Test Peugeot 4007/Nissan X-Trail/BMW X3
Flott gemacht

Mit 177 Diesel-PS setzt der neue BMW X3 2.0d die Bestmarke bei den geräumigen SUV der 4,60-Meter-Klasse. Er kostet 37.900 Euro. Ohne Extras. Lohnen sich 6000 Euro Aufpreis gegenüber Nissan und Peugeot?
- Martin Braun
Der Verkaufserfolg des BMW X3 in Deutschland scheint auf den ersten Blick einem zentralen Gesetz der freien Marktwirtschaft zu widersprechen. Denn nicht das billigste Angebot in dieser Klasse macht das Rennen, sondern ausgerechnet das mit Abstand teuerste verkauft sich am besten. Schon in der Vergangenheit konnte der ehemals 150 PS leistende BMW X3 2.0d dabei seinen Preis weder mit besonderer Dynamik noch mit üppiger Ausstattung rechtfertigen. Und heute sieht es nur bei flüchtigem Hinsehen so aus, als hätte sich etwas geändert. Denn der frisch modellgepflegte X3 2.0d presst zwar nun beeindruckende 177 PS aus seinem Zweiliter-Turbodieselmotor, ein neuer Nissan X-Trail 2.0 dCi erreicht jedoch mit 173 PS fast das gleiche Niveau – und das bei einem um fast 6000 Euro niedrigeren Grundpreis und gleichzeitig einer wesentlich großzügigeren Ausstattung. Trotz dieser harten Fakten würde wohl niemand darauf wetten, dass hier nun in Zukunft das offensichtlich preisgünstigere Angebot das Rennen macht. Der BMW X3 2.0d stellt also ein Marktphänomen dar, das es wert ist, genauer betrachtet zu werden: Warum verkauft sich ausgerechnet im Schnäppchen-wütigen Deutschland das teuerste Angebot der Klasse am besten?
Der BMW will der Sportlichste unter den Mittelklasse-SUV sein

Fahrwerk, Lenkung, Allradantrieb – besonders bei diesen drei Baugruppen zeigt der X3 offen seine Neigung. Bei trödeligem Reisetempo kommt man sich hinter dem Steuer deplatziert vor. Der BMW will aktiv gefahren werden. Nur dann macht die extrem spontan ansprechende Lenkung Sinn. Nur dann erfüllt das schon in Normalversion überdurchschnittlich straff abgestimmte Fahrwerk seinen Bestimmungszweck. Der X3 zeigt, dass sich auch ein knapp 1,70 Meter hoher und leer 1845 Kilogramm schwerer Allradler mit Kombiaufbau zackig in Kurven werfen lässt und mit sauberem Strich und ohne fahrerischen Aufwand dem einmal eingeschlagenen Kurs folgt. Das Wort Trägheit kommt einem X3-Fahrer dabei bestimmt nicht in den Sinn. Das Wort Entspannung aber auch nicht. Denn so lässig der X3 der gewünschten Richtung auch folgt, entspannende Ruhe empfindet man im X3 nur selten. Daran ist nicht etwa der Vierzylinder-Turbodieselmotor schuld. Denn seit der Überarbeitung zum Sommer 2007 hat der an Kultiviertheit so gewonnen, dass er sich nun hinter Dieselmotoren anderer Hersteller dieser Klasse nicht mehr verstecken muss. Nein, die stetige Unruhe kommt vom Fahrwerk. Denn durch die überstraffe Federung befindet sich der Aufbau beständig in Bewegung. Das hält zwar wach und schärft die Sinne, aber es strengt auf Langstrecken an.
Die Federhärte ist jedoch nun einmal Bestandteil der BMW-Philosophie für den X3. Gegen Aufpreis gibt es keine Linderung, sondern nur noch mehr Härte – in Form eines Sportfahrwerks. Der neue Zweiliter-Turbodiesel mit 177 PS statt zuvor 150 PS stellt dagegen ohne Einschränkung einen großen Fortschritt dar. Er läuft vor allem wegen seiner zwei neuen Ausgleichswellen im Motorblock deutlich vibrationsärmer, wenn auch immer noch nicht so ruhig wie beispielsweise der Diesel des Peugeot 4007. Und BMW hat es geschafft, das zuvor gähnende Turboloch auf ein mehr als akzeptables Maß zu verkleinern. Nun kann man problemlos und ohne Kupplungsakrobatik bei Leerlaufdrehzahl einkuppeln und genießt bereits ab rund 1500 Touren einen weich einsetzenden, aber bestimmten Turboschub. Die 27 Mehr-PS bringen den neuen 2.0d in 2,1 Sekunden schneller auf Tempo 100 als den bisherigen 2.0d. Und nun sind auch mehr als echte 200 km/h drin. In anderen Disziplinen ist sich der BMW X3 allerdings auch nach der Überarbeitung treu geblieben. Dazu zählen nicht nur die holperige Federung, sondern auch die im Vergleich mageren Werte für Zuladung und Anhängelast.
Der Nissan zeigt sich in allen Belangen komfortabler

Noch dazu macht der Nissan eindrucksvoll vor, dass man die gleichen Fahrleistungen wie der BMW X3 auch mit einem komfortablen Fahrwerk kombinieren kann. Der X-Trail läuft mit 202 nur vier km/h langsamer als der BMW, fühlt sich auch bei diesem Tempo aber trotz komfortorientiertem Fahrwerk niemals schaukelig oder gar unsicher an. Auch ein Verdienst der präzise arbeitenden Lenkung. Freilich muss man zugeben, dass man mit dem Nissan auf kurvenreichen Landstraßen einem BMW X3 nicht ganz folgen kann. Der Japaner schiebt deutlich mehr über die Vorderräder und verliert deshalb in Kurven ein paar km/h auf den BMW. Darauf legten die Nissan-Leute weniger Wert als auf einen großen Nutzwert. Und hier überzeugt der neue X-Trail allein schon durch seinen in dieser Klasse unerreicht großen und langen Gepäckraum. Leider darf er mit 435 Kilogramm nur 15 Kilogramm mehr zuladen als der BMW. Bei der Anhängelast schlägt ihn der Nissan klar mit 2,2 zu 1,7 Tonnen.
Einen interessanten Kompromiss bietet der Peugeot 4007. Der in Japan produzierte Allradler ist nichts anderes als ein Mitsubishi Outlander mit anderer Frontpartie und französischem Peugeot-Turbodieselmotor. Der Kompromiss besteht darin, dass er zwischen dem besonders fahraktiv orientierten BMW und dem besonders komfortablen Nissan eine Mittelstellung bezieht. Der japanische Peugeot lenkt und fährt sich handlicher und kurvenwilliger als der Nissan, bleibt aber noch ein gutes Stück vom hyperaktiven BMW entfernt. Ähnlich sieht es beim Federungskomfort aus: So gekonnt wie der Nissan absorbiert der Peugeot die Unebenheiten nicht, aber er räubert auch nicht so derb über die Kanaldeckel wie der BMW.
Der Peugeot glänzt mit seinem kultivierten Motor

Die Stärken des Peugeot, den es mit noch einmal anderer Nase auch von Konzerntochter Citroën gibt, liegen neben dem kultivierten Motor auch im Innenraum. Ein üppiger Knieraum im Fond und die bequemen Sitze machen das Reisen angenehm. Dazu empfiehlt sich der Franko-Japaner mit seiner überlegenen Variabilität als Transportmittel für alle Zwecke. Der hohe Gepäckraum schluckt sperriges Gut, das dank 600 Kilogramm Zuladung auch schwer sein darf. Die niedrige Ladekante macht das Einladen leicht. Allerdings ergibt die sich nur dann, wenn zuvor das zusätzliche Heckklappenunterteil weggeklappt wurde. Und das steht vor allem beim Ausladen von kleineren Gegenständen den eigenen Knien im Weg. Eigene Wege geht der Peugeot auch bei der Rücksitzbank. Diese lässt sich nicht nur klappen, sondern auch 80 mm längs verschieben. Und der 4007 bietet die Möglichkeit, eine dritte Sitzreihe zu ordern.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Martin Braun
Was wäre, wenn ...? Der Nissan gewinnt, weil er ein praktisches Auto zu einem akzeptablen Preis ist. Gäbe es die Punkte für den Preis nicht, dann wäre der BMW vorne. Aber auch das nur deshalb, weil der Nissan viele Punkte wegen seiner mäßigen Bremsen verliert. Die Quintessenz: Auch in dieser Klasse gibt es für jeden Geschmack etwas: einen sportlichen, teuren BMW, einen komfortablen, lasch bremsenden Nissan und einen höchst variablen, aber im Vergleich mäßig ausgestatteten Peugeot.
Service-Links