Ein neuer Sommerreifen rollt mit einer Profiltiefe von sieben bis acht Millimetern aus dem Werk. Tausende Kilometer später haben zahlreiche Straßen die Lauffläche abgeschliffen, vom Profil ist nur noch wenig übrig. 1,6 Millimeter sind erlaubt, doch bedeutet das ein Sicherheitsrisiko? AUTO BILD hat es beim Praxistest von Continental ausprobiert!
Auf dem rund 220 Fußballfelder großen Contidrom-Gelände betreibt der Reifenhersteller unter anderem eine Anlage für Bremstests bei Nässe. Kleine Spritzdüsen am Rand der Fahrbahn setzen den Asphalt kontinuierlich unter Wasser, über 10.000 dieser Mini-Sprinkler verteilen sich auf dem gesamten Contidrom.

Sommerreifen der Dimension 245/45 R19

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1.
Hankook
Ventus evo 245/45 R19 102Y XL FP
1,1
sehr gut
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2.
Goodyear
Eagle F1 Asymmetric 6 245/45 R19 102Y
1,2
sehr gut
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3.
Michelin
Pilot Sport 5 245/45 R19 102Y XL FP
1,3
sehr gut
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4.
Giti Tire
GitiSport S2 Plus 245/45 R19 102Y XL
1,4
sehr gut
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5.
Pirelli
Cinturato C3 245/45 R19 102Y XL FP
1,4
sehr gut
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6.
Kumho
Ecsta Sport PS72 245/45 R19 102Y XL FP EV
1,6
gut
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7.
Continental
PremiumContact 7 245/45 R19 102Y XL FP
1,6
gut
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8.
GT Radial
SportActive 2 EVO 245/45 R19 102Y XL MFS
1,8
gut
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9.
Nexen Tire
Nexen N Fera Sport 245/45 R19 102Y
1,9
gut
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10.
Vredestein
Ultrac Pro 245/45 ZR19 102Y XL
1,9
gut
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Komplette Liste: Sommerreifen der Dimension 245/45 R19
Der Versuchsaufbau: An zwei baugleichen VW ID.3 wird jeweils ein Satz Sommerreifen des Typs PremiumContact 7 von Continental montiert. Beide Reifen sind gleich groß (215/55 R 18) und wurden in derselben Woche produziert. Weil alte Reifen schlechter bremsen, ist das gleiche Herstellungsdatum notwendig, um den Einfluss des Alterungseffekts auszuschließen. Der einzige Unterschied: Ein Reifensatz hat eine fabrikfrische Profiltiefe von ca. 7,5 mm, der andere ist bis zum gesetzlich erlaubten Limit von 1,6 Millimetern abgefahren.

Nass-Bremsweg aus 80 km/h wird 11,5 Meter länger

Eine Vollbremsung aus 80 km/h soll den Unterschied zwischen beiden Reifensätzen offenlegen – und der ist gewaltig! Während der Wagen mit Vollprofil-Reifen bereits nach 26 Metern steht, kommt der Wagen mit abgefahrenen Reifen erst nach 37,5 Metern zum Stehen. Er legte beim Bremsen also 11,5 Meter mehr zurück als der Konkurrent mit neuwertigem Profil!
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Kleine Spritzdüsen am Fahrbahnrand setzen die Nassbrems-Anlage konstant unter Wasser.
Bild: Raphael Schuderer
Wo der erste ID.3 schon steht, hat der abgefahrene Kandidat noch 44 km/h Restgeschwindigkeit. Unangenehmes Tempo für einen Aufprall – etwa in ein Stauende. Bei höherer Geschwindigkeit wird der Abstand noch deutlicher: Aus 100 km/h steht der Reifen mit vollem Profil nach 40 Metern, der abgefahrene bremst noch satte 37,5 Meter weiter (insgesamt 77,5 m). Nach 40 Metern hat er noch eine Restgeschwindigkeit von gewaltigen 70 km/h.

Unter 3 Millimeter Profiltiefe droht erhöhte Gefahr

Warum ist das so? "Von neu bis ca. 4 bis 5 mm Profiltiefe fällt die Bremsleistung relativ moderat ab, vor allem auf Nässe ist der Effekt spür- und messbar. Ab etwa 3 mm Restprofil verschlechtert sich die Bremsleistung auf nasser Fahrbahn überproportional. Unter 2 mm ist ein starker Einbruch bei Aquaplaning‑Reserven und insbesondere dem Nassbremsen bemerkbar, weil die Wasserverdrängung des Profils nicht mehr ausreichend funktioniert", erklärt Philipp Must aus der Abteilung Forschung und Entwicklung bei Continental. "Grundsätzlich gilt: Der entscheidende Sicherheitsverlust beginnt nicht erst bei den gesetzlichen 1,6 Millimetern, sondern deutlich früher, weshalb 3 Millimeter – wie die Empfehlung des ADAC – als praxisnaher Mindestwert sinnvoll sind." Ein zurückliegender Bremstest von AUTO BILD lieferte dasselbe Ergebnis.

Eine Nasse Fahrbahn ändert alles

Interessanter Nebeneffekt: "Auf trockener Fahrbahn kann ein stärker abgefahrener Sommerreifen tatsächlich etwas bessere Bremswerte erzielen als ein Neureifen. Der Grund ist die größere Gummi‑Aufstandsfläche und die geringere Profilbewegung. Das darf aber nicht falsch verstanden werden: Diese Vorteile gelten ausschließlich auf trockener Fahrbahn. Sobald Nässe ins Spiel kommt, kippt dieser Effekt, und abgefahrene Reifen verlieren deutlich an Sicherheit. Deshalb raten wir dringend davon ab, Reifen bewusst bis an die Verschleißgrenze zu fahren", warnt Must.

Fazit

von

Raphael Schuderer
Je weniger Profil, desto gefährlicher – vor allem auf nasser Fahrbahn. Leider unterschätzen immer noch viele Autofahrer den Einfluss der Reifen auf die Fahrsicherheit und fahren die Pneus bis zur letzten Rille runter. Die gesetzlich erlaubte Profiltiefe erscheint nach diesem Bremstest als zu gering.