Michael Schumacher: Stationen seiner Karriere

Schumi-Serie zum 50.: der Teamplayer

Führen, fordern, Fußball spielen

Teil 5 der Serie zu Schumis 50. Geburtstag. Der Teamplayer. Einer allein kann nicht siegen. Fur Schumi galt deshalb stets: Der Star ist die Mannschaft.
Das war‘s! Geknickt klettert Michael Schumacher aus seinem Ferrari. Der Motor ist verraucht. Und damit auch die Chance auf den WM-Titel 2006, seinen achten insgesamt. Mit hängenden Schultern macht er sich auf den Rückweg zur Box. Der Blick leer, der Mund ganz schmal. Sein letzter GP Japan im Ferrari bleibt keine schöne Erinnerung.
Teil 1 - Schumis Anfänge: Kart, Cola und Krafttraining
Fünf Minuten später in der Ferrari-Garage: Schumacher lächelt schon wieder. Geht zu jedem Mechaniker. Schüttelt Hände, klopft Schultern, umarmt seine Männer. „Wir dachten, wir müssten ihn trösten“, erzählt Teamchef Jean Todt (60), „dabei hat er uns getröstet.“ Gemeinsam gewinnen, gemeinsam verlieren. Das ist Schumis Motto. Und in diesem vorletzten Ferrari-Rennen seiner Karriere zeigt der 38-Jährige noch einmal eindrucksvoll: Er ist ein echter Mannschaftsspieler. Das war er schon immer.

Schumi wurde zum erfolgreichsten F1-Pilot aller Zeiten

1991 wechselt Schumacher nach nur einem Rennen von Jordan zu Benetton. Jonathan Wheatley, heute Teammanager bei Red Bull, ist dort sein Mechaniker. Der Engländer erinnert sich: „Als Michael zu uns kam, hat er sich gleich mit den Jungs im Team angefreundet. Er hat jeden mit Handschlag begrüßt und interessierte sich von Beginn an auch für unser Privatleben, fragte immer, wie es unseren Familien geht.“ Der spätere Rekordweltmeister weiß schon damals: Wer besonders erfolgreich sein will in der Formel 1, braucht nicht nur ein schnelles Auto. Auch die Mannschaft macht den Champion.
Sie muss bedingungslos hinter ihm stehen. Ross Brawn (52), Ex-Technikchef bei Benetton und Ferrari, bringt es auf den Punkt: „Michaels größte Qualität war nicht das Fahren, sondern die Art und Weise, wie er mit dem Team zusammenarbeitete.“

Michael Schumacher: Alle seine Teamkollegen

Doch die ist mehr als eine kühle Erfolgsrechnung. „Michael vergaß nie die menschliche Seite an unserem Sport“, erinnert sich sein ehemaliger Renningenieur Pat Symonds (53, heute Renault-Cheftechniker), „oft kam er spät am Abend mit einem Topf voller Pasta in die Garage und munterte die Mechaniker auf.“ Dort, in der kleinen, abgeschotteten Welt seines Rennstalls war er für alle offen und immer ansprechbar, war nie abweisend oder abgehoben. So verschaffte sich der Ausnahmepilot auch gegenüber seinen Teamkollegen Vorteile.
Teil 2 - Schumis Idol: Die ganze Story mit Ayrton Senna
„Benetton war einzig und allein Michaels Team“, beklagt sich Ex-Partner JJ Lehto nach seinem Rauswurf 1994. Eddie Irvine, erster Schumi-Kollege bei Ferrari, bestätigt: „Er bekam gegenüber seinen Teamkollegen nie besseres Material, aber größere mentale Unterstützung.“ Schumi ist kein Test zu viel, keine Minute im Gespräch mit den Ingenieuren zu lang. Kein aufmunterndes Wort an die Mechaniker ist ihm zu mühsam.

Startschuss: Ferrari vor dem ersten Schumi-Jahr 1996

Und er ist immer schnell. Die Folge: Die Techniker bauen die Autos stets nach seinen Wünschen. Und die Strategen planen zuallererst sein Rennen. Schumacher ist immer die Nummer 1. „Ich habe sie aber nie gefordert, weder vertraglich noch mündlich, in meiner gesamten Karriere nicht“, stellt der Kerpener später mal klar. Und ergänzt: „Meine Auffassung ist die: Zu Saisonstart erhalten beide Fahrer das gleiche Material, sind in jeder Hinsicht gleichberechtigt. Aber bald wird klar, dass ein Fahrer schneller ist als der andere. Dann muss ihn das Team unterstützen. Warum? Weil das Ziel eines Teams immer darin bestehen muss, am Ende des Jahres vorn zu stehen. Die Formel 1 ist kein Kindergeburtstag.“
Teil 3 - Schumis Fahrstil: Geheime Kurventechnik
1996 wechselt der Weltmeister von Benetton zu Ferrari. In Schumachers Augen sieht es damals in den heiligen Werkshallen der Roten aus „wie in der Werkstatt meines Go-Kart-Kumpels“. Mit dem französischen Teamchef Jean Todt impft er der Truppe deutsche Tugenden ein: Disziplin, Fleiß, Ordnung. Selbst in schlechten Zeiten erhebt der Superstar keine Vorwürfe. So wird aus Ferrari ein Dauersieger.

Begeisterter Hobby-Kicker: Schumi beim Fußball

Die Distanz der heißblütigen Italiener gegenüber ihm, dem kühlen Deutschen, bricht Schumi mit Fußball. In den Testpausen ist er nicht Cheffahrer, sondern Hobbystürmer. Und mit kleinen Gesten hebt Schumi in Stress-Situationen wieder und wieder die Stimmung. Beispiel: heißer Testtag in Fiorano. Da fährt ein Lieferwagen vor. Der Fahrer baut einen wackeligen Klapptisch auf und packt vor Kälte dampfende Kanister drauf. Dann klingelt er: Der Eismann ist da. Schumi hat ihn heimlich bestellt.
Solche Motivationsspritzen kennen sie bei Ferrari von einem Irvine oder Barrichello nicht. Schumi führt auch Verbrüderungsrituale ein. Vor jedem Rennen am Nürburgring fährt er mit seiner Mannschaft in Kerpen Kart in seiner eigenen Halle. Und nach einem Titelgewinn muss jeder ein Glas Rotwein trinken. Auf Ex. Das schweißt zusammen.
Teil 4 - Schumis Skandale: Tricksen, Tarnen, Triumphieren
Doch bei aller Kumpelei verliert Schumi nie die Autorität. Er ist stets hundert Prozent bei der Sache und fast immer der Beste. Zu ihm blicken die Mechaniker auf. Ihn bewundern sie. Und deshalb geben auch sie alles für ihn. „Wenn Michael in die Garage kam, arbeiteten alle noch konzentrierter als sonst“, berichtet Schumachers ehemaliger deutscher Helmbetreuer Sven Krieter, „der Respekt vor ihm war unheimlich groß.“

Michael Schumacher: Seine Familie

Der Beweis: ein Fotoshooting für AUTO BILD MOTORSPORT 2002. Schumi stellt sein Team vor. Er ist locker, klatscht jeden Mechaniker ab. Dann sollen „seine Jungs“ für ein Foto mit Werkzeugen an ihm rumschrauben. Keiner traut sich! Zu groß ist der Respekt. Ferrari-Ex-Kollege Barrichello bestätigt: „Ich habe die stolzen Blicke der Mechaniker gesehen, die für Michael gearbeitet haben. Bei mir hatten sie nie dieses Glänzen in den Augen.“

Barrichello stand bei Ferrari im Schatten Schumis

Letztlich steht der Erfolg eben doch über allem. „Für den besten Fahrer der Welt zu arbeiten war schon etwas Besonderes. Da strengt man sich doppelt an. Aber Michael hat selbst auch viel gefordert. Bis ins kleinste Detail musste alles stimmen“, betont Sven Krieter von Helmbauer Schuberth. „Trotzdem hat er nie mit dem Finger auf einen gezeigt, wenn man einen Fehler gemacht hat“, erinnert sich Ex-Ferrari-Chefmechaniker Gianni Petterlini (43).
Und seine Erfolge machte Schumi zu Erfolgen aller im Team. Helm-Mann Krieter: „Nach dem Sieg in Indy 2006 war die WM wieder offen. Michael hat sich deshalb bei jedem persönlich bedankt, auch bei mir. Das hat noch mehr motiviert.“
Auch bei Mercedes hat er das Schumacher-typische Teamplayer-Verhalten eingebracht. Das Eis sei gleich im Dezember bei Schumachers Vorstellung in der Mercedes-Fabrik in Brackley gebrochen, berichtet seine Managerin Sabine Kehm. Denn: Da ging der Kerpener wie seine Mechaniker-Kollegen zum Essen in die Kantine. Kehm: „Das hatte in dem Werk angeblich noch kein Fahrer gemacht. Fur Michael war das kein großes Ding, aber die Jungs waren ziemlich überrascht.“

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.