Studie zum Elektroauto-Laden: beim falschen Anbieter ist Strom zu teuer
Wer teuer lädt, zahlt 50 Cent zu viel - pro Kilowattstunde

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Eine neue Studie enthüllt eine Schattenseite öffentlicher Elektroauto-Ladetarife: Die Preisspanne zwischen den Roaming-Kosten und dem Ad-hoc-Laden unterscheiden sich – je nach Anbieter – gravierend. "Es gibt keine Transparenz auf dem Ladestrommarkt, das ist grundsätzlich zu kritisieren", sagt Alexander Moll vom Marktbeobachter ene't aus dem Rheinland, dessen Geschäftsmodell die Preisrecherche im Energiemarkt ist.
Eine aktuelle ene't-Studie zeigt, wie schwierig die Situation in vielen Fällen ist. Demnach können sich die Tarife für öffentliches Laden in vielen Regionen um bis zu 50 Cent pro Kilowattstunde unterscheiden. Angesichts eines durchschnittlichen Haushaltsstrompreises von 41,3 Cent pro Kilowattstunde ein gewaltiger Unterschied. So zahlt man in Greven (NRW) beim lokalen Anbieter fürs Ad-hoc-Laden 90 Cent/kWh an der langsamen AC-Ladestation. Demgegenüber stehen die Discounter Lidl oder Aldi-Süd, an deren AC-Ladestationen Strom nur 29 Cent/kWh kostet – der Preisvergleich lohnt sich also.
Warum können sich die Ladesäulenanbieter diese Tarifunterschiede erlauben, ohne dass die teuren pleitegehen? "Weil zu wenig Wettbewerb stattfindet", so Moll. Die Ladestrompreise werden, anders als etwa bei Tankstellen-Preisen, nicht gut sichtbar an die Ladesäulen geschrieben. Und Ad-hoc-Laden bieten viele Ladesäulen nicht an. Immerhin informieren die großen Anbieter über die jeweiligen Preise per Lade-App.

Beim Ladenetzanbieter Aral ist flächendeckend Ad-hoc-Laden per Geldkarte möglich. Doch in 31 Prozent aller Postleitzahlenbezirke in Deutschland gibt es bisher kein Ad-hoc-Laden.
Bild: Aral
Unter Ad-hoc-Laden ist das Laden mit Geldkarte, Apple bzw. Google Pay oder Kreditkarte zu verstehen – oder per App, sofern kein dauerhafter Vertrag eingegangen wird. Viele Ladesäulen haben die Karten-Bezahlfunktion bisher nicht. Und welche Ladestrom-Apps einen Ad-hoc-Tarif anbieten, ist nicht bekannt. Erneut: Der Markt ist vollkommen unübersichtlich. Moll: "Wir haben Rückmeldungen von Energieversorgern, die sich für unsere Studie bedanken, weil sie selbst die Tarife ihrer lokalen Mitbewerber nicht kennen."
Laden in Großstädten viel günstiger als auf dem Land
Auch beim Schnellladen gibt es deutliche Preisunterschiede: In Villingen-Schwennigen (Baden-Württemberg) zum Beispiel kostet Gleichstrom bei den Stadtwerken 94 Cent/kWh. 200 Kilometer entfernt in Heidelberg zahlt man 36 Cent/kWh, ebenfalls fürs DC-Laden. Bereits innerhalb des Ortes schwanken die Stromtarife für Elektroautos stark: Die Spanne zwischen teuerstem (94 ct/kWh) und günstigstem Gleichstrom-Tarif beträgt dort 58 ct/kWh. In Unterföhring (Bayern) ist einer der günstigsten Tarife deutschlandweit zu finden (38 Cent/kWh). Aber es gibt dort mit 87 ct/kWh auch einen der teuersten (Differenz: 49 Cent).
Auch im bayerischen Türkheim ist es ratsam, genau hinzuschauen, an welcher Säule am besten ad hoc geladen wird; hier beträgt die Preisspanne 44 ct/kWh. Einen großen Einfluss hat nach Erkenntnissen von ene't die Bevölkerungsdichte: In und um Großstädte sind Tarife deutlich niedriger als auf dem flachen Land. Der günstigste Schnellladetarif in Kommunen mit 500.000 und mehr Einwohnern beträgt demnach im Schnitt 73 Cent, bei unter 10.000 Einwohnern kostet DC-Laden im Mittel mindestens 84,7 Cent pro kWh.

Nach Recherchen von Marktbeobachter ene't beträgt der Preisunterschied bei schnellem DC-Laden innerhalb eines Postleitzahlenbezirks im Schnitt 12 Cent pro Kilowattstunde.
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Nur 30 Prozent der Ladestationen bieten Ad-hoc-Laden
Auch innerhalb ein- und desselben Postleitzahlenbezirks klafft zwischen teuerster und günstigster Ladesäule laut ene't eine Differenz von durchschnittlich rund sieben Cent pro Kilowattstunde. Die Marktbeobachter glauben, dass fehlende Möglichkeiten zum Ad-hoc-Laden auch hier eine wesentliche Ursache für die hohen Preisunterschiede ist. Moll: "Ein Elektroautofahrer kann ja nur den Tarif laden, den er kennt." Die Intransparenz nützt also den Anbietern – und schadet dem Wettbewerb.
In 4390 Postleitzahl-Bezirken wurden laut ene't entsprechende Preise für AC-Ladepunkte veröffentlicht. "Das entspricht nur rund 31 Prozent des Bundesgebiets." Im Gegensatz zum Ad-hoc-Laden erspart Roaming per App oder Ladekarte zwar die Preisrecherche, doch dafür kostet es deutlich mehr. Zeit versus Geld.
Im direkten Vergleich können sich die günstigsten Tarife durchaus gegenüber populären Roaming-Tarifen behaupten, zeigt die ene't-Studie. So verlangt Marktführer EnBW für seinen Viellladertarif "mobility+ Ladetarif L" einen Kilowattstundenpreis von mindestens 39 ct/kWh und sogar mindestens 59 Cent im Roaming. Hinzu kommt noch eine monatliche Grundgebühr in Höhe von 17,99 Euro, während für punktuelles Laden mangels Vertragsbindung grundsätzlich keine Grundgebühr erhoben werden kann.
Sämtliche Preis-Daten der Ladetarife sind vorhanden
Auf der ene't-Karte gibt es auch viele weiße Flecken, wofür stehen die? "Dort ist keine öffentliche Ladesäule gemeldet", sagt Alexander Moll von ene't gegenüber AUTO BILD. Bisher sind weniger als 70 Prozent der Kommunen in Deutschland mit Ladestationen ausgestattet. Doch während Ladesäulen immerhin zentral registriert sind (bei der Bundesnetzagentur), gebe es "keine zentrale Erfassung der Tarife". Laut Moll sind sämtliche Daten vorhanden – man müsse sie nur ermitteln und zugänglich machen.

Die Karte zeigt, wie hoch in Deutschland jeweils die Preisunterschiede zwischen einzelnen lokalen Ladenetz-Betreibern maximal sind.
Bild: enet
Aber wer kann das leisten? Die Energiewirtschaft habe an Transparenz kein Interesse. "Solange es keine politischen Vorgaben gibt, bleibt das auch so." Moll ist überzeugt, dass eine Preistransparenz bei öffentlichem Laden "den Hochlauf der Elektromobilität positiv beeinflussen würde".
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