Spritsparen ist ganz schön teuer geworden. Das gilt ganz bestimmt für den Golf 1.5 eTSI, der einen halben Liter auf 100 Kilometer weniger braucht als der konventionelle 1.5 TSI, aber 3000 Euro teurer ist. Seinen Grundpreis von 34.480 Euro unterbietet der Toyota nur leicht.

Zwei Kompakte mit Hybridantrieb im Test

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VW Golf 1.5 eTSI DSG
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Toyota Corolla 1.8 Hybrid
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Während der wie gehabt in Wolfsburg gebaute Golf auf eine milde Hybridisierung via 48-Volt- Startergenerator und Segelfunktion setzt, handelt es sich beim in England gebauten Toyota um einen Vollhybrid im Stile der ersten vier Prius-Generationen.

Zwei unterschiedliche Designsprachen

Schon formal liefern der Japaner und der Deutsche ganz verschiedene Interpretationen des Themas Kompaktauto: Während der Golf dem fast senkrecht abfallenden Steilheck und einer gewissen Sachlichkeit treu bleibt, folgt der Corolla eisern der von CEO Akio Toyoda ausgegebenen Parole: "Keine langweiligen Autos mehr!" Beim Corolla fallen Verpackung und Inhalt nun auffällig auseinander: Was optisch mittels muskulöser Linien auf krasse Kiste macht, ist in Wahrheit ein Prius-ähnlicher Spritknauser.
Toyota Corolla 1.8 Hybrid VW Golf 1.5 eTSI DSG
Große Unterschiede: Der Golf setzt optisch auf Sachlichkeit, der Toyota wirkt eher dynamisch – das passt nicht ganz zu seinem Charakter
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Während beim Toyota die Spaltmaße der Heckklappe und der etwas dünnblechigen Motorhaube arg großzügig ausfallen, verströmt der Blick vom Fahrersitz aus die erwartete Solidität. Die Sitzposition dürfte den meisten Fahrern passen, wobei die Sitze gern stützender sein dürften und die Oberschenkelauflage länger.

Toyota verbannt den Drehregler

Die letzte Aktualisierung des Corolla datiert aus dem Jahr 2022 und folgt der grassierenden Unsitte, Drehregler aus dem Cockpit zu verbannen. Jetzt finden sich für die Lautstärkeregelung feste Plus-Minus-Tasten unter dem Zentralschirm – besser als reine Touch-Lösungen, aber schlechter als der gute alte Drehregler.
Toyota Corolla 1.8 Hybrid
Bedienkonzept: Auch bei Toyota wird viel mittels Lenkradtasten und weniger mit klassischen Knöpfen gesteuert – er erfordert Gewöhnung.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ungewöhnlich viele Funktionen sind im digitalen Kombiinstrument hinter dem Lenkrad versammelt, zu bedienen über Lenkradtasten. Wegen der geringeren Ablenkungswirkung ist das keine schlechte Idee, aber gewöhnungsbedürftig. Und die Funktionen sind teils holprig-schwer verständlich aus dem Englischen übersetzt.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder + E-Motor, Hybrid 
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Zahnriemen 
Hubraum 
1798 cm³ 
1498 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
103 (140)/Systemleistung 
110 (150)/5000 
Nm bei 1/min
142/3600 (Verbrenner) 
250/1500 
Vmax
180 km/h 
224 km/h 
Getriebe 
stufenloses Automatikgetriebe 
Siebengang-Doppelkupplung 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
225/45 R 17 W 
225/40 R 18 Y 
Reifentyp 
Falken Ziex ZE 914B Ecorun 
Bridgestone Potenza S005 
Radgröße 
7 x 17" 
7,5 x 18" 
Abgas CO2* 
104 g/km 
121 g/km 
Verbrauch* 
4,6 l 
5,3 l 
Tankinhalt 
43 l 
50 l 
Kraftstoffsorte 
Super 
Super 
Ottopartikelfilter 
– 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
68 dB(A) 
68 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
750/450 kg 
1500/680 kg 
Stützlast 
75 kg 
80 kg 
Kofferraumvolumen 
361–1052 l 
381–1237 l 
Länge/Breite/Höhe 
4370/1790–2080**/1460 mm 
4282/1789–2073**/1483 mm 
Radstand 
2640 mm 
2620 mm 
Grundpreis
33.340 Euro
34.480 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
35.990 Euro
41.680 Euro
Obwohl der Toyota neun Zentimeter länger ausfällt, geht es vorne und vor allem hinten etwas enger zu als im Wolfsburger. Das kuppelförmige Dach kostet Kopffreiheit; schon bei mittelgroßen Menschen um 1,80 Meter berührt der Kopf den seitlichen Dacheinzug. Und das rundlichere, angeschrägte Heck kostet Ladevolumen. Ladeboden und Abdeckung bestehen aus einer Art Presspappe. Neben Kosten sollte wohl auch Gewicht gespart werden – nicht ohne Erfolg, der Toyota ist mit 1383 Kilogramm nur minimal schwerer als der VW.

Sportlichkeit liegt dem Corolla fern

Die Zackigkeit signalisierende Form steht beim Corolla im Widerspruch zum grundvernünftigen, eine gleichmäßige Fahrweise nahelegenden Charakter. Seine zentrale Stärke ist der niedrige Verbrauch in der Stadt. Wer aber die abgeregelten 180 km/h ständig ausschöpft, wird den Verbrauchsvorteil der raffinierten Hybridtechnik nie realisieren. Er ist eben kein Diesel und bietet sich einem Fahrertyp an, dem die dem Golf unterlegenen Beschleunigungs- wie Durchzugswerte gleichgültig sind. Wer mehr Punch will, greift zum 2,0-Liter-Hybrid mit 197 PS.
Toyota Corolla 1.8 Hybrid
Kein Dynamiker: Trotz seiner durchaus sportlichen Optik, will der Hybrid-Corolla sanft gefahren werden. Wer ihn tritt, verbraucht viel.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das Hybridsystem führt noch immer ein Eigenleben und jubelt bei Konstanttempo unvermittelt hoch, etwa an Steigungen. Das tut es aber leiser und weniger jaulig als früher. Das ruckfreie Planetenradgetriebe, die fehlende Zugkraftunterbrechung und die sofortige Bereitschaft, in den Rückwärtsgang zu schalten, ergäben theoretisch den idealen Antrieb eines Einsatzfahrzeugs für schwere Aufgaben, wäre da nicht die mickrige zulässige Anhängelast von 750 Kilogramm – der Golf darf das Doppelte ziehen.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,5 s 
3,2 s 
0–100 km/h 
10,1 s 
8,6 s 
0–130 km/h 
16,8 s 
13,9 s 
0–160 km/h 
32,9 s 
21,6 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
5,8 s 
4,6 s 
80–120 km/h 
7,2 s 
5,9 s 
Leergewicht/Zuladung 
1383/437 kg 
1359/501 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
61/39 % 
60/40 % 
Wendekreis links/rechts 
11,3/11,4 m 
11,1/11,0 m 
Sitzhöhe 
525 mm 
515 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
37,3 m 
34,0 m 
aus 100 km/h warm 
38,2 m 
33,1 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
59 dB(A) 
59 dB(A) 
bei 100 km/h 
67 dB(A) 
67 dB(A) 
bei 130 km/h
71 dB(A)
70 dB(A)
bei 160 km/h
75 dB(A)
72 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
4,2 l S/100 km 
4,9 l S/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
5,4 l S/100 km
(+17 %)
6,1 l S/100 km
(+15 %)
Sportverbrauch 
8,0 l S/100 km 
7,9 l S/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
128 g/km 
145 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
795 km 
815 km 
Japaner folgen oft einer eigenen Philosophie: Um etwa das Lenken extraleicht zu gestalten, nimmt der Toyota in der Kurve die erforderliche Handkraft zurück – BMW etwa ging vor Jahren den umgekehrten Weg. Leider rutscht der Corolla arg schnell über die Vorderräder; der Grip der Falken-Reifen hat noch Luft nach oben. Was sich auch in den Bremsleistungen niederschlägt – ein wichtiges Kapitel, in dem er sich vom Golf in unnötiger Weise abhängen lässt.
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Lange Bodenwellen bringen ihn dagegen nie aus der Ruhe. Der komfortbetonte Kompakte rollt leicht über die Längsachse, das kann man gemütlich finden. Das Ansprechen auf zigfach geflicktem Asphalt aber könnte gern feinfühliger sein. Auf Kopfsteinpflaster zirpen beide Kandidaten etwas, der Golf bleibt leiser.

Knapp 36.000 Euro für den Test-Corolla

Die von uns gefahrene Team-Deutschland-Ausstattung bietet für knapp 36.000 Euro LED-Scheinwerfer, dunkle Scheiben hinten, Schlüssellos-Zugang, elektrisch einstellbare Lendenwirbelstütze für den Fahrer, Einparkhilfe vorn/hinten, Totwinkelwarner und Ladeschale. Nur die Klimaautomatik kommt mit zwei Zonen statt mit dreien wie bei VW. Und das Navi war cloudbasiert, bordeigene Karten kosten extra. Die 15 Jahre Garantie, die Eigner ruhig schlafen lässt, ist gekoppelt an eine jährliche Wartung. Unter dem Strich also kein billiges Auto. Ob Schwacke richtig damit liegt, dem Corolla eine höhere Wertstabilität vorauszusagen als dem Golf? Wir werden sehen.

Stark verbessertes Infotainment im Golf

Der soeben geliftete Golf gab in Kapiteln wie Sitze, Sitzposition und Platzangebot noch nie Anlass zur Kritik – zentrale Verbesserung ist das überarbeitete Infotainment, das eben nicht mehr lahm und rätselhaft ist. Gegenüber älteren Gölfen fallen noch immer Sparmaßnahmen ins Auge (Hartplastik ab B-Säule, Haltestab statt Gasdämpfer für die Motorhaube, keine Kappe mehr über dem Nottürschloss), ansonsten hat VW viel Kritik am Golf 8 abgearbeitet.
VW Golf 1.5 eTSI DSG
Es geht doch: Das Infotainment des Golf fährt jetzt schneller hoch und läuft stabiler, alte Naviziele verdecken nicht mehr die Karte.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Facelift-Golf ist ein typischer VW-Punktesammler. Seine Sitzflächen bieten alle etwas mehr Tiefe als die des Japaners, das maximale Ladevolumen liegt um 180 Liter höher, die Ladekante gut sieben Zentimeter niedriger, die Zuladung 64 Kilogramm höher – das geht bis hin zum kleineren Wendekreis (11,0 Meter, Corolla 11,4) und zum gemessen leiseren Innengeräusch bei 130 km/h und 160 km/h. Im Fond fällt die Sitzfläche beim Golf stark ab; die Kopffreiheit reicht für Großgewachsene – anders im Corolla mit seiner höheren Sitzposition.

Beim Fahren liegt der VW deutlich vorne

Vom Start weg entwickelt der per Startergenerator unterstützte Direkteinspritzer ordentlich Kraft, klingt beim Kick-down fast wie eine Sportversion. Wer vor der Ampel ausrollt, sieht eine Segel-Aufforderung. Hat der Fahrer den Gasfuß gelupft, schaltet der Motor ab. Die Fünfliter-Verbräuche des Toyota erreicht der Golf aber nicht. Windgeräusche werden erst ab 180 km/h etwas lauter.
VW Golf 1.5 eTSI DSG
Der Golf punktet im Vergleich mit Agilität und Handlichkeit. Und er schafft 224 km/h statt abgeregelte 180 km/h wie der Corolla.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die angegebenen 224 km/h sind nur als theoretischer Wert zu betrachten, denn der Golf ist lang übersetzt und braucht für solche Tempohöhenflüge mehr Anlauf, als die Verkehrsdichte in der Regel hergibt. Der Toyota hingegen ist bereits bei 180 km/h abgeregelt.
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Agilität und Handlichkeit sind Stärken des Golf. Unser Testwagen kam mit Progressivlenkung zu 215 Euro. Das Handmoment liegt etwas höher als vorher, VW hat die Kritik an der zuvor überzogenen Leichtgängigkeit abgearbeitet. Richtig gut sind die Bremswege zwischen 33 und 34 Metern von 100 km/h bis zum Stand – der Corolla braucht warm fünf Meter mehr. Das Kapitel Assistenz geht klar an den Golf. Verkehrszeichenerkennung mit Übernahme, Echtzeit-Verkehrsmeldungen – das ist aktueller Stand der Technik.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
563
522
Platz
1
2
Fazit
Federung und Lenkung ausgewogen, überlegene Bremsen, mehr Platz hinten, mehr Laderaum. Aber: hoher Preis, knickrige Garantie.
Prius-artig niedriger Verbrauch und Wertkonstanz sind seine Stärken. Wegen jährlicher Wartung kaum billiger als der Golf.
Der Testwagenpreis liegt beim VW fast 6000 Euro höher. Qualitätsautos sind beide. Da der VW nur alle zwei Jahre zur Wartung muss und von den Versicherern günstiger eingestuft ist, kann der Toyota das Endergebnis auch im Kostenkapitel nicht mehr drehen. Schön: die Verschiedenartigkeit dieses Duos. Von Einheitsbrei kann keine Rede (mehr) sein, auch in der Kompaktklasse nicht.

Bildergalerie

Toyota Corolla 1.8 Hybrid VW Golf 1.5 eTSI DSG
VW Golf 1.5 eTSI DSG
Toyota Corolla 1.8 Hybrid
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Zwei Kompakte mit Hybridantrieb im Test

Fazit

Der Golf ist der talentiertere Allrounder und sammelt Punkte quer durch die Wertung – außer beim Preis. Der Corolla ist das konsequentere Spritsparmobil. Leider ist er im Kostenkapitel nicht so viel günstiger, dass er das Ergebnis noch drehen könnte. Falsch macht man mit beiden Kompakten nichts.