Renault Twingo (ab 1993)

Eene meene, miste, ...

... es rappelt in der Kiste. "Oh, wie sĂŒĂŸ! Ist der niedlich!" Dem Renault Twingo fliegen die Herzen nur so zu. Auch noch im Alter?

Technik und QualitÀt

Wo nicht viel dran ist, kann auch nicht viel kaputtgehen – exakt nach dieser Devise scheint der Renault Twingo konstruiert. Macht aber nichts. Denn seinen Erfolg verdankt der Charmeur in erster Linie seinem putzigen Aussehen. Der Twingo kommt an. Vor alllem bei Frauen. Technisch dagegen war der kleinste Renault zumindest bis 96 ein altes Eisen.

Sein 1,3-Liter-Stoßstangenmotor zog bereits 1972 den seligen R5 ĂŒber die Straßen. Die lange Bauzeit bĂŒrgt jedoch keineswegs fĂŒr Reife. So gelang es Renault in 21 Jahren bis zur EinfĂŒhrung des Twingo nicht, das Ding dicht zu bekommen: Ölverlust an den Wellendichtringen ist leider normal. Auch das Schaltgetriebe mĂŒĂŸte eigentlich Windeln tragen: Es tropft entweder an den Antriebswellenflanschen oder am Eingang des SchaltgestĂ€nges. An alte Zeiten erinnert auch die Schaltung: Zwar arbeitet sie nicht mehr nach dem KrĂŒckstock-Prinzip wie damals im R4, doch mit Ă€hnlich langen Wegen und nicht sehr prĂ€zise.

Trotzdem ist sie gegenĂŒber der ebenfalls lieferbaren Dreigangvollautomatik (Twingo Matic) das geringere Übel. Denn die raubt dem vor Temperament nicht eben ĂŒberschĂ€umenden Vierzylinder die letzten Reserven. Ein gelungener Kompromiß ist die automatische Kupplung (Twingo Easy): Die Arbeit des linken Beines erledigt ein Servoapparat, nur die GĂ€nge muß der Fahrer selber sortieren. Das scheint sogar dauerhaft zu funktionieren, zumindest sind uns darĂŒber bisher keine Klagen zu Ohren gekommen.

Motor und Karosserie

Mehr VergnĂŒgen als der etwas knurrige 1,3-Liter bereitet der ab Ende 96 angebotene 1,2-Liter - trotz anfĂ€nglich gleicher Leistung: Er reagiert williger aufs Gas und lĂ€uft endlich so sparsam, wie man es von einem Kleinwagen dieses Kalibers erwartet: Sechs bis sieben Liter reichen ihm fĂŒr 100 Kilometer. Wobei der Twingo innere GrĂ¶ĂŸe zeigt: Die um 17 Zentimeter verschiebbare Sitzbank lĂ€ĂŸt die Wahl zwischen Knie- oder Kofferraum. An den hinteren Anschlag verbannt, wird der Twingo zum ĂŒppigen Viersitzer mit verblĂŒffender Bewegungsfreiheit, in die Gegenrichtung manövriert, bietet der GepĂ€ckraum Platz fĂŒr Kleinspediteure.

HĂ€tte der Zwergen-Renault nicht diese völlig unterdimensionierten GartenstĂŒhle als Sitze, er könnte das PrĂ€dikat Reiselimousine tragen. Der Komfort zumindest spricht nicht dagegen, besonders die Federung besticht durch Schluckvermögen. Nach ein paar zehntausend Kilometern mischen sich allerdings Mißtöne in die FahrgerĂ€usche, dann sind die oberen Federlager an der Hinterachse hinĂŒber und beginnen zu poltern.

Mancher hört das aber gar nicht erst, weil auch die Inneneinrichtung lautstark klappert. Besonders der unbesetzte Beifahrersitz produziert in seinen Verstelleinrichtungen mit der Zeit reichlich StörgerĂ€usche. Das besagt jedoch gar nichts fĂŒr die ZuverlĂ€ssigkeit. Hier lĂ€ĂŸt auch der Twingo den bei Renault unbestrittenen QualitĂ€tsfortschritt erkennen: Er bleibt so gut wie nie liegen. Es kann aber sein, daß er gar nicht erst losfĂ€hrt - dann liegt das Problem in der Wegfahrsperre, die in seltenen FĂ€llen versagt.

Mindestens genauso Ă€rgerlich sind lockere Scheibenwischerarme. Der Twingo hat schließlich nur den einen, mit aufwendigem Parallelogramm-GestĂ€nge. Der kann sich bei den ersten Baujahren vom Motor lösen und dann schlicht irgendwo auf der Scheibe stehenbleiben. Unterm Strich aber ist der Twingo, von kleinen Rappeleien abgesehen, so solide, wie es wohl niemand von diesem niedlichen Auto erwartet hĂ€tte – gelten doch Schönlinge meist als flatterhaft.

Historie, SchwÀchen, Kosten

Modellgeschichte 3/93 EinfĂŒhrung der neuen Modellreihe; nur ein Motor: 1,3 Liter, 54 PS 10/93 manuell betĂ€tigtes Faltschiebedach verfĂŒgbar 9/94 Fahrer-Airbag serienmĂ€ĂŸig 10/94 EinfĂŒhrung Twingo Easy mit automatischer Kupplung 9/95 Beifahrer-Airbag serienmĂ€ĂŸig, ABS gegen Aufpreis verfĂŒgbar 10/96 neuer 1,2-Liter gleicher Leistung ersetzt den 1,3-Liter 8/97 Motorleistung auf 59 PS angehoben 8/98 ModellĂŒberarbeitung: verbesserte Struktur, Sidebags und Gurtkraftbegrenzer

Schwachstellen ‱ Federlager der Hinterachse knarren, quietschen oder beginnen schon nach geringer Laufleistung zu poltern ‱ Wasserverlust durch lockere Schlauchschellen oder undichte KĂŒhler sorgte besonders bei den Baujahren 93 bis 95 fĂŒr MotorschĂ€den wegen Überhitzung ‱ Auspuffanlage neigt zu SchwingungsbrĂŒchen, außerdem ist der Endtopf speziell im Stadtverkehr naturgemĂ€ĂŸ schnell ein Opfer von Korrosion ‱ Bremsscheiben und -belĂ€ge gehören nicht zur standfesten Sorte, werden bei der Hauptuntersuchung hĂ€ufig beanstandet ‱ Wischerarme können sich bis Bj. Ende 94 von ihrer Achse lösen, außerdem scheint der Motor des monströsen Einarmteils unterdimensioniert fĂŒr die GrĂ¶ĂŸe – er brennt manchmal durch.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Renault Twingo 1.3, 40 kW/54 PS, Bj. 1995.Das Kostenniveau ist, gemessen an der GrĂ¶ĂŸe des Twingo, gerade noch angemessen, der Preis des Motors liegt allerdings ĂŒber der Schmerzgrenze.

Fazit und Urteil

Fazit "Der Twingo gehört zu den ersten Modellen, die von den enormen QualitĂ€tsfortschritten bei Renault profitierten. Rost beispielsweise, frĂŒher der Ă€rgste Feind französischer Kleinwagen, tritt ĂŒberhaupt nicht auf. Auch Undichtigkeiten an Motor und Getriebe haben heute Seltenheitswert. Was jedoch geblieben ist, sind kleine Macken in der Verarbeitung: Bei den ersten Baujahren kann sich schon mal der Scheibenwischer lösen, die KupplungsbetĂ€tigung quietscht ab und zu, und im Armaturenbrett sind die Regler der LĂŒftung so lose eingesetzt, daß sie bei etwas ruppiger Behandlung einfach rausfallen. Keine absolute Perfektion also, aber dafĂŒr besitzt der Twingo zweifellos so etwas wie Charme." Bernd Sperling, Kfz-Meister, spez. Renault

AUTO BILD-Urteil: empfehlenswert
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