E-Auto-Routenplaner: Tipps zum Verreisen im Elektroauto
So sparen Sie Zeit auf der Urlaubsreise mit dem Elektroauto

Bild: Gudrun Muschalla
Inhaltsverzeichnis
- Wo finde ich eine Übersicht aller Ladesäulen?
- Welche Lade-Apps helfen bei der Routenplanung?
- Was können E-Autos von Mercedes auf Fernreisen?
- Wie erleichtert Google Maps die E-Auto-Reiseplanung?
- Wie verlässlich sind Routenplaner?
- Was kann ich tun, wenn die Ladesäule besetzt ist?
- Wann sind die besten Reisezeiten für E-Autos?
- Wo das Ladesäulennetz noch dünn ist
- Welche Ladekarten auch fürs Ausland taugen
- Welche Vorteile hat das E-Kennzeichen auf Reisen?
- Wie finde ich eine Ferienunterkunft mit eigener Lademöglichkeit?
- Was, wenn keine Ladesäule auf Reisen erreichbar ist?
- Fazit
Im Pendler-Alltag stellt es kein Problem dar, die Ladezyklen für Elektroautos zu planen: Mit wenigen Restprozenten an Ladung im Akku kann der Wagen über Nacht zu Hause an der Wallbox oder an einer öffentlichen Ladestation laden. Ladepausen sind gut kalkulierbar.
Bei längeren Touren mit dem E-Auto dagegen, etwa im Urlaub, in den Ferien oder auf Dienstreisen, lädt man anders. Denn jede Strecke, die über die maximale Reichweite des Autos hinausgeht, verlangt Ladestopps. Somit ist man abhängig von der Ladeinfrastruktur auf dem Reiseweg, von der Schnelligkeit und Verfügbarkeit der Ladepunkte sowieso. Auch die Reichweite einer Akkuladung, beeinflusst von Fahrstil, Temperatur und Topografie, spielt eine Rolle.
Bei Fernfahrten mit dem E-Auto sollte man daher die Abstände zwischen den Ladestopps planen, um notfalls auf eine alternative E-Ladesäule in der Nähe auszuweichen. Sind alle Ladesäulen auf dem Weg zum Ziel intakt? Was tue ich, wenn gerade alle Ladestationen in Reichweite belegt sind?
Bei elektrischen Langstreckenfahrten lohnt sich gute Vorbereitung: Dazu gehört nicht nur, das Elektroauto für den Zeitpunkt der Abfahrt voll aufzuladen und zu klimatisieren, sondern auch das Auskundschaften der Route vor Fahrtbeginn – natürlich aus der Ferne! Wichtig: Planen Sie Ihre Etappen anhand des Realverbrauchs Ihres E-Autos. "Nehmen Sie also nicht die Herstellerangaben, sondern Ihre Erfahrungswerte der letzten Fahrten", rät der Ladenetzanbieter EnBW.
Eine gute Orientierung bieten auch die Autobahn-Reichweiten von Elektroautos, die AUTO BILD regelmäßig unter realitätsnahen Bedingungen ermittelt. Außerdem sollte immer Energie für ausreichend Restreichweite im Akku sein – 100 km sind hier ein guter Richtwert. So haben Sie noch Reserve, falls die angesteuerte Ladestation besetzt oder defekt ist.
Bei der groben Planung hilft innerhalb Deutschlands die Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur. Sie wird ständig aktualisiert (Stand 1. Juni 2025: 169.082 öffentliche Ladepunkte) und zeigt alle öffentlichen Ladesäulen inklusive des jeweiligen Anbieters. Auch die Tesla Supercharger sind dabei.
Für eine europaweite Recherche eignet sich die Übersicht von Lemnet. Hier lässt sich sogar online abfragen, ob die Station belegt oder frei ist. Leider gibt es bisher keine markenübergreifende Preisübersicht. Bei Lemnet kann in vielen Fällen auch abgefragt werden, ob eine Ladesäule gerade frei ist.

Die Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur wird ständig aktualisiert. Sie gibt Standorte, Zahl der Ladepunkte und Ladeleistung an.
Bild: Bundesnetzagentur
Welche Vorteile bieten Apps der Hersteller?
Wer eine Langstreckentour mit diversen Ladestopps vor sich hat, der kann mittlerweile auf ausgereifte Tools zurückgreifen. So bietet zum Beispiel Volkswagen mit der Smartphone-App "We Connect ID" einen Routenplaner an, der mit der Fahrzeugelektronik gekoppelt ist.
Das hat den Vorteil, dass bei einer Änderung der Route – oder bei höherem Stromverbrauch als ursprünglich geplant – die Ladesäulen-Auswahl in der Routenplanung automatisch angepasst wird. Nachteil: Wer kein Fahrzeug der jeweiligen Marke registriert, kann die App nicht benutzen.

Je mehr Ladepunkte es an einem Ziel gibt, desto größer ist die Chance, auf Anhieb einen freien Steckplatz zu bekommen.
Bild: DPA
Auch desktopbasierte Lade-Tools sind für die Fahrtenplanung vor der Abreise nützlich. Der Routenplaner von GoingElectric etwa bietet einen hervorragenden Planungsassistenten für nahezu sämtliche E-Automodelle (Liste wird permanent aktualisiert) an. Diverse Parameter wie Akkugröße, Ladeleistung, individuelle Reichweite, Route etc. sind einstellbar – für größtmögliche Realitätsnähe.
Die meisten Anbieter von Ladediensten und Ladekarten bieten auch eine entsprechende Ladeapp fürs Smartphone, mit deren Hilfe man Ladestationen finden und dorthin navigieren kann. Das bieten Aral Pulse, E.ON, EnBW, EWE Go, Shell Recharge, Allego und andere große Netzwerke. Wer keine Ladekarte hat, kommt an den Apps nicht vorbei, da nur über sie der QR-Code auf der Säule gescannt und der Ladepunkt freigeschaltet werden kann.
Die besten Ladeapps wurden kürzlich im Emobility Excellence Report 2025 gekürt, wichtige Kriterien waren neben den Preisen auch die Zuverlässigkeit und Zusatzfunktionen.
Lade-Apps der freien Anbieter
Gesamtpunktzahl: 100-81 Punkte = sehr gut; 80-61 Punkte = gut; 60-40 Punkte = befriedigend
1Tarif wird durch EnBW bereit gestellt, Angebot läuft aus zum 31. Juli 2024
Die Lade-Apps sind ihrerseits noch für etwas anderes gut: Sie zeigen zuverlässig und in Echtzeit bereits aus der Ferne an, ob eine Ladesäule gerade in Benutzung ist. So lässt sich im Vorweg erkennen, ob man gleich drankommt. Leider tauschen die einzelnen Anbieter ihre Daten untereinander offenbar nicht aus, sodass Ionity nur zu Ionity Auskunft gibt. Daher lohnt es sich, diverse Ladeapps aufs Smartphone zu laden – zumindest für die Dauer einer Reise.
An vielen neu aufgestellten Ladesäulen ist es inzwischen auch möglich, den Ladestrom fürs E-Auto mit Kreditkarte, Girocard oder Smartphone-Zahlungssystemen wie Apple Pay zu bezahlen. In der Regel ist dieses Ad-hoc-Laden jedoch teurer. So verlangt Ionity für das Ad-hoc-Laden 0,69 Euro pro kWh, für das Laden und Zahlen per App dagegen nur 0,65 Euro.
Wie gut eignet sich die EnBW-Ladekarte für Auslandsreisen?
Bisher war für die Reiseplanung der Tarif von EnBW gut geeignet, denn fürs Roaming, also beim Laden an fremden Ladesäulen, galt ein Einheitstarif – egal ob in Sizilien oder in Schweden. Angeschlossen sind laut EnBW mehr als 800.000 Ladestationen in 17 europäischen Ländern. Das Tarifsystem ist relativ übersichtlich, doch das Laden über die EnBW-App oder -Ladekarte kann im Ausland schnell recht teuer werden.
Es gibt – wie im Inland – drei Tarifstufen: "S", "M" und "L". Doch statt Einheitstarifen werden im europäischen Ausland nur Preisspannen genannt. Und zwar für jede Stufe im Roaming (egal, ob im In- oder Ausland) zwischen 59 und 89 Cent pro kWh. Sofern unterwegs keine günstige Ladesäule greifbar ist, zahlt man für Ladestrom deutlich mehr als in Deutschland. Offenbar haben die Tarifstufen keinen Einfluss auf die Stromkosten beim Roaming – daher sollte man vor einer längeren Auslandsfahrt in den kostenlosen Tarif "S" springen, um zumindest die Monatsgebühr zu sparen. Bei "M" zahlt man 5,99 Euro Grundgebühr pro Monat, bei "L" sind es monatlich 17,99 Euro.
EnBW garantiert, dass die eigene Lade-App Mobility+ stets den jeweils aktuellen Strompreis ausweist. Auch bietet die EnBW-App einen Preisfilter an, der sich zwischen 59 und 89 Cent pro Kilowattstunde einstellen lässt. Günstiger lädt man mit der EnBW-App folglich nicht! Es bleibt also die eingangs erwähnte Empfehlung, die Reise vor Fahrtbeginn grob durchzuplanen und sich gegebenenfalls bereits günstige Ladepunkte vorzumerken. Auch sollte auf dem Smartphone genügend Speicherplatz zur Verfügung stehen, um neue Apps von anderen Stromanbietern zu speichern.
Exklusiv für Elektroautos von Mercedes gibt es neuerdings die Möglichkeit, Ladepunkte im eigenen Ladenetzwerk MB Charge zu reservieren. Bis zu 15 Minuten vor Beginn des Ladevorgangs ist das möglich. Dann wird die betreffende Ladesäule allen anderen Nutzern als "besetzt" angezeigt. Vorläufig kostet diese Reservierung nichts.
Momentan betreibt MB Charge in Deutschland lediglich vier Ladeparks. Doch bis 2030 soll das Netzwerk stark wachsen, weltweit sind bis dahin 2000 Standorte geplant. Andere Ladenetzbetreiber könnten folgen. So erwartet der Marktführer EnBW, dass ein "Reservieren von Ladepunkten für bestimmte Anwendungsfälle sinnvoll sein kann". Aktuell sei allerdings nichts geplant, teilten mehrere Anbieter auf AUTO BILD-Anfrage mit.
Für die schnelle Ladesäulen-Suche wurde Google Maps auf das Suchwort "Ladestation" abgerichtet (Default-Einstellung ist "Tankstelle"). Damit zeigt die App die öffentlichen Ladesäulen im Umkreis an. Ist bei der Google-Routenplanung "Directions" das Ziel bereits festgelegt, schlägt Google Maps sogar Ladesäulen entlang der Route vor.
Sowohl App als auch Desktop-Version (die sich auch per Smartphone aufrufen lässt) bieten weitere Details: Man erfährt die Ladeleistung der jeweiligen Station, welche Steckertypen (Typ 1, Typ 2, CCS, CHAdeMO) und wie viele Ladepunkte zur Verfügung stehen. Google teilt auch mit, wie viele Ladepunkte gerade frei sind. In einigen Ländern steht auch eine Filterfunktion nach Steckertyp zur Verfügung. Fotos der Ladesäulen erleichtern das Auffinden. Diese Funktion ist aber leider nicht fehlerfrei, bei einer Stichprobe wurden Fotos aus einer benachbarten Wohnung (!) angezeigt.
Über den "Directions"-Button (weißer Pfeil in blauem Viereck) navigiert Google auf Wunsch zur gewünschten Ladesäule. Ist Google Maps im E-Auto-Navi integriert, wird dazu sogar der Ladestand des Akkus ausgelesen und angezeigt. Reicht die Reichweite rechnerisch nicht für die geplante Route, schlägt Google Ladestopps unterwegs vor. Die Ladezeit wird dann zur Fahrtzeit hinzuaddiert.
Eine Anzahl App-basierter Dienstleister haben inzwischen GPS-basierte Routenplaner entwickelt, so etwa Chargemap oder Next Plug. Man registriert sich per E-Mail, gibt einige Parameter wie Autotyp und bevorzugten Ladestrom-Anbieter ein und kann dann die Route durchplanen. Leider funktionieren sie nicht immer einwandfrei, ergab eine Stichprobe.

App-gestützte Routenfinder sind praktisch, aber nicht frei von Fehlern. Daher sollte man stets gegenchecken, ob die Resultate stimmen.
Bild: Ralf Timm
So schickte uns der Charge-Map-Planer bei der Routenplanung zu einer Tesla-Station, die seinerzeit noch nicht für Fremdmarken freigegeben war – obwohl wir als Fahrzeug einen VW ID.3 gewählt hatten. Nach Berechnung hätte der Akkustand am Ankunftsort nur noch 15 Prozent betragen, das wäre ein böses Erwachen gewesen. E-Auto-Fahrer sollten also alle Angaben in der App mithilfe der Ladesäulenkarte gegenchecken.
Das ist auch deswegen wichtig, weil kurzfristig immer mal eine Ladesäule zur Wartung abgeschaltet wird oder auch defekt sein kann. Auf unserem Testlauf wurde das mehrfach angezeigt. Gerade auf dem Land kann so eine Panne richtig ärgerlich werden. Beim Ausfall einer Schnellladesäule muss man dann auf Typ-2-Stecker umsteigen und sitzt unter (ungünstigen) Umständen längere Zeit fest.
Interessant: Auch Chargemap bietet eine eigene Ladekarte an, die mehr als 700.000 Ladepunkte in Europa an- bzw. aufschließt. Sie verursacht keine laufenden Kosten – doch da Chargemap kein eigenes Netzwerk hat, kommen überall beträchtliche Roaminggebühren hinzu. So kostet HPC-Laden bei Aral Pulse 1,054 Euro/kWh – direkt beim Anbieter zahlt man 0,61 Euro.
Der Nachteil von Routenplaner-Apps
App-basierte Routenplaner haben einen weiteren Nachteil: Sie sind nicht mit dem Batteriemanagementsystem (BMS) und der Leistungselektronik verbunden. Sie treffen also keine Aussage über den aktuellen Verbrauch, den Ladezustand, die Ladeleistung etc. des Elektroautos. Auch werden Witterungseinflüsse und Kälte nicht einberechnet, ganz zu schweigen von externen Verbrauchern wie Heizung, Radio, Klimaanlage, die auf Dauer den Akku leersaugen können.
Typ-2-Ladekabel im Vergleich
Typ-2-Ladekabel im Vergleich
Oft ist auch die Verkehrslage nicht bekannt. Muss man wegen eines Staus einen Umweg fahren, fährt man "blind" und schafft es schlimmstenfalls nicht bis zur geplanten Ladesäule. Nur ins Fahrzeug integrierte Routenplaner weisen darauf hin und berechnen die Strecke bei Umleitungen neu, App-basierte Tools können das oft nicht. Grund: Bisher bieten die Hersteller noch keine einheitlichen Daten-Schnittstellen an.
Empfehlenswert ist daher zweigleisiges Vorgehen: Rechnen Sie die Route mit zwei verschiedenen Apps durch. Gerade im Winter ist der Stromverbrauch durch Heizung und trägeren Akku erheblich höher.
Die meisten Anbieter von Schnellladestationen ermuntern zum zeitigen Weiterfahren, indem sie ab einer bestimmten Frist eine Blockiergebühr kassieren. Mehr als eine Stunde möchte niemand auf einer Reise in Sommerhitze oder Winterkälte neben einer Ladesäule warten, bis der Platz frei wird!
Die Lösung für dieses Problem: Suchen Sie bei Ihrer Routenplanung vorsorglich nur Ladepunkte aus, die mehr als einen Ladepunkt anbieten. Und falls doch alles besetzt ist, steigt bei mehreren Ladepunkten die Chance, dass ein anderes Elektroauto den Platz bald freigibt.
Öffentliche Ladesäulen sind zunehmend ausgelastet: Inklusive Plug-in-Hybride gibt es schon heute rund zweieinhalb Millionen rollende Stromfresser in Deutschland, die sich rund 169.082 öffentliche Ladepunkte (Stand: 1. Juni 2025) teilen müssen. Das entspricht einem Verhältnis von rund 15:1. Der VDA empfiehlt einen Schlüssel von zehn Autos pro Ladesäule.

Regelmäßig werden Ladesäulen gewartet, oder sie sind defekt – was die ganze Reiseplanung durcheinanderbringt. Daher unmittelbar vor Fahrtbeginn noch einmal alles prüfen!
Bild: DPA
Daher sollten Elektroauto-Fahrer auf Reisen Zeiten hoher Nutzung meiden. Ähnlich wie bei der Stauprognose sollte man möglichst nicht an Wochenenden fahren, um nicht mit Wochenend-Ausflüglern zu konkurrieren. Am wenigsten Auslastung haben die Ladesäulen Montag bis Donnerstag und natürlich insbesondere zu Nachtzeiten. Hier eine Übersicht der Autobahn-Champions fürs Schnellladen.
Einen guten Anhaltspunkt liefert Tesla: An vielen Superchargern hängt der Stromtarif von der Nutzungsintensität ab. Es gibt eine höhere "On Peak Rate" für die Zeit der höchsten Nachfrage: Zwischen 18 und 22 Uhr stehen offenbar die E-Autos Schlange, daher schlägt Tesla bis zu 10 Cent pro Kilowattstunde drauf. Naheliegend, dass auch andere Schnellladesäulen (und Ladepunkte allgemein) in dieser Zeit besonders belagert werden. Planen Sie also Ladestopps möglichst nicht zu dieser Zeit.
Warum sollte man nicht die erstbeste Ladesäule ansteuern?
Ein weiterer Punkt für die Planung der Ladestopps: die Infrastruktur. Das Schnellladen kann auch bei den am zügigsten ladenden E-Autos 30 bis 45 Minuten dauern. Diese Zeit möchte man nicht mit unnötigem Warten in freudloser Umgebung verbringen. Ideal ist ein Ladestopp, den man mit anderen Tätigkeiten wie Einkaufen, Essen, Entspannung verbindet. Daher empfiehlt es sich, das Umfeld der Ladesäule zu checken – schon bei der Reiseplanung! Eine Grundregel: Die Schnelllader an Autobahnrastplätzen und auf Autohöfen haben stets nur Anschluss an die teure – und oft qualitativ fragwürdige – Gastro-Infrastruktur.

Ladesäulen an Autobahnrasthöfen sind zwar ganz nah, oft lässt aber die angeschlossene Gastro-Infrastruktur zu wünschen übrig. Ein kleiner Umweg lohnt sich!
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
Aber oft gibt es ganz in der Nähe attraktivere Alternativen. Ein Beispiel: Wer auf halber Strecke zwischen Hamburg und Bremen einen Schnelllader sucht, der kann sich z. B. bei Ionity auf dem Rastplatz Ostetal langweilen – oder vier Kilometer weiter westlich bei Allego im kleinen Städtchen Sittensen direkt neben der Autobahn den gleichen Gleichstrom mit bis zu 300 kW laden. Dort aber gibt es fußläufig Geschäfte, Restaurants, Cafés, ruhige Grünanlagen zum Spazierengehen etc.
In den vergangenen Jahren ist das Ladesäulennetz in Europa kräftig gewachsen. Doch die Ladepunkt-Dichte ist nicht überall gleich. Eine flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Ladesäulen finden E-Auto-Fahrer bisher nur in den Niederlanden und in Skandinavien. In Österreich, der Schweiz und Frankreich gibt es ein ähnlich gut ausgebautes Netz wie in den meisten Regionen Deutschlands.
In Kroatien, Italien, Spanien dagegen sind die Netze noch recht grobmaschig. So bietet sogar Tesla in ganz Sizilien seit Jahren nur zwei Supercharger-Stationen (in Palermo und Catania) mit je acht Ladepunkten an. In ganz Italien gibt es nur etwa 10.500 Ladesäulen mit rund 27.000 Ladepunkten. Spanien zählt derzeit insgesamt rund 8800 öffentliche Ladepunkte – etwa so viele wie aktuell in Niedersachsen existiert!
Eine Kostenfalle lauert auf E-Autofahrer, die über die Grenze fahren: Viele Ladenetzbetreiber kassieren ausländische Kunden beim Roaming per Ladekarte kräftig ab – die Methode erinnert an die überhöhten Roaminggebühren von Telekommunikations-Providern. So hat das Bonner Marktforschungsinstitut EuPD Research 2021 in einer Studie Spitzentarife von 1,39 Euro pro Kilowattstunde ermittelt, seinerzeit das Vierfache des üblichen Satzes. Daran hat sich bisher nichts geändert, belegen wiederkehrende Beschwerden von Elektroautofahrern.
Die hohen Roaming-Tarife betreffen vor allem das Schnellladen mit Gleichstrom. Auch hier empfiehlt sich, vor der Abreise die Kosten gründlich zu recherchieren, um nicht an einer zu teuren Ladesäule zu landen. Oft kommt man billiger weg, wenn man nicht per Ladekarte, sondern per App und Kreditkarte zahlt. So zum Beispiel in Frankreich, wo der Strom bei direkter Zahlung vor Ort günstiger ist als in Deutschland. (Hier eine Übersicht aller Ladesäulen inklusive aktueller Tarife in Europa!). Oft sind die Tarife im Ausland überhaupt nicht erkennbar, warnt der Verein "Europäisches Verbraucherzentrum".
Allerdings ist das Laden in vielen Ländern Europas günstiger als in Deutschland. Vor allem dann, wenn man direkt beim Ladesäulenbetreiber (über App) zahlt, und nicht im Roaming per Ladekarte – eine Preisstudie der EU (siehe Tabelle unten) belegt das. Hier ergibt sich jedoch ein Dilemma: Ladekarten vs. Apps. Die Ladekarten sind praktisch. Demgegenüber stehen hunderte Anbieter mit eigenen Apps. Die muss man jedes Mal zeitraubend auf dem Smartphone laden und anschließend die Kreditkarte verifizieren lassen (Vorsicht vor Ladesäulen-Betrug mit falschen QR-Codes). Diese Praxis kostet Zeit und Mühe. Wer jedoch häufig weite Strecken mit entsprechend vielen Ladestopps absolviert, spart mit dieser Vorgehensweise auf Dauer Geld.
Das kostete 2024 öffentliches Laden in Europa
Land | AC-Laden (Preis pro kWh) mit Ladekarte / ad hoc | DC-Laden (Preis pro kWh) mit Ladekarte / ad hoc |
|---|---|---|
Belgien | 0,55 € / 0,61 € | 0,62 € / 0,69 € |
Dänemark | 0,54 € / 0,65 € | 0,60 € / 0,68 € |
Deutschland | 0,51 € / 0,58 € | 0,61 € / 0,72 € |
Frankreich | 0,43 € / 0,57 € | 0,52 € / 0,60 € |
Italien | 0,49 € / 0,54 € | 0,55 € / 0,68 € |
Niederlande | 0,53 € / 0,56 € | 0,63 € / 0,75 € |
Österreich | 0,49 € / 0,51 € | 0,59 € / 0,65 € |
Polen | 0,43 € / 0,35 € | 0,59 € / 0,54 € |
Schweiz | 0,41 € / 0,57 € | 0,54 € / 0,61 € |
Spanien | 0,52 € / 0,50 € | 0,59 € / 0,60 € |
Warum es sich lohnen kann, im Ausland per App zu laden
Die meisten Ladekarten sind weithin akzeptiert, auch im Ausland. Das verleitet dazu, sie zu nutzen. Im Ausland kann diese bequeme Lösung aber von Nachteil sein, denn in fast allen Nachbarländern Deutschlands sind die Preise für öffentliches Laden niedriger, sofern man direkt beim Anbieter zahlt. Man muss diese Tarife nur kennen.
Problem: Es gibt im Internet zwar zahlreiche Übersichten (zum Beispiel die Europa-Karte mit Ladestationen von Lemnet), doch Echtzeit-Preise nennt bisher keine von ihnen. Die muss man mühsam aus den Lade-Apps der Energieversorger herauspulen. Und das kann dauern. Doch für alle, die lieber Zeit als Geld investieren, bietet sich damit oftmals die Möglichkeit zu sparen. Auch hier empfiehlt es sich, auf dem Vorwege die Route zu planen und die Betreiber infrage kommender Ladestationen frühzeitig zu recherchieren sowie deren Apps vorsorglich zu laden.
Wer häufiger auf Fernfahrten unterwegs ist, für den ergibt das E-Kennzeichen Sinn. Hat es für Pendler mit festen Parkmöglichkeiten eher symbolischen Charakter, bringt es bei Fahrten in andere Regionen mitunter handfeste Vorteile. So dürfen Elektroauto-Fahrer in Tschechien die mautpflichtigen Autobahnen kostenlos nutzen, in Norwegen ist die Maut für E-Autos reduziert.
Auch bieten verschiedene deutsche Städte für Elektroautos das Gratis-Parken an. Es besteht jedoch keine einheitliche Regelung! Daher sollten sich Elektroauto-Fahrer vor einer Fernreise über die gültigen Bestimmungen am Zielort erkundigen.
Nach einer Umfrage des Energieversorgers E.ON unter Elektroauto-Fahrern geben mehr als zwei Drittel an, ihr Hotel, das Ferienhaus und sogar den Campingplatz danach auszuwählen, ob eine Lademöglichkeit vorhanden ist. Zunehmend werden auch Campingplätze mit Lademöglichkeiten ausgestattet. Doch insbesondere bei Ferienunterkünften ist die Suche schwierig: Einer Studie von 2023 zufolge bieten sogar in Deutschland nur sieben Prozent der Gastgeber eine Lademöglichkeit.
Auch grenzübergreifend ist die Suche nicht einfach: Nur 9500 von 130.000 Unterkünften auf großen Buchungsplattformen hatten Ladestrom, ergab eine andere Studie. Die großen Ferienhaus-Portale wie Rentialia, Casamundo oder Hometogo bieten in der Filterfunktion die Option "Ladestation" bisher nicht an.
Lediglich Fewo-Direkt, Airbnb, Booking, Novasol und der kleine Anbieter Traum-Ferienwohnungen.de haben diese Einstellung. Bei einer Stichprobe wurden z. B. für eine vierköpfige Familie im August 2025 in der Toskana 166 (Fewo-direkt), 355 (Airbnb), 551 (Booking) oder 12 (Traum-Ferienwohnungen) Unterkünfte mit Ladepunkt angezeigt. Bei Novasol hatten von 355 angebotenen Ferienwohnungen nur 3 eine Lademöglichkeit.
Was das für Stromspender sind, ist über die Inserate allerdings nicht einsehbar; möglicherweise auch nur eine Haushaltssteckdose im Carport. Fragen Sie also den Eigentümer bzw. Vermieter frühestmöglich, was für eine Station er anbietet und wie hoch die Ladeleistung ist.
Weil das noch nicht wirklich zuverlässig wirkt, empfiehlt es sich für E-Auto-Touristen, bei solchen Expeditionen ins Ungewisse eine mobile Wallbox an Bord zu haben. Dabei handelt es sich um ein Ladekabel mit Schukostecker oder auch einen Adapter für eine CEE-Steckdose, der ein eigenes Lademanagement besitzt. Die Elektronik befindet sich im sogenannten Ziegelstein ("In-Cable-Control-Box") – sie überwacht die Ladegeschwindigkeit und verhindert, dass die E-Auto-Batterie die Energie zu schnell aus dem Stromnetz zieht, was zu Schäden führen könnte. Der Juice Booster der Schweizer Firma Juice Technology ist ein solcher Universallader, der im aktuellen ADAC-Test gute Ergebnisse erzielte. Mittlerweile sind viele günstige mobile Wallboxen auf dem Markt.
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