Toyota Corolla 1.8 Hybrid, VW Golf 1.5 eTSI DSG: Test
Mild oder voll? Toyota Corolla und VW Golf im Hybrid-Vergleich

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Während der wie gehabt in Wolfsburg gebaute Golf auf eine milde Hybridisierung via 48-Volt- Startergenerator und Segelfunktion setzt, handelt es sich beim in England gebauten Toyota um einen Vollhybrid im Stile der ersten vier Prius-Generationen.
Zwei unterschiedliche Designsprachen
Schon formal liefern der Japaner und der Deutsche ganz verschiedene Interpretationen des Themas Kompaktauto: Während der Golf dem fast senkrecht abfallenden Steilheck und einer gewissen Sachlichkeit treu bleibt, folgt der Corolla eisern der von CEO Akio Toyoda ausgegebenen Parole: "Keine langweiligen Autos mehr!" Beim Corolla fallen Verpackung und Inhalt nun auffällig auseinander: Was optisch mittels muskulöser Linien auf krasse Kiste macht, ist in Wahrheit ein Prius-ähnlicher Spritknauser.

Große Unterschiede: Der Golf setzt optisch auf Sachlichkeit, der Toyota wirkt eher dynamisch – das passt nicht ganz zu seinem Charakter
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Während beim Toyota die Spaltmaße der Heckklappe und der etwas dünnblechigen Motorhaube arg großzügig ausfallen, verströmt der Blick vom Fahrersitz aus die erwartete Solidität. Die Sitzposition dürfte den meisten Fahrern passen, wobei die Sitze gern stützender sein dürften und die Oberschenkelauflage länger.
Toyota verbannt den Drehregler
Die letzte Aktualisierung des Corolla datiert aus dem Jahr 2022 und folgt der grassierenden Unsitte, Drehregler aus dem Cockpit zu verbannen. Jetzt finden sich für die Lautstärkeregelung feste Plus-Minus-Tasten unter dem Zentralschirm – besser als reine Touch-Lösungen, aber schlechter als der gute alte Drehregler.

Bedienkonzept: Auch bei Toyota wird viel mittels Lenkradtasten und weniger mit klassischen Knöpfen gesteuert – er erfordert Gewöhnung.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ungewöhnlich viele Funktionen sind im digitalen Kombiinstrument hinter dem Lenkrad versammelt, zu bedienen über Lenkradtasten. Wegen der geringeren Ablenkungswirkung ist das keine schlechte Idee, aber gewöhnungsbedürftig. Und die Funktionen sind teils holprig-schwer verständlich aus dem Englischen übersetzt.
Fahrzeugdaten
Modell | Toyota Corolla 1.8 Hybrid | VW Golf 1.5 eTSI DSG |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder + E-Motor, Hybrid | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Zahnriemen |
Hubraum | 1798 cm³ | 1498 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 103 (140)/Systemleistung | 110 (150)/5000 |
Nm bei 1/min | 142/3600 (Verbrenner) | 250/1500 |
Vmax | 180 km/h | 224 km/h |
Getriebe | stufenloses Automatikgetriebe | Siebengang-Doppelkupplung |
Antrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/45 R 17 W | 225/40 R 18 Y |
Reifentyp | Falken Ziex ZE 914B Ecorun | Bridgestone Potenza S005 |
Radgröße | 7 x 17" | 7,5 x 18" |
Abgas CO2* | 104 g/km | 121 g/km |
Verbrauch* | 4,6 l | 5,3 l |
Tankinhalt | 43 l | 50 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super |
Ottopartikelfilter | – | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 750/450 kg | 1500/680 kg |
Stützlast | 75 kg | 80 kg |
Kofferraumvolumen | 361–1052 l | 381–1237 l |
Länge/Breite/Höhe | 4370/1790–2080**/1460 mm | 4282/1789–2073**/1483 mm |
Radstand | 2640 mm | 2620 mm |
Grundpreis | 33.340 Euro | 34.480 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 35.990 Euro | 41.680 Euro |
Obwohl der Toyota neun Zentimeter länger ausfällt, geht es vorne und vor allem hinten etwas enger zu als im Wolfsburger. Das kuppelförmige Dach kostet Kopffreiheit; schon bei mittelgroßen Menschen um 1,80 Meter berührt der Kopf den seitlichen Dacheinzug. Und das rundlichere, angeschrägte Heck kostet Ladevolumen. Ladeboden und Abdeckung bestehen aus einer Art Presspappe. Neben Kosten sollte wohl auch Gewicht gespart werden – nicht ohne Erfolg, der Toyota ist mit 1383 Kilogramm nur minimal schwerer als der VW.
Sportlichkeit liegt dem Corolla fern
Die Zackigkeit signalisierende Form steht beim Corolla im Widerspruch zum grundvernünftigen, eine gleichmäßige Fahrweise nahelegenden Charakter. Seine zentrale Stärke ist der niedrige Verbrauch in der Stadt. Wer aber die abgeregelten 180 km/h ständig ausschöpft, wird den Verbrauchsvorteil der raffinierten Hybridtechnik nie realisieren. Er ist eben kein Diesel und bietet sich einem Fahrertyp an, dem die dem Golf unterlegenen Beschleunigungs- wie Durchzugswerte gleichgültig sind. Wer mehr Punch will, greift zum 2,0-Liter-Hybrid mit 197 PS.

Kein Dynamiker: Trotz seiner durchaus sportlichen Optik, will der Hybrid-Corolla sanft gefahren werden. Wer ihn tritt, verbraucht viel.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das Hybridsystem führt noch immer ein Eigenleben und jubelt bei Konstanttempo unvermittelt hoch, etwa an Steigungen. Das tut es aber leiser und weniger jaulig als früher. Das ruckfreie Planetenradgetriebe, die fehlende Zugkraftunterbrechung und die sofortige Bereitschaft, in den Rückwärtsgang zu schalten, ergäben theoretisch den idealen Antrieb eines Einsatzfahrzeugs für schwere Aufgaben, wäre da nicht die mickrige zulässige Anhängelast von 750 Kilogramm – der Golf darf das Doppelte ziehen.
Messwerte
Modell | Toyota Corolla 1.8 Hybrid | VW Golf 1.5 eTSI DSG |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 3,5 s | 3,2 s |
0–100 km/h | 10,1 s | 8,6 s |
0–130 km/h | 16,8 s | 13,9 s |
0–160 km/h | 32,9 s | 21,6 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 5,8 s | 4,6 s |
80–120 km/h | 7,2 s | 5,9 s |
Leergewicht/Zuladung | 1383/437 kg | 1359/501 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 61/39 % | 60/40 % |
Wendekreis links/rechts | 11,3/11,4 m | 11,1/11,0 m |
Sitzhöhe | 525 mm | 515 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 37,3 m | 34,0 m |
aus 100 km/h warm | 38,2 m | 33,1 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 59 dB(A) | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 67 dB(A) | 67 dB(A) |
bei 130 km/h | 71 dB(A) | 70 dB(A) |
bei 160 km/h | 75 dB(A) | 72 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 4,2 l S/100 km | 4,9 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 5,4 l S/100 km (+17 %) | 6,1 l S/100 km (+15 %) |
Sportverbrauch | 8,0 l S/100 km | 7,9 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 128 g/km | 145 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 795 km | 815 km |
Japaner folgen oft einer eigenen Philosophie: Um etwa das Lenken extraleicht zu gestalten, nimmt der Toyota in der Kurve die erforderliche Handkraft zurück – BMW etwa ging vor Jahren den umgekehrten Weg. Leider rutscht der Corolla arg schnell über die Vorderräder; der Grip der Falken-Reifen hat noch Luft nach oben. Was sich auch in den Bremsleistungen niederschlägt – ein wichtiges Kapitel, in dem er sich vom Golf in unnötiger Weise abhängen lässt.
Lange Bodenwellen bringen ihn dagegen nie aus der Ruhe. Der komfortbetonte Kompakte rollt leicht über die Längsachse, das kann man gemütlich finden. Das Ansprechen auf zigfach geflicktem Asphalt aber könnte gern feinfühliger sein. Auf Kopfsteinpflaster zirpen beide Kandidaten etwas, der Golf bleibt leiser.
Knapp 36.000 Euro für den Test-Corolla
Die von uns gefahrene Team-Deutschland-Ausstattung bietet für knapp 36.000 Euro LED-Scheinwerfer, dunkle Scheiben hinten, Schlüssellos-Zugang, elektrisch einstellbare Lendenwirbelstütze für den Fahrer, Einparkhilfe vorn/hinten, Totwinkelwarner und Ladeschale. Nur die Klimaautomatik kommt mit zwei Zonen statt mit dreien wie bei VW. Und das Navi war cloudbasiert, bordeigene Karten kosten extra. Die 15 Jahre Garantie, die Eigner ruhig schlafen lässt, ist gekoppelt an eine jährliche Wartung. Unter dem Strich also kein billiges Auto. Ob Schwacke richtig damit liegt, dem Corolla eine höhere Wertstabilität vorauszusagen als dem Golf? Wir werden sehen.
Stark verbessertes Infotainment im Golf
Der soeben geliftete Golf gab in Kapiteln wie Sitze, Sitzposition und Platzangebot noch nie Anlass zur Kritik – zentrale Verbesserung ist das überarbeitete Infotainment, das eben nicht mehr lahm und rätselhaft ist. Gegenüber älteren Gölfen fallen noch immer Sparmaßnahmen ins Auge (Hartplastik ab B-Säule, Haltestab statt Gasdämpfer für die Motorhaube, keine Kappe mehr über dem Nottürschloss), ansonsten hat VW viel Kritik am Golf 8 abgearbeitet.

Es geht doch: Das Infotainment des Golf fährt jetzt schneller hoch und läuft stabiler, alte Naviziele verdecken nicht mehr die Karte.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Facelift-Golf ist ein typischer VW-Punktesammler. Seine Sitzflächen bieten alle etwas mehr Tiefe als die des Japaners, das maximale Ladevolumen liegt um 180 Liter höher, die Ladekante gut sieben Zentimeter niedriger, die Zuladung 64 Kilogramm höher – das geht bis hin zum kleineren Wendekreis (11,0 Meter, Corolla 11,4) und zum gemessen leiseren Innengeräusch bei 130 km/h und 160 km/h. Im Fond fällt die Sitzfläche beim Golf stark ab; die Kopffreiheit reicht für Großgewachsene – anders im Corolla mit seiner höheren Sitzposition.
Beim Fahren liegt der VW deutlich vorne
Vom Start weg entwickelt der per Startergenerator unterstützte Direkteinspritzer ordentlich Kraft, klingt beim Kick-down fast wie eine Sportversion. Wer vor der Ampel ausrollt, sieht eine Segel-Aufforderung. Hat der Fahrer den Gasfuß gelupft, schaltet der Motor ab. Die Fünfliter-Verbräuche des Toyota erreicht der Golf aber nicht. Windgeräusche werden erst ab 180 km/h etwas lauter.

Der Golf punktet im Vergleich mit Agilität und Handlichkeit. Und er schafft 224 km/h statt abgeregelte 180 km/h wie der Corolla.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die angegebenen 224 km/h sind nur als theoretischer Wert zu betrachten, denn der Golf ist lang übersetzt und braucht für solche Tempohöhenflüge mehr Anlauf, als die Verkehrsdichte in der Regel hergibt. Der Toyota hingegen ist bereits bei 180 km/h abgeregelt.
Agilität und Handlichkeit sind Stärken des Golf. Unser Testwagen kam mit Progressivlenkung zu 215 Euro. Das Handmoment liegt etwas höher als vorher, VW hat die Kritik an der zuvor überzogenen Leichtgängigkeit abgearbeitet. Richtig gut sind die Bremswege zwischen 33 und 34 Metern von 100 km/h bis zum Stand – der Corolla braucht warm fünf Meter mehr. Das Kapitel Assistenz geht klar an den Golf. Verkehrszeichenerkennung mit Übernahme, Echtzeit-Verkehrsmeldungen – das ist aktueller Stand der Technik.
Platzierung
Modell | VW Golf 1.5 eTSI DSG | Toyota Corolla 1.8 Hybrid |
|---|---|---|
Punkte* | 563 | 522 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | Federung und Lenkung ausgewogen, überlegene Bremsen, mehr Platz hinten, mehr Laderaum. Aber: hoher Preis, knickrige Garantie. | Prius-artig niedriger Verbrauch und Wertkonstanz sind seine Stärken. Wegen jährlicher Wartung kaum billiger als der Golf. |
Der Testwagenpreis liegt beim VW fast 6000 Euro höher. Qualitätsautos sind beide. Da der VW nur alle zwei Jahre zur Wartung muss und von den Versicherern günstiger eingestuft ist, kann der Toyota das Endergebnis auch im Kostenkapitel nicht mehr drehen. Schön: die Verschiedenartigkeit dieses Duos. Von Einheitsbrei kann keine Rede (mehr) sein, auch in der Kompaktklasse nicht.
Fazit
Der Golf ist der talentiertere Allrounder und sammelt Punkte quer durch die Wertung – außer beim Preis. Der Corolla ist das konsequentere Spritsparmobil. Leider ist er im Kostenkapitel nicht so viel günstiger, dass er das Ergebnis noch drehen könnte. Falsch macht man mit beiden Kompakten nichts.
Service-Links



















































