Renault-CEO François Provost im Gespräch
"Autos müssen wieder bezahlbar werden!"

Erst seit wenigen Wochen ist François Provost offiziell CEO der Renault Gruppe – und schon treibt er den Umbau voran. Er hat u. a. Renault-Markenchef Fabrice Cambolive zum Chief Growth Officer gemacht und Katrin Adt als neue Dacia-Chefin berufen. Den Kurs der "Renaulution" verfolgt er weiter klar.
Bild: Renault Group
Die Organisation nach Marken soll bleiben, gleichzeitig sollen diese aber enger zusammenwachsen. Strategische Kontinuität sei der Schlüssel, erklärt Provost, um die Marken in Europa erfolgreich aufzustellen. Dafür holt er Philippe Brunet als Chief Technology Officer für die gesamte Gruppe.
Die größten Herausforderungen seien, die Elektrifizierung voranzutreiben, mit den Wettbewerbern insbesondere aus China mitzuhalten und dabei weiterhin erschwingliche Modelle anzubieten: "Es geht dabei nicht nur um Kostensenkung, sondern auch um Entwicklungszeit. Dies ist eine Stärke unserer chinesischen Wettbewerber. Aber auch wir wissen, wie das geht und zeigen es beim Twingo: Wenn er Anfang nächsten Jahres eingeführt wird, betrug die Entwicklungszeit lediglich 21 Monate", erklärt Provost.
Kurze Entwicklungszeiten, preiswerte Modelle
Spätestens Anfang 2027 soll auch Dacia davon profitieren und ein neues Elektromodell auf Twingo-Basis auf den Markt bringen. Bei Dacia, einer Marke, die besonders von preisbewussten Kunden geschätzt wird, ist der Kostendruck besonders hoch: "Wir müssen die Elektrifizierung im Dacia-Stil umsetzen und gleichzeitig einen angemessenen Preis bieten."
Die größte Hürde dabei: politische Regulierungen. Speziell die CO₂-Abgaben hält Provost für nicht praktikabel: "Die Kosten, die bis 2030 dadurch auf die Autoindustrie zukommen, sind enorm. Ich denke, wir müssen die Logik ändern. Vernünftiger sein, flexibler bei der Dekarbonisierung, vernünftiger bei der Regulierung. Mit dem Ziel, Autos für die Menschen erschwinglich zu machen, erreichen Sie eine bessere Dekarbonisierung."
CO₂-Abgaben sorgen nicht unbedingt für weniger Emissionen
Der Markt kämpfe aktuell vor allem mit hohen Kosten durch Regulierung und daraus resultierenden hohen Preisen für die Verbraucher. Diese behielten ihre alten Autos durch die hohen Preise nur länger, das sei aber nicht zielführend: "Wenn Sie Ihren alten Renault Clio 2 behalten, anstatt zum Beispiel den neuen Clio 6 zu kaufen, verursachen Sie jeden Tag 95 Prozent mehr Emissionen."
Doch Provost weiß: Politik lässt sich kaum ändern. Also konzentriert er sich auf das, was er selbst steuern kann: "Investitionen in die Produkte und Transformation, um zu den besten Wettbewerbern aufzuschließen." Gleichzeitig sollen sich Produktion und Lieferketten stärker auf Europa konzentrieren: "Meine Strategie besteht nicht darin, alles von neuen Lieferanten in China zu beziehen, sondern unser Ökosystem gemeinsam mit unseren Lieferanten zu transformieren. Bei den BEV-Autos, die wir in Frankreich produzieren, werden bereits mehr als 70 Prozent der Teile in Europa hergestellt, und das wollen wir weiter ausbauen."
Wachstum in Indien und Lateinamerika
Gleichzeitig strebt Renault eine Expansion über die Grenzen Europas an, um weiterzuwachsen. Erst kürzlich wurde der Boreal für den lateinamerikanischen Markt gelauncht, weitere Modelle sollen folgen. Wichtigster Wachstumsmarkt ist für Provost allerdings Indien: "Wahrscheinlich werden 40 Prozent des weltweiten Wachstums im Automobilbereich künftig aus Indien kommen. Dort sind wir seit 15 Jahren vertreten. Es ist ein schwieriger Markt, aber wir haben die Kapazitäten. Das bedeutet aber nicht, dass wir die Dynamik in Europa reduzieren."
"Ich denke, die Regeln in unserer Branche haben sich geändert. Früher war der Maßstab wichtig, weil es sich um eine Art Globalisierung handelte. Heute ist die Größe weniger wichtig. Wichtig sind Technologie, Geschwindigkeit und Agilität."
Service-Links
