Studie zur Lebensdauer von Elektroauto-Akkus
E-Auto-Batterien auch lange nach Garantie-Ablauf noch alltagstauglich

Die Zweifel an der Haltbarkeit von Elektroauto-Akkus sind offenbar unbegründet: Batterien haben auch nach dem Ablaufen der Garantie noch sehr hohe Ladekapazität, bestätigt eine britische Studie. Zehn Jahre und länger bleiben sie voll nutzbar.
Bild: Julian Stratenschulte
Viele Autofahrer beobachten die Entwicklung der Elektromobilität mit Interesse, zögern aber noch mit dem Kauf eines Elektroautos – ein häufig genannter Grund ist die Sorge, dass ein "verlebter" Akku zum Totalschaden führt. Denn Tauschakkus sind – mit Abstand – das teuerste Bauteil eines E-Autos.
Doch diese Angst ist unbegründet, bestätigt jetzt eine Studie des Auto-Akku-Analysten "Generational" aus Großbritannien – laut Urheber die größte Untersuchung, die dort bisher durchgeführt wurde. "Unsere Daten zeigen, dass die Lebensdauer der Akkus über die Garantiebedingungen der Hersteller locker hinausgeht", ist ein Fazit der Analyse.
Lebenserwartung weit über Garantie
Demnach hat die Masse der Elektroauto-Akkus auch nach acht bis neun Jahren Nutzung noch eine hohe Ladekapazität von mehr als 85 Prozent des ursprünglichen Speichervermögens. Und liegt damit weit über der angenommenen Lebenserwartung.
Die freiwillige Akku-Garantie der meisten Hersteller greift bei unter 70 Prozent Restkapazität. Als Bedingungen werden ein Zeitraum von acht Jahren nach dem Erstkauf oder eine Laufleistung von maximal 160.000 Kilometern genannt. Die Mess-Ergebnisse von Generational ergaben, dass die kalendarische Alterung bei Ablauf der Garantie noch nicht sehr weit fortgeschritten ist.
Und auch die Laufleistung der Batterien liegt inzwischen deutlich höher, sodass der Garantiefall nicht ansatzweise eintritt: Der britischen Studie zufolge lag bei dem Grenzwert von 160.000 km das Speichervermögen der untersuchten Stromtanks noch zwischen 88 und 95 Prozent.
E-Auto-Akkus: Zeit schlägt Nutzung
Ein weiteres interessantes Ergebnis der Generational-Studie: Intensive Nutzung (zyklische Alterung) schadet dem Akku offenbar weniger als die Lebenszeit an sich (kalendarische Alterung). "Wir sehen, dass der Batteriezustand junger Fahrzeuge mit hoher Laufleistung typischerweise besser ist als derjenige von alten mit einer geringen Laufleistung", heißt es im Fazit.

Wenn Akkus zu viel Kapazität eingebüßt haben, sind sie für den Einsatz im Auto nicht mehr geeignet und müssen ersetzt werden. Doch dieser Punkt wird offenbar deutlich später erreicht als bislang angenommen.
Bild: Ulrich Baumgarten
Konsequenz: Ein drei Jahre altes Exemplar mit 145.000 km auf dem Tacho könne einen vorteilhafteren Kauf darstellen als das gleiche Modell, aber schon sechs Jahre alt und mit nur 50.000 km Laufleistung, sofern beide in vergleichbar gutem Wartungs- und Pflegezustand seien.
Somit verliert die Laufleistung an Aussagekraft bei der Beurteilung des Fahrzeugzustands. Das hänge auch mit den konstruktiven Unterschieden zwischen Elektroautos und Verbrennern zusammen: "Elektroautos haben weniger bewegliche Teile im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotoren."
Analyse von 8000 Batterie-Tests
Quelle der Studie ist ein Pool von etwa 8000 Batterie-Tests, die Generational im vergangenen Jahr an Pkw und leichten Nutzfahrzeugen mit vollelektrischem Antrieb in Großbritannien durchführte. Die meisten der gemessenen Akkus bzw. Autos war drei bis vier Jahre alt. Die große Mehrheit hatte 150.000 und mehr Kilometer abgespult.
Generational legt Wert auf die Feststellung, dass die Studie auch für ältere Fahrzeug-Jahrgänge relevante Erkenntnisse liefert: "Hunderte von Autos in unserer Untersuchung sind mehr als sechs Jahre gelaufen, und immerhin 55 Stück hatten schon über acht Jahre auf dem Tacho", sagt Oliver Phillpott, CEO von Generational, gegenüber AUTO BILD. "Das ist relativ umfangreich im Vergleich zu den eher anekdotenhaften Einzelbeispielen, von denen zumeist in Medienberichten die Rede ist."
Das Alter der untersuchten Fahrzeuge und Akkus lag dabei zwischen einem und zwölf Jahren. Die Laufleistung lag zwischen 0 und 258.000 km. Im Durchschnitt hatten die untersuchten Akkus eine ermittelte Restkapazität von 95,15 Prozent.
Fortsetzung eines positiven Trends
Generational checkt die Akkus von Elektroautos und ermittelt mit den vorhandenen Daten den Gesundheitszustand (State of Health, abgekürzt SoH). In Deutschland ist in diesem Geschäftsfeld auch das österreichische Unternehmen Aviloo aktiv. Es bietet ein standardisiertes Verfahren, um Akkus von gebrauchten Elektroautos zu prüfen. Zu den Kooperationspartnern zählen unter anderem ADAC und TÜV.
Mit dem Generational-Ergebnis setzt sich ein positiver Trend fort: Das kanadische Unternehmen Geotab, Spezialist für digitales Fuhrpark-Management, veröffentlichte Ende 2024 ähnliche Ergebnisse zur Haltbarkeit von Elektroauto-Batterien. Auch Aviloo hatte kürzlich in einer Studie eine überraschend hohe durchschnittliche Lebenserwartung von Akkus dokumentiert.
Fazit
Umfragen zeigen, dass viele Menschen gern auf ein Elektroauto umsteigen würden – doch sie zögern, weil sie der Batterie misstrauen. In unseren Köpfen hält sich hartnäckig die fatale Analogie zu anderen Geräten mit Akku: Jeder kennt den Ärger über nachlassende Energiespeicher in Smartphones, Staubsaugern oder Laptops. Doch die Studie von Generational zeigt einmal mehr: Bei den großen Hochvolt-Batterien von Elektroautos liegen die Dinge anders. Das sollte sich herumsprechen.
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