Premiere Jaguar XF
Der Revolution zweiter Teil

Mit dem Sportcoupé XK erprobte Jaguar erfolgreich eine völlig neue Formensprache. Nun präsentieren die Briten erstmals eine klassische Limousine im modernen Look: Auf der IAA stellt Jaguar den S-Type-Nachfolger XF vor. Das Ergebnis dürfte für Diskussionen sorgen.
- Stephanie Kriebel
Was müssen sie geschwitzt haben, die Verantwortlichen bei Jaguar, als der XK auf der IAA 2005 Premiere hatte. Eine völlig neue Designsprache trug das Sportcoupé in die Welt. Weg von barocken Formen, hin zu moderner Sportlichkeit. Keine leichte Aufgabe bei einer solch prestige-trächtigen Marke. Der XK hat seine Feuerprobe bestanden, fraglos. Jetzt – zwei Jahre später – zündet Jaguar die zweite Revolutionsstufe: Mit dem S-Type-Nachfolger XF wird nun eine klassische Limousine ins moderne Kleid gesteckt. Auf der IAA 2007 feiert er Premiere. Die Herausforderung für die Designer: den Viertürer neu erfinden und gleichzeitig einen hundertprozentigen Jaguar kreieren. Um es kurz zu machen: Auf den ersten Blick gelungen scheint das nicht. Im Vorbeigehen könnte man den neuen Jaguar auch für eine Limousinen-Studie von SsangYong halten. Ganz schön gewagt.

Bild: Mark Bramley
Die Speerspitze: der Kompressor-V8 mit 416 PS aus dem XKR

Bild: Werk
In Sachen Interieur sind die Erwartungen an Jaguar natürlich hoch. Der XF begegnet diesem Anspruch in allen Belangen en vogue. "Das Interieur des neuen XF ist eine einmalige Kombination aus Stil und Substanz", heißt es im Jaguar-O-Ton selbstbewusst. Hochwertige Materialien wie Leder und Echtholz, moderne Instrumente und vorzügliche Sitze verstehen sich in diesem Segment von selbst. Erklärtes Ziel war es, einen speziell auf den Fahrer zugeschnittenen Arbeitsplatz zu schaffen. Der XF-Pilot soll mit nützlichen Details entlastet, anstatt mit allem erdenklichen Schnickschnack verwirrt werden. Ein nicht unbedingt notwendiges, dafür aber beeindruckendes Gimmick empfängt den Fahrer, wenn er sich an die Kommando-Zentrale setzt: Der rote Startknopf beginnt, wie ein Herz zu pulsieren. Wen das nicht abschreckt, der wird vom Erwachen des Jag-Motors belohnt – und mit dem Erscheinen des "JaguarDrive Selectors", der "aus der Versenkung nach oben fährt und sich sanft in die Handfläche des Bedieners schmiegt" (O-Ton Jaguar). Mit dem Zauberrad lassen sich zahlreiche Antriebsprogramme (Winter, Sport etc.) wählen. Ebenfalls zeitgleich schaltet das Navi auf seine Startseite, und die Lüfterdüsen schwenken in ihre Betriebsposition. Die ganze Szenerie wird durch die auf Handzeichen aktivierbare phosphorblaue Innenraumbeleuchtung illuminiert. Ganz großes Kino.
Audio- und Telefonanlage sind sprachgesteuert, der Tote Winkel wird radar-überwacht, das Parken wird durch Sensoren und Rückfahrkamera erleichtert, die adaptive Geschwindigkeitsregelung mit einer möglichen Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit soll die Gäule vom Durchgehen abhalten. Aktive Fahrhilfen und Infotainment-Anlage sind selbstredend auch an Bord. Die Auslieferung beginnt im Frühjahr 2008. Die deutschen Preise gibt Jaguar im Rahmen der IAA bekannt. Zur Orientierung: In seiner Heimat England startet der XF als Benziner und Diesel jeweils bei 33.900 Pfund (umgerechnet rund 50.000 Euro). Der 4,2-Liter-V8 kostet 45.500 Pfund (umgerechnet gut 67.000 Euro), das Topmodell SV8 will mit 54.900 Pfund (rund 81.000 Euro) beim Händler ausgelöst werden. Zum Vergleich: Den S-Type gibt es hierzulande bislang ab 41.900 Euro (2,7-Liter-Diesel, 207 PS), der Dreiliter-Benziner (238 PS) startet bei 50.900 Euro, das Spitzenmodell S-Type R (4.2 V8, 395 PS) kostet 68.600 Euro.
Service-Links