Tipps zur Reifenpflege
Diese sieben Reifen-Checks sollten Autofahrer kennen

Wer seine Reifen regelmäßig kontrolliert, erhöht die Sicherheit, senkt den Verschleiß und spart im besten Fall sogar Kraftstoff oder Strom. Welche sieben Checks besonders wichtig sind und wie oft sie durchgeführt werden sollten!
Bild: Pirelli
Vier handtellergroße Flächen halten ein Auto auf der Straße. Trotzdem werden Reifen meist erst beachtet, wenn die Warnleuchte angeht, das Lenkrad flattert oder das Profil sichtbar schwindet. Dabei lassen sich viele Probleme in wenigen Minuten erkennen. Wie oft muss der Reifendruck geprüft werden? Wann ist das Profil zu knapp? Und wie alt darf ein Reifen eigentlich werden? Sieben Fragen, die jeder Autofahrer beantworten können sollte.
1. Stimmt der Reifendruck?
Warum ist das wichtig? Zu wenig Luft lässt den Reifen stärker walken. Das verändert das Fahrverhalten, erhöht Verschleiß und Rollwiderstand und kann den Reifen bei hoher Belastung stark erwärmen – im schlimmsten Fall zum Reifenplatzer führen. Zu hoher Druck verschlechtert dagegen den Komfort und kann für ungleichmäßigen Abrieb sorgen.
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Wann sollte man prüfen? Am besten alle zwei Wochen und zusätzlich vor längeren Fahrten. Gemessen wird möglichst am kalten Reifen. Der passende Sollwert steht je nach Fahrzeug in der Bedienungsanleitung, an der B-Säule, im Handschuhfach oder auf der Innenseite der Tankklappe. Der Wert auf der Reifenflanke ist dagegen nicht der empfohlene Fülldruck für das Auto.

Regelmäßig kontrollieren: Ein zu niedriger Reifendruck kann sowohl den Verschleiß als auch den Kraftstoffverbrauch erhöhen.
Bild: Christoph Börries
Gut zu wissen: Ein Reifendruck-Kontrollsystem ersetzt die regelmäßige Kontrolle mit dem Manometer nicht. Manche Systeme überwachen den Druck nur indirekt über die Raddrehzahlen und erkennen Druckverluste daher erst zeitversetzt. Aber auch direkt messende Systeme können fehlerhafte Werte liefern, etwa durch Defekte an Sensoren oder deren Batterien. Deshalb sollte der Fülldruck regelmäßig von Hand kontrolliert werden. Leuchtet die Warnlampe, sind Reifendruck und mögliche Ursachen zeitnah zu überprüfen.
Tipp: Bei voller Beladung kann ein höherer Fülldruck vorgeschrieben sein. Entscheidend sind immer die Angaben des Fahrzeugherstellers. Gerade bei schweren Elektroautos wirken sich falscher Druck und eine hohe Belastung ungünstig auf Verschleiß und Reichweite aus.
2. Reicht das Profil noch?
Warum ist das wichtig? Je weniger Profil ein Reifen besitzt, desto schlechter kann er Wasser verdrängen. Auf nasser Fahrbahn steigt damit die Gefahr von Aquaplaning, zugleich schwinden die Sicherheitsreserven beim Bremsen und in Kurven.
Wann sollte man prüfen? Nicht erst kurz vor dem Räderwechsel. Sinnvoll ist eine regelmäßige Kontrolle und zusätzlich ein Check vor längeren Reisen. Gemessen wird in den breiten Profilrillen in der Hauptlauffläche und an mehreren Stellen rund um den Reifen.

Mit einem Profil-Messgerät wie diesem lässt sich die Profiltiefe schnell und einfach überprüfen.
Bild: Ralf Timm / Auto Bild
Gut zu wissen: Für Pkw-Reifen gelten in Deutschland mindestens 1,6 Millimeter Profil. Diese gesetzliche Untergrenze bietet jedoch nur noch geringe Reserven. Wir empfehlen mindestens drei Millimeter bei Sommerreifen sowie vier Millimeter bei Winter- und Ganzjahresreifen.
Tipp: Die Verschleißanzeiger in den Profilrillen, die sogenannten TWI-Stege, markieren lediglich die gesetzliche Mindestgrenze. Sind sie bündig mit dem Laufflächenprofil, ist der Reifen bereits fällig.
3. Hat der Reifen sichtbare Schäden?
Warum ist das wichtig? Ausgerechnet die gefährlichsten Reifenschäden sind oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Schnitte, Risse, Beulen oder eingefahrene Fremdkörper können die Stabilität des Reifens beeinträchtigen. Noch tückischer sind verdeckte Schäden im Inneren: Nach einem heftigen Kontakt mit einem Schlagloch oder Bordstein kann die Karkasse beschädigt sein, obwohl der Reifen äußerlich völlig unauffällig wirkt. Im schlimmsten Fall drohen schleichender Luftverlust oder ein plötzlicher Reifenplatzer.
Wann sollte man prüfen? Bei der regelmäßigen Fülldruckkontrolle, vor langen Fahrten und immer nach einem heftigen Stoß. Dabei nicht nur die Lauffläche, sondern auch die Flanken und soweit möglich die Reifeninnenseiten ansehen.

Wird oftmals vernachlässigt: Nicht nur die Restprofiltiefe ist entscheidend. Der Reifen sollte auch regelmäßig auf Schäden untersucht werden.
Bild: Ralf Timm / Auto Bild
Tipp: Nägel oder Schrauben nicht selbst herausziehen. Der Fremdkörper kann die beschädigte Stelle vorübergehend abdichten. Reifendruck kontrollieren und direkt in die Werkstatt fahren, um den Reifen möglichst schnell von einem Fachbetrieb reparieren zu lassen.
4. Flattert das Lenkrad oder zieht das Auto zur Seite?
Warum ist das wichtig? Vibrationen können auf eine Unwucht am Rad hindeuten. Zieht das Auto dagegen zur Seite, steht das Lenkrad bei Geradeausfahrt schief oder nutzen sich die Reifen einseitig ab, kann die Fahrwerksgeometrie verstellt sein.
Wann muss ausgewuchtet werden? Wenn während der Fahrt geschwindigkeitsabhängige Vibrationen auftreten – typisch zwischen Tempo 80 und 120 – Gewichte an der Felge fehlen oder ein Reifen neu auf die Felge montiert wird. Ein pauschales Auswuchten alle sechs Monate ist dagegen nicht erforderlich.
Wann ist eine Achsvermessung sinnvoll? Nach einem heftigen Bordstein- oder Schlaglochkontakt, bei auffälligem Reifenabrieb, einem schief stehenden Lenkrad oder schlechtem Geradeauslauf. Eine jährliche Vermessung ohne konkreten Anlass ist nicht allgemein notwendig.
Tipp: Unwucht und verstellte Achsgeometrie sind zwei unterschiedliche Probleme. Auswuchten beseitigt eine ungleichmäßige Massenverteilung am Rad, die Achsvermessung prüft die Stellung der Räder und die Fahrwerkswinkel.
5. Wie überstehen Reifen die Saisonpause?
Warum ist das wichtig? Hitze, Sonnenlicht, Feuchtigkeit, Öl und Lösungsmittel können das Material angreifen. Auch die falsche Lagerposition kann Reifen über Monate ungünstig belasten.
Vor dem Einlagern: Reifen und Felgen reinigen, trocknen lassen und auf Schäden, Fremdkörper sowie ausreichendes Profil kontrollieren. Die bisherige Radposition lässt sich mit Kreide oder beschrifteten Ventilkappen markieren.
So liegen sie richtig: Kompletträder mit Felgen liegend stapeln, aufhängen oder auf einem Felgenbaum lagern. Reifen ohne Felgen aufrecht stellen. Der Lagerort sollte kühl, trocken, dunkel und frei von Öl oder Lösungsmitteln sein.
Tipp: Bei eingelagerten Kompletträdern kann der Fülldruck vorab um 0,5 bis 1,0 Bar gegenüber der Herstellervorgabe erhöht werden, um schleichenden Druckverlust während der Lagerung auszugleichen.
6. Wann ist ein Reifen zu alt?
Warum ist das wichtig? Reifen altern auch dann, wenn sie kaum gefahren werden. Mit den Jahren können sich ihre technischen Eigenschaften verschlechtern. Sichtbare Risse, Porosität oder nachlassender Grip sind deshalb auch bei ausreichendem Profil ernst zu nehmen.
Wie erkennt man das Alter? An dem vierstelligen Zahlencode innerhalb der DOT-Kennzeichnung. Die ersten beiden Ziffern stehen für die Produktionswoche, die letzten beiden für das Produktionsjahr. "3026" bedeutet also: hergestellt in der dreißigsten Kalenderwoche 2026.
Wann muss gewechselt werden? Für normale Pkw-Reifen gibt es in Deutschland keine allgemeine gesetzliche Altersgrenze. Die pauschale Formulierung, Reifen müssten grundsätzlich nach sechs bis acht Jahren ersetzt werden, wäre daher zu streng. Entscheidend sind Zustand, Einsatz, Laufleistung und Reifentyp. Spätestens nach acht bis zehn Jahren sollten Pkw-Reifen kritisch betrachtet werden, steht der Austausch an.
Tipp: Ab etwa sechs Jahren lohnt ein besonders genauer Blick. Bei Rissen, Verformungen, auffälligem Gripverlust oder unklarer Vorgeschichte sollte ein Fachbetrieb den Reifen beurteilen.
7. Wie lassen sich Verschleiß und Umweltbelastung senken?
Warum ist das wichtig? Jeder unnötig früh verschlissene Reifen verbraucht Rohstoffe und verursacht zusätzliche Kosten. Falscher Fülldruck erhöht zudem den Rollwiderstand und kann damit den Kraftstoff- beziehungsweise Stromverbrauch steigern.
Darauf kommt es an:
- Reifendruck regelmäßig kontrollieren
- unnötig starkes Beschleunigen und Bremsen vermeiden
- Bordsteine möglichst nicht überfahren
- schwere Gegenstände nicht dauerhaft im Auto mitführen
- einseitigen oder ungewöhnlich schnellen Abrieb früh untersuchen lassen
- Reifen nicht allein wegen ihres Alters, aber auch nicht erst an der gesetzlichen Profilgrenze ersetzen
Tipp: Möglichst harte, langlebige Reifen sind nicht automatisch die beste Wahl. Entscheidend bleibt ein ausgewogener Reifen mit guten Sicherheitswerten. Orientierung bieten unabhängige Reifentests, die neben Fahrverhalten und Bremsweg zunehmend auch Laufleistung, Abrieb und Effizienz berücksichtigen.
Fazit
Reifen melden Probleme selten lautstark an. Druckverlust, Alterung und einseitiger Abrieb entwickeln sich meist schleichend. Umso wichtiger ist der regelmäßige Check: Reifendruck, Profil und sichtbare Schäden lassen sich in wenigen Minuten kontrollieren. Wer Auffälligkeiten früh erkennt, fährt sicherer, schont die Reifen und vermeidet unnötige Kosten.
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