Toyota Land Cruiser 2.8 l D-4D: Test
Teures Geländevergnügen: Toyota Land Cruiser im Test

An den Toyota Land Cruiser der J25-Baureihe ist nicht leicht heranzukommen: unser erster Test, volle zwei Jahre nach der Fahrvorstellung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Das hat gedauert, bis der Land Cruiser 250 endlich zum Test auf unseren Hof rollte. Toyota hat den ersten "kleinen" Land Cruiser seit 15 Jahren schon 2024 vorgestellt, aber die Kapazitäten der beiden Werke in Japan sind begrenzt.
- Für Offroad-Enthusiasten: Der Land Cruiser bietet viel echte Geländetechnik wie Leiterrahmen, Untersetzung, sperrbares Zentraldifferenzial und zahlreiche Assistenzsysteme.
- Für Besitzer von Anhängern: Mit bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast und eignet sich der Land Cruiser hervorragend als Zugfahrzeug – ideal für Pferde-, Boots- oder Wohnwagenbesitzer.
Kantiges Design kommt gut an
Die Lieferzeiten türmten sich zeitweise auf fast zwei Jahre, schon weil Toyota den J25 auch auf dem US-Markt anbietet. Nach einer geschmacklich umstrittenen barocken Phase hat der Land Cruiser zur Kantigkeit der 80er zurückgefunden – und die Kunden mögen's.

Zurück zu alter Kantigkeit: Die etwas umstrittene barocke Phase hat der Land Cruiser in seiner aktuellen Version hinter sich gelassen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Typisch für echte Geländewagen sind die Türen, die zugepfeffert werden wollen. Nach dem Einsteigen finden sich die Fahrgäste wieder auf einer bürostuhlartigen Höhe sowohl über dem Wagenboden als auch über dem Asphalt. Nach dem Start dieseln vier dicke Großkolben-Pötte gemütlich vor sich hin. Hochbeschleunigen? Na gut, wenn's denn sein muss.
Fahrzeugdaten
Modell | Toyota Land Cruiser 2.8 l D-4D |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 2755 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 151 (205)/3000 |
Nm bei 1/min | 500/3400 |
Vmax | 165 km/h |
Getriebe | Achtstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 265/60 R 20 H |
Reifentyp | Yokohama Geolandar X-CV |
Radgröße | 8 x 20" |
Abgas CO2 | 278 g/km |
Verbrauch* | 10,6 l/100 km |
Tankinhalt | 87 l |
Kraftstoffsorte | Diesel |
SCR-Kat/Ad-Blue-Tankinhalt | S/k. A. |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 3500/750 kg |
Stützlast | 140 kg |
Kofferraumvolumen | 954–1895 l |
Länge/Breite/Höhe | 4925/1980–2125**/1935 mm |
Radstand | 2850 mm |
Grundpreis | 83.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 91.990 Euro |
Dank Kanten und Erhebungen auf der Haube weiß der Fahrer stets, wohin er fährt, die tiefer als zuvor liegende Fensterlinie schafft zusätzlich Übersicht. Falls das nicht reicht, etwa im Steilhang, hält der "Toyo" eine transparente Motorhaube bereit, zusammengesetzt aus den Bildern mehrerer nach unten gerichteter Kameras.
Im Toyota steckt viel Offroad-Technik
Zu den Neuerungen zählen auch der entkoppelbare Vorderachs-Stabi im Stil der Topversionen von Jeep Wrangler oder Ford Bronco (macht das Fahrwerk beweglicher im Gelände) und ein per "Crawl"-Taste aktivierbarer Geländetempomat, der bei Bergauf- wie Bergabfahrt das Tempo konstant hält – was selbst untalentierte Piloten brillieren lässt, denn sie müssen nur noch lenken.

Verschränkungsfähiges Fahrwerk: Hinten hat der Land Cruiser eine bewegliche Starrachse, der Stabi vorn ist entkoppelbar.
Bild: Rolf Klein / AUTO BILD
Ganz klassisch der Allrad: ein echtes Zentraldifferenzial, manuell sperrbar, verteilt die Antriebskraft von vornherein sinnvoll auf beide Achsen, ohne dass erst eine Kupplung reagieren muss – wie bei Land Rover Defender oder Ineos Grenadier. Besser geht's nicht.
Zentrale Neuerung ist die Achtstufen-Wandlerautomatik von Aisin, die den anfangs etwas konfus schaltenden Sechsstufenautomaten des J15 abgelöst hat. Sie wechselt die Gänge deutlich nachvollziehbarer, hält die unteren Gänge nicht mehr so unnötig lange fest.
In der Sandgrube der Kieswerke Koops in Zarrentin (wir danken!) wühlt sich der Land Cruiser lässig durch den teils weichen Sand: Einfach die MTS-Taste drücken (Multi-Terrain-System) und dann per Drehknopf den Sandmodus anwählen, am besten auch den Luftdruck in den Reifen absenken. Beeindruckend, trotz der auch im Gelände ungünstigen 2,5 Tonnen Leergewicht.

Gar kein Problem: Im Sand-Modus lässt die Regelung viel Schlupf zu; der Land Cruiser wühlt sich souverän durch die Sandgrube.
Bild: Rolf Klein / AUTO BILD
Naturgemäß geht ein solch konsequenter Geländewagen nicht um die Ecke wie ein SUV. Er bewegt sich um die Längsachse wie ein tapsiger Bär, unterlegt von gemütlichem Diesel-Pulsieren. Auf der Autobahn bleibt der Land Cruiser angenehm. Ab 140 km/h sind Windgeräusche zwar vernehmbar, nehmen bis zum Höchsttempo von 165 km/h aber kaum zu – für ein so kastiges Auto mehr als okay.
Messwerte
Modell | Toyota Land Cruiser 2.8 l D-4D |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,7 s |
0–80 km/h | 7,5 s |
0–100 km/h | 11,0 s |
0–130 km/h | 19,2 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 6,0 s |
80–120 km/h | 8,3 s |
Leergewicht/Zuladung | 2513/587 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 54/46 % |
Wendekreis links/rechts | 12,8/12,8 m |
Sitzhöhe | 905 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 39,7 m |
aus 100 km/h warm | 40,0 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 7,3 l D/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde | 8,3 l D/100 km |
Sportverbrauch | 11,6 l D/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 220 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 1048 km |
Bedienung macht es dem Fahrer schwer
Gar nichts, was nervt? Vielleicht dies: Die lästig gouvernantenhaften, zu Fehleinschätzungen neigenden Assistenten wie Müdigkeits- und Aufmerksamkeitswarner schaltet man hier nicht wie üblich über den Zentralbildschirm ab, sondern über die OK-Taste in der linken Lenkradspeiche, also über das kleine Menü im Fahrerdisplay. Und dort sind sie im hintersten Menüpunkt versteckt, erreichbar über teils lange, teils kurze Drücke auf die erwähnte OK-Taste – schwerer kann man es dem Fahrer nicht machen.

Auch im Innenraum gibt es die kantigen Formen im Stil der 80er. Die Materialwahl ist zweckmäßig, alles ist handfest verarbeitet. Leider hat der Toyota Schwächen bei der Bedienung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Fülle der smarten Details reicht von der in acht Rastungen verstellbaren Fondbank-Lehnenneigung über die faltbare und als Ganzes nach vorn schiebbare Fondbank zum Quertransport sperriger Fracht bis hin zur separat zu öffnenden Heckscheibe, wie es sie beim BMW 5er Touring mal gab, und der Waschdüse an der Kameralinse.
An den Gespannfahrer wurde stets gedacht: 3,5 Tonnen Zuglast, Untersetzung und Mittelsperre unabhängig voneinander einlegbar. Das erlaubt das Rangieren schwerer Hänger auf nasser Wiese bei engem Raum. Traditionell könnte bei Toyota-Offroadern der Rostschutz besser sein. Wir würden an die exponierten Fahrwerksteile eine Schicht Unterbodenschutz klatschen, damit der Toyo sein Langlebigkeitsversprechen einlösen kann.
Wertung Toyota Land Cruiser 2.8 l D-4D
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Tolles Raumgefühl, übersichtlich. Handfest verarbeitet. Darf volle 3,5 Tonnen ziehen. | 4 / 5 |
Antrieb | Spurtet träge. Verbrauch relativ niedrig. Sperren und Untersetzung unabhängig – ideal als Zugtier. | 3 / 5 |
Fahrdynamik | Top-Geradeauslauf, fahrsicher, Lenkung zumindest okay. Aber: großer Wendekreis, lange Bremswege. | 3 / 5 |
Connected Car | Top: Telefon und Audio, Web-Browser, Update-Option. Sprachsteuerung fein, Navi nicht premium. | 4 / 5 |
Umwelt | Klassischer Diesel, hoher CO2-Ausstoß, schwer. Umwelttechnisch gibt’s nur die Mildhybridisierung. | 2 / 5 |
Komfort | Einstieg, Sitze und Sitzposition, Federung – alles ordentlich, aber kein Komfort-SUV. Dieselt eher laut. | 3,5 / 5 |
Kosten | Hoher Preis. Teuer auch in Versicherung, Steuer und Wartung. Garantien und Wiederverkauf sehr gut. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,7 |
Teuer und schlecht verfügbar
Entfernt hat sich Toyota vom angekündigten "praktischen und erschwinglichen Geländewagen" (Chefingenieur Keita Moritsu) und vom anfänglichen Startpreis um 68.000 Euro: Bestellbar ist derzeit nur die Lounge-Version ab 91.990 Euro, mit Leder, Glasschiebedach, Lordosenstützen, Torsen-Sperrdifferenzial hinten, belüfteten Fondsitzen und beleuchtetem Fußraum.

Teures Geländevergnügen: Aktuell ist der Land Cruiser 2.8 l D-4D nur in der Lounge-Version für satte 91.990 Euro bestellbar – die Lieferzeit liegt bei einem dreiviertel Jahr.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Was sich Toyota leisten kann – der lokale Vertragshändler nannte auf Anfrage neun Monate Lieferzeit. Selten findet sich mal ein Bestandsfahrzeug um 80.000 Euro bei einem Händler. Erreicht haben die Japaner das Ziel, durch Weglassen etwa der Luftfederung ein mit Aftermarket-Teilen modifizierbares Fahrzeug zu schaffen – wenn sich denn auf dem Konto des Eigners noch Geld für Teile findet.
Die wichtigsten Fragen zum Toyota Land Cruiser
Was zeichnet den Land Cruiser aus?
Der Land Cruiser ist ein klassischer Geländewagen mit Leiterrahmen, permanentem Allrad, sperrbarem Zentraldifferenzial und Untersetzung. Moderne Assistenten wie das Multi-Terrain-System und ein Gelände-Tempomat machen den Toyota zusätzlich sehr geländegängig.
Wie gut ist der Land Cruiser im Gelände?
Im Gelände gehört der Land Cruiser zu den besten Fahrzeugen seiner Klasse. Selbst auf weichem Sand oder in steilen Passagen überzeugt er mit hoher Traktion. Eine bewegliche Starrachse hinten und ein entkoppelbarer Stabi an der Vorderachse sorgen für hohe Verschränkungsfähigkeit.
Wie fährt sich der Land Cruiser auf der Straße?
Auf befestigten Straßen bietet der Land Cruiser einen angenehmen Reisekomfort, fährt sich jedoch weniger agil als ein SUV. Das hohe Gewicht und das auf Geländegängigkeit ausgelegte Fahrwerk führen zu spürbaren Karosseriebewegungen.
Welche Schwächen hat der Land Cruiser?
Zu den Schwächen zählen der hohe Preis von derzeit rund 92.000 Euro für die Lounge-Version, die langen Lieferzeiten sowie einige umständlich bedienbare Assistenzsysteme.
Fazit
Ein hochtalentierter, konsequenter Geländewagen, variabel – naturgemäß mit Nachteilen auf Asphalt. Der Verbrauch fällt niedrig aus in Relation zu Gewicht und mitgeschleppter Offroadtechnik. Da der kurze Dreitürer entfallen ist und Toyota sich vom anfänglichen Startpreis um 68.000 Euro weit entfernt hat, ist auch der Land Cruiser für harte Einsätze letztlich zu schade und zu teuer – ein generelles Problem der Geländewagen unserer Zeit. AUTO BILD-Testnote: 2,7
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