Der Elektroauto-Pionier Tesla bietet neben innovativen E-Autos wie dem Model S, dem Model 3 oder dem neuen Model Y auch ein ausgedehntes Netz an Schnellladestationen. Die sogenannten Supercharger der Kalifornier laden schnell, ermöglichen genug Reichweite bis zum nächsten Ladestandort – und die Bezahlung erfolgt für Tesla-Eigner automatisch. Kein Wunder, dass diese Schnelllader für Teslas Erfolg wichtig sind. Laut Firmenchef Elon Musk sollen noch vor Ende des Jahres 2021 auch Fahrer anderer Marken die Supercharger nutzen können. Aber der Reihe nach.
Vattenfall-Wallbox
Vattenfall-Wallbox

Vattenfall-Wallbox + Ökostrom

Das exklusive Ladepaket in der AUTO BILD-Edition: Charge Amps Halo™ für 499 Euro statt 1189 Euro UVP.

In Kooperation mit

Vattenfall-Logo

Was kann ein Tesla Supercharger?

Die Entwicklung hauseigener, leistungsfähiger Ladestationen begann bei Tesla bereits 2012. Lader, die das Model S mit 135 kW versorgen können, gab es zur Markteinführung des elektrischen US-Cars nämlich noch nicht. Zuerst errichtete die Firma ein proprietäres Gleichstromladesystem entlang der West- und der Ostküste der USA. Dann wurden beide Küsten miteinander verbunden, parallel begann der Aufbau von Supercharger-Netzen in Asien, in Australien und in Europa. Die Ladezeit hat sich seit 2012 stark verbessert. Die ersten 90-kW-Supercharger konnten das Model S mit 60 kWh Akkukapazität in 20 Minuten zur Hälfte und in 75 Minuten vollständig laden. Seit 2019 kommen "Supercharger V3" mit 250 kW Spitzenleistung zum Einsatz, an denen ein Model 3 in fünf Minuten 120 Kilometer Reichweite nachladen kann. Model S und Model X können den V3-Charger erst nach einem Software-Update nutzen.

Was kostet der Strom an Superchargern?

Auch bei den Kosten hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. Bis Januar 2017 kauften Eigner eines Tesla Model S oder Model X lebenslang kostenloses Laden mit. Das wurde Schritt für Schritt zurückgefahren, zum Teil begleitet von heftigen Protesten der Eigner. Seit 2019 galt die kostenfreie Nutzung der Supercharger bei neu gekauften Tesla Model S und Model X wieder. Lange Zeit rechnete Tesla im Unterschied zu anderen Ländern in Deutschland ausschließlich nach Ladezeit statt nach gelieferter Strommenge ab. Seit April 2019 rechnet Tesla an vielen Ladestellen nach Strommenge ab. Eine Kilowattstunde (kWh) kostet mittlerweile durchschnittlich rund 40 Cent (Stand: August 2021), im Verhältnis zu anderen Anbietern ist das eher günstig. Die Nutzungsgebühren können laut Tesla je nach Standort variieren. Bei Rechnungsstellung nach Minuten gibt es zwei Phasen (bis 60 kW/über 60 kW). Bestimmte Stationen haben unterschiedliche Tarife für Spitzen- und Nebenzeiten.

Welche technischen Spezifikationen gibt es?

Tesla Supercharger
Tesla-Modelle fahren die Ladegeschwindigkeit ab einem bestimmten Akkustand automatisch runter.
An einem Ladepunkt mit Superchargern stehen oft zwei Ladesäulen nah beieinander. Sie sind an die gleiche Drehstrom- zu Gleichspannungswandlereinheit angeschlossen. Die parallel geschalteten Ladegeräte geben eine Spitzenleistung von 145 kW (bei 480 Volt Spannung) ab. Der Tesla Model 3 wird dort mit maximal 125 kW versorgt, jedoch nur bei einem niedrigen Akkustand. Mit steigender Ladung reduziert das Fahrzeug automatisch die Ladeleistung. So können zwei Autos zur selben Zeit geladen werden. Fährt das erste Auto seinen Strombedarf herunter, stellt die Station dem anderen Schritt für Schritt mehr Ladekapazität zur Verfügung. Die seit 2019 eingesetzten V3-Supercharger funktionieren anders. Sie versorgen beide Autos mit der vollen Leistung. Ihr zentrales Merkmal sind geänderte, flüssigkeitsgekühlte Kabel. Dazu kommt ein neuer Schaltschrank mit bis zu einem Megawatt Ladeleistung.

Supercharger auch zu Hause?

Supercharger sind nicht für den Gebrauch zu Hause gedacht, eine private Anschaffung ist nicht möglich. Das erklärt sich allein aus der Tatsache, dass Tesla selbst das Netz unterhält und den fürs Laden benötigten Strom einkauft, in Europa nach eigenen Angaben aus umweltfreundlichen Quellen. Europäische Tesla-Modelle können problemlos am Supercharger, an einer Typ-2-Ladesäule und am Hausanschluss geladen werden. Für selbst importierte US-Modelle gilt das jedoch nicht. Für den Hausgebrauch bietet Tesla seinen Kunden 22-kW-Wandladestationen an. Wer seinen Tesla zu Hause möglichst komfortabel laden möchte, der kann auch die Anschaffung einer handelsüblichen Wallbox in Betracht ziehen.

Wer kann einen Supercharger nutzen?

Grundsätzlich können nur Tesla-Modelle mit einem passenden Ladeanschluss und einer Freischaltung via Software die Supercharger nutzen. Mitte Dezember 2020 wurde im Westerwald-Park (Rheinland-Pfalz) Teslas neues Schnelllade-Zentrum für Mitteleuropa eingeweiht. Je 20 Supercharger der Generationen V3 (bis 250 kW Ladeleistung, 120 Kilometer Reichweite in fünf Minuten) und V2 (bis 150 kW) stehen in Oberhonnefeld an der A3 zur Verfügung.

Wann kommt der Supercharger für alle?

Vielleicht können bald auch Fahrer von E-Autos anderer Marken am Supercharger laden. Tesla-Firmenchef Elon Musk kündigte im Juli 2021 bei Twitter erneut an, das Supercharger-Netzwerk auch für andere Marken zu öffnen – und zwar "später in diesem Jahr", also noch 2021. Auf einer Quartalskonferenz fügte er wenige Tage später hinzu, dass die Steuerung der Schnelllader über eine App laufen solle; Fremdnutzer müssten sich registrieren und ein Zahlungsmittel hinterlegen. Im Visier sind alle Märkte, in denen Tesla auf den CCS-Standard setzt, also auch Europa. Geplant ist laut Musk eine "fortschrittlichere dynamische Preisgestaltung" – wer länger lädt, soll mehr zahlen. Jüngsten Berichten zufolge soll sich Tesla in Norwegen und Schweden um staatliche Förderung für Supercharger-Ladesäulen beworben haben. Voraussetzung für die Förderung in beiden Ländern wäre der Zugang für die Fahrer anderer Marken. Dies sehen Beobachter als Indiz für eine baldige Öffnung der Supercharger in Europa.

Tesla-Gemeinde wenig begeistert

Was Sie über die Supercharger von E-Auto Pionier Tesla wissen sollten
Betrieben von Tesla und Fastned: einer der größten Schnellladeparks Deutschlands am Kreuz Hilden.
Technisch wäre eine Partnerschaft mit anderen Marken möglich, verwendet Tesla doch zum Laden in Deutschland in der V3-Generation den gängigen CCS-Ladestandard. Den Beweis lieferte im September 2020 ein Wochenende, an dem aus ungeklärten Gründen das Laden vorübergehend auch für fremde E-Autos möglich war. Problematischer wäre der Bezahlvorgang, der für Tesla-Fahrer automatisch abläuft. Vor allem aber scheint die Entscheidung zur Öffnung der Supercharger ein Spiel mit der Gunst der eigenen Kundschaft zu sein. Die empfindet das exklusive Schnellladen und das damit verbundene zügige Vorankommen als Privileg, das wegzufallen droht. Bei Twitter jedenfalls zeigten sich einige Tesla-Fans wenig begeistert. Der E-Auto-Pionier solle doch, bitte schön, erst mehr Schnellladepunkte errichten; schon jetzt seien viele von ihnen bei Ankunft bereits belegt.

Wo stehen Tesla Supercharger?

Tesla baut das Supercharger-Netz ständig aus. Die Stationen stehen meist in der Nähe von Hauptverkehrsadern oder an Autobahnraststätten. Im Sommer 2021 gab es laut dem offiziellen Verzeichnis weltweit 2500 Ladeparks mit insgesamt 25.000 Ladesäulen. In Deutschland wurde im Juni 2021 die 1000er-Marke überschritten. Der deutschen Ladesäulenverordnung aus dem März 2016 hat Tesla insofern entsprochen, als dass ältere Supercharger-Standorte nach und nach mit einem zweiten Kabel mit CCS-Stecker ausgestattet wurden. Der Supercharger V3 hat von vornherein einen CCS-Stecker.