Reichweite, Akkugröße, Ladegeschwindigkeit und -netz – über E-Auto-Themen wird viel geschrieben – zu Recht. Ob ein batterieelektrisches Auto in meinen Alltag passt, habe ich wiederum schon öfter bewertet: Tut es nicht. Zu meinem Nutzungsprofil gehört neben Pendeln auch oft schnell und weit, ich mag kurze Boxenstopps, kann zu Hause nicht laden.
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Wer aber E sagt, muss Tesla sagen, gehören die US-Pioniere doch zu den talentiertesten Stromern. Ich klammere reine E-Auto-Themen daher mal aus, checke ganz unbelastet von meinen Reichweitenbedürfnissen: Wie finde ich das Model 3, diese gut motorisierte Mittelklasselimousine? (Tesla Model 3 – Facelift des E-Autos soll Komplexität reduzieren.)
Aufschließen geht wahlweise mit Handyapp oder Scheckkarte.  Hui, alles so schick, als hätten schwedische Möbeldesigner mit Apple gemeinsame Sache gemacht. So clean, alles in touch. Dabei schätze ich die Ingenieurskunst, die hinter einem sauber klickenden und zweifelsfrei rückmeldenden Knopf steckt.
Tesla Model 3
Symbolfoto an der Zapfsäule: Der Tesla fährt zwar super, tankt aber natürlich Strom.

Das Allermeiste geht über den zentralen Bildschirm. Nur über mehrere Klicks in Untermenüs ansteuerbar: Sensitivität des Regensensors, Außenspiegel einstellen, Handschuhfach öffnen, Umluft aktivieren. 
Abgesehen von rundem Lenkrad, Blinker- und Fahrstufenwählhebel (nichts davon gibt es übrigens im Model X Facelift) ist hier quasi alles anders, als man es kennt. Ja, das reduzierte Design ist toll. Aber ist es große Kunst, wenn sich dahinter kaum Funktionen befinden?

Warum keine Head-up-Projektion?

Teslas Cockpitkonzept kann wegen der Andersartigkeit begeistern. Oder man ärgert sich, dass Musks Ingenieure sich den Gehirnschmalz sparen, der nötig ist, um ergonomische Lösungen zu finden. Statt im gesamten Innenraum nach der besten Stelle für Anwendungen zu suchen, wird alles in viele Ebenen auf eine 15 Zoll kleine Fläche in der Mitte des Cockpits gestopft.
Auf klassische Anzeigen wird verzichtet, die Geschwindigkeit klemmt klein und verschämt oben links in der Ecke des Touchscreens. Warum Tesla die Nachteile des zentralen Bildschirms nicht durch eine Head-up-Projektion in die Windschutzscheibe mindestens lindert, bleibt ein Rätsel.
Tesla Model 3
Chic ist das Interieur ja. Aber praktisch? Model 3 kommen übrigens nicht aus Grünheide, sondern aus China.

Was für aktive Fahrer wichtig ist, wurde zum Teil vernachlässigt. Mir scheint, als richte der US-Autobauer schon jetzt alles darauf aus, dass der Passagier irgendwann nur noch das Fahrziel bestimmt, das Auto aber über die Route, das Tempo, den Fahrstil.
Dabei macht Model 3 fahren durchaus Spaß. Auch bei flottem Autobahntempo lassen die rahmenlosen Seitenscheiben mit Doppelverglasung wenig durch. Und vom Antrieb dringt sowieso nichts hinein – es sei denn, die Batterie muss bei sehr kalten Temperaturen gewärmt werden. Dann rödelt es leicht von vorn. Trotzdem, beim Thema Laufruhe kommen selbst Reihensechszylinder mit dem Tesla nicht mit.
Das Getriebe macht immer alles richtig, weil es nichts falsch machen kann – hat nur einen Vorwärtsgang. Der Spurt aus dem Stand ist enorm, ab 100 km/h ebbt der Vortrieb spürbar ab, gefühlt schieben aber immer noch 250 PS an. Schluss ist bei 225 km/h – reicht ehrlich gesagt für alles, was unter "Verwendung des Autos als Gebrauchsgegenstand" fällt.

So geht beständiges Design!

Straff, neutral und leichtfüßig fährt das Model 3, dem hohen Gewicht zum Trotz. Wundert mich nun nicht mehr, dass selbst beim "Freien Fahren" auf Rennstrecken zunehmend Model 3 zu sehen sind und Tesla sich um Rundenrekorde mit der Konkurrenz balgt.
Das Model 3 ist windschlüpfig, hat eine kleine Stirnfläche, spart so Energie beim Schnellfahren. Die Form gefällt mir, der 3 greift das Design des vor zehn Jahren vorgestellten Model S auf, ist frei von kurzfristigen Modetrends, zieht keine Fratze. So geht beständiges Design!
Tesla Model 3
Was will mir diese Grafik eigentlich erläutern? Beim Blick aus den Fenstern sehe ich die Situation live und in Farbe.

Schade, dass der kleine Tesla nicht auch die große Heckklappe des S übernommen hat und man Sperriges durch eine kleine Öffnung des kurzen Heckdeckels laden muss. Ein Tesla Kombi wäre doch eine naheliegende Idee. Wer richtig was verstauen will, kann bei Tesla leider nur SUV kaufen.
Bei meinem Fahrprofil und -stil (und Laden am Supercharger) kosten mich 100 km derzeit etwa 14 Euro. Das entspricht den Fahrkosten mit einem kräftigen Diesel. Der stärkste Grund für Tesla ist wohl immer noch Idealismus mit dem Ziel, CO2 zu reduzieren. Oder eben der Wunsch nach einem nicht ganz normalen Auto.

Kurz gesagt

Was sagen die Nachbarn, wenn ich damit vorfahre? Ohne Wallbox zu Hause wird das aber nichts!
Warum würde ich das Auto einem Freund empfehlen? Höchstens als Aprilscherz. Meine Freunde lieben Verbrennermotoren.
Was bleibt mir im Gedächtnis? Stromkosten etwa gleich Spritkosten.

Beziehungsstatus

Pendeln: Einmal pro Woche Vollladen reicht. Punkte 5/5
Einkaufen: Kleine Luke, passt aber alles hinein. Punkte: 4/5
Transportieren: Schade, kein Kombi. Rückbank umlegbar. Punkte: 2/5
Urlaub: Alle 2 Stunden halten, 30 Minuten warten, nicht meins. Punkte: 2/5
Hobby: Ohne große Heckklappe passt das MTB nicht rein. Punkte: 2/5
Familienleben: Zweisitzer mit Kombiheck wäre für mich geeigneter. Punkte: 2/5

Technische Daten und Preis: Tesla Model 3

• Batteriekapazität 60 kWh
• Leistung 239 kW (325 PS)
• Kofferraum 561+88 l vorn
• 0–100 km/h 6,1 s
• Spitze 225 km/h
• Verbrauch (WLTP) 14,4 kWh/100 km
• Preis ab 52.965 Euro