Trumps Strafzölle und ihre Bedeutung für die deutsche Autoindustrie
Wie sehr schaden Trumps Strafzölle den deutschen Autoherstellern?

Bild: Donald Trump / DPA Autoexport / Carmen Jaspersen
Inhaltsverzeichnis
- Wie sehen die Strafzölle aus?
- Was bedeuten die Zölle konkret?
- Welche Zölle wurden bislang erhoben?
- Was sagt die deutsche Autoindustrie zu den Zöllen?
- Was machen die deutschen Autohersteller jetzt?
- Was bezweckt Trump mit den Strafzöllen?
- Wie sieht der Autohandel zwischen den USA und Europa aus?
- Haben sich die Konzerne vorbereitet?
- Was bedeuten die Zölle für Arbeitnehmer und Autokäufer?
- Wie geht es jetzt weiter?
Das ist der Zoll-Hammer für deutsche Autohersteller: US-Präsident Donald Trump sucht den offenen Handelskrieg mit der Welt, nimmt Europa ins Visier und konkret die deutsche Autoindustrie. Unter dem Jubel von Autoarbeitern verkündete der Präsident am späten Mittwochabend (2. April 2025) im Rosengarten des Weißen Hauses ein komplexes Zollsystem. Es besteht aus individuellen Strafzöllen, maßgeschneidert für einzelne Regionen und teils für einzelne Länder. Sie fallen auf alle Güter an, die in die USA importiert werden.
Mit einer pauschalen Strafabgabe von 25 Prozent trifft es die europäische Autoindustrie besonders hart: Der Strafzoll erhöht den Preis jedes importierten Autos aus Europa um ein Viertel – zusätzlich zu den aktuell erhobenen 2,5 Prozent. "Das goldene Zeitalter Amerikas kehrt zurück", tönte Donald Trump bei der Verkündung. Rund um den Globus gab es empörte Reaktionen. Was bedeutet der Zoll-Hammer für die deutschen Autobauer? Eine Analyse.
Die jetzt verhängten Strafzölle werden auf jedes Fahrzeug – vom SUV bis zum leichten Transporter – bei der Einfuhr in die USA aufgeschlagen. Sie werden ab dem 9. April 2025 berechnet. Der Strafzoll kommt zum bisherigen Zoll von 2,5 Prozent hinzu, beträgt somit 27,5 Prozent. Bei Autos, die aus Mexiko oder Kanada importiert werden, soll der Zoll nur auf den nicht in den USA gefertigten Teil gelten. Nach einer Schonfrist sollen die Strafzölle spätestens ab 3. Mai 2025 auch auf Autoteile erhoben werden.
Mit den Worten "Das ist der Beginn des Befreiungstages" hatte Trump die Zollaktion vergangene Woche angekündigt. Jetzt legte er nach: "Die EU plündert uns aus, es ist so traurig", sagte er. Trump erneuerte seine Vorwürfe der angeblich "unfairen Handelsbeziehungen".
Die Strafzölle werden am Ende allen schaden: den deutschen Autoherstellern wie auch der US-Wirtschaft.
Die Strafzölle treffen die deutsche Autoindustrie hart, ist die einmütige Meinung von Experten. Anders als von Trump formuliert werden die Aufschläge von 25 Prozent allerdings nicht den Autoherstellern in Rechnung gestellt – sondern von den Verbrauchern in den USA gezahlt. Denn sollten die Hersteller die Zölle 1:1 weitergeben, würden die betroffenen Autos auf einen Schlag um ein Viertel teurer und haben es schwerer im Wettbewerb. Vermutet wird, dass die Autos mit einem Importaufschlag verkauft werden.
"Die US-Verbraucher müssen die Zölle bezahlen. Diese Zölle sind ein Desaster für die durchschnittliche US-Familie", sagte der demokratische Minderheitsführer Chuck Schumer laut "Deutschlandfunk". Die US-Verbraucher zahlen also entweder mehr für ein deutsches Auto – oder sie kaufen das Auto eines anderen Herstellers.
Die bisherigen Zölle im Autohandel der USA mit Europa betrugen 2,5 Prozent auf europäische Fahrzeuge bei Einfuhr in die USA, 10 Prozent für US-Fahrzeuge bei Einfuhr nach Europa. Allerdings liegt der Importzoll für leichte Transporter und Pick-ups in die USA schon jetzt bei 25 Prozent.
Mit der deutschen Autoindustrie ist eine Schlüsselbranche betroffen. "Diese Zölle braucht absolut niemand, und sie kommen für Deutschland zum richtig falschen Zeitpunkt", sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank, im "Deutschlandfunk".
Mit einer großen Belastung rechnet der Verband der Automobilindustrie (VDA), vor allem aber mit steigenden Preisen in den USA. Die Folgen seien noch schwer einzuschätzen. Allerdings werde es sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken. "Das wird auch Arbeitsplätze betreffen", sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Sie sagte auch: "Das ist kein America first, das ist America alone." Der Zoll sei "eine massive Belastung und Herausforderung" für die Automobilindustrie, schätzte Imelda Labbé vom Auto-Importeursverband VDIK die Lage ein. Die Folgen würden auf allen Märkten zu spüren sein, sagte sie.
Die Autohersteller selber halten sich noch mit Einschätzungen zurück, so die Äußerungen von BMW und Volkswagen of America gegenüber der Deutschen Presseagentur. Laut "Wall Street Journal" liefert VW zunächst keine Autos aus Mexiko mehr in den USA aus und hält Importe aus Europa in den Häfen zurück. Autos, die mit Zoll belegt werden, werden laut VW mit einer "Importgebühr" ausgewiesen. Ferrari hat die Preise für Sportwagen, die in den USA ausgeliefert werden, bereits um bis zu zehn Prozent erhöht. Das Stellantis-Werk im kanadischen Ontario unterbricht die Produktion für zwei Wochen. Zum Stellantis-Konzern gehört auch die Marke Opel.
Mit den Zöllen will der US-Präsident erreichen, dass die Autohersteller ihre in den USA verkauften Fahrzeuge auch dort produzieren – oder gleich auf US-Modelle umschwenken. "Neue Jobs werden in den USA entstehen", sagte Trump voraus. Er geht allerdings von der für Wirtschaftsexperten irrigen Annahme aus, dass ein Handel nur dann fair ist, wenn der Warenwert der importierten wie exportierten Waren gleich ist – oder, so wie es herausklingt, wenn die USA am meisten profitieren. Derzeit sei der Handel mit den USA nicht fair, argumentiert Trump. Die USA seien ein Sparschwein: "Alle beklauen uns, das soll nicht weiter passieren", begründete er die Zölle.
Wie beliebt sind US-Autos in Europa?
Auch Experten wie Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach widersprechen: "Das ist das große Problem der US-Hersteller, die Geschmäcker der europäischen Konsumenten einfach nicht zu treffen." Er ergänzt: "Die haben eigentlich nichts anzubieten, was bei uns größere Marktanteile gewinnen könnte", einzige Ausnahme sei Tesla. Aber: "Tesla hat jetzt andere Probleme." (Hier die Gründe für das Auf und Ab bei Tesla!)
Für die deutschen Autohersteller sind die USA der wichtigste Auslandsmarkt. Laut VDA gingen 2024 fast 450.000 Fahrzeuge aus deutscher Produktion in die USA. Fast jeder vierte Porsche wurde in die USA exportiert, bei BMW und Mercedes sind es je rund 16 Prozent. Zwölf Prozent aller Audi gehen in die USA, acht Prozent der hierzulande produzierten VW. Von allen exportierten Fahrzeugen gehen 13,1 Prozent in die USA.

Von Bremerhaven aus gehen viele in Deutschland gebaute Fahrzeuge in alle Welt, wie diese G-Klassen. Auch viele Kfz kommen hier in Europa an.
Bild: Carmen Jaspersen
Der Autohandel zwischen den USA und Europa ist ein komplexes Geflecht. Denn manche Modelle werden mit Teilen aus Kanada und Mexiko in den USA produziert, in den USA selbst verkauft oder in 120 Länder der Welt exportiert, auch nach Deutschland. Deutsche Firmen stellen im Jahr nach Angaben des VDA in den USA rund 900.000 Fahrzeuge her. So gibt BMW das US-Werk in Spartanburg (South Carolina) gleich als "Heimat der X-Familie" an, es ist das größte Einzelwerk des Konzerns. Ähnlich sieht die Lage für VW und Mercedes aus. Nur Audi und Porsche haben kein Werk in den Vereinigten Staaten, sie dürften die Strafzölle besonders hart treffen.
Das geht nicht von heute auf morgen, sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management im "Deutschlandfunk". Man habe die Lager in den USA aufgefüllt, aber das reiche nur sehr kurzfristig. Langfristig werde man überlegen, Teile der Produktion in die USA zu verlagern. "
Ich gehe davon aus, dass man mehr Wertschöpfung in die USA verlagert", so Bratzel. Und er folgert: "China wird wichtiger." Das werde in den kommenden Jahren noch zunehmen – die Strafzölle zerstörten international gewachsene Lieferketten.
Ich gehe davon aus, dass man mehr Wertschöpfung in die USA verlagert", so Bratzel. Und er folgert: "China wird wichtiger." Das werde in den kommenden Jahren noch zunehmen – die Strafzölle zerstörten international gewachsene Lieferketten.
Laut dem Autoexperten Bratzel bedeuten die Zölle weitere Kosteneinsparungen für die Autoindustrie. Er rechnet mit zurückgehenden Produktionszahlen: "Es gilt, neue Märkte zu erschließen, wie Indien." Seine Prognose: "Die Kostenmaßnahmen wie bei VW werden sicher verstärkt werden." Er rät, auf autonomes Fahren und weiteren Fortschritt zu setzen.
Sollten die Autohersteller auf ihren höheren Kosten sitzen bleiben, sei es durch Rabatte in den USA oder durch geringere Stückzahlen, droht eine Preisspirale. Die Hersteller könnten versucht sein, die Kosten auf anderen Märkten hereinzuholen. Dann würden die Autos auch anderswo teurer werden. Oder die Hersteller senken die Kosten durch weiteren Personalabbau.
Schon kurz nach dem Verkünden der harten Zölle deutete Trump Gesprächsbereitschaft an. Am späten Donnerstagabend (3. April) sagte Trump, er sei offen für Zollverhandlungen, falls andere Länder etwas "Phänomenales" anbieten würden. Bislang schon hatte sich der US-Präsident nach einem ersten harten Aufschlag in Gesprächen Kompromisse abringen lassen.
Was Europa jetzt tun kann
Mit leeren Händen steht Europa keineswegs da, die Europäische Union könnte mit Gegenzöllen die großen US-Technologiekonzerne ins Visier nehmen, argumentiert der geschäftsführende Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Trumps Grundannahme, die USA würden über den Tisch gezogen, sei falsch. Sie seien einer der größten Gewinner der Globalisierung.
Der EU-Handelskommissar Maros Sefcovic will den Zollkonflikt mit Vertretern der US-Regierung besprechen. Die EU plane Zeit für Gespräche ein, kündigte er an. "Wir werden jedoch nicht tatenlos zusehen, sollten wir keine faire Vereinbarung erreichen können", sagte Sefcovic. In Handelskriegen gebe es nur Verlierer, sagte Habeck. Trump müsse Gegendruck spüren, dann werde er sich korrigieren. Die EU sollte konsequent auf die ankündigten US-Zölle reagieren, aber eine Zollspirale abwenden.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte an, europäische Unternehmen zu schützen. "Der US-Präsident schädigt die transatlantischen Handelswege", sagte Daniel Caspary (CDU), Mitglied des Europäischen Parlaments.
Kommen jetzt wechselseitige Zölle?
Offen ist, ob Trump seine offene Drohung "wechselseitiger Zölle" umsetzt. Danach betrachtet er auch die im Ausland erhobene Mehrwertsteuer beim Autokauf als einen Zoll. Nach dieser Lesart würden die in Deutschland erhobenen 19 Prozent Verkaufssteuer nochmals auf die Strafzölle aufgeschlagen, womit der Zollsatz auf insgesamt 46,5 Prozent steigen würde.
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