Mit viel Platz, Top-Qualität und feinerer Technik will Renault die Mittelklasse aufmischen. Der neue Laguna kommt am 19. Oktober, das erste Duell muss er schon jetzt bestehen - gegen den Ford Mondeo.
Margret Hucko
Es gibt die George Clooneys unter den Autos, die großen Charismatiker, denen aber auf langen Strecken die Luft ausgeht. Und es gibt die Harald Schmidts, denen die Frauen nie hinterhergucken - bis sie dem Charme dieser Typen erliegen. So einer ist der $(LB326578:neue Laguna von Renault)$: Unauffällig von außen, reizarm im Auftritt, aber wer sich auf ihn einlässt, fühlt sich an seiner Seite wohl. Was hat er zu bieten? Unter anderem drei Jahre Garantie und einen Zweiliter-Diesel, der schon jetzt die 2009 kommende EU-5-Abgasnorm erfüllt. Sicher, sorgenfrei, mit grünem Gewissen – ein interessanter Typ. Als solcher hat sich der Ford Mondeo schon bewährt. Er sieht weniger dezent aus als der Renault, will auffallen mit seinen großen Lufteinlässen und den Rückleuchten, die teure LED-Technik vortäuschen. Aha: Der legt Wert auf Äußerlichkeiten. Aber davon soll man sich ja nicht blenden lassen. Was können die beiden im direkten Vergleich?
Der neue Laguna soll verlorenes Vertrauen zurückholen
Bild: Uli Sonntag
Renault hat bei den Kunden einiges gutzumachen. Permanente Qualitätsprobleme und freudloses Fahren machten aus dem alten Laguna einen dauerhaften Problemfall. Der Neue soll endlich einen Schlussstrich ziehen und verspieltes Vertrauen zurückholen. Schauen wir mal. Türen öffnen, einsteigen, alte Vorurteile begraben und sich über die schönen Materialien im Cockpit freuen. Alles fühlt sich wunderbar weich und hochwertig an. In der Mittelkonsole sitzt ein knubbeliger Joystick, der durch das Unterhaltungsprogramm von Navigation und Radio führt. Dahinter platziert: die elektronische Parkbremse, die automatisch anzieht und löst. Die Sitze sind straff gepolstert, bieten in Kurven guten Seitenhalt. Nur die Beinauflagen sind ein wenig zu kurz geraten. Auch das Lenkrad liegt gut in der Hand. Es ist wie bei neuen Audi untenrum abgeflacht. Im Fond reist es sich bequem, allerdings überwältigt der Mondeo seine Passagiere mit kathedralenhafter Kopf- und Beinfreiheit. Bei diesem Kölner Dom auf Rädern kommt der Laguna nicht mit, aber das gilt auch für die meisten anderen Konkurrenten dieser Klasse. Ein echtes Großformat!
Im Mondeo sieht man nach schräg hinten fast nichts
Bild: Uli Sonntag
Ebenfalls üppig fällt das Ladevolumen der Kofferräume aus. Mit deren Literzahl (Basis-Volumen: 540 Liter beim Ford, 462 beim Renault) lassen sich sonst Kinderschwimmbecken füllen. Ein Vorteil der Fließhecks, auch wenn diese Karosserieform heute nur noch eine Nebenrolle spielt. Beim Mondeo passen bis zu 1460 Liter ins Gepäckabteil, beim Laguna immerhin 1337 Liter – selbst viele Kombis bekommen da Schluckbeschwerden. Die Heckklappen schwingen fast bis in den Himmel, kleinere Benutzer können sie kaum noch fassen. Vom Fahrersitz aus stört bei beiden die schlechte Sicht nach schräg hinten – im Mondeo sieht man so gut wie nichts. Auf Knopfdruck startet der Renault-Diesel. Ein Vierzylinder, der weich wie Zuckerwatte läuft. Bei geschlossenen Augen geht der fast als Benziner durch. So leise, wie er murmelt, so schnell schafft er es auf Tempo 100. Mit seinen 150 PS zieht er am zehn PS schwächeren Mondeo locker vorbei, beschleunigt auch noch im sechsten Gang ordentlich und grinst dabei diabolisch auf die Straße. Dafür also trägt er diesen eigenartigen Lufteinlass-Schlitz zwischen Haube und Stoßstange: für das Siegerlächeln.
Ob es gut ist, sich über den Ford lustig zu machen? Immerhin, das Motoren-Kapitel geht klar an den Laguna. Das Ford-Triebwerk ist im Vergleich zum Renault-Diesel ein rauer Typ. Einer, der schon im Stand vor sich hin grummelt. Was das Ohr allerdings schlimmer empfindet als Phonmessgeräte. Dafür verbraucht er mit 6,6 Litern etwas weniger als der Franzose, der 6,8 Liter trinkt. Und das, obwohl der Laguna im zentralen Bordcomputer Schaltempfehlungen einblendet, die zum Spritsparen auffordern. Auch von seinem alten Fahrzeuggewicht musste er runter. Renault trimmte dem Basis-Laguna Kilos ab, obwohl er in der Länge um elf Zentimeter gewachsen ist. Ein großes Manko aller Renault-Modelle war in der Vergangenheit die Lenkung. Jede Bewegung am Steuer fühlte sich so verbindlich an wie Knetgummi in der Hand – irgendwie wabbelig und undefiniert. Im neuen Laguna funktioniert das besser, aber immer noch nicht auf dem Niveau des Mondeo, der hier schon eher fahrdynamische Maßstäbe setzt. In ihm scheint der Fahrer stets sportlicher unterwegs zu sein.
Beim Fahrverhalten schlägt der Ford den Renault
Bild: Uli Sonntag
Der Mondeo will als Dynamiker punkten, das zeigt er immer wieder. Beim Umgang mit seinem Sechsgang-Getriebe zum Beispiel. Zwar findet der Laguna-Knüppel stets die richtige Gasse, geht aber längere Wege als der im Mondeo. Und das, obwohl die Renault-Schaltbox komplett neu entwickelt wurde. Dafür stoppt der Renault schneller, braucht aus Tempo 100 weniger als 36 Meter. Der Mondeo steht erst zwei Meter später. Na, droht da etwa der George-Clooney-Effekt? Nein, im Gegenteil. Was der Ford beim Bremsen verliert, das gleicht er beim Fahrverhalten wieder aus. Er ist agiler und handlicher als der Renault, federt souverän auch grobe Stöße ab. Der Laguna kann da nicht ganz mithalten, wirkt etwas träger, aber durchaus komfortabel. Wobei seine Federung die langen Wellen nicht so mag und gelegentlich mit vertikalen Stößen nervt. Auch deshalb gewinnt am Ende der Ford Mondeo knapp. Was nicht gegen die Qualitäten des Laguna spricht. Der ist wirklich wie Harald Schmidt: keiner für alle. Aber einer, den man mögen kann.
Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko
Bild: Uli Sonntag
Renault hat Großes mit dem Laguna vor. Er soll das angeknackste Vertrauen in die Marke reparieren und es mit den Klassenbesten aufnehmen. Das schafft er. Gratulation, ein guter Start. Nur mit hauchdünnem Punkteabstand muss er sich dem Ford Mondeo geschlagen geben. Beim Laguna überzeugen vor allem der fantastische Diesel, die deutlich verbesserte Qualität und die fest zupackenden Bremsen. Dass der Mondeo am Ende doch gewinnt, verdankt er in erster Linie seiner Größe. Neben dem Raum-Riesen mit kathedralenhafter Kopf- und Beinfreiheit und ebenso großem Kofferraum wirkt der Laguna beinahe eine ganze Klasse kleiner. Und kommt dennoch groß raus.