Während die Liga der Elektro-Kleinwagen in diesen Tagen viel Zuwachs erfährt, wird auch anderswo hart gekämpft. Stellten vollelektrische SUV einst den Einstieg in die Elektrowelt dar, müssen sie ihre Existenz nun zunehmend rechtfertigen.

Zwei Elektro-SUV im Vergleich

#Getestete ProduktePreis
1.
Testsieger
Skoda Elroq 85
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2.
Volvo EX40 Single Motor Ext. Range
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Braucht man wirklich so viel Auto für so viel Geld? Das müssen Elroq und EX40 hier beweisen.

Im Innenraum: Der Elroq bietet unendliche Weiten

Der Elroq geht dabei einen interessanten Weg: Technisch ein geschrumpfter Enyaq, sieht er seinem Bruder von vorn und hinten zum Verwechseln ähnlich. Nebeneffekt: Das Platzangebot innen ist gelinde gesagt phänomenal – auch dank des mit 2,77 Metern unverändert langen Radstands.
Skoda Elroq 85
Mit 4,49 Meter streckt sich der Elroq fünf Zentimeter länger als der Volvo, fährt mit sieben Zentimeter längerem Radstand vor.
Bild: Olaf Itrich/AUTO BILD
Vier Passagiere sitzen verdammt bequem, können mit 470 bis 1580 Litern ordentlich was einladen. Auch sportlich ambitionierte Fahrer fühlen sich wohl im Elroq, dessen Sitze sich tiefer einstellen lassen als die des Volvo. Wer es noch ernster meint, wählt den Sportline. Die Tschechen haben uns stattdessen die mit diversen Paketen aufgerüstete Basis geschickt.
Mit 470 bis 1580 Liter Fassungsvermögen bietet der Elroq den größeren Laderaum. Dazu gibt es Fächer an den Seiten für Kleinkram.
Bild: Olaf Itrich/AUTO BILD
Ansonsten bietet der Elroq bis ins Detail das, was man vom überarbeiteten Enyaq kennt: ein flüssig laufendes Infotainment mit zahlreichen Untermenüs, die aber sinnvoll strukturiert wurden und sich mit einem Druck auf einen Info-Button auch selbst erklären können. Die Batterieheizung des Elroq lässt sich über einen Button oder über die Eingabe einer Route ins Navi aktivieren.
Der Touchscreen im Elroq misst serienmäßig 13 Zoll. Hinter der schwarzen Leiste (oben im Bild) versteckt sich die Öffnung für das Head-up-Display.
Bild: Olaf Itrich/AUTO BILD
Kostet ein wenig Strom, aber erhöht, wenn nötig, die Schnellladeleistung (maximal 175 kW). Dazu gesellen sich ein kleines Kombiinstrument und ein massives Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktionen, dessen Öffnung der Elroq etwas unelegant hinter einer schwarzen Plastikleiste verstecken muss. Sie merken: Meckern auf hohem Niveau.

EX40 ist konventioneller und kleiner

Der Volvo präsentiert einen konventionelleren Aufbau: zwei große Displays, in die Windschutzscheibe wird hier nichts gespiegelt. Dafür sorgt Android Automotive per Google-Maps-Navi für topaktuelle Verkehrsdaten, übernimmt auf längeren Routen selbstständig die Einplanung von Ladestopps, genau wie das System des Skoda.
Der Volvo tritt innen mit konventionellerem Layout und allgemein weniger Einstellmöglichkeiten auf. Gute Materialanmutung.
Bild: Olaf Itrich/AUTO BILD
Davon abgesehen gibt sich das Infotainment allerdings deutlich reduzierter. Fahrmodi – bis auf einen "Sportliches Lenkgefühl"-Button – bietet der EX40 gar nicht. Dafür hat er dem Elroq einen One-Paddle-Modus voraus, rekuperiert also ohne Nutzung des Bremspedals auf Wunsch bis zum Stillstand.
Anfangs hieß die vollelektrische Version des XC40 noch "XC40 Recharge", wurde dann umgenannt. Auch verschob Volvo die Antriebsachse von vorne nach hinten.
Bild: Olaf Itrich/AUTO BILD
Seltsame Maßnahme: Den Start/Stop-Knopf des Verbrenners hat Volvo beim Elektriker einfach weggelassen und durch einen unschönen Blindschalter ersetzt. Der Tritt auf das Strompedal startet den Antrieb, wer den Fahrersitz verlässt und die Tür öffnet, stoppt ihn. Die Achillesferse: Wer nach dem Ankommen am Ziel noch im Auto sitzen bleibt, steht quasi mit laufendem Motor herum, auch das Abblendlicht bleibt an. Insofern hätten wir den Knopf doch ganz gern behalten, um manuell eingreifen zu können.
Der EX40 bietet hinten weniger Platz als der Elroq.
Bild: Olaf Itrich/AUTO BILD
Das Platzangebot im EX40 fällt grundsätzlich ebenfalls zufriedenstellend aus, allerdings kann er – sowohl beim Einstieg als auch beim schieren Platzangebot vorn, hinten und im Laderaum – nicht ganz mit dem raumwundernden Elroq mithalten.
Der Laderaum des Volvo fällt vor allem mit umgeklappter Bank kleiner aus: 1286 Liter. Mit aufrechter Lehne sind es 410 Liter.
Bild: Olaf Itrich/AUTO BILD

Bei niedrigen Temperaturen lösen sich Werksverbräuche in Wohlgefallen auf

Unsere Verbrauchsrunde mussten beide bei klirrend kalten minus zwei Grad absolvieren. So benötigten beide inklusive Ladeverlusten exakt 28,5 Kilowattstunden auf 100 Kilometer, was mit den Herstellerangaben (Skoda: 16,3, Volvo: 17,1) dann nicht mehr viel zu tun hat. Weniger ein spezifisches Problem dieser zwei, sondern aktueller Stand der Technik – trotzdem ärgerlich. Der Elroq bringt es so auf 323, der Volvo auf 325 Kilometer Reichweite.
Skoda Elroq 85 Volvo EX40 Single Motor Ext. Range
Deutlich weniger als versprochen: Der Skoda schafft im Test 323, der Volvo 325 Kilometer – es dürfte an der Kälte gelegen haben.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dazu sei noch gesagt, dass eine Wärmepumpe beim Skoda mit 1080 Euro extra bezahlt werden muss, beim Volvo nicht. Ansonsten hat auf der Straße der Elroq die Nase vorn. Er fährt dem EX40 nicht nur gemäß den objektiven Messwerten davon (6,6 zu 7,0 Sekunden auf Tempo 100), sondern wirkt auch subjektiv sportlicher. Skoda-Piloten surfen auf einer gewaltigen Welle von 545 Newtonmeter Drehmoment, die 286 PS wirken authentisch.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart 
Synchronelektromotor 
Synchronelektromotor 
Einbaulage 
hinten 
hinten 
Spitzenleistung 
210 kW (286 PS) 
185 kW (252 PS) 
Dauerleistung 
89 kW (121 PS) 
128 kW (174 PS) 
max. Drehmoment 
545 Nm 
420 Nm 
Vmax
180 km/h 
180 km/h 
Getriebe 
Einganggetriebe 
Einganggetriebe 
Antrieb 
Hinterradantrieb 
Hinterradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Trommel 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
v. 235/45 R 21, h. 255/40 R 21 V 
v. 235/45 R20, h. 255/40 R 20 H 
Reifentyp 
Hankook Ventus S1 evo3 ev 
Pirelli Scorpion SF2 Elect 
Radgröße 
v. 8,5 x 21", h. 9 x 21" 
k. A. 
Reichweite* 
581 km 
560 km 
Verbrauch* 
16,3 kWh/100 km 
17,1 kWh/100 km 
Batteriekapazität (netto) 
77 kWh 
79 kWh 
Ladeleistung (AC/DC) 
11/175 kW 
11/205 kW 
Ladeanschluss 
hinten rechts 
hinten links 
Ladezeit (10-80 %, DC-Laden) 
28 Minuten 
28 Minuten 
Fach unter Frontklappe 
S/31 l 
Vorbeifahrgeräusch 
66 dB(A) 
68 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1000/750 kg 
1500/750 kg 
Stützlast 
75 kg 
100 kg 
Kofferraumvolumen 
470–1580 l 
410–1286 l 
Länge/Breite/Höhe 
4488/1884–2148**/1654 mm 
4440/1863–2034**/1647 mm 
Radstand 
2770 mm 
2702 mm 
Grundpreis
43.900 Euro
55.490 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
52.340 Euro
59.940 Euro
Dazu fährt der Elroq hecklastiger, schiebt in Teillast lässig aus der Hüfte und lässt sich über das verstellbare Fahrwerk (960 Euro) flexibel an die gewünschte Gangart anpassen. Auf der Langstrecke kann er mit intelligenter Technik punkten, steht dem großen Bruder Enyaq auch hier in nichts nach.
Skoda Elroq 85
Der Skoda liegt nicht nur bei den gemessenen Fahrleistungen in Front, seine hecklastige Auslegung wirkt auch dynamischer.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auf Kreisverkehre, sich verändernde Tempolimits und scharfe Kurven rekuperiert der Elroq vorausschauend zu, bietet diverse Parkassistenten (per App, per Beibring-Modus oder autonom mit Fahrer im Auto) und eine Plug-to-Charge-Anwendung, bei der die Ladekarte in der Tasche bleiben kann. Der Elroq kommuniziert dann über die Ladeverbindung und schaltet den Ladevorgang frei.
Letzteres beherrscht der EX40 ebenso, auch Topspeed (180 km/h) und Ladezeit (28 Minuten hier wie da von 10 auf 80 Prozent) liegen auf einem Niveau. Der Antrieb des Schweden wirkt von unten heraus allerdings etwas verhalten – ganz so, als hätte Volvo ihn bewusst leicht gedrosselt.
Volvo EX40 Single Motor Ext. Range
Nachteil: Im Gegensatz zum Skoda hat der Volvo kein Verstellfahrwerk; vor allem mit den 20-Zöllern wirkt er etwas hölzern.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dazu gesellen sich ein geringfügig lauteres Geräuschniveau, ein bei warmen Bremsen um 3,6 Meter längerer Bremsweg sowie der mit 11,5 Metern anderthalb Meter größere Wendekreis. Das Fahrwerk des Volvo ist nicht verstellbar, seine Dämpfer müssen also einen alltagstauglichen Kompromiss finden. Der fällt okay, aber stellenweise recht hölzern aus. Die 660 Euro teure 20-Zoll-Bereifung hätten wir uns gespart.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,9 s 
3,1 s 
0–100 km/h 
6,6 s 
7,0 s 
0–130 km/h 
10,3 s 
11,4 s 
0–160 km/h 
15,9 s 
18,9 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,1 s 
3,3 s 
80–120 km/h 
4,1 s 
4,5 s 
Leergewicht/Zuladung 
2133/517 kg 
2062/458 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
48/52 % 
48/52 % 
Wendekreis links/rechts 
10,0/10,0 m 
11,5/11,5 m 
Sitzhöhe 
630 mm 
685 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,3 m 
36,5 m 
aus 100 km/h warm 
32,7 m 
36,3 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
55 dB(A) 
56 dB(A) 
bei 100 km/h 
63 dB(A) 
64 dB(A) 
bei 130 km/h 
67 dB(A) 
68 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
19,2 kWh/100 km 
18,7 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
28,5 kWh/100 km
(+75 %)
28,5 kWh/100 km
(+67 %)
Sportverbrauch 
32,0 kWh /100 km 
34,7 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
0 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
323 km 
325 km 
Auf der Habenseite des Volvo steht die mit 1500 Kilogramm höhere Anhängelast (Skoda: 1000 Kilogramm). Auch die Stützlast fällt mit 100 zu 75 Kilogramm höher aus als beim Elroq – und ist damit gut für bis zu vier E-Bikes.

Kosten: Der Volvo kommt deutlich teurer

Der Skoda ist bereits ab 43.900 Euro zu haben, dann müssen aber noch einige Pakete dazugerechnet werden: Satte 4980 Euro werden für das Advanced-Paket fällig, das Feinheiten wie Massagesitze, Head-up-Display, 360-Grad-Kameras und das Canton-Soundsystem umfasst. Dazu kommen Wärmepumpe, Adaptivfahrwerk und 21-Zöller. Testwagenpreis: 52.340 Euro. Klingt teuer und ist es auch.
Skoda Elroq 85 Volvo EX40 Single Motor Ext. Range
Richtig teuer: In der bewerteten Testwagenausstattung kostet der Skoda 52.340 Euro, der Volvo bringt es sogar auf 59.940 Euro.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Nur: Der Volvo startet erst ab 55.490 Euro. Trotz dann bereits weitgehend vollständiger Ausstattung kommt auch hier noch diverses dazu. In Summe stehen fast 60.000 Euro auf dem Preisschild. Im Unterhalt fahren beide dagegen genügsam umher. Haftpflicht und Vollkasko sind fair, steuerbefreit sind beide ohnehin. Wer statt Kleinwagen Kompaktklasse fährt, zahlt dafür also vor allem in der Anschaffung drauf.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
609
588
Platz
1
2
Fazit
Der Elroq hat kaum Schwächen: Platzangebot, Assistenz und Antrieb sind top. Wer günstiger fahren will, sollte den 60er nehmen.
Im direkten Vergleich fällt auf, dass der Volvo das ältere Auto ist. Auch er bietet viel Nutzwert, fährt aber weniger spaßig.

Fazit

Am Ende ist es eine klare Sache: Der Elroq ist nicht nur agiler und flotter, er offeriert auch mehr Platz und die moderneren Assistenzsysteme. Auch der Volvo hat seinen Charme, punktet mit seinem Infotainment bei der Vernetzung – kostet aber deutlich zu viel für das, was er bietet.