Test Kia Venga 1.4 CVVT
Dieser Kia ist A-Klasse

Hoppla, da kommen Erinnerungen an die kippende A-Klasse von Mercedes auf. Aber keine Sorge: Kias neuer Minivan Venga ist nicht nur ein sicheres, sondern auch ein gutes Auto.
- Jörg Maltzan
Kopieren die Koreaner mit dem Kia Venga schon wieder? Oder erleben wir gerade, dass sich ein weltweit universelles Hochdachauto durchsetzt, das auf vier Meter Länge nun mal nicht anders aussehen kann? Der neue Venga hat verblüffende Gemeinsamkeiten mit der A-Klasse. Keine Einzelmeinung: Gleich mehrere AUTO BILD-Kollegen sowie Passanten erkennen vor allem in der Fensterlinie den Baby-Benz wieder. Kompliment oder Vorwurf? Egal, denn auch ohne die Parallelen zum Stern hat Kia einen rundum guten Allrounder auf die Räder gestellt. Das liegt wohl auch daran, dass der Venga in und für Europa entwickelt wurde. Das Design stammt vom früheren Audi-Gestalter Peter Schreyer (TT, A2), zudem wird der auf dem Soul basierende Van ausschließlich im slowakischen Zilina produziert. Diese konsequente Ausrichtung hat ihm optisch und inhaltlich gut getan. Der Venga ist ein durchdachter, praktischer und angenehm zu fahrender Minivan. Im Alltag bewährt er sich als überraschend funktionales Vielzweck-Auto.
Überblick: News und Tests zum Kia Venga
Das beginnt bei drei großen Rundinstrumenten (Drehzahl, Tempo, Tankinhalt) und einfacher, klarer Bedienung von Radio und Lüftung auf der Mittelkonsole – übersichtlicher geht es nicht. Ablagen gibt es genug, drei Zwölf-Volt-Buchsen laden Handys und Musikspieler. Noch wichtiger ist der vielseitige Innenraum. Rückbank und Lehnen lassen sich stufenlos justieren, dank doppelten Kofferraumbodens entsteht entweder eine ebene Ladefläche oder ein tiefes Gepäckfach. Kias Neuer ist variabler und geräumiger (Kofferraum 314 bis 1341 Liter) als ein VW Polo (280–952). Aber der Venga ist nicht nur ein praktisches Auto, sondern auch eines, das es gut mit seinen Passagieren meint. Vier Erwachsene reisen mit reichlich Bein- und Kopffreiheit, wobei die hohe Sitzposition allen Insassen eine gute Aussicht bietet.
Der Venga ist variabel und geräumig
Allerdings ist ein voll besetzter Venga mit der 90-PS-Basismotorisierung überfordert. Schon unbeladen erreicht er nur mit Mühe sein Höchsttempo von knapp 170 km/h. Zudem brüllt der kleine Saugmotor dann recht laut. Also besser bei Autobahn-Richttempo bleiben und sich über rund sieben Liter Verbrauch freuen. Wer zurückhaltend fährt, braucht keinen Diesel. Der leichte Benzin-Vierzylinder hilft dem Venga zudem, in Kurven nicht zu kopflastig über die Vorderräder zu schieben. Nicht überragend, aber ordentlich benimmt er sich bei schneller Kurvenfahrt und in Notsituationen. Lastwechsel oder grobe Fahrfehler werden durch das Serien-ESP mit wohldosierten Bremseingriffen korrigiert.
Ein Umkippen – wie einst bei der ersten A-Klasse – ist auch durch sehr heftige Spurwechsel weder zu provozieren noch zu befürchten. Prima, dass die sichere Straßenlage nicht mit einer zu straffen Fahrwerkabstimmung erkauft wird. Im Gegenteil: Kleine wie grobe Unebenheiten steckt der Venga elegant weg. Leider erreicht er dieses hohe Niveau nicht bei der Lenkung. Sie arbeitet recht leichtgängig, aber zu teigig. Für die Stadt ist das okay, aber bei zügiger Fahrt über Landstraßen fehlt die Rückmeldung und zwingt zu Lenkkorrekturen. Kleiner Trost – das kann die A-Klasse auch nicht viel besser.
Das Fahrwerk überzeugt, nur die Lenkung ist zu weich

Bild: Uli Sonntag
Fazit
Applaus, der Venga liefert eine überzeugende Vorstellung. Bei Raumausnutzung, Komfort und Fahrdynamik kann er es mit den Klassenbesten aufnehmen. Er dürfte Erfolg haben, obwohl die Korea-Domäne "Preis" ein Fragezeichen verdient. Über 17.000 Euro sind kein Schnäppchen mehr. Immerhin gibt Kia konkurrenzlose sieben Jahre Garantie auf die Technik.
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