Studie AG: wo BMW-Fans in Japan ihr Mekka finden
E36 bis Z4: die BMW-Tuning-Legende aus Yokohama

BMW-Fans sind in Japan eine eingeschworene Gemeinschaft, gerade sportliche M-Modelle werden gerne nachgeschärft. Und da gibt es keine bekanntere Anlaufstelle als die Studie AG in Yokohama. Inhaber Bob Suzuki ist in Asien eine Legende – nicht nur, wenn es ums Tunen von BMW-Modellen geht!
Bild: Stefan Grundhoff
- Stefan Grundhoff
In dem unscheinbaren Gewerbegebiet von Yokohama gibt es wenig Schönes, und die Straßenkreuzungen rund um Kishinecho sind von früh bis spät überfüllt. Doch für BMW-Fans ist die dortige Studie AG das automobile Mekka. Hier im Herzen von Yokohama betreibt Bob Suzuki seit 1995 einen Tuninghandel, der es in sich hat. Denn nicht allein die Bezeichnung "Studie AG" an der Fassade, die an ein originales BMW-Autohaus erinnert, mutet tief in Japan höchst deutsch an.
Wer durch die Doppeltür tritt, blickt auf eine Werkstattwelt, die sonst wohl nur am Nürburgring oder allenfalls im Münchner Norden anzutreffen ist. Überall strahlen Schriftzüge deutscher Tuning- und Zubehörmarken, an der Decke ist eine Nürburgring-Fahne aufgespannt, und an der Wand thront eine illuminierte Landkarte vom Großraum München. Willkommen bei der Studie AG – eine bayerische Insel mitten in Tokio-Yokohama.

Gäbe es ein
besseres Auto für einen Trip
zur Studie AG nach Yokohama als einen aktuellen BMW M2?
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Deutsche Kennzeichen, bestens bekannte Aufkleber, die übermächtige Landkarte vom Nürburgring und verschiedenste Renndevotionalien schmücken das Geschäft wie ein automobiler Schrein der besonderen Art. Inklusive Spielkonsole mit Rennsitzen und Arbeitsplätzen mit WLAN. Zugangscode: "Autobahn".
Die Kundschaft: BMW-Fans zwischen 30 und 40 Jahren
Die Lust auf Leistung – davon profitiert nicht allein BMW selbst, sondern insbesondere auch die Firma von Bob Suzuki in Yokohama. "Bei der Studie AG glauben wir, dass das Kundenerlebnis weit über die Arbeit mit Teilen hinausgeht", erläutert der freundlich lächelnde Bob. "Es geht darum, eine tiefe Verbindung zwischen unseren Kunden und ihren Fahrzeugen zu schaffen." Vor 30 Jahren hat der japanische Auto-Nerd seinen Tuningladen mit der ungewöhnlichen Bezeichnung Studie AG eröffnet.

Für viele
ist die Studie
AG ein BMW-Mekka. Nicht nur BMW-Fan
Haruto kommt regelmäßig,
um Tuningteile zu kaufen.
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Das Durchschnittsalter der BMW-Liebhaber, die bei Bob und seinem Team auf Einkaufstour gehen, liegt zwischen 30 und 40 Jahren. Bob Suzuki: "Als ich damals eröffnet habe, gab es so etwas hier in Japan einfach nicht. Die ersten Autos, an denen wir gearbeitet haben, waren E36." Doch mit Umbauten an Fahrwerk, Dämpfern, Felgen und Auspuffanlagen war es schneller als gedacht nicht mehr getan. Die Kunden wollten immer mehr, immer speziellere Umbauten und kamen von immer weiter her. Teile und Kontakte gab es für das Team von Bob Suzuki anfangs nur in Deutschland.
Seit Mitte der 1990er-Jahre reist der Inhaber eines Rennstalls regelmäßig nach Deutschland, macht Abstecher in die BMW-Zentrale nach München und besucht dann gleich noch seine zweite Leidenschaft: die Eifel mit ihrem kurvenreichen Nürburgring.

Wer keinen Abstecher zur Nordschleife machen kann, der trainiert virtuell in den Schalensitzen der Studie AG.
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Gerade parkt Haruto mit seinem weißen BMW Z4 Coupé vor dem Laden von Bob Suzuki. "Ich komme regelmäßig her und kaufe Teile oder lasse etwas an meinen Autos machen", posiert Haruto am Heck seines getunten Z4 Coupé mit einem gigantischen Auspuff-Endtopf. "Ich habe sechs Autos – darunter auch mehrere Z4. Ich liebe die Autos einfach und mache regelmäßig Ausfahrten." Schnell holt er sein Smartphone heraus und zeigt Bilder von den letzten Ausflügen mit weiteren M-Fans.
Teileverkauf und Markenvielfalt
"Für BMW-Teile gibt es für mich nur die Studie AG", sagt er und verschwindet eilig zum Teileverkauf, wo Firmen wie Eibach, Bilstein oder KW ihre Sportfahrwerke anpreisen. Gleich daneben eine Urkunde, dass die Studie AG offizieller Partner von BMW-Tuner AC Schnitzer ist. Ein paar Meter weiter wirkt eine Modellbauwerkstatt mit silbernem Z3 und komplettem Werkzeugarsenal wie ein Automobilschrein, dem es zu huldigen gilt.

1995 eröffnete Bob Suzuki die Studie AG im Herzen von Yokohama.
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Auch wenn in Japan auf den Autobahnen selten mehr als 120 km/h gefahren wird, Tuning hat hier Kultstatus – nicht allein bei BMW, sondern gerade auch bei den Heimspielern Toyota, Mitsubishi, Nissan oder Mazda. Doch die deutschen Marken Audi, BMW, Mercedes oder Porsche haben mit ihren Modellen hier einen Ruf wie Donnerhall. Speziell an Wochenenden treffen sich die Tuningfans gern an Autobahnkreuzen, um die eigenen Tuningmodelle mit Gleichgesinnten zu teilen. Marken-Neid? Fehlanzeige! Doch in die Studie AG nach Yokohama kommen allein BMW-Liebhaber. Unter ihnen auch Touristen oder Deutsche, die gerade in Japan arbeiten, denn Bob Suzuki ist nicht erst durch Social Media Kult geworden. Das eigene Studie-AG-Rennteam hat ihn nur bekannter gemacht.
"Dass BMW in Japan eine leidenschaftliche Fangemeinde hat, ist auf die Übereinstimmung zwischen den Werten der Marke und dem japanischen Temperament zurückzuführen", erzählt Suzuki. Wenn er nicht auf einer der großen Rennstrecken der Welt oder in seinem Laden arbeitet, zieht
es ihn zur Kurvenhatz rund eineinhalb Stunden südlich. "Eine meiner absoluten Lieblingsstrecken ist der Hakone Turnpike", lacht er, "eine wirklich aufregende Straße, die sich perfekt für meine Autos eignet. 13 Kilometer wunderschön geschwungene Kurven und ein Höhenunterschied von 981 Metern."
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