Tesla Model Y Long Range RWD: Test
Fortschritt mit Kompromissen – das modellgepflegte Model Y im Test

Tesla hat sein Model Y aufgefrischt – mit mehr Reichweite, neuem Design und smarter Technik. Doch hält der Elektro-Bestseller, was das Facelift verspricht? Das verrät der AUTO BILD-Test.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Wer ein Model Y kauft, kauft eine Idee. Die Idee vom emissionsfreien Fahren über große Distanzen, mit schnellem Laden, viel Platz, teilautonomem Fahren und natürlich der Attitüde, anders zu sein als die anderen Autofahrer.
Jetzt hat Tesla das Model Y überarbeitet und verspricht noch mehr. Leiser, effizienter und schicker soll es sein. Aber fährt es auch besser? Wir haben den Neuling zum Test gebeten, um das herauszufinden.
Platz hat das Model Y reichlich
Und tatsächlich, im neuen Ultra Red (1300 Euro) strahlt der US-Amerikaner mit seinen 4,79 Metern Länge, einer Breite von 1,92 Metern (ohne Außenspiegel) und den 19-Zoll-Rädern echte Größe aus. Die spiegelt sich auch im Innenraum. Platzangst ist hier nicht angesagt – weder vorn noch hinten, und schon gar nicht im Kofferraum, der mit 822 bis maximal 2022 Liter Volumen reichlich Raum für jede Menge Gepäck bietet.

Bei 2,89 Metern Radstand streckt sich der Tesla Model Y auf 4,79 Meter. Das schafft viel Raum auf allen Plätzen und vor allem fürs Gepäck.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Damit übertrifft das Model Y nahezu jedes andere Auto. Hinzu kommt ein großer Frunk unter der Fronthaube, der locker einen Reisekoffer schluckt. Wer will, kann in den Optionen auch noch eine Anhängerkupplung für zusätzlich 1350 Euro bestellen und bis zu 1,6 Tonnen an den Haken nehmen.
So betrachtet und unter der Maßgabe, dass es sich bei unserem Testwagen um den Long Range mit Hinterradantrieb und einer nach WLTP ermittelten maximalen Reichweite von 622 Kilometern handelt, steht der ausgedehnten Urlaubsfahrt auch mit voller Besatzung wenig im Weg.
Fahrzeugdaten
Modell | Tesla Model Y Long Range RWD |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | hinten |
Spitzenleistung | 220 kW (299 PS) |
Dauerleistung | 114 kW (155 PS) |
maximales Drehmoment | k. A. |
Vmax | 201 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Hinterradantrieb |
Bremsscheiben vorn/hinten | 355/335 mm, innenbelüftet |
Testwagenbereifung | 255/45 R 19 V |
Reifentyp | Continental SportContact 7 |
Radgröße | 9,5 x 19" ET45 |
Reichweite* | 622 km |
Verbrauch* | 14,2 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität brutto/netto | ca. 78/75 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11/250 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | k. A. |
Ladeanschluss | hinten links (CCS) |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1600/750 kg |
Stützlast | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 822–2022 l + 116 l vorn |
Länge/Breite/Höhe | 4790/1920–2129**/1624 mm |
Radstand/Bodenfreiheit unbeladen | 2890/167 mm |
Grundpreis | 49.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 49.990 Euro |
Wie groß der Akku ist, können wir nur schätzen, denn auch beim neuen Model Y machen die Amerikaner nur wenige Angaben zu den technischen Details. Nach Recherchen gehen wir von einer Kapazität um 75 kWh aus – was für die von uns ermittelte Reichweite von 418 Kilometern und einen Verbrauch von 18,1 kWh/100 km auf ein gutes Energiemanagement hinweist. Allerdings muss angemerkt werden, dass die Messungen unter nahezu idealen Bedingungen bei 18 Grad Celsius erfolgten.
Bequeme Position ist schwer zu finden
Auch bei der Reiseplanung hat Tesla für das Model Y noch einen draufgelegt. Das hauseigene Navigationssystem kann jetzt den Zeitverlust durch Umleitungen anzeigen und schlägt Lademöglichkeiten entlang der zuvor gewählten Route vor. Um für weitere 267 Kilometer gerüstet zu sein, sind am Supercharger nach Tesla-Angaben bei einer maximalen Ladeleistung von 250 kW und vorklimatisierter Batterie nicht mehr als 15 Minuten erforderlich.

Licht und Schatten: Das Navi kann jetzt Zeitverluste berechnen und schlägt Ladestationen vor. Leider passen die Sitze nicht gut.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Leider ist das Model Y nicht uneingeschränkt langstreckentauglich. Bei den neuen Sitzen, für die Tesla höchsten Reisekomfort verspricht, fällt die Länge der Oberschenkelauflage selbst für nicht so hoch aufgeschossene Fahrer zu gering aus. Hinzu kommt, dass die Rückenlehne eigentümlich drückt. Kurz: Man hat so seine liebe Not, eine komfortable Reiseposition zu finden. Wer sportlich unterwegs ist, muss weitere Kompromisse eingehen, denn die Seitenwangen bieten in schnell gefahrenen Kurven kaum Halt.
Bremsen können nicht überzeugen
Das ist schade, denn von den Leistungsdaten macht der Testwagen einen durchaus potenten Eindruck. Die 299 PS reichen aus, um den 1916 Kilogramm schweren Stromer in 5,9 Sekunden auf Tempo 100 und in 21,6 Sekunden auf die Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h zu bringen.

Aus Tempo 100 steht der knapp zwei Tonnen schwere Tesla erst nach 38,5 Metern (warm). Zudem zeigen die Bremsen deutliches Fading.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Für uns überraschend waren die nicht überragenden Bremsergebnisse des Model Y. Bei wiederholten Manövern zeigten die mit 355 Millimeter großen, innenbelüfteten Scheiben großzügig dimensionierten Stopper ein deutliches Fading. Das ABS fiel dabei durch eine unerwartet grobe Regelung auf, und das Fahrzeug kam erst nach 38,5 Metern (warme Scheiben) zum Stehen.
Fahrwerk bleibt eher unkomfortabel
Beim Fahrwerk hat Tesla im Model Y nachgebessert. Tatsächlich wirkt es nicht mehr so trocken und holzig beim Abrollen wie beim Vorgänger. Es werden aber immer noch selbst kleine Unebenheiten der Straße in den Innenraum gereicht. Und das leider so exakt, dass man genau merkt, von welchem Rad die Anregung ausgeht. Hinzu kommt, dass der Wagen sehr willig Spurrillen hinterherläuft.

Knackig abgestimmt: Das Fahrwerk des Model Y reicht den Zustand der Straße immer noch direkt in den Innenraum weiter.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Lenkung selbst ist aus der Mittellage angenehm direkt übersetzt. Allerdings wird sie bei stärkerem Einschlag und zügiger Kurvenfahrt zum Rand hin diffuser, was den Fahrer zum Justieren zwingt und damit zu unnötigen Lenk- und Fahrzeugbewegungen führt. Hinzu kommt, dass in lang gestreckten Kurven gegen den Rücklauf der Lenkung gearbeitet werden muss, um das Model Y in der Spur zu halten. Arrangieren muss sich der Pilot außerdem mit einem mächtigen Wendekreis von 12,5 Metern sowie mit dem sehr eigenen Bedienkonzept.
Messwerte
Modell | Tesla Model Y Long Range RWD |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,8 s |
0–100 km/h | 5,9 s |
0–130 km/h | 8,7 s |
0–160 km/h | 12,8 s |
0–200 km/h | 21,6 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,5 s |
80–120 km/h | 3,1 s |
Leergewicht/Zuladung | 1916/505 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 47/53 % |
Wendekreis links/rechts | 12,5/12,6 m |
Sitzhöhe | 690 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 36,4 m |
aus 100 km/h warm | 38,5 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
bei 160 km/h | 73 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 14,1 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 18,1 kWh/100 km (+27 %) |
Sportverbrauch | 25,5 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 418 km |
Bedienung erfordert Eingewöhnung
Wie gehabt setzt Tesla auf die absolute Reduktion, was Tasten und Knöpfe betrifft. Mehrfachbelegungen der Lenkradtasten verwirren den ungeübten Tesla-Fahrer ebenso wie die Bündelung aller Bedienelemente im großen Zentraldisplay über der Mittelkonsole. Auch das fehlende Fahrerdisplay und die Gangwahl über den linken oberen Bildrand des Zentraldisplays können für Ungeübte zur Herausforderung werden.

Reduziert und mehrfach belegt: die Lenkradtasten. Ungeübte Tesla-Piloten brauchen eine Zeit, bis sie sich hier zurechtfinden.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Tesla hat schon immer große Stücke auf seine Assistenzsysteme gehalten. Auch in der Neuauflage des Model Y vermittelt die Anzeige auf dem Display eine umfängliche Überwachung des Fahrzeugs. Lkw, Pkw, Motorräder oder Fahrradfahrer werden spurgetreu angezeigt. Hinzu kommt eine Kamera in der B-Säule, die den toten Winkel beim Abbiegen ins Display projiziert. Das alles ist sehr hilfreich – ebenso wie der Spurfolgeassistent mit automatischem Spurwechsel.
Entertainment für die zweite Reihe
Auch Autobahnausfahrten werden beim Setzen des Blinkers erkannt. Weniger souverän geht das System mit Kreisverkehren, Ortseingängen oder Kreuzungen um, die ungebremst angefahren werden. Zudem müssen Tempolimits in den meisten Fällen durch das Berühren des entsprechenden Symbols auf dem Touchscreen übernommen werden. Im Stadtverkehr ist der jetzt erhältliche Querverkehrsassistent ebenso hilfreich wie die Ausstiegswarnung. Beides gibt es jetzt für das Facelift. Was man weiterhin vermisst, ist ein Head-up-Display oder eine Luftfederung.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dafür verkürzt sich an Ladestationen die Wartezeit auf angenehme Art und Weise, denn Tesla hat dem Jungvolk in Reihe zwei ein eigenes Display spendiert, auf dem Spiele ebenso laufen wie Streamings von Spotify oder Netflix. Was nach wie vor nicht geht, ist die Einbindung von Apple CarPlay oder Android Auto. Die eigenen Accounts müssen im Tesla über die Onboard-Apps angemeldet werden, um Zugriff darauf zu erhalten.
Insofern ist auch die Kommunikation auf das beschränkt, was Tesla seinem Infotainmentsystem beigebracht hat. Verglichen mit anderen Herstellern ist das nicht viel. Einwortanforderungen über die Lenkradtaste werden problemlos verstanden. Dazu zählt die Bedienung der Sitzheizung ebenso wie das Einstellen der Temperatur, der Lenkradheizung, das Öffnen der Ladeklappe oder des Menüs für Seitenspiegel. Wer es aber mit frei formulierten Sätzen wie "Ich habe Hunger" oder "Mir ist kalt" versucht, erntet keine Reaktion.
Wertung Tesla Model Y Long Range RWD
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Gutes Platzangebot, sehr gutes Raumgefühl, mächtiger Kofferraum, unübersichtlich, nervige Türgriffe. | 4 / 5 |
Antrieb | Strammer Durchzug, Vmax 201 km/h (bisher 217), fein ansprechendes Gaspedal, sehr effizient. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Direkte Lenkung, macht in Kurven auf, hartes Bremspedal, vibrierende Vorderräder bei hohem Tempo. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Viele Apps, Bildschirm im Fond, Navi mit Echtzeit, kein CarPlay, Spracheingabe über Lenkradtaste. | 3,5 / 5 |
Umwelt | Größe und Gewicht für ein E-SUV im Rahmen, emissionsloses Fahren, vegane Kunstledersitze aus PU. | 3,5 / 5 |
Komfort | Sitzauflage zu kurz, nerviges Bedienkonzept, verbesserte Federung, üppige Serienausstattung. | 3,5 / 5 |
Kosten | Schwankender Neupreis, mäßiger Wiederverkaufswert, hohe Haftpflicht, vier Jahre Garantie. | 3 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,9 |
Im Rahmen bleibt der Preis von 49.990 Euro (plus 1000 Euro) – selbst ein Ford Mustang Mach-E (276 PS, 88 kWh, ab 59.200 Euro) kostet fast 10.000 Euro mehr.
Fazit
Wer sich für ein Model Y entscheidet, entscheidet sich für eine mutige Idee. Der Preis von knapp 50.000 Euro ist zwar moderat, der Wiederverkauf aber mau und die Haftpflicht teuer. Dennoch: Es gibt vier Jahre Garantie, viel Platz, eine ordentliche Reichweite – und ein Fahrzeug, das ebenso polarisiert wie sein Erfinder. AUTO BILD-Testnote: 1,9
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