Subaru Leone, Toyota Celica, Honda CRX
Fernost-Beziehungen: Japanische Klassiker unter sich

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Klaus Merz
- Helge Thomsen
Damals, als Nippon-Kompaktwagen den traditionellen deutschen Automarkt überrollten, war die Ablehnung noch groß. Ich gestehe, dass ich in meiner zwielichtigen Automobil-Karriere nicht einen einzigen Japaner besessen habe.
Mit einer Ausnahme: 2003 hantierten wir in der Motoraver-Werkstatt gerade an Opel Admiral, Ford Granada und Dodge Charger herum, da fuhr uns ein silbernes Subaru Leone Coupé über den Weg. Baujahr 1989, sechs Vorbesitzer, Rest-TÜV, unfall-, aber nicht rostfrei. Für 80 Euro retteten wir den Boxer vor der Schrottpresse. Und nun? Ein Subaru galt bei uns Anfang der Nullerjahre als völlig emotionslos, also uncool. Außer die Drift- und Rallye-Ikone Impreza, mit der Colin McRae 1995 Weltmeister wurde. Dabei hatte die Marke mit dem Sternbild der Plejaden schon früher technische Innovationen am Start, die andere Hersteller erst viel später übernahmen. Erstes japanisches Serienmodell mit Frontantrieb, eigene Vierzylinder-Boxermotoren und permanenter Allradantrieb setzten Anfang der 1970er-Jahre neue Maßstäbe.

Erst die Coupé-Variante macht aus dem praktischen Allrad-Pkw ein elegantes Raumschiff mit sportlichen Ambitionen.
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Klaus Merz
Auf Basis des ersten Subaru der L-Serie entstand in der dritten Generation der L 1800 4WD, der erst in den Schweizer Bergen und dann in Deutschland erfolgreich war. Der Rest ist eine allradangetriebene Story. Unser Coupé lief 1989 mit dem 1,8-Liter-Vierzylinder-Boxer und Fünfgang- Schaltgetriebe vom Band und hatte 180.000 Kilometer auf der Uhr. Jetzt wollte ihn keiner mehr haben. Wir eigentlich auch nicht, aber man könnte daraus ja irgendwas … mhh.
Elektroantriebe waren noch kein Thema, alternative Antriebe hingegen schon. Die Initialzündung kam von Karsten Peters (Name von der Redaktion nicht geändert). Der DJ und Hobby-Pyromane experimentierte schon seit Langem unter dem Pseudonym "Dr. Düse" an zweifelhaften Konzepten zur individuellen Fortbewegung. Nach dem Konsum von diversen Flaschen Kreativ-Brause manifestierte sich das Vorhaben mit Bleistift auf der Rückseite einer Opel-Kadett-Bedienungsanleitung. Mit der groben Skizze starteten wir in der hauseigenen Entwicklungsabteilung das Projekt. Nach einer sportlichen Bauzeit von sieben Stunden zündeten wir die Konverter der beiden Gasturbinen, und der Prototyp setzte sich mit viel Fantasie und Dr. Düse am Lenkrad fauchend in Bewegung. Hat da irgendjemand was von "völlig emotionslos" gefaselt?
Sportlicher Ableger für den Alltag
Ich spule meine Erinnerungskassette noch ein Stück weiter zurück, da ploppt in meinem Gedächtnis der CRX auf. Honda hatte 1982 beschlossen, ein Sportcoupé auf Basis des erfolgreichen Honda Civic auf die Räder zu stellen. Die Ölkrise war gerade überstanden, trotzdem waren wenig Hubraum, geringer Verbrauch und wenig Gewicht hohe Prioritäten. Der erste CRX (Typ AF/AS) war 1983 eine kleine Sensation. Eine Karosserie, die zu fast 40 Prozent aus Kunststoff besteht, und ein völlig neues Design mit integrierten Stoßfängern. Vier Jahre später kam die neu entwickelte zweite Serie mit runderen Formen und neuem Motor.
Der im Motorsport erfolgreiche Honda NSX spendete seine Gene dem neuen CRX Typ ED9. Mit dem neuen VTEC-Aggregat brachte es der 1989 vorgestellte CRX II auf ein Leistungsgewicht von 6,7 Kilogramm pro PS. Nicht genug, um einen Porsche-Fahrer (5,24 kg/PS) nach Japan zu locken, aber genug, um meinen Kumpel M. zu beeindrucken. Der kaufte sich schon als Geselle tatsächlich einen nagelneuen CRX 1.6i-VTEC in Flintschwarz Metallic. Auf der ersten Disco-Tour ballerten wir von 0 auf 100 in unter acht Sekunden und mit abwechselndem Unter- und Übersteuern über die Landstraße. Mangels Servolenkung und irgendwelchen Helfern wie ESP und ABS ein abenteuerliches Unterfangen und ziemlich beeindruckend, musste ich mich doch in meinem Ford Granada mit 90 PS aus einem Zweiliter-V6 zufriedengeben. Lange hat er ihn nicht gefahren, aber ich erinnere mich gerne an diese fernöstliche Erfahrung auf dem Dorf.

Der Kompaktsportler enthielt Spuren des erfolgreichen Mittelmotor-Renners NSX, hatte beachtliche Fahrleistungen und kam mit zukunftsweisendem Design um die Kurve.
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Klaus Merz
Ende der 1990er begegnete ich dem dritten Japaner, der es in mein Langzeitgedächtnis geschafft hat. Ich hatte mich automobiltechnisch gerade hochgeschlafen zum 1968er Dodge Charger und war damit zu Besuch bei Freunden auf dem Land in der Nähe von Oldenburg, da parkte neben mir ein Toyota Celica in Lippenstiftrot. Das himmlische Coke-Bottle-Design ("celestial", span. für "himmlisch") ließ sogar ein Commodore A Coupé bieder aussehen.

Toyota schickte mit der Celica einen ernst zu nehmenden Gegner ins Rennen gegen die etablierten Mittelklasse-Coupés Ford Capri und Opel Manta.
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Klaus Merz
Die Japaner hatten seit 1970 auf Basis des Toyota Carina eine eigene Coupé-Reihe am Start, die bis 2005 über acht Serien produziert und mit über vier Millionen Autos zum meistverkauften asiatischen Sportcoupé wurde. Die erste Serie mit den typischen senkrechten Rücklichtern erinnerte mich spontan an einen Mustang Fastback, auch die seitlichen Kiemen an der C-Säule ließen die Celica schneller aussehen, als sie in Wirklichkeit war. Denn mehr als 107 PS waren trotz Doppelvergaser zunächst nicht drin. Wie sich das knapp 1000 Kilogramm leichte Sportcoupé wirklich anfühlt, habe ich damals nicht erfahren dürfen. Eins ist mir heute allerdings klar, auch ohne Probefahrt: Wenn ein Japaner mal meinen Fuhrpark bereichern darf, dann wäre es auf jeden Fall eine Celica der ersten Serie. Sayonara!
Fazit
Als Alphaville 1984 mit dem Song "Big in Japan" um die Kurve kam, hätte ich nicht daran geglaubt, dass er es einmal in meine Autobahn-Playlist schaffen würde. Jetzt, 40 Jahre später, läuft der Song zwischen AC/DCs "It's a Long Way to the Top" und Jamiroquais "Cosmic Girl" in meinem Blaupunkt-Kassettenradio. Schräge Mischung? Natürlich, genau wie die Top 3 meiner Auto-Favoriten aus Fernost. Mit Musik ist es eben wie mit Autos: Man kann auch mal über den Tellerrand gucken und sich auf unbekanntere Japaner einlassen als Datsun 240Z oder Toyota 2000 GT.
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