Mobile Station zum Schnellladen: Der Rapid Charger 150 lädt E-Autos überall
Diese mobile Ladestation funktioniert komplett ohne Stromanschluss

Der Rapid Charger 150 lädt Elektroautos mit bis zu 150 kW – und das ganz ohne Netzanschluss. Entwickelt von einem Unternehmen aus Brandenburg. Wer jetzt einen stinkenden Diesel-Generator als Stromquelle vermutet, liegt völlig falsch.
Bild: Marcus Lieder
Die Bundesregierung macht Druck: Bis 2028 sollen große Tankstellenketten an drei Viertel ihrer Stationen einen Gleichstrom-Schnelllader mit mindestens 150 kW Ladeleistung vorhalten. Auch kleinere Tankstellenbetreiber sind gut beraten, dem wachsenden Anteil von Elektroautos Angebote zu machen. Doch wie geht das von jetzt auf gleich – oder bei Stationen irgendwo im Nirgendwo, deren Infrastruktur für hohe Ladeströme nicht geeignet ist?
Das Brandenburger Unternehmen "Me Energy" hat eine Ladestation entwickelt, die komplett ohne Netzanschluss funktioniert. Aufstellen, einschalten, laden. Damit ist sie auch für Standorte "jenseits" der Zivilisation geeignet, zum Beispiel in Naturschutzgebieten, auf Inseln oder an Yachthäfen.
Denn der "Rapid Charger 150" bezieht den Strom nicht aus einem Dieselgenerator, sondern arbeitet mit Bioethanol. Dieser Kraftstoff entsteht aus Agrarprodukten – zum Beispiel Zuckerrohr oder Mais –, aber auch aus Pflanzenabfällen. Damit ist eine nahezu klimaneutrale Produktion möglich. So kann grüner Strom auf der grünen Wiese erzeugt werden.

Der kompakte Rapid Charger 150 ist kleiner als ein TEU-Container und kann mit vollem Tank Strom für 20.000 Elektroauto-Kilometer produzieren.
Bild: Marcus Lieder
Technische Daten vom Generator sind noch geheim
Für die Umwandlung in elektrische Energie konstruierte Me Energy einen speziellen Verbrennungsmotor passend zur Ladestation. Für sein Aggregat hält das Unternehmen elf Patente. Details sind bisher streng geheim. Offenbar handelt es sich um einen klassischen Verbrennungsmotor, der auch mit synthetischem Sprit (E-Fuels) laufen könnte.
In dem Charger-Modul ist neben zwei Gleichstrom-Ladestationen und dem Generator auch ein Tank für den Kraftstoff eingebaut. Der Vorrat reicht aus für bis zu 4000 kWh, das entspricht bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch für rund 20.000 km im Elektroauto. Alles zusammen ist er kompakter als ein 30-Fuß-Container.
Aus einem halben Liter Bioethanol macht der Rapid Charger rund eine Kilowattstunde Strom. Wenn die Anlage Vollast läuft, kommen bis zu 150 kW Ladeleistung bei den beiden Zapfstellen an. Wenn zwei Elektroautos gleichzeitig laden, halbiert sich die Ladeleistung.
Laut Medienberichten kooperiert Me Energy mit einer mittelständischen Tankstellenmarke. In einem Pilotprojekt werden an ausgewählten Tankstellen-Standorten die netzunabhängigen Schnelllader getestet. Derzeit gibt es mehrere Standorte, zum Beispiel am Berliner Flughafen, vor dem brandenburgischen Wirtschaftsministerium und im Hof einer Wohnungsbaugenossenschaft in Halle.
"Wir wollen das Stromnetz nicht ersetzen – unsere Lösung ist interessant für Anbieter, die nur kurzfristig an einem Standort bleiben, sodass sich die Investition in elektrische Infrastruktur nicht lohnt", sagte eine Sprecherin von Me Energy gegenüber AUTO BILD. Auch als Notstromaggregat für systemrelevante Fahrzeuge, zum Beispiel von Feuerwehr oder Polizei, eigne sich der Rapid Charger.

Zwei Elektroautos können zeitgleich an der netzunabhängigen Ladestation aufgeladen werden – dann halbiert sich die Ladeleistung.
Bild: Marcus Lieder
Strompreis auf dem Niveau öffentlicher Ladesäulen
Der Preis für den Bioethanol-Strom liegt laut Hersteller zwischen 0,29 und 0,44 Euro pro kWh und damit etwas unter dem Niveau der Strompreise an öffentlichen Ladesäulen. Der Kaufpreis für das kleine Bioethanol-Kraftwerk beträgt etwa 150.000 Euro. Me Energy bietet ihn auch im Leasing an. Die Nachfrage ist laut Me Energy gut – daher soll die Produktion des Rapid Charger in Kürze ausgeweitet werden. Hierfür sucht das Unternehmen aus dem brandenburgischen Wildau südlich von Berlin derzeit nach Investoren, so eine Sprecherin gegenüber AUTO BILD.
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