RB26DETT: Reihensechser im Skyline GT-R R32, R33, R34

So funktioniert der GT-R-Motor R32, R33 und R34

Der Reihensechszylinder RB26DETT aus dem Skyline GT-R gilt unter Tuningfans als heiliger Gral des Motorenbaus. AUTO BILD erklärt die Technik des Twinturbos!
Wer Skyline sagt, muss auch RB26 sagen. Der Reihensechszylinder aus dem Nissan Skyline GT-R hat einen ebenso klangvollen Namen wie das Auto, in dem er zum Einsatz kommt. Seinen Nimbus erlangte er wegen seiner Standfestigkeit und den enormen Leistungsreserven.
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Das Aggregat ist Teil der RB-Reihe, einer Motorenfamilie aus Reihensechszylindern. Deren Hubraum reicht von zwei bis drei Litern, es gab Versionen mit einem oder zwei Turboladern.

Ein Monster namens Godzilla

Skylines wie der Calsonic-GT-R fuhren ihre Gegner in der JTCC und der ATCC in Grund und Boden.

Der König unter den RB-Motoren ist der hier vorgestellte RB26DETT. Sein kryptischer Name setzt sich zusammen aus der Motorenreihe (RB), den 2,6 Litern Hubraum (26), den zwei obenliegenden Nockenwellen (D = DOHC, Dual Overhead Camshaft), der elektronisch geregelten Einspritzung (E) und der Twinturbo-Aufladung (TT). Seinen Einstand feierte der Motor 1989 im Skyline GT-R R32, der in der Japanischen Tourenwagenmeisterschaft JTCC eine beispiellose Siegesserie ablieferte. Zwischen 1990 und 1993 gewann er 29 Saisonläufe – von 29! Die australische Presse verlieh dem R32 den Spitznamen "Godzilla". Nach 13 Jahren fand der RB26 mit der Einstellung des GT-R R34 2002 ein vorläufiges Ende.

Deutlich mehr Leistung als angegeben

Oft zitiert: Offiziell waren aber nur beim R34 GT-R Ventildeckel und Zahnriemenabdeckung rot lackiert.

Der Reihensechszylinder hat 2568 Kubikzentimeter Hubraum. Mit 86 Millimeter Bohrung und 73,7 Millimeter Hub ist er kurzhubig ausgelegt und kommt auf eine Verdichtung von 8,5:1. Durch einen gusseisernen Motorblock und mit geschmiedeten Innereien ist der Motor enorm standfest. Die vier Ventile pro Zylinder werden von zwei Nockenwellen angesteuert, die im Aluminium-Zylinderkopf sitzen. Statt einer einzigen gibt es sechs Einzeldrosselklappen, was das Ansprechverhalten verbessert. Die Thermik halten natriumgefüllte Auslassventile und spritzölgekühlte Kolben im Griff. Insgesamt war der Motor auf eine Leistung von etwa 500 PS ausgelegt. Aufgrund der damals geltenden freiwilligen Selbstbeschränkung in Japan ("Gentlemen's Agreement") wurde er aber gnadenlos geknebelt und im R32 auf offiziell 280 PS und 353 Nm gedrosselt. In der Praxis tendierte die Leistung eher in Richtung 330 PS. Durch Feintuning der Motorsteuerung und mit neuen Turbos stieg das Drehmoment im R34 auf 392 Nm.
Dass der Motor für weitaus mehr Leistung gut ist, versuchte Nissan gar nicht erst zu verheimlichen. Allein durch Anpassung des Benzin- und Ladedrucks sind ohne Probleme haltbare 500 PS möglich. Die Ladedruckbegrenzung auf 0,7 Bar geschieht durch einen elektronischen Widerstand. Den hat Nissan praktischerweise gleich gelb eingefärbt, wodurch er leicht zu finden und zu entfernen ist. Dann steigt der Ladedruck auf etwa 0,97 Bar.

Turbinenschaufeln aus Keramik

Der R34 GT-R war kürzer und aggressiver designt als sein Vorgänger, der als zu gefällig und behäbig galt.

Dem RB26 machen zwei parallel laufende Turbolader mit Ladeluftkühlung und Blow-off-Ventil Druck. Die Twinturbo-Auslegung ergibt ein weniger breit nutzbares Drehzahlband als bei einer sequenziellen Aufladung. Die Leistungsentfaltung ist rennmotormäßig linear ansteigend, für die volle Leistung muss man den RB26 ausdrehen. Im R32 und R33 wurden gleitgelagerte "Garrett T25"-Turbos mit Turbinenrädern aus Keramik verbaut. Das Material ist besonders leicht und sorgt für ein ein besseres Ansprechverhalten der Turbolader. Zur R34-Generation hielten kugelgelagerte Garrett T28-Turbos Einzug. Die Kugellagerung lässt die Lader noch spontaner ansprechen und leichter hochdrehen.

Rennorientierte N1-Version

Für die Rennserien der Gruppe A und Gruppe N entwickelte Nissans Motorsportabteilung Nismo eine Hochleistungsversion des RB26 mit dem Namenszusatz N1. Er bekam eine feingewuchtete Kurbelwelle, überarbeitete Wasser- und Ölkanäle im Motorblock, größere Kolbenringe und andere Nockenwellen. Zudem erhielten die Turbolader Turbinenräder aus Stahl. Sie sind zwar etwas schwerer als die Keramikvarianten, aber vor allem bei hohen Drehzahlen stabiler und weniger anfällig. Der N1-Motor kam auch in einigen Straßenvarianten des Skyline GT-R zum Einsatz, etwa im R34 GT-R V-Spec II Nür und im R34 GT-R M-Spec Nür.

RB28Z2 als maximale Ausbaustufe

Wenn der RB26 der König ist, dann ist der RB28Z2 der Kaiser. Zum 20-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 2005 baute Nismo 19 Exemplare des Skyline R34 GT-R Z-Tune. Dessen Reihensechszylinder wurde auf 2,8 Liter Hubraum aufgebohrt (daher der Name), der Block wurde verstärkt. Neben einer neuen Kurbelwelle, neuen Nockenwellen und Schmiedekolben spendierte Nismo dem Motor zwei IHI-Turbolader. Ergebnis: 507 PS, 540 Nm, 8000 U/min Maximaldrehzahl. Seine 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 327 km/h Höchstgeschwindigkeit beeindrucken auch heute noch. Der Z-Tune entstand übrigens drei Jahre nachdem der Skyline ausgelaufen war. Nismo kaufte einige GT-R von ihren Besitzern zurück und baute die Autos komplett neu auf. Eine andere Ausbaustufe des RB26 war der RBX-GT2 aus dem nur 44 Mal gebauten R33 Nismo 400R. Aus ebenfalls 2,8 Litern Hubraum schöpft er 400 PS und 478 Nm.

Nahezu unerreichtes Tuning-Potenzial

Die 600 PS im Zero-R von HKS markieren noch lange nicht das Ende der Leistungs-Fahnenstange des RB26.

Legendär ist Nissans Vorzeige-Sechszylinder auch wegen seines massiven Tuning-Potenzials. Wie beschrieben, ist der Motor bereits ab Werk für mehr als 500 PS ausgelegt. Der Graugussblock selbst hält sogar bis zu 1000 PS stand, was gewaltigen 380 PS pro Liter Hubraum entspricht. Durch Änderung des Kraftstoff- und Ladedrucks kommt man problemlos auf haltbare 500 PS – ohne Modifikationen an Kolben, Pleueln oder Lagerschalen. Mit weiteren Tuningmaßnahmen ist noch mehr drin, über 1000 PS sind bei getunten Skyline keine Seltenheit. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass der 2JZ-GTE aus dem Toyota Supra MK4 in Sachen Standfestigkeit und Tuning-Potenzial noch mal eine Schippe drauflegt.

Seit Kurzem ist er wieder zu kaufen

Blick auf einen RB26 im R32 GT-R. Derart original dürften die wenigsten Skyline-Motorräume aussehen.

Das Beste kommt wie immer zum Schluss: Wer sich einen RB26-Motor kaufen möchte, der kann ihn sich seit Anfang 2019 bei Nismo Heritage bestellen. Zwar nur in Einzelteilen, dafür aber fabrikneu! So ist der Standard-Graugussblock für umgerechnet knapp 1500 Euro zu haben, der verstärkte N1-Block liegt bei gut 2600 Euro. Der Alu-Zylinderkopf kostet knapp über 1600 Euro. Schnäppchenpreise im Vergleich zu den fünfstelligen Summen, die im Internet für originale RB26DETT-Komplettmotoren teilweise verlangt werden. Wer will: Hier geht es zum Nismo-Teilekatalog!
Hier gibt es die volle Ladung RB26-Sound:
Quellen: Nissan, Nismo

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