Renault Twizy: Test
Was kann der Twizy wirklich?

Renault macht Ernst mit der Elektromobilität und bringt den Twizy. Ein Elektro-, ähm, ja, Fahrzeug. Oder Auto? Quad mit Dach? Moulinette mit Rädern? Wir klären das im harten Test.
- Sebastian Renz
Keiner hat gesagt, dass es gemütlich wird. Oder trocken, warm und zugfrei. Aber so wird sie aussehen, die bezahlbare E-Realität. Und wer die elektromobile Revolution herbeigezetert hat, soll sich nun nicht wundern, wenn sie alle Erwartungen an ein Auto über den Haufen wirft. Twizy also, Mobil einer Firma, die etwa mit R4, R16, Espace oder Twingo erfolgreich gegen das Auto-Establishment rebellierte. Aber nie mit mehr Risiko als jetzt. Twizy ist nur der auffälligste Part einer E-Mobilitätskampagne, der sich Renault mit großem Optimismus und trotzigem Mut verschrieben hat. Nun ist Mut mitunter nichts anderes als die Fehleinschätzung von Risiko. Die Franzosen hängen so tief drin, dass nichts schief gehen darf: Vier Milliarden Euro haben sie in das Programm investiert. Oder verpulvert? Es ist leicht, Twizy zu verreißen für all die Nachteile, die das Konzept mit sich bringt.
Überblick: Alle News und Tests zum Renault Twizy

Kein Spaß: Eine Mitfahrt auf dem hinteren Sitz des Twizy ist absolut nicht zu empfehlen.
Bild: Uli Sonntag
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Offen: Der Wind weht mangels vollwertiger Türen fast ungehindert auch im Innenraum.
Bild: Uli Sonntag
Die servolose Lenkung spricht direkt und präzise an, Kurven umzirpt Twizy mit minimaler Seitenneigung und geringer Untersteuertendenz. Aber wenn jetzt wieder einer schreibt, der Renault führe sich wie ein Kart, zeigt das nur, dass derjenige nie mit einem Kart fuhr. Bestenfalls der Fahrkomfort lässt sich mit einem Kart vergleichen. Eine Federung ist anwesend, bleibt aber vorwiegend untätig. Was angesichts der Wind-Regen-Kälte-Problematik aber das vernachlässigbarste Komfortdefizit darstellt. Mit dem Temperament eines gänzlich unfrisierten 80er-Rollers wuselt Twizy locker im Stadtverkehr mit, stromert bei Bedarf noch ein wenig über Land, rekuperiert dabei im Schiebebetrieb nur schwach, bremst aber energisch, allerdings ohne ABS. Autobahnfahrten verbieten sich wegen der auf 80 km/h limitierten Höchstgeschwindigkeit und der Humorlosigkeit vieler Lastwagenfahrer, die es nicht sehr schätzen, wenn Twizy mit Tempo 80 vor ihnen herumöddelt. Einen 40-Tonner im Nacken zu haben, zählt trotz der von Renault beschworenen "hochsteifen Sicherheitszelle" nicht zu den erstrebenswerten Erlebnissen.
Überblick: Alle News und Tests zu Renault

Stadtmobil: Bei 71 Kilometern Reichweite sind längere Touren mit dem Twizy nicht drin.
Bild: Christian Bittmann
Fazit
Die von vielen so lange herbeigebrüllte Elektromobilität ist in der Realität angekommen. Denn so wird sie aussehen, soll sie bezahlbar sein. Ein Volvo C30 Electric für rund 1500 Euro Monatsleasing und selbst ein E-Smart für 25.000 Euro wird Elektrofahren niemals massenmarktmöglich machen. Deswegen lässt sich Renaults Twizy auch nicht mit den Maßstäben eines normalen Autos messen, will das Gefährt auch nicht. Da fiele das Urteil verheerend aus – ohne ABS, ESP, mit einem Seitenaufprallschutz stabil wie ein Schokoriegel, ohne jeden Federungskomfort, zugig, eisig im Winter, hitzig im Sommer. Aber kaum jemand wird Twizy als Erstfahrzeug bewegen. Als Zweitwagenersatz dagegen ergibt das Konzept Sinn. In der Stadt wuselt Twizy mit dem Strom, bietet Platz für einen mit etwas Gepäck oder kurz mal für zwei Idealgewichtige. Vielleicht müssen wir umdenken, Verzicht üben und statt eines Kompaktautos für 15.000 Euro einen Basis-Sandero für 7000 und dazu einen Twizy für 8000 Euro kaufen.
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