Selten standen die Chancen eines Herstellers so schlecht, den harten AUTO BILD-Dauertest ohne Beanstandungen zu überstehen, wie beim Panamera. Schließlich ist die dicke Limousine ein Patchwork-Kind: Die Karosserie wird im Transporter-Werk von VW in Hannover hergestellt, den Motor liefert die Schwestermarke Audi ans Band in Leipzig. Da für die Langzeitqualität geradezustehen, ist zumindest mutig. Aber Porsche war da ganz entspannt – und schickte einen Panamera Diesel nach Hamburg in die Redaktion.

Für 97.337 Euro sollte man einiges erwarten dürfen

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Video: Porsche Panamera Diesel

Panamera im Dauertest

Schon bei Kilometerstand 4567 sahen sich die Zweifler bestätigt. Auf einer Dienstreise nach Lüneburg leuchtete plötzlich die Motorkontrollleuchte, und der Porsche fuhr nur noch im Notlaufprogramm mit rund 80 Kilometern in der Stunde zurück in die Hansestadt. Im Porsche-Zentrum stand schnell fest: Nichts Schlimmes, ein Unterdruckschlauch des Turboladers hatte sich gelöst. Es war einer von zwei gravierenden Defekten, den sich der Panamera auf 60.000 Kilometern leistete. Schnell erfuhr sich der Porsche den Respekt der Redaktion. Lange Strecken verloren am Steuer der 97.337 Euro teuren Limousine ihren Schrecken. Mal eben zu einer Vergleichstestproduktion nach Italien? Kein Problem. Zumal der Verbrauch selbst auf schnell gefahrenen Etappen im Rahmen bleibt. Unser Kollege Karl-August Almstadt etwa ist auf einen Wert von 7,9 Litern pro 100 Kilometer gekommen – was eine Reichweite von 1000 Kilometern ermöglicht.

Kleinigkeiten statt großer Qualitätsmängel

Porsche Panamera
Eine einfache Kunststoffhülse zerböselte und damit war der Endanschlag der Lenkradverstellung dahin.
Aber auch mit Komfort konnte der Panamera überzeugen – und das ist sonst ja nicht gerade eine Porsche-Domäne. "Das Fahrwerk ist eine Überraschung. Eine satte, ruhige Straßenlage, gepaart mit hohem Federungskomfort und typischem Porsche-Feeling", fasst es Redakteur Martin Puthz zusammen. Das ist aber nur die eine Seite des Porsche. Denn sobald es in die Stadt geht, verliert der Panamera schnell seinen Reiz. "Die Rundumsicht ist ein schlechter Scherz. Ohne eine Kamera geht gar nichts", sagt etwa Redakteur Manfred Klangwald. Und auch Tester Stefan Mallach war froh, den Panamera ohne Kratzer an den Rädern und ohne anzuecken in der Redaktions-Garage wieder abge­stellt zu haben. Und sonst alles prima mit dem dicken Porsche? Nicht ganz. Ein paar Detailmängel störten im Dauertest dann doch. So war bei Kilometerstand 42.226 der Endanschlag der Lenkradverstellung zerbröselt und wurde auf Garantie getauscht.

Auch ein Porsche kann mit dem Sprit knausern

Porsche Panamera
1000 Kilometer mit einer Tankfüllung: Kollege Almstadt fuhr den Panamera mit 7,9 Litern auf 100 Kilometer.
Und auch die Tankanzeige bereitete im Winter Sorgen. Bei Temperaturen um null Grad brauchte sie mehrere Minuten, um den korrekten Inhalt anzuzeigen. Klar, nur Kleinigkeiten. Aber in dieser Preisklasse sollte der Käufer eben auch im Detail Perfektion erwarten können. Nichts zu beanstanden gab es hingegen bei der Endabrechnung. Über 60.000 Kilometer verbrauchten wir im Schnitt neun Liter Diesel pro 100 Kilometer. Ein sensationell niedriger Wert, der gemeinsam mit den geringen Wartungskosten von 396 Euro (Inspektion bei 30 000 Kilometern) und 379 Euro (Ölwechsel bei 50.000 Kilometern) für einen Kilometerpreis (ohne Wertverlust)von 30 Cent sorgte – für so ein Auto ein durchaus annehmbarer Wert. Bei der Abschlussuntersuchung stellten wir kaum Mängel fest. Ein Wärmeschutzblech am Differenzial eingerissen, die Ölwannendichtung schwitzte – das war's. Das ließ auch die letzten Skeptiker verstummen.

Fazit

von

AUTO BILD
Beeindruckend, was für eine gute Reiselimousine Porsche mit dem Panamera auf die Räder gestellt hat. Tausend Kilometer und mehr am Stück sind kein Problem. Die Qualität im Dauertest passt zu den hohen Preisen. Erstaunlich: Der niedrige Verbrauch von im Schnitt neun Litern.

Von

Stefan Voswinkel
Manfred Klangwald