Wenn ein Autohersteller einen Reichweitenrekord meldet, schaut man genauer hin – besonders dann, wenn die erzielte Distanz groß ist und die Leistung herausragt. Mit 1205 Kilometern aus einer einzigen Akkuladung hat der Lucid Air Grand Touring die Elektroauto-Reichweite auf ein neues Level gehoben – und ist damit gleich ins Guinnessbuch der Rekorde gefahren.
Besonders interessant: Der Rekord wurde mit einem Serienfahrzeug und auf öffentlichen Straßen erzielt. Der Wagen in "Infinite Black" wurde von einem erfahrenen Langstreckenteam rund um den Piloten und Geschäftsmann Umit Sabanci, gemeinsam mit zwei weiteren Fahrern, gesteuert.

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Doppelschleife für die Rekordfahrt

Als Strecke für den Rekordversuch wählte das Team das Dreiländereck Schweiz, Deutschland und Österreich. In insgesamt 25:01 Stunden wurden exakt 1205,8 km zurückgelegt, bis der 117-kW-Akku des Lucid leer war. Lucid gibt keine Nettogröße der Batteriekapazität an, für eine Schleichfahrt zur nächsten Ladesäule wäre noch Strom an Bord gewesen, verriet ein Lucid-Sprecher auf AUTO BILD-Anfrage.
Start für den Rekordversuch war Silvaplana in der Nähe von St. Moritz – somit begann die Fahrt auf 1824 Höhenmetern. Über Innsbruck ging es nach München. Dieses Profil ist günstig für eine Verbrauchsfahrt, denn sie ermöglicht nach dem Überwinden von Steigungen das verbrauchsneutrale Rollen über viele Kilometer.
Auf einer zweiten Runde führte die Fahrt zum Bodensee nach Konstanz, durch den Arlbergtunnel und wieder zurück nach Innsbruck. Mit Landshut als Wegpunkt ging es weiter nach Moosburg bei München, wo die Fahrt mit dem Durchbrechen des Reichweitenrekords ihr glückliches Ende nahm. Der Lucid übertraf die bisherige Rekordstrecke eines Mercedes EQS 450+ von 1045 km um ganze 160 Kilometer. Diesen Rekord hatte ein Team in Japan erst am 19. Juni 2025 aufgestellt.
Lucid-Rekordteam um Umit Sabanci mit der Kontrolleurin des Guinness Buchs der Rekorde
Das Rekordteam um Umit Sabanci (Mitte, mit Urkunde) mit der Kontrolleurin des Guinnessbuch der Rekorde, die die letzten Kilometer der Fahrt mit an Bord war.
Bild: Lucid

Wie waren Durchschnitts-Verbrauch und -Tempo?

Für den Alltagswert von E-Autos ist der Verbrauch von großem Interesse. Auf Nachfrage von AUTO BILD teilte Lucid weitere Details zur Rekordfahrt mit: Demnach lag der Stromverbrauch bei 9,71 kWh pro 100 km, die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 59 km/h. Bei einer kürzlich durchgeführten Verbrauchsfahrt über 1000 km erzielte ein Opel Grandland Electric einen Durchschnittverbrauch von 11,4 kWh. In der Regel geht man bei Elektroautos von einem Stromverbrauch um die 20 kWh pro 100 km aus.
Anders als bei großvolumigen Verbrennern, bei denen die Motorgröße einen Mindestverbrauch bedingt, lassen sich auch mächtige Elektroautos mit minimalem Stromeinsatz bewegen. Das gilt auch für den Lucid Air Grand Touring mit seinen 931 PS und 1200 Nm Drehmoment. Der Wagen ermöglicht dank seiner 900-Volt-Plattform eine Ladeleistung von bis zu 300 kW.

Wie lange dauerte die Rekordfahrt des Lucid?

Neben der Schnellladefähigkeit ist auch ein geringer Verbrauch Garant für kurze Ladezeiten. Für Lucid-Chefingenieur Eric Bach setzt der Hersteller neue Maßstäbe in der Elektromobilität. Er verweist auf das besondere Batterie-Managementsystem des Herstellers und sagt: "Ein Lucid bietet mehr Reichweite bei kleinerer Batterie als andere Elektrofahrzeuge auf dem Markt." Insgesamt fuhr der Rekord-Lucid 20:26 Stunden.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war von einem Verbrauch von 10,29 kWh/100 km die Rede. Diesen Wert haben wir nach Rücksprache mit einem Lucid-Sprecher geändert.
Gratulation an Lucid zum Reichweitenrekord! Es ist nicht immer die große Batterie, die große E-Auto-Reichweiten ermöglicht. Die Fahrweise ist ebenso entscheidend. Mit einem geringen Verbrauch verringert man die Ladezeit – und kommt weiter mit einer Akkuladung. Wie lange dieser Rekord wohl Bestand hat?