Toyota C-HR+: Test
Toyotas Spaß-Stromer: C-HR+ überzeugt auch Verbrenner-Fahrer

Der C-HR+ ist die neue Elektroauto-Zwischengröße von Toyota – größer als der Urban Cruiser, kleiner als der bZ4X. AUTO BILD hat ihn getestet.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Nicht nur bei den Koreanern ist die Modellpalette unübersichtlich geworden. Der neue Toyota C-HR+ könnte das Publikum ebenfalls verwirren, denn neben dem Namenskürzel hat er mit dem bereits etablierten C-HR nichts weiter gemein als die ungefähre Grundform.
Der 17 Zentimeter längere C-HR+ ist nur als Stromer zu haben, während der C-HR wahlweise als Vollhybrid oder Plug-in vorfährt. Alles verständlich?
- Für Elektroauto-Umsteiger: Der C-HR+ gibt sich derart konventionell und fährt sich so vergnüglich, dass er das Potenzial hat, auch Fahrer zu überzeugen, die bisher wenig mit Elektroautos anfangen konnten.
- Für Pendler und Vielfahrer: Mit seinem Testverbrauch von 17,6 kWh/100 km schafft der C-HR+ mit einer Akkuladung 403 Kilometer. Wer es drauf anlegt, kann den Verbrauch auf 14,0 kWh/100 km drücken – und kommt entsprechend weiter.
Nur beim Namen gleicht der Stromer dem C-HR
Wer das als Taxi beliebte Toyota-Elektroauto bZ4X kennt und in den C-HR+ steigt, erkennt sofort das Cockpit wieder mit der überbreiten Mittelkonsole und dem Peugeot-ähnlichen Arrangement von Fahrerdisplay über dem kleinen Lenkrad. Bekannt auch der eigenwillige Fahrstufenwähler, der erst heruntergedrückt werden will. Kein Zweifel, der ist näher am Stromer bZ4X als am Hybriden C-HR.

Kaum Gemeinsamkeiten: Der C-HR+ ist länger und breiter als sein Namensvetter C-HR. Zudem fährt er ausschließlich als Stromer vor und ist näher am bZ4X.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Er ist nebenbei auch ein deutlich längeres Auto als sein Beinahe-Namensvetter, ist zudem fast vier Zentimeter breiter. Wir testen den Frontantriebs-4x2 mit der größeren 77-kWh-Batterie von Panasonic und 224 PS. Mit dem gleichen Akku ist auch eine Allradversion erhältlich, da sprechen wir dann von 343 PS und Preisen ab 54.000 Euro.
Unterflur-Akku kostet Rückbank-Komfort
Vorn sitzt man halbhoch, auf halbem Wege zum SUV. Typisch für Elektroautos mit Unterflur-Akku sitzt man hinten arg nahe am Fußboden. Die Fond-Sitzfläche ist von selbigem knapp 30 Zentimeter entfernt – recht tief, aber immerhin passen die Füße unter den Vordersitz, und der Zweite-Reihe-Passagier kann die Neigung seiner Lehne in zwei Stufen einstellen.

Hinten sitzt man nahe am Boden wie in vielen Stromern. Der Platz für die Füße reicht, die Lehne ist in zwei Stufen verstellbar.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Im Kofferraum erwarten den Nutzer eine leidlich ebene Ladefläche, aber windige Verzurrösen, die nur an den Seitenverkleidungen befestigt sind – was etwas schade ist, denn die erlaubte Zuladung fällt mit mehr als 600 kg ausgesprochen hoch aus.
Fahrzeugdaten
Modell | Toyota C-HR+ |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 165 kW (224 PS) |
Dauerleistung | 64 kW (87 PS) |
max. Drehmoment | 268 Nm |
Vmax | 160 km/h |
Getriebe | 1-stufiges Reduktionsgetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/60 R 18 H |
Reifentyp | Bridgestone Turanza 6 Enliten |
Radgröße | 7 x 18” |
Verbrauch* | 13,4 kWh/100 km |
Reichweite* | 607 km |
Batteriekapazität (brutto/netto) | 77/72 kWh |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Ladeleistung AC/DC | 11/150 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | ca. 28 Minuten |
Ladeanschluss | vorn links |
Vorbeifahrgeräusch | 62 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 750/750 kg |
Dachlast/Stützlast | 75/75 kg |
Kofferraumvolumen | 416 l |
Länge/Breite/Höhe | 4530/1870**/1595 mm |
Radstand | 2750 mm |
Grundpreis | 41.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 45.990 Euro |
Die Zuglast des Fronttrieblers ist dagegen bescheiden, nur 750 kg – für Gespannfahrer bietet sich nur der teure Allradler an (1500 kg). Nicht wirklich praktisch: Der Platz unter dem Ladeboden geriet etwas knapp für das Typ-2-Kabel, für einen Frunk reichte der Platz unter der geneigten Haube nicht.
Das Losfahren gestaltet sich angenehm konventionell und geheimnislos. Keine ablenkende Alles-nur-noch-über-Touchscreen-Bedienung, sondern lauter echte Tasten zum Anfassen. Die Lenkung zeigt keinerlei Unschärfen um die Mittellage, wirkt bei niedrigem Tempo leichtgängig und bei höherem Tempo etwas gummibandartig, mit relativ viel Handkraft – insgesamt aber angenehm und sportiver als erwartet.

Vergnüglicher Gesamteindruck: Der C-HR+ gibt sich durchaus dynamisch, macht beim Fahren richtig Laune und könnte so auch Verbrenner-Fans überzeugen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Überraschung ist der Gesamteindruck. Der C-HR+ fährt sich derart vergnüglich, dass er das Potenzial hat, Elektroauto-Hasser umzudrehen. Kein Wunder, Chefingenieur Daisuke Ido hat früher bei Lexus Sportwagen konstruiert – man merkt’s tatsächlich. Mit ein paar Tricks hat er dem eher biederen bZ4X-Fahrwerk Dynamik anerzogen: Radstand um zehn Zentimeter verkürzt, 25 Millimeter Tieferlegung, verstärkte Stabilisatoren und andere Fahrwerksbuchsen.
Die Bremswege dürften kürzer sein
Mit 18,5 Zentimeter Luft unterm Kiel liegt der C-HR+ dennoch nicht übertrieben tief. Es ist offenbar der tiefe Schwerpunkt, der für dieses Gokart-mit-Komfort-Fahrgefühl sorgt. Die halbhohe Sitzposition und die folglich gute Übersicht machen dieses Arrangement nur noch vergnüglicher. Auf der heftigen Bodenwelle unserer Standard-Teststrecke unterdrückt die Dämpfung die Karosseriebewegungen recht zupackend – hier wird niemandem schlecht. Auch da gibt sich der C-HR+ fast sportlich.

Das geht besser: Aus Tempo 100 steht der C-HR+ mit kalter Bremsanlage erst nach 38,7 Metern. Mit warmen Bremsen sind es 39,4 Meter.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Zwei Wermutstropfen: Auf ganz fiesem Kopfsteinpflaster schiggelt das Interieur leicht, was den Gesamteindruck einer handfesten Verarbeitung leicht konterkariert. Etwas Toyota-typisch fallen die Bremswege nicht gerade berauschend aus. 38,7 Meter kalt und 39,4 Meter warm sind nicht mehr zeitgemäß – wir haben schon Autos getestet, die diese Werte um etliche Meter unterbieten.
Messwerte
Modell | Toyota C-HR+ |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,0 s |
0–100 km/h | 7,0 s |
0–120 km/h | 9,6 s |
0–130 km/h | 11,2 s |
0–160 km/h | 17,5 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 3,4 s |
80–120 km/h | 4,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1912/608 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 57/43 % |
Wendekreis links/rechts | 11,8/11,7 m |
Sitzhöhe | 680 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 38,7 m |
aus 100 km/h warm | 39,4 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 14,0 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 17,6 kWh/100 km (+31 %) |
Sportverbrauch | 20,6 kWh/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 409 km |
Breite Mittelkonsole mauert den Fahrer ein
Da wir schon bei den Detail-Kritikpunkten sind: Die einmauernde, sehr breite Mittelkonsole nimmt zwar zwei große Smartphones auf, die aber werden etwas warm in der Ladeschale. Und wer den nervigen, zur Fehleinschätzung des Fahrers neigenden Aufmerksamkeitsassistenten abschalten will, darf sich freuen auf einen Tauchgang in das fünfstufige Menü.

Cockpit wie im bZ4X. Serienmäßiges 14-Zoll-Navi mit EV-Routenführung. Einmauernde Mittelkonsole mit Ladeschalen für zwei große Smartphones.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ebenfalls etwas unschön: Die vier Verzurrösen im Laderaum sind nur an den Seitenverkleidungen festgemacht, nicht am Blech. Wer etwa einen schweren Rasenmäher auf kurviger Strecke transportieren will, sollte ihn ersatzweise an den Fondlehnen-Haltebügeln befestigen.
Verbrauch und Ladezeit sind erfreulich
Wichtige Eckdaten fallen dagegen erfreulich aus. Der Testverbrauch von 17,6 kWh auf unserer standardisierten, 155 Kilometer langen Verbrauchsrunde kann sich sehen lassen – wenngleich die Abregelung bei bereits 160 km/h den Verbrauchswert deutlich begünstigt, denn unsere Verbrauchsrunde enthält zwölf Prozent Vollgas-Anteil auf der Autobahn.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Mehr als in Ordnung geht die DC-Schnellladezeit von 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent (bei 18 Grad), obwohl wir zwischenzeitlich nicht allein am 300-kW-Lader standen. Der Toyota lädt mit maximal 150 kW. Weniger schön: An der Wechselstrom-Wallbox lädt er nur mit 11 kW, 22-kW-Ladesäulen kann nur die teure Allradversion ausschöpfen.
Toyota-typisch vorsichtig ist die schon im bZ4X gesehene Fehlermeldung ”EV-System überhitzt. Verringerte Leistung” – und das bei maximal 160 km/h, die wir aber auf leerer Autobahn dauerhaft gefahren haben, denn wir wollten den Akku zu Testzwecken leeren. Wer den C-HR+ in Grundausstattung und mit der kleineren 57,7-kWh-Batterie bestellt (ab 38.990 Euro), muss mit einer Abregelung bei 140 km/h leben.
Wertung Toyota C-HR+
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Nicht edler, aber solider Qualitätseindruck. Gutes Platzangebot vorne. Sehr hohe Zuladung. | 3 / 5 |
Antrieb | Spurtstark, Höchsttempo aber nur 160 km/h. Niedriger Stromverbrauch, Reichweite nur mittelgut. | 4 / 5 |
Fahrdynamik | Fahrwerk und Lenkung harmonisch. Insgesamt sehr fahrsicher, aber Bremswege arg lang. | 3 / 5 |
Connected Car | Audio und Telefon top, Navi eher einfach. Sprachsteuerung kann Navi, Audio, Klima, Fensterheber. | 4 / 5 |
Umwelt | Nicht wirklich kompakt. Elektrotypisch schwer, aber lokal emissionsfrei. Sehr leises Auto. | 3,5 / 5 |
Komfort | Einstieg, Sitze und Sitzposition, Federung – alles ohne echte Schwächen. Zugfreie Belüftung. | 3,5 / 5 |
Kosten | Anschaffung und Wartung teuer, Versicherung und Wiederverkauf nur mittel. Großzügige Garantien. | 3,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,9 |
Lange Garantien geben Sicherheit
Die Garantien sind markentypisch lang. Regelmäßige Wartung beim Vertragshändler vorausgesetzt, garantiert der Hersteller mindestens 70 Prozent Batterieleistung zehn Jahre lang, bis 250.000 km Laufleistung – je nachdem, was zuerst erreicht ist.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Insgesamt überrascht der C-HR+ mit echtem Fahrspaß, wirkt keinesfalls wie ein leidenschaftsloses Me-too-Produkt. Das dynamikbetonte Äußere und das japanisch-sachliche Interieur widersprechen sich zwar ein wenig, aber Fahrwerk und Lenkung gerieten ausgesprochen harmonisch und stimmig. Toyota und Elektroauto – es geht eben doch zusammen.
Die wichtigsten Fragen zum Toyota C-HR+
Wie unterscheidet sich der C-HR+ vom C-HR?
Trotz des ähnlichen Namens haben beide Modelle wenig gemeinsam. Der C-HR+ ist ein eigenständiges Elektroauto, das auf der Technik des Toyota bZ4X basiert. Er ist deutlich länger und breiter als der "normale" C-HR, der weiterhin als Vollhybrid oder Plug-in-Hybrid angeboten wird.
Wie fährt sich der C-HR+?
Der C-HR+ bietet überraschend viel Fahrspaß. Sein tiefer Schwerpunkt, das sportlich abgestimmte Fahrwerk und die präzise Lenkung sorgen für ein agiles Fahrverhalten. Gleichzeitig bietet er einen hohen Fahrkomfort.
Wie alltagstauglich ist der C-HR+?
Der C-HR+ hat einen geräumigen Innenraum, eine hohe Zuladung von über 600 Kilogramm und eine einfache Bedienung mit vielen klassischen Tasten. Weniger praktisch sind der fehlende Frunk und der begrenzte Stauraum für das Ladekabel unter dem Ladeboden.
Wie schnell lädt der C-HR+?
An einer DC-Schnellladestation lädt der C-HR+ mit bis zu 150 kW. Im Test vergingen für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent rund 28 Minuten. An der heimischen Wallbox lädt die Frontantriebsversion mit bis zu 11 kW Wechselstrom.
Fazit
Toyota hat sich nun wohl doch mit dem Elektroauto angefreundet – der C-HR+ macht wirklich Spaß. Dank der Fahrwerkstricks vom Lexus-Sportwagenentwickler ist eines der vergnüglichsten Elektroautos unserer Zeit entstanden. Ladeleistung, -zeiten und Reichweite sind auf aktuellem Stand, die Bremswege nicht. Herausragend: die Zuladung. AUTO BILD-Testnote: 1,9
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