Test Jeep Wrangler/Land Rover Defender
Zwei für Matsch und Mode

Zwei Alte, ganz neu gemacht. Land Rover renoviert den Defender, Jeep bringt zum ersten Mal einen Wrangler mit vier Türen und Dieselmotor. Sind die beiden urigen Geländewagen nun fein genug für die Stadt?
- Margret Hucko
Mein Alibi ist kleiner als eine Sprudelflasche, ziemlich dreckig und auch noch gekauft. Für 7,95 englische Pfund aus dem Internet. Nie im Leben hätte ich daran gedacht, dass ich so was mal brauche. Ein Alibi, um mit zwei urigen Geländewagen, die ausgestattet sind für den vietnamesischen Dschungel, zum Supermarkt zu fahren. In meinem Wohnviertel braucht man da ein stichfestes Alibi: Schlammspray aus der Dose. Warum? Weil mir gegenüber Menschen mit höherem Sendungsbewusstsein wohnen. Die Siedlung nennt sich "Autofreies Leben". Bei denen kommen so containergroße Geländewagen wie der Land und der Jeep Wrangler einfach nicht an. Obwohl beide mit Diesel fahren. Aber da machen die Auto-Autonomen keinen Unterschied – saufender Zwölfzylinder oder sparsamer Vierzylinder wie bei diesen beiden, egal.
Schlamm aus der Dose – dann klappt es auch mit den Nachbarn

Aus den schmalen Sitzbänken im Kofferraum sind zwei aufklappare Rücksitze geworden. Aah, da lockt Entspannung ... Das Zündschloss sitzt weiterhin links wie bei Porsche, einige Schalter sind noch vom Ur-Mini übernommen. Beim Treten der Kupplung helfen Turnschuhe. Mit Ballerinas ins Büro? Funktioniert definitiv nicht im Defender. Viel zu schwergängig ist das Pedal, und beim Abbiegen muss der Landy nicht nur eingelenkt, sondern auch zurückgekurbelt werden. Ein Rückstellmoment der Lenkung gibt es nicht – nicht bei diesem Wüstensohn.
Über die Autobahn geht es Richtung Bremen in den Hoopepark, ein Spielplatz für Offroad-Fans. Mit eingelassenen Treppen im Wald, Wasserdurchfahrten und umgefallenen Baumstämmen. Für diese Reviere baut Land Rover den Defender, außerdem für Safaris, Krisen- und Kriegsgebiete. Da macht ihm so schnell keiner was vor. Bis zum Hoopepark geht es geradeaus, mit maximal 130 km/h über die A1. Das Lkw-ähnliche Lenkrad in der Hand, den Schweiß auf der Stirn. Lenken fühlt sich an wie bei einem gewöhnlichen Auto mit Unfallschaden, so viel Spiel hat die Vorderachse. Da wird einem Angst und Bange. Erst recht, wenn man um die Bremswege des Land Rover weiß. Die reichen gefühlt von Niebüll nach Nowosibirsk: bis zu 53,5 Meter lang!
Im Gelände stört das null, da kriecht er mit seinen 122 PS im Schritttempo vorwärts. Dank permanenten Allradantriebs klettert er leichtfüßig wie ein Seil-Artist, trotz zwei Tonnen Leergewicht. Im Notfall hilft die Untersetzung weiter. Auch der behäbige, aber harmonische Motor fühlt sich im Matsch wohler. Da will keiner möglichst schnell auf Tempo 100 beschleunigen, der Defender benötigt dafür 17,4 Sekunden.
Landy: der verkürzte erste Gang hilft in schwierigem Gelände

Größte Neuerung: vier Türen, sparsamer Dieselmotor. Das gab es noch nie, nicht in 67 Jahren! Auch als Viertürer hat der Wrangler ein Stoffdach in Serie, das gegen Aufpreis gegen ein Hardtop ersetzt werden kann. Das feste, dreiteilige Dach reicht schon aus, um den modernen Planwagen als Cabrio zu erleben. Denn die beiden vorderen Kunststoffstücke lassen sich ohne Werkzeug herausnehmen. Kombiniert ist diese Lösung mit festen Türen und elektrisch versenkbaren Scheiben, statt der urigen Halbtüren mit Plastikfolien als Fenster. Für Stadtmenschen die bessere Lösung. Allein das Stoffverdeck zu montieren, dauerte in der Werkstatt eine kleine Ewigkeit. Selbst aufziehen? Nur für Menschen, die Baumärkte und Ikea lieben. Umso einfacher funktioniert das Fahren, quasi automatisch. Gekoppelt ist der 2,8-Liter-Diesel (177 PS) mit einer Fünfstufen-Automatik. Die funktioniert problemlos, während der Common-Rail-Diesel beim Beschleunigen in kleinere Turbolöcher fällt.
Das ESP hält den Jeep auf Kurs, wenn Defender-Fahrer schon beten

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko

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