Renault Filante: Fahrbericht
Mit dem Filante greift Renault nach den Sternen

Renault hat sich schon lange aus der Oberklasse verabschiedet. Mit dem Filante wagen sie sich jetzt zumindest ein bisschen dorthin zurück – erst mal allerdings nur in Korea.
Bild: T. Geiger
Das Topmodell gibt es zwar erst mal nur in Korea, aber dort macht der Fremdenlegionär einiges her. Obwohl die Asiaten noch mehr als jedes andere Land auf klassische Limousinen stehen, gibt auch hier längst das SUV den Ton an, und der Kia Sorento ist seit Jahren das meistverkaufte Auto im Land. Deshalb löst sich auch Renault vom Stufenschnitt und krönt die Modellpalette mit einem Crossover, das knapp an die Fünf-Meter-Marke heranreicht.
Renault Filante: Avantgarde statt Alltag
Dabei ist der Filante alles andere als alltäglich gezeichnet, sondern bietet eine Avantgarde, wie man sie früher allenfalls mal von Citroën erwartet hätte und wie sie DS noch immer nicht so recht zu Wege bringt. Die geschlossene Front hat einen kühn beleuchteten Grill und Scheinwerfer wie geschliffene Glasscherben, die Flanke ist endlos lang und für ein SUV ungewöhnlich flach. An der Kehrseite leistet sich der Aufsteiger einen coolen Undercut, der den Wagen im silber, grau oder schwarz lackierten Einerlei von Seoul unverwechselbar macht.

Avantgarde aus Frankreich: So mutig war das Design bei Renault lange nicht.
Bild: T. Geiger
Dabei sorgen schon die Abmessungen allein für Eindruck. Zumindest, wenn man als Langnase nach Korea kommt und das europäische Renault-Portfolio gewöhnt ist. Denn wo bei uns mit dem Rafale bei 4,71 Metern Schluss ist und selbst der Espace nicht über 4,75 Meter kommt, gönnt Renault den Koreanern knapp 20 Zentimeter mehr und kommt auf eine Länge von 4,93 Metern. Größer ist kein anderes SUV aus Frankreich, und auch sonst muss man diesseits der Nutzfahrzeuge lange nach so einem Lulatsch suchen.
Innenraum: viel Platz, viel Komfort
Entsprechend großzügig geht es auch innen zu. Den Radstand haben die Franzosen auf 2,82 Meter gestreckt und bei der Ausstattung nicht gekleckert, sondern geklotzt. Zum ersten Mal gibt es im schmucken und cleanen Cockpit zum Beispiel auch einen Bildschirm für den Beifahrer. Ebenfalls neu bei Renault ist ein Rückspiegel in Form eines Displays. Die Materialauswahl wirkt hochwertig, die Sitze sind klimatisiert und können dich entspannt durch den Dauerstau der Hauptstadt kneten, und auch in der zweiten Reihe sitzt man unter einem großen Glasdach erstklassig.

Mit 4,93 Meter Länge ist der Filante das bislang größte Renault-SUV.
Bild: T. Geiger
Dazu kommen eine stimmige Ambientebeleuchtung, ein ordentliches Soundsystem, aktive Geräuschunterdrückung plus dickes Dämmglas – und plötzlich tut selbst die Rushhour am Hangang-River gar nicht mehr so weh. Zumal auch die Fahrprofile eher Entspannung versprechen als Herzrasen. Renault hat dafür sogar einen AI-Mode programmiert, der den Fahrer zehn Minuten lang beobachtet und anschließend Lenkung und Gasannahme automatisch anpasst.
Technik: viel Leistung, wenig Prestige
So markant der Filante auftritt und so vornehm er ausgestattet ist, enden die Premium-Gefühle beim Blick unter die Haube. Denn mangels repräsentativer Triebwerke mit sechs Zylindern behelfen sich die Franzosen mit einem Hybridantrieb. Der liefert zwar solide 250 PS und vor allem kräftige 565 Nm und ist im Dauerstau von Seoul die meiste Zeit rein elektrisch unterwegs.

Komfort steht im Fokus: klimatisierte Sitze, Glasdach und viel Ruhe an Bord.
Bild: T. Geiger
Doch im Zentrum arbeitet ein für diese Klasse eher kleiner 1,5-Liter-Motor. Und mit dem kann man weder Eindruck schinden, noch klingt er besonders kultiviert, wenn er gefordert wird. Immerhin sprintet das Flaggschiff in 5,4 Sekunden auf Tempo 100, und die Höchstgeschwindigkeit spielt in einem Land mit vielen Radarfallen und einem Tempolimit von maximal 120 km/h ohnehin eine untergeordnete Rolle.
Plattform, Preis und Perspektive
Das Technikpaket mit Vierzylinder und zwei E-Motoren erinnert zwar an europäische Modelle wie den Rafale, doch der Filante hat nur wenig mit dem hiesigen Renault-Portfolio gemeinsam. Die Plattform stammt von Geely, die im Gegenzug in der ehemaligen Samsung-Fabrik gemeinsam mit Renault auch Modelle für den Export bauen.
Auch das ist ein Grund, warum der neue Stern am Renault-Himmel so schnell nicht nach Europa kommt. Dabei hätte das Flaggschiff durchaus Chancen – nicht unbedingt als Volumenmodell, aber als Aushängeschild. Zumal der Preis in Korea bei umgerechnet rund 25.000 Euro startet. Dafür gibt es hierzulande gerade einmal einen Captur – und der ist deutlich kleiner.
Fazit
Renault zeigt mit dem Filante Mut und Ambition, bleibt aber halbherzig. Viel Design, viel Komfort – aber beim Antrieb fehlt der große Auftritt. Und vielleicht passt der Name doch besser, als den Franzosen lieb ist: Étoile Filante heißt übersetzt auch "Sternschnuppe". Schön anzusehen – aber oft schnell wieder verschwunden.
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