Pro & Kontra Namen oder Kürzel für Klassiker: Brauchen Autos einen Namen?
Calibra, Twingo, Ente: Brauchen Autos einen Namen?

Calibra, Käfer, Ente, Pagode oder göttliche DS: Legendäre Autos tragen legendäre Namen. Viele argumentieren, dass kurze wie kühle Kombinationen aus Zahlen und Buchstaben reichen – wie 300 TDT, 520i etc. Zwei Meinungen dazu!
Bild: AUTO BILD / Christian Bittmann
Wer wird sich über ein paar Buchstaben aufregen? Wer erlebt hat, wie ergiebig sich Mutter und Vater über den Namen ihres anreisenden Nachwuchses auseinandersetzen können, weiß: so einige. Und daher haben unsere beiden Kollegen ein paar griffige Argumente zur Hand, warum viele Auto zu Recht einen Namen tragen – bzw. warum eben nicht.
"Käfer, Ente, Panda –bei diesen Namen haben wir Bilder im Kopf. Schöne Bilder!"
Stellen Sie sich mal vor, vier Jungs reden auf dem Spielplatz über Papas Auto. Sagt der Erste: "Meiner fährt 'nen Käfer." Nummer zwei: "Und meiner 'ne Ente." Der dritte Knirps: "Meiner hat sich 'nen Panda gekauft." Und Nummer vier? Ist ganz bedröppelt und referiert: "Bei uns steht CR-V e:PHEV drauf."

Andreas May sagt: Das Kind braucht nun mal einen Namen.
Bild: Volkswagen AG
Dass wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen japanische Plug-in-Hybride. Aber ich habe was dagegen, dass Firmen wie Honda ihren Fahrzeugen neuerdings keine Namen mehr geben, sondern Buchstaben aneinanderreihen. Oder dass andere so einfallslos sind und durchnummerieren: 1er, 2er, 3er. Oder A3, A4, A6. Oder A-, B-, C-, E-Klasse. Ja, um Himmels willen, da will man doch gar nicht wissen, wie die Kinder dieser Namenserfinder heißen.
Etwa Tochter Alpha oder Sohn Gamma? Autos brauchen Namen, denn Namen wachsen einem ans Herz. DIE Supra etwa, dieses Auto ist weiblich. Oder DIE Giulia, DIE Alpine, DIE Elise. Wir sagen DER Scirocco und denken daran, wie wir Dorfjungs ihn liebevoll Rocco nannten oder später "Scirosto", je nach Zustand. Wer auch nur einen Tropfen Benzin im Blut hat, will keine technokratische Buchstabensuppe am Heck, sondern gibt dem Kind einen Namen.
So wurde aus dem Ford 17M die Badewanne, aus dem VW T1 der Bulli, aus dem Volvo P1800 ES der Schneewittchensarg. Wenn wir heute über Badewanne reden, über Bulli oder Schneewittchensarg, haben wir Bilder im Kopf, schöne Bilder. Namen sind identitätsstiftend. Ich für meinen Fall gehe sogar noch einen Schritt weiter. Meinen Käfer, der eigentlich 1303 Cabrio heißt, nenne ich "Maykäfer", eigentlich auch logisch bei meinem Nachnamen. Eine Freundin hat mir ein Logo entworfen, das ich auf Hoodie und T-Shirt habe drucken lassen, und wenn sich Freunde nach meinem Auto erkundigen, dann fragen sie: "Und, was macht der Maykäfer?"
"Twingo und Calibra – das könnten auch Hundespielzeuge oder Duschgels sein"
Bei mir muss alles seine Ordnung haben. Ich sortiere Hefte chronologisch, CDs alphabetisch und habe ein durchdachtes Ablagesystem. Und ich mag sinnvolle Abkürzungen. Das gilt auch bei Bezeichnungen eines Fahrzeugtyps. Bei Herstellern wie Mercedes oder BMW liefern simple Ziffer-Buchstaben-Kombinationen konkrete, kurze Informationen zu Modellhierarchie, Karosserievariante, Motorisierung und Antriebsart. Zumindest bis in die frühen 2000er-Jahre.

Lars Busemann findet Buchstabenfolgen passender als Namen.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
BMW 520i, alles klar. Mittelklasse, Limousine, Zweiliter-Einspritzer. Knackig, prägnant – und imageträchtig. Mercedes 300 TD 4Matic – sofort ist ersichtlich, um welchen Typ es sich handelt. Mittelklasse, Dreiliter-Diesel in der Kombi-Variante mit Allradantrieb. Diese technisch nüchterne, über Jahrzehnte verwendete Nomenklatur überzeugt mich mehr als Kunstnamen. Im Vergleich zu einer technisch-sachlichen Logik bei Ziffer-Buchstaben-Bezeichnungen wirken Kunstnamen für mich wie Ramsch vom Grabbeltisch.
Selbst Kult-Typenbezeichnungen wie Manta, Golf oder Capri stehen in keinem sachbezogenen Verhältnis zu dem so bezeichneten Fahrzeug. Da sind schon Anhängsel wie 2.0 S, 1.6 GL oder 1600 GT zur exakten Definition nötig. Dazu kommt, dass systematisch durchdachte Ziffer-Buchstaben-Kombinationen international verständlich, logisch und einprägsam sind. Zugegeben, die Typenbezeichnung "Twingo" sitzt bei mir ebenso. Sie könnte aber auch ein Hundespielzeug oder ein Duschgel bezeichnen.
Kunstwörter festigen sich erst durch den Sprachgebrauch. Warum heißt der Tisch "Tisch" und der Baum "Baum"? Weil sich die Sprachgemeinschaft irgendwann geeinigt hat, die Dinge so zu benennen. Bei technischen Gegenständen wie Autos mag ich es, wenn ich schon durch deren Bezeichnung informiert werde. Deswegen bin ich auch ein großer Fan von Heckschriftzügen. Einer steht auf meinem Schreibtisch: 200 D.
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