Einheiten pro Jahr ausweiten. Der Schulterschluss mit Bentley gilt dabei als ausgemacht, im Gegensatz zur Liaison mit Lamborghini. Der Grund: Audi favorisiert als Lambo-Mutter ein Q5-/Cajun- Schwestermodell anstelle eines Pajun-Ablegers. Bei Lamborghini selbst verweist man dagegen auf die Tradition der Frontmotor-Coupés und auf die positive Reaktion auf die Estoque-Studie. Also lieber Pajun als Cajun. Nach heutiger Geldwertrechnung würde der Pajun im Segment ab 60.000 Euro antreten. Damit wäre er teurer als Audi A7, der 5er GT von BMW und der einfachste Mercedes CLS. Zugleich bleibt aber natürlich noch viel Luft nach oben bis zum ausgewachsenen Panamera. So passt das dann auch wieder.

Fazit

von

Georg Kacher
Der Pajun ist erst der Anfang. Auf seiner technischen Basis könnte Porsche fast die komplette Premium-Palette aller Konzernmarken neu erfinden – was aber innenpolitisch unklug wäre. Deshalb setzt Porsche auf eine Revolution in kleinen Schritten: Auf den Pajun folgen der kompakte Bentley, der nächste Continental und Panamera II. So macht sich Porsche in kürzester Zeit unentbehrlich.