Stromhandel: Elektroautos können als Stromspeicher Geld verdienen
So verdienen E-Autos bis zu 300 Euro im Jahr – im Stehen

Wenn das E-Auto am Stromnetz hängt, kann es als Stromspeicher Geld verdienen. So die Idee des Energieversorgers Ostrom, der gerade sein sogenanntes NeoGrid öffnet. Welche Autos können teilnehmen – welche noch nicht?
Bild: OBO Bettermann Vertrieb Deutschland GmbH & Co. KG
Mit dem E-Auto als temporärem Stromspeicher Geld verdienen – das bietet ein Energieversorger seit Jahresbeginn den meisten Besitzern von Elektroautos an, deren Fahrzeuge bidirektional laden können. Durch ein System-Update wurde die potenzielle Nutzergruppe jetzt stark vergrößert. Aktuell sind alle neuen E-Auto-Modelle fast sämtlicher Hersteller anschlussfähig, teilt der Anbieter "Ostrom" (gesprochen "O-Strom") aus Berlin mit.
Das Start-up verkauft ausschließlich Ökostrom. Als reiner Broker verfügt es über keine eigene Stromproduktion, es handelt mit fremderzeugtem Strom. Für Elektroauto-Nutzer bietet das Unternehmen schon seit einiger Zeit speziellen Autostrom an.
Im Januar 2025 startete Ostrom nun das sogenannte NeoGrid. Dabei nehmen Elektroautos als dezentrale Stromspeicher Lastüberschüsse – also Strom ohne sofortige Abnehmer – im Akku auf und speisen ihn zu Zeiten erhöhten Strombedarfs ins Netz ein. Das Zwischenspeichern wird den Eigentümern entgolten, wie eine Miete. Bis zu 300 Euro jährlich, das verspricht Ostrom, können E-Autofahrer damit pro Jahr verdienen. Das entspricht über 4300 Fahrkilometern, wenn man – grob geschätzt – den aktuellen Bestandskunden-Strompreis (laut Vergleichsportal Verivox aktuell 0,3463 Euro/kWh) und einen Durchschnittsverbrauch von 20 kWh auf 100 km zugrunde legt.
NeoGrid für fast alle Automarken offen
Die Idee hinter dem neuen Ostrom-Produkt: In Zeiten geringer Nachfrage und niedriger Strompreise können dezentrale Speicher wie Elektroauto-Akkus, zu einem Großspeicher – genannt "Grid" (englisch für Stromnetz) – vernetzt werden, um überflüssigen Strom zwischenzuspeichern. Bei steigender Nachfrage und entsprechender Preise lässt sich diese Energiereserve mit Gewinn wieder verkaufen.
Elektroautos sind für diese Technik gut geeignet, weil sie in nachfrageschwachen Zeiten, beispielsweise nachts, zumeist ungenutzt an der heimischen Wallbox hängen. Bisher waren nur wenige Marken technisch befähigt, bidirektional laden zu können – also nicht nur Strom aus dem Stromnetz aufzunehmen, sondern auch wieder einzuspeisen. Das wird V2G (Vehicle to Grid) genannt und ist meist nur mit neuen Elektroauto-Modellen möglich.
Ein kleiner Kunstgriff ermöglicht es Ostrom nun, das Nutzerfeld (und damit auch seinen potenziellen Kundenstamm) beträchtlich zu erweitern: Es wird bei dem Lastmanagement im NeoGrid nicht mehr Zugriff auf die E-Autos, sondern die jeweiligen Wallboxen genommen. Damit sind nun fast alle Fabrikate dazu in der Lage, an dem Produkt teilzunehmen. Ausgeschlossen sind lediglich Fahrzeuge der Marke Polestar sowie sämtliche Hersteller aus dem Stellantis-Konzern (unter anderem Citroën, Fiat, Opel, Peugeot und Jeep).
Es muss auch die richtige Wallbox sein
Allerdings sind noch nicht sämtliche Wallbox-Modelle anschlussfähig. Mitmachen können laut Ostrom unter anderem die Fabrikate von Easee, EO, go-e, Charge Amps, Heidelberg, Hypervolt, myenergi, Pod Point, Schneider Electric, Tesla, Wallbox und Zaptec.
Laut Ostrom hat das System-Update übrigens noch einen weiteren Effekt: Dank der verbesserten Steuerung der Wallbox wird die Speicherfunktion optimiert. Das kann bis zu 15 Prozent höhere Erlöse durch die Speicher-Vermietung im NeoGrid bedeuten, teilt Ostrom mit.
Das NeoGrid vernetzt die Batterien von Elektrofahrzeugen virtuell und steuert Ladevorgänge flexibel auf Basis der aktuellen Netzsituation und des Strompreises. Allerdings kann in der ersten Phase nicht jedes bidirektional ladende Elektroauto-Modell teilnehmen. Wie viele Elektroautos bereits am NeoGrid teilnehmen, verrät Ostrom auf AUTO BILD-Nachfrage nicht.
Auch für Wärmepumpen geeignet
Aber das ist nur der Anfang: Noch im ersten Quartal soll der virtuelle Elektroauto-Großspeicher auch für andere Fabrikate zugänglich sein. Lokale Wärmepumpen und Batteriespeicher können dann ebenfalls teilnehmen. Ostrom-Chef Matthias Martensen: "Das kann also bei einem Haushalt mit Speicher, E-Auto und Wärmepumpe bis zu 1000 Euro ausmachen." (Auch mit der THG-Prämie können E-Auto-Fahrer etwas dazuverdienen!)
Der Weg ins Grid ist denkbar leicht: Die Teilnahme am virtuellen Speicher erreichen Bestandskunden über die Ostrom-App. Dafür lässt sich der benötigte Ziel-Ladezustand des Elektrofahrzeuges in der App einstellen. Heißt: Wer morgens mit mindestens 50 Prozent Ladestand seines Elektroauto-Akkus losfahren möchte, gibt automatisch den Rest – 30 bis 50 Prozent frei für das Grid. Ostrom übernimmt aus der Ferne die Koordination der Ladepläne in Abstimmung mit der jeweiligen Netzsituation und Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien.
Währenddessen wird die entstehende Speicherkapazität an der Strombörse Intraday gehandelt. Der virtuelle Großspeicher entlastet durch die Optimierung von Stromeinkauf und -verkauf das Stromnetz und generiert so zusätzliche Einnahmen, die Ostrom anteilig an die teilnehmenden Kunden weitergibt.
Fazit
Es ist so weit: Die Mehrheit der aktuellen Elektroauto-Modelle neuester Generation kann am NeoGrid des Strom-Brokers Ostrom teilnehmen. Damit lässt sich mit dem E-Auto Geld verdienen, indem man es einfach nur herumstehen lässt, ganz ohne Nepp! Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis sämtliche Marken angeschlossen sind – und auch andere Energieversorger vergleichbare Produkte anbieten. Ein weiterer Vorteil der Elektromobilität, der das Fahren günstiger macht und – quasi nebenbei – zur Netzstabilisierung beiträgt. Lässt sich zusammenfassen zu: E-Auto fahren und Gutes tun!
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