Von wegen "Die Revolution frisst ihre Kinder!" Zwar stehen in Paris gerade alle Zeichen auf "Renaulution", und nichts ist den Franzosen wichtiger als ihr elektrischer R5, sein praktischer Bruder R4 und demnächst die Wiedergeburt des Twingo als bezahlbares Elektroauto fürs Volk. Doch lassen sie deshalb ihre aktuelle Modellpalette nicht im Regen stehen. Im Gegenteil: Schon ein Jahr früher als üblich spendieren sie dem Austral jetzt ein Update und bringen ihren Tiguan-Konkurrenten auf Vordermann.

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Dabei sind sie nach kaum mehr als zwei Jahren nicht nur früher dran als gewöhnlich, sondern auch noch gründlicher. Denn statt nur frischer Schminke gibt's gleich ein ganz neues Gesicht, das mit einer Kühlermaske voller Renault-Rauten, stärker profilierter Motorhaube und anderen Leuchten die Nähe zum Flaggschiff Rafale sucht und das Motto für die Modellpflege vorgibt: Mehr Noblesse soll künftig den Unterschied zu Tiguan & Co machen. Und auch wenn der Austral erst mal vorbeigefahren ist, kann man ihn erkennen. Schließlich haben sie die Heckpartie ähnlich gründlich umgebaut.

Renault Austral Facelift: neues Wohlgefühl

Während die Designer also kräftig hinlangen durften, haben sich die Ingenieure auf den ersten Blick in vornehmer Zurückhaltung geübt. Doch der Eindruck täuscht. Denn mit kleinen, aber wirkungsvollen Tricks sorgen sie eben doch für ein neues Wohlgefühl und stützen so die Idee vom Update, das eigentlich ein Upgrade ist.
Mehr Noblesse soll künftig den Unterschied zu Tiguan & Co machen.
Bild: Yannick Brossard / DPPI / Renault
Es gibt für mehr Ruhe an Bord deshalb neue Motorlager und eine besser isolierte Spritzwand, der Auspuff ist neu montiert, die Spiegel wurden in Windkanal geglättet, und in der Top-Version sind jetzt auch die Seitenscheiben laminiert. Zwar wirkt der akustische Feinschliff wunder, der Austral wird tatsächlich zum Leisetreter und fühlt sich – vor allem im Zusammenspiel mit den neuen Sitzen und dem feinjustierten Fahrwerk – plötzlich ein bisschen nach Oberklasse an.
Doch wehe, man steigt mal etwas kräftiger aufs Gas. Denn dann ist die Freude schnell wieder vorbei, und es schnattert ein leidiger Dreizylinder, der so gar nicht zum gehobenen Anspruch passen will. Wenn Ihr Euch schon gegen die Elektrifizierung stemmt, dann doch bitte mit einem Motor, der es wert ist, erhalten zu bleiben.

Mildhybrid mit 158 PS

Aber wir wollen nicht ungerecht sein. Erstens arbeitet im Basismodell ein ganz klassischer Vierzylinder, der als Mildhybrid bei 1,3 Litern Hubraum auf 158 PS kommt. Und zweitens stehen dem Dreizylinder aus der Top-Version ja zwei E-Motoren zur Seite. Gespeist aus einer Pufferbatterie von immerhin 2 kWh steigern die nicht nur die Systemleistung von 130 auf 200 PS und drücken den Verbrauch auf vorbildliche 4,8 Liter. Sondern vor allem macht der stärkere von beiden den Job erfreulich oft alleine – und spätestens dann ist endgültig Ruhe im Karton.
Mindestens 34.700 Euro kostet das Facelift des Renault Austral
Bild: Yannick Brossard / DPPI / Renault
Schade nur, dass einem dabei die Lust auf mehr Leistung vergeht. Natürlich ist der Austral zuallererst mal eine Familienkutsche und definiert sich eher über Tugenden wie die um 16 Zentimeter verschiebbare Rückbank oder den Kofferraum von bestenfalls 565 bis 1761 Litern.
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Aber wenn der Nachwuchs mal zu Hause bleibt oder man gleich ganz alleine am Steuer sitzt, hätte der Austral mit einem richtigen Motor durchaus das Zeug zum Pulsbeschleuniger – nicht umsonst halten die Franzosen an der einzigartigen Allradlenkung fest und machen den 4,53 langen Pampersbomber damit zum Kurvenfeger.
Zumindest in der Theorie. In der Praxis dagegen hilft der Einschlag an den Hinterrädern eher beim Rangieren in engen Altstadtgassen und Parkhäusern und lässt den Radstand und Wendekreis gefühlt um einen halben Meter schrumpfen.
Vom Preis dagegen lassen die Franzosen allerdings die Finger: Der bleibt deshalb mit 34.700 Euro für den Vierzylinder und 39.250 Euro für den Hybrid unverändert.