Gut, okay, zugegeben: Ein elektrifizierter Antrieb ist keine Raketentechnologie. Im Gegenteil, Vollhybride gibt es schon lange, Toyota war mit dem 1997 eingeführten Prius Vorreiter – und die einzige Marke, die diese Antriebsart konsequent bei uns anbot.

Zwei kleine Vollhybride im Test

2,1
gut
2,5
befriedigend
32.750 €
37.400 €
  • niedriger Sparverbrauch
  • angeangenehmer Federungskomfort
  • sinnvolle Ausstattungspakete
  • solide Technik
  • niedriger Sparverbrauch
  • bis zu 15 Jahre Garantie
  • Getriebe unter Last unentschlossen
  • dürftiges Kofferraumvolumen
  • könnte besser bremsen
  • müder Antrieb
  • wenig Dämmung
  • als Topmodell "GR Sport" recht teuer
Nach vielen Jahren, in denen staatlich geförderte Plug-in-Hybride den Markt dominierten, erleben die "klassischen" Hybride jetzt aber ein Revival. Zu Recht? Das klären wir.

Komplizierter Antrieb im Captur

Jeder Hersteller kocht sein eigenes Hybrid-Süppchen. Siehe Renault Captur: 1,6-Liter-Vierzylinder-Saugbenziner plus E-Motor plus kompliziertes Getriebe. Renault nennt es Multi-Mode. Vier Gänge für den Verbrennungsmotor treffen auf zwei Gänge für die 49 Elektro-PS – und keine Kupplung.
Renault Captur E-Tech Full Hybrid 140
Hightech-Doppelherz: Den Kraftfluss zwischen Verbrenner und E-Motor regelt im Captur Full Hybrid ein sehr aufwendiges Getriebe.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Renault-Box ist ein sogenanntes Klauengetriebe. Dazu gibt es noch einen zweiten, kleinen E-Motor, der als Anlasser und Generator fungiert und den Verbrenner auf Drehzahl bringt, bevor der angekoppelt wird. Klingt dann doch wieder ein wenig nach Raketentechnologie. Zumal die Franzosen betonen, das Ganze sei "direkt von der Schaltbox des Formel-1-Renners Renault R.S.20" abgeleitet. Toll, oder?
Wir sind uns jedoch einig, dass Herr Alonso nicht allzu begeistert gewesen wäre. Das liegt zum einen an den teils seeeehr langen Schaltpausen, die sich der Renault gern mal gönnt, um eine der insgesamt 15 Fahrstufen-Kombinationen in eine andere zu verwandeln.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Hybrid 
Dreizylinder, Hybrid, 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn quer 
Hubraum 
1598 cm³ 
1490 cm³ 
kW (PS) Benzinmotor 
66 kW (94 PS) 
68 kW (92 PS) 
Nm bei 1/min
148/3600 
120/3600 
kW (PS) Elektromotor 
36 kW (49 PS) 
62 kW (84 PS) 
Systemleistung 
105 kW (143 PS) 
96 kW (130 PS) 
Vmax
170 km/h 
170 km/h 
Getriebe 
Multi-Mode-Automatikgetriebe 
stufenloses Automatikgetriebe 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
225/45 R 19 V 
215/50 R 18 V 
Reifentyp 
Michelin ePrimacy 2 
Goodyear Efficient Grip 
Radgröße 
k. A. 
k. A. 
Abgas CO2 
107 g/km 
109 g/km 
Verbrauch* 
4,7 l S/100 km 
4,9 l S/100 km 
Tankinhalt 
48 l 
36 l 
Kraftstoffsorte 
Super 
Super 
Partikelfilter 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
67 dB(A) 
70 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
750/720 kg 
750/550 kg 
Stützlast 
75 kg 
75 kg 
Kofferraumvolumen 
326–1276 l 
397–768 l 
Länge/Breite/Höhe 
4239/1797–2003**/1575 mm 
4180/1765–2035**/1595 mm 
Radstand 
2639 mm 
2560 mm 
Grundpreis
27.950 Euro
30.590 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
33.450 Euro
37.400 Euro
Zum anderen ist selbst für erfahrene Multi-Mode-Piloten nach Hunderten von Kilometern nicht vorhersehbar, wie das ganze Paket auf den Tritt des rechten Pedals reagieren wird. Wird der Gang gewechselt oder doch eher nicht? Oft wirkt die Renault-Erfindung unentschlossen. Bis auf einen B-Modus für mehr Rekuperation kann auch nicht weiter eingegriffen werden.

Renault ist sparsam und leise

Zugutehalten kann man dem Captur, dass der ganze Aufwand effizienztechnisch aufgeht: Glatte fünf Liter Testverbrauch sind ein Wort, zumal der Renault mit 1458 Kilogramm über 180 Kilogramm mehr auf die Waage bringt als der etwas dünnblechig wirkende Toyota mit 1277 Kilogramm.
Renault Captur E-Tech Full Hybrid 140
Effektiver Antrieb: Auf unserer Testrunde verbrauchte der Vollhybrid-Captur glatte fünf Liter auf 100 Kilometer. Das ist ein Wort.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dazu geht es im Renault schon bei 100 km/h deutlich leiser zu, bei 130 km/h beträgt der Unterschied ganze vier Dezibel. Bei höheren Geschwindigkeiten scheint sich auch die Gangwahl sortiert zu haben, und es geht unspektakulärer voran als innerorts.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,8 s 
3,1 s 
0–100 km/h 
9,9 s 
10,0 s 
0–130 km/h 
17,4 s 
17,2 s 
0–160 km/h 
28,9 s 
34,8 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
5,1 s 
5,9 s 
80–120 km/h 
7,4 s 
10,5 s 
Leergewicht/Zuladung 
1458/442 kg 
1277/413 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
59/41 % 
61/39 % 
Wendekreis links/rechts 
11,4/11,4 m 
11,1/11,1 m 
Sitzhöhe 
635 mm 
630 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,8 m 
37,8 m 
aus 100 km/h warm 
37,5 m 
37,7 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
58 dB(A) 
59 dB(A) 
bei 100 km/h 
66 dB(A) 
68 dB(A) 
bei 130 km/h 
69 dB(A) 
73 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
4,0 l S/100 km 
3,6 l S/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
5,0 l S/100 km
(+6 %)
5,5 l S/100 km
(+12 %)
Sportverbrauch 
8,2 l S/100 km 
8,3 l S/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
119 g/km 
130 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
960 km 
650 km 
Zudem ist der Captur-Innenraum spätestens seit dem Facelift 2024 ein nettes Plätzchen: mit ordentlichen, wenn auch mal etwas wackelig zusammengefügten Materialien, meist eingängiger Bedienung und dem in der getesteten Ausstattungslinie serienmäßigen Google-Infotainment samt Maps, Sprachsteuerung und mehr. Auch lässt sich per doppeltem Druck auf den Knopf links vom Lenkrad der "MyPerso-Mode" aktivieren, der die Assistenzsysteme steuert. Tempolimit-Piep, Spurhaltewarner? Geht so alles gleichzeitig aus.

Yaris mit mehr Plastik und weniger Platz

Der Toyota kann da nicht ganz mithalten. Weder im Cockpit, wo das Raumangebot in der zweiten Reihe zum Renault spürbar abfällt, großflächig Hartplastik zum Einsatz kommt und die Bedienung der Assistenzsysteme ausschließlich etwas fummelig über die Lenkradrasten erfolgen muss.
Toyota Yaris Cross Hybrid
Im Toyota-Interieur finden wir leider sehr viel Hartplastik. Wovon der Yaris weniger hat, ist Platz – absolut und im Vergleich zum Captur.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Noch bei den Sitzen, die trotz eines GR-Sport-Logos eine deutlich zu kurze Beinauflage bieten. Auf der Haben-Seite stehen beim Yaris Cross die tiefere Sitzposition, die Fahrer und Beifahrer besser ins Auto integriert, sowie die bewährte Technik, die erfahrungsgemäß Jahrzehnte halten kann.

Konventionellere Technik im Toyota

Der 1,5-Liter-Dreizylinder-Sauger arbeitet noch mit Saugrohreinspritzung, was Verkokungen reduziert und auch einen Ottopartikelfilter (OPF) überflüssig macht. 130 PS Systemleistung entstehen aus 92 PS des Verbrenners und 84 PS der E-Maschine. Optional gäbe es auch Allrad. Paradox: Trotz mehr E-Power scheint die Toyota-Elektronik sie vorsichtiger einzusetzen. So springt im Yaris zum Anfahren meist der Verbrenner mit an, im Captur längst nicht immer.
Toyota Yaris Cross Hybrid
Toyota portioniert die 143 PS des Hybridantriebs mit einem stufenlosen CVT-Getriebe – eine bewährte und haltbare Technik.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Mit 9,9 Sekunden (Renault) und glatten zehn Sekunden (Toyota) sind beide fast gleich schnell auf 100, bieten mit 170 km/h denselben Topspeed. Im Toyota klingt der Antrieb präsenter, nicht zuletzt wegen des CVT-Getriebes, das bei starker Last den Motor aufheulen lässt.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
554
517
Platz
1
2
Testnote
2,1
2,5
Fazit
Der Captur ist gut in Form. Der Verbrauch stimmt, die Einrichtung auch. Getriebe etwas launisch. Starkes Gesamtpaket.
Grundsolide Technik, aber die Kombination aus GR-Linie, müdem Antrieb, wenig Dämmung und Preis passt nicht.
Dass der Yaris Cross schnellere Geschwindigkeiten nicht so recht mag, bestätigt der höhere Testverbrauch. Beim Sparverbrauch führt er noch mit 3,6 zu 4,0 Litern. Inklusive Autobahn und kleinem Vollgasanteil liegt der Verbrauch bei 5,5 Litern – 0,5 Liter höher als beim Captur.

An der Kasse siegt Renault

Gemeinsamkeiten gibt es dann wieder beim Fahrwerk – und beim Preis. Beide geben sich für die Klasse ausreichend agil, der Renault mit etwas direkterer, der Toyota mit linearerer Lenkung. Beide dürften gern besser bremsen.
Und beide kosten richtig Geld, insbesondere der Yaris Cross. Der getestete GR Sport ist 37.400 Euro teuer, also lieber den kleineren Hybrid wählen, den es für rund 28.000 Euro gibt. Der Renault bleibt mit einem Testwagenpreis von 33.450 Euro rund 4000 Euro günstiger – und gewinnt so verdient diesen Vergleich.

Fazit

Den Vergleich der beiden Vollhybride gewinnt der Renault. Er hat mehr Platz im Fond, fährt sparsamer und leiser, hat das bessere Multimedia. Der Toyota liegt in fast allen Testkapiteln hinter dem Renault. Und er ist teurer.