Suzuki Kizashi/Skoda Octavia RS
GTI für die ganze Familie

Der neue Suzuki Kizashi fordert den Skoda Octavia RS heraus: Welcher von beiden bringt flotte Väter besser auf Touren? AUTO BILD hat die beiden Familien-GTI verglichen.
Bild: Uli Sonntag
Kizashi – das klingt für europäische Ohren wie ein Samurai-Schwert, das mit zischend-scharfem Schwung die Luft zerteilt. Eigentlich bezeichnet das japanische Wort aber den Vorgeschmack auf etwas Großes. Doch Vorsicht: Den Suzuki Kizashi sollte man in diesem Punkt nicht missverstehen. Die 4,65-Meter-Limousine deutet keineswegs an, dass ihre Väter nach (noch) Höherem streben. Aus der Mittelklasse halten die Japaner sich weiterhin raus. Aber als selbstbewusste Warnung an die Konkurrenz darf der Name durchaus gelten. Schon der Preis ist eine Kampfansage. 26.900 Euro für eine voll ausgestattete, kompakte Sportlimousine mit 178 PS lassen aufhorchen. Denn somit steht der 27.640 Euro günstige Skoda Octavia RS (200 PS) als Inbegriff des bezahlbaren Breitensportlers nun nicht mehr allein auf weiter Flur. Mal sehen, welcher Familien- GTI Vati flotter auf Touren bringt.
Überblick: Alle News und Tests zum Suzuki Kizashi
Altmeister Octavia ist teurer, lockt gegenüber dem Suzuki allerdings mit Turbo-Feuer, 22 PS mehr und zusätzlichem Nutzwert. Trotz Heckleitwerks und roten Bremssätteln behält auch der RS die Alltagstugenden der Tschechen-Limousine fest im Blick. Sein 560 Liter großer Kofferraum lässt sich durch die weit öffnende Heckklappe bequem beladen und wächst nach Umklappen der Rücksitzlehnen auf gigantische 1420 Liter. Da kann der Kizashi nicht mithalten. Für seine tiefe, im hinteren Bereich gewölbeartige Gepäckhöhle (461 Liter) muss er sich zwar nicht schämen, findet aber im Octavia seinen Meister. Größe zeigt der Japaner kurioserweise dort, wo man es bei Autos seiner Gattung nicht unbedingt erwartet: auf der Rückbank. Dass die üppig gepolsterte Ledergarnitur genauso breit und bequem ausfällt wie die Vordersitze, ist ebenso ungewöhnlich wie einladend. Überraschend auch, dass der Suzuki im Fond noch mehr Kniefreiheit bietet als der Octavia – schon der ist schließlich in der zweiten Reihe nicht gerade knapp geschnitten.
Überblick: Alle News und Tests zum Skoda Octavia

Bild: Uli Sonntag
Nicht unflott, aber mit deutlich milderem Charakter präsentiert sich der Kizashi. Hubraum statt Lader lautet die Devise – zwar leistet sich sein 2,4-Liter-Sauger untenherum keinen fühlbaren Durchhänger, obwohl er seine maximalen 230 Newtonmeter erst bei 4000 Umdrehungen auftürmt. Der kultivierte Vierzylinder mit dem vielversprechend dunklen Klangbild reagiert jedoch verhaltener auf Gasbefehle, und auch die Stoppuhr zeigt, dass er bei Elastizität im großen Gang gegenüber dem Octavia RS deutlich zurückfällt. Unsportlich ist der Kizashi keineswegs. Nur kein ganz so ausgekochter Brenner wie der Skoda, der mit 8,2 Litern trotz besserer Fahrleistungen sogar drei Zehntelliter weniger verbraucht. Man muss im Octavia aber nicht ständig auf der letzten Rille geigen. Die Lenkung geht den direkten Weg. Beim Kurvenräubern auf der Hausstrecke wirkt sie als gefühlvoller, zielgenauer Freudenspender, ruht um die Mittellage allerdings genügend in sich selbst, um kleine Ausschläge bei zügiger Autobahnfahrt nicht in nervöses Zickzack ausarten zu lassen – so gehört es sich bei einem Alltags-Sportler.
Der Suzuki steckt Fahrbahnschäden feinfühliger weg als der Skoda

Bild: Uli Sonntag
Beim Skoda liegt das Limit höher. Auf Lastwechsel reagiert er ähnlich, allerdings nicht ganz so ausgeprägt. Der Turbo zerrt jedoch manchmal so heftig, dass trotz elektronischer Differenzialsperre ein Teil der Kraft am kurveninneren Vorderrad verraucht. Mit 26.900 Euro ist der Suzuki angesichts seiner sehr üppigen Ausstattung ein Schnäppchen. Einziges Extra: Metalliclack für 490 Euro. Wer allerdings etwa ein Navi möchte, muss sich auf dem Zubehörmarkt umsehen. Auch Skoda macht flotten Familienvätern mit dem Octavia RS (27.640 Euro) ein faires Angebot, bietet zudem eine größere Auswahl an Sonderausstattungen. Durch die Anbindung an den üppig bestückten Technikbaukasten der Konzernmutter VW gibt es für den Octavia so gut wie alles, was gut ist – zuweilen dann aber auch teuer.
Fazit
Damit hat keiner gerechnet: Wie Kai aus der Kiste kommt – ausgerechnet vom Kleinwagen-Spezi Suzuki – eine erschwingliche Sportlimousine, die nicht nur gut aussieht, sondern auch so fährt. Am Octavia RS beißt sich der schneidige Japaner am Ende aber doch die Zähne aus. Gegen das Turbo-Temperament des Tschechen ist kein Kraut gewachsen. Wer’s etwas milder mag, wird allerdings auch im Kizashi glücklich. Einen Verlierer gibt es für mich in diesem Vergleich nicht. Nur einen zweiten Sieger.
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